Nimm das Putin: die Uni Erfurt schränkt Bibliotheks-Öffnungszeiten ein

Das Problem

Im September 2022 wurde uns Studierenden der Universität Erfurt mitgeteilt, dass die Universitätsbibliothek zukünftig samstags und sonntags geschlossen bleiben wird. "[...] die Universitätsbibliothek möchte einen spürbaren Beitrag zur Energieeinsparung auf dem Campus leisten [...]". Die Weihnachtsferien werden zusätzlich verlängert, indem in der Woche vor und nach den Ferien, statt Präsenz erneut Distanzlehre eingeführt werde. Die Öffnungszeiten der Bibliothek werden in diesem Zeitraum damit zusätzlich verkürzt.

Offizielle Begründung: man wolle seinen Beitrag zur Linderung der allgemeinen Energiekrise leisten. Nach den coronabedingten Schließungen der vergangenen Jahre, muss das für einige Studierende, die bisher kaum ihre Universität von innen gesehen haben, wie blanker Hohn wirken.

Dient jetzt also die nächste Krise als Rechtfertigung für erneute Einschränkungen?

Wir sind zwei Studierende im fünften Semester, die im Wintersemester 2020 unter erschwerten Pandemiebedingungen an der Uni anfingen zu studieren. Wir haben mehrere Semester digitale Lehre erlebt, haben Distanzlehre so weit wie möglich unterstützt. Wir haben die monatelange Isolation sowie das Wegfallen der Sozialisation auf dem Campus bedingungslos akzeptiert. An unserer Seite waren die Lehrenden, die die Distanzlehre erst ermöglichten. Wir Studierende sind in der entscheidenden Phase unseres Lebens, wir stellen die Weichen für unseren Berufseinstieg, für unser zukünftiges Leben.                                                

Viele der Studierende sind auf einen Nebenjob angewiesen und unregelmäßige Arbeitszeiten setzen voraus, dass wir auch in Randzeiten der Öffnungszeiten in die Universitätsbibliothek gehen müssen; auch Familien, Alleinerziehende oder Teilzeit-Studierende sind von dieser Problematik betroffen.

Wir sind müde, um das vermeintliche Privileg kämpfen zu müssen, reguläre Öffnungszeiten an der Universitätsbibliothek Erfurt zu haben. Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzung für den Eintritt in die Wissenschaft, den Zugang zu Wissen. Scientia potesta est - Wissen ist Macht!

Warum verbaut man unsere Zukunft mit drastischen Sparmaßnahmen? Bewirkt diese erneute Schließung tatsächlich etwas in der Energiekrise oder liefert diese eine willkommene Begründung, um Heizkosten zu sparen?

Dass jetzt erneut die Studierende massiv darunter leiden müssen, können wir nicht ohne Weiteres hinnehmen:

Die extrem prekäre Finanzsituation der Universität Erfurt ist ein offenes Geheimnis, die Gründe dafür wahrscheinlich vielfältig.

Die Uni geriet in eine finanzielle Schieflage durch die Übernahme einer Bauherrschaft, die die Stadt Erfurt nicht übernehmen wollte. Es bestand keine Notwendigkeit eine exorbitant hohe Summe, 11 Millionen Euro, in einen Neubau zu investieren, der später die Universität 20 Millionen Euro kosten sollte. Dadurch fehlen der Universität jegliche und wichtige Rücklagen, die die aktuelle Energiekrise und die steigenden Kosten abfedern könnten.

Außerdem ist die Begründung der Universität Erfurt, einen spürbaren Energiebeitrag leisten zu wollen, eng mit den Forderungen des Bundes und des Landes verbunden. Diese geben Anweisung, dass die Universität 15-20 % des Energiehaushaltes einsparen soll. Wenn wir bedenken, dass die Bibliothek 40 % des Energiebudgets verbraucht, verstehen wir, dass dort am meisten einzusparen ist – nachvollziehen können wir das trotzdem nicht!

Wir fordern die Bundesregierung auf, die Energieeinsparungen von 15 Prozent auf 10 Prozent zu verringern. „Es braucht eine nationale Kraftanstrengung“, sagte Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. Die nationale Kraftanstrengung spart Gas, jedoch verwehrt sie uns den Zutritt in unsere Bibliothek. Wir unterstützen die Energiemaßnahmen weitestgehend, wir frieren jetzt, damit wir im Winter heizen können. Wir leisten unseren Beitrag, streben an, ein Teil der Bildungselite zu werden. Doch es ändert nichts an einer Tatsache:

Wir Studierende sind die Leidtragenden der Energiesparmaßnahmen.

Ist den Entscheidenden denn klar, dass wir ebenfalls unter den explodierenden Strom – und Gaspreisen leiden und diese Auswirkungen zu spüren bekommen werden? Auch wir werden Probleme haben, diese Kosten zu tragen und die Uni externalisiert ihre Einsparungen auf ihre zahlungsschwächsten Mitglieder - die Studierenden.

Für uns, als Studierende der Universität Erfurt gibt es keine Möglichkeit, die Sparmaßnahmen abzufedern. Wir sind auf die Universitätsbibliothek als Arbeitsplatz angewiesen. In Erfurt muss es für Studierende die Möglichkeit geben, die Bibliothek am Wochenende nutzen zu können. In Zeiten der Klimakrise, fahren wir am Wochenende durch Thüringen in die nächstgelegene Bibliothek, um arbeiten zu können. Wir sind auf unseren Ort des Lernens, Ort des Arbeitens angewiesen. Dies ist kein Privileg, sondern eine Voraussetzung.

Diese erneute Krise darf kein Grund dafür sein, dass an unserer Bildung und unserer Zukunft gespart wird.

Wir brauchen den Rückhalt und Zugeständnisse der Universität als Teil eines demokratischen Raumes, der die Nöte der Studierende nicht in die demokratische Prozessfindung miteinbezog.

Warum werden wir vergessen?

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Lea B.Petitionsstarter*inWir, Inya B. und Lea B., sind zwei Studentinnen an der Universität Erfurt. Die aktuelle hochschulpolitische Lage an unserer Uni war der Impuls, unsere Petition zu starten und die Perspektive der Studierenden an der Universität Erfurt zu spiegeln.
Diese Petition hat 987 Unterschriften erreicht

Das Problem

Im September 2022 wurde uns Studierenden der Universität Erfurt mitgeteilt, dass die Universitätsbibliothek zukünftig samstags und sonntags geschlossen bleiben wird. "[...] die Universitätsbibliothek möchte einen spürbaren Beitrag zur Energieeinsparung auf dem Campus leisten [...]". Die Weihnachtsferien werden zusätzlich verlängert, indem in der Woche vor und nach den Ferien, statt Präsenz erneut Distanzlehre eingeführt werde. Die Öffnungszeiten der Bibliothek werden in diesem Zeitraum damit zusätzlich verkürzt.

Offizielle Begründung: man wolle seinen Beitrag zur Linderung der allgemeinen Energiekrise leisten. Nach den coronabedingten Schließungen der vergangenen Jahre, muss das für einige Studierende, die bisher kaum ihre Universität von innen gesehen haben, wie blanker Hohn wirken.

Dient jetzt also die nächste Krise als Rechtfertigung für erneute Einschränkungen?

Wir sind zwei Studierende im fünften Semester, die im Wintersemester 2020 unter erschwerten Pandemiebedingungen an der Uni anfingen zu studieren. Wir haben mehrere Semester digitale Lehre erlebt, haben Distanzlehre so weit wie möglich unterstützt. Wir haben die monatelange Isolation sowie das Wegfallen der Sozialisation auf dem Campus bedingungslos akzeptiert. An unserer Seite waren die Lehrenden, die die Distanzlehre erst ermöglichten. Wir Studierende sind in der entscheidenden Phase unseres Lebens, wir stellen die Weichen für unseren Berufseinstieg, für unser zukünftiges Leben.                                                

Viele der Studierende sind auf einen Nebenjob angewiesen und unregelmäßige Arbeitszeiten setzen voraus, dass wir auch in Randzeiten der Öffnungszeiten in die Universitätsbibliothek gehen müssen; auch Familien, Alleinerziehende oder Teilzeit-Studierende sind von dieser Problematik betroffen.

Wir sind müde, um das vermeintliche Privileg kämpfen zu müssen, reguläre Öffnungszeiten an der Universitätsbibliothek Erfurt zu haben. Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzung für den Eintritt in die Wissenschaft, den Zugang zu Wissen. Scientia potesta est - Wissen ist Macht!

Warum verbaut man unsere Zukunft mit drastischen Sparmaßnahmen? Bewirkt diese erneute Schließung tatsächlich etwas in der Energiekrise oder liefert diese eine willkommene Begründung, um Heizkosten zu sparen?

Dass jetzt erneut die Studierende massiv darunter leiden müssen, können wir nicht ohne Weiteres hinnehmen:

Die extrem prekäre Finanzsituation der Universität Erfurt ist ein offenes Geheimnis, die Gründe dafür wahrscheinlich vielfältig.

Die Uni geriet in eine finanzielle Schieflage durch die Übernahme einer Bauherrschaft, die die Stadt Erfurt nicht übernehmen wollte. Es bestand keine Notwendigkeit eine exorbitant hohe Summe, 11 Millionen Euro, in einen Neubau zu investieren, der später die Universität 20 Millionen Euro kosten sollte. Dadurch fehlen der Universität jegliche und wichtige Rücklagen, die die aktuelle Energiekrise und die steigenden Kosten abfedern könnten.

Außerdem ist die Begründung der Universität Erfurt, einen spürbaren Energiebeitrag leisten zu wollen, eng mit den Forderungen des Bundes und des Landes verbunden. Diese geben Anweisung, dass die Universität 15-20 % des Energiehaushaltes einsparen soll. Wenn wir bedenken, dass die Bibliothek 40 % des Energiebudgets verbraucht, verstehen wir, dass dort am meisten einzusparen ist – nachvollziehen können wir das trotzdem nicht!

Wir fordern die Bundesregierung auf, die Energieeinsparungen von 15 Prozent auf 10 Prozent zu verringern. „Es braucht eine nationale Kraftanstrengung“, sagte Robert Habeck, Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz. Die nationale Kraftanstrengung spart Gas, jedoch verwehrt sie uns den Zutritt in unsere Bibliothek. Wir unterstützen die Energiemaßnahmen weitestgehend, wir frieren jetzt, damit wir im Winter heizen können. Wir leisten unseren Beitrag, streben an, ein Teil der Bildungselite zu werden. Doch es ändert nichts an einer Tatsache:

Wir Studierende sind die Leidtragenden der Energiesparmaßnahmen.

Ist den Entscheidenden denn klar, dass wir ebenfalls unter den explodierenden Strom – und Gaspreisen leiden und diese Auswirkungen zu spüren bekommen werden? Auch wir werden Probleme haben, diese Kosten zu tragen und die Uni externalisiert ihre Einsparungen auf ihre zahlungsschwächsten Mitglieder - die Studierenden.

Für uns, als Studierende der Universität Erfurt gibt es keine Möglichkeit, die Sparmaßnahmen abzufedern. Wir sind auf die Universitätsbibliothek als Arbeitsplatz angewiesen. In Erfurt muss es für Studierende die Möglichkeit geben, die Bibliothek am Wochenende nutzen zu können. In Zeiten der Klimakrise, fahren wir am Wochenende durch Thüringen in die nächstgelegene Bibliothek, um arbeiten zu können. Wir sind auf unseren Ort des Lernens, Ort des Arbeitens angewiesen. Dies ist kein Privileg, sondern eine Voraussetzung.

Diese erneute Krise darf kein Grund dafür sein, dass an unserer Bildung und unserer Zukunft gespart wird.

Wir brauchen den Rückhalt und Zugeständnisse der Universität als Teil eines demokratischen Raumes, der die Nöte der Studierende nicht in die demokratische Prozessfindung miteinbezog.

Warum werden wir vergessen?

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Lea B.Petitionsstarter*inWir, Inya B. und Lea B., sind zwei Studentinnen an der Universität Erfurt. Die aktuelle hochschulpolitische Lage an unserer Uni war der Impuls, unsere Petition zu starten und die Perspektive der Studierenden an der Universität Erfurt zu spiegeln.

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