Verbot von privatem Feuerwerk in Kassel!

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In den letzten Jahren lernte ich bei meiner Arbeit, als Ernährungsberaterin im Bereich Mensch und Tier und in meinem privaten Umfeld immer wieder Angsthunde kennen. Zudem machte ich jährlich mit meinem eigenen Hund zum Jahreswechsel eine angstvolle Zeit durch. Bereits letztes Jahr (2018) habe ich aus diesem Grund eine Petition mit der Forderung, zukünftig Feuerwerke ausschließlich an städtisch festen Plätzen stattfinden zu lassen und privates Feuerwerk zu verbieten gestartet.

Aber natürlich geht es mir nicht nur um den Tierschutz. Klimaschutz, die Gesundheit vor allem auch der Kinder, das Weltkulturerbe Bergpark Wilhelmshöhe: All dies passt nicht mehr zu dem, was jährlich auf den städtischen Straßen stattfindet. Die Zahlen nach Silvester 19/20 ließen mich dann erschrecken: In der Silvesternacht lagen laut der HNA (Hessische Niedersächsische Allgemeine) 745,1 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter in Kassels Luft. In Hessen war dies der zweithöchste gemessene Wert. Umweltverschmutzung, Kosten für Rettungskräfte, Krankenhauspersonal und Straßenreinigung. Auch die Personenschäden sind erheblich. Nicht zugelassene illegale Böller nehmen zu und das Zündeln zu jeder Jahreszeit wird zur Regel. Seit vielen Jahren setzt sich die Deutsche Umwelthilfe bereits für ein Ende der archaischen Böllerei zu Silvester ein und erfährt dabei eine breite Unterstützung von fast 60 Prozent der Bevölkerung laut einer Umfrage von YouGov im Oktober 2019.

Deutschlandweit wird über Umweltzonen und Dieselfahrverbote diskutiert. Gleichzeitig wird laut Umweltbundesamt in einer einzigen Silvesternacht so viel Feinstaub in die Luft geblasen, wie sie 15 Prozent des jährlichen Auto- und Lkw-Verkehrs erzeugen. In manchen Städten herrscht in der Silvesternacht chaotisches Treiben, das Menschen aber auch Tiere in Angst und Schrecken versetzt. Es sollten von den Städten Alternativen angeboten werden (Lichtilluminationen u. ä.).

Im letzten Jahr hat unter der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden und ich hoffe, dass mit einer neuen Petition der Wunsch der teilnehmenden Bürger Gehör findet.

Mit freundlichen Grüßen

Caroline Flöther und die Deutsche Umwelthilfe e.V.

PS:

Zu den Gründen:

1. Die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht wird aufgrund der Feuerwerke um das bis zu 30-fache des Erlaubten überschritten. Im Klartext: in der Silvesternacht wird etwa 16 Prozent der gesamten im Straßenverkehr entstehenden Feinstaubmenge innerhalb eines Jahres ausgestoßen. Dies ist auch für die Bürger durch immer dichter werdenden Nebel zu erkennen, der das Bestaunen der durch die Raketen hervorgerufenen Lichtspiele mancherorts gar nicht mehr zulässt. Dies hat auch schon 2016 Diplomchemiker Rudolf Schierl in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bewiesen.
2. Jedes Jahr entlaufen und sterben Haustiere durch massenhaftes Abfeuern von sogenannten "Böllern". Da sich an die geltenden Gesetze nicht gehalten wird (Abfeuern nur am 31.12. und 01.01. erlaubt), ist es für viele Tierhalter tagelang ein Spießrutenlauf. Ganz zu schweigen von den Wildtieren, die durch die Knallerei in Panik geraten und auch teilweise schwere Unfälle verursachen. Auch die ohnehin schon stark schwindenden Vogelbestände werden durch Feuerwerke gefährdet. Siehe dazu z.B. die Vorfälle in Arkansas (USA), als im Jahr 2011 in der Silvesternacht mehr als 3000 Vögel tot vom Himmel fielen.
3. Die hohen Mengen an Müll, die jedes Jahr nach den Silvesterfeuerwerken auf unseren Straßen liegen bleiben und von den Kommunen weggeräumt werden müssen. Wäre dies noch vertretbar, gilt dies nicht für den Müll, der auf Privatgrundstücken oder Wasserflächen landet und diese vergiftet.
4. Die Unfallgefahr, die jedes Jahr durch schwere Verletzungen und leider auch tragische Todesfälle aufgrund unsachgemäßen Gebrauchs von Feuerwerken aufs Neue bestätigt wird. Wenn man sich den hohen Alkoholkonsum bei den Feiern vor Auge hält, ist es eigentlich schon fast ein Wunder, dass nicht noch mehr passiert. Vor allem Jugendliche und Kinder werden Opfer der Feuerwerkskörper. Hier einige Beispiele vom Jahreswechsel 2016/ 2017:
- eine Siebenjährige wurde bei Hannover verletzt, als ein 14-jähriges Mädchen ihr einen Feuerwerkskörper in den Ausschnitt steckte, wo dieser dann auch explodierte
- eine Vierjährige wurde in Bremen von einer Gruppe Jugendlicher mit Böllern beworfen
- einem Neunjährigen wurden in Köln zwei Finger abgerissen, als er auf einem Spielplatz vermeintliche Blindgänger aufhob
- alleine in Berlin gab es in der Silvesternacht 14 Schwerverletzte durch Feuerwerkskörper.
5. Belastungen der Steuerzahler durch Schäden in zweistelliger Millionenhöhe jedes Jahr. Hervorgerufen durch Brände, Sachbeschädigungen, Verletzungen und Vorsätzlichkeiten wie das Zünden von Feuerwerkskörpern in Containern und Briefkästen.
6. Ohne Rücksicht auf die Umwelt, Tiere und andere Menschen (z.B. Demenzkranke) wird vor und nach der erlaubten Zeit Feuerwerk abgebrannt und auch die Sicherheitszonen um Krankenhäuser, Altenheime, landwirtschaftliche Nutzflächen wird trotz angedrohter Geldbußen bis zu 50.000€ ignoriert.
7. Auch letztes Jahr wurden diese „Kleinsprengstoffe“ gezielt zur Körperverletzung an Menschen (unter anderem Polizisten und Rettungskräften) und Tieren verwendet. Allein dies sollte Grund genug für das Verbot sein! Dass einige der Täter alkoholisiert waren, spielt keinerlei Rolle, denn dies ist im Vorfeld bereits klar.