Petition updateNeustrukturierung des IPZV Bundesverbands

Stellungnahme des Vorstands IPZV e.V.

IPZV NeuordnungGermany
Jul 19, 2023

Erklärung des Vorstandes in der Sache Schmelter ./. IPZV e.V.
Es ist höchste Zeit und zudem in unser aller Interesse, liebe Mitglieder, die ganz eindeutig nicht zielführenden Diskussionen, die unsachlichen und vielschichtigen Kommentare und Provokationen der letzten Zeit zu überwinden und das Thema „Huf-Affäre“ mit der Schaffung von zusätzlichem Kontext für mehr Verständnis Ihrerseits zur Ruhe zu bringen. Die Tatsachen sind sogar recht einfach zu verstehen, und wir brauchen dafür weder juristisches Fachvokabular noch ausgedehnte Instagram-Monologe.

Wir als IPZV haben verstanden, dass Sie zu Recht Klarheit einfordern, also wollen wir den Stand der Auseinandersetzung auf den Punkt bringen. Das haben wir bisher nicht gut gemacht! Gestatten Sie uns daher bitte eine hoffentlich auch in Ihren Augen sachdienliche Grundsatz-Information.

Ganz vorweg: dies ist weder eine „Schmelter-Affäre“ noch eine „Árnason-Affäre“ noch eine „IPZV-Affäre“, auch wenn das vehemente Vorgehen der beiden erstgenannten Parteien gegen unseren Verband auf juristischem oder medialem Wege so etwas nahelegen könnte. Es ging ursächlich und geht für uns immer noch um die Frage nach dem Wohlergehen der Stute Sprengja frá Ketilsstöðum. Diese ist ohne Zweifel ein enorm begabtes Islandpferd, wie wir spätestens seit ihren sportlichen Erfolgen 2019 wissen und die wir bestimmt alle gern wiedersähen. Irgendwem auf Verbandsseite Befangenheit zu unterstellen, ob Sprengja am Turniersport teilnehmen darf oder nicht, entspricht daher absolut nicht den Tatsachen. Gerade im Hinblick auf nationale und internationale Wettkämpfe wollen wir alle uns doch - ob Verband oder Fans - im allerbesten Sinne gern mit unseren Assen „schmücken“, auf sie stolz sein und uns mit ihnen über tolle Leistungen freuen.

Dass wir aber gleichzeitig als oberste Priorität auf die Gesundheit unserer Pferde achten müssen, steht für uns außer Frage. Ebenso lehnen wir es ab, dass eine Flut von Gutachten erzeugt wird, in denen bei genauem Sprachverständnis maximal ein „Ja, aber …“ zu lesen ist, womit man sich aber dennoch ohne Unterlass darum bemüht, einen Start zu erzwingen. Genauso deutlich wie wir als IPZV zum Thema Tierschutz und damit auch hinter unserem Verbandstierarzt Dr. Veith stehen, haben wir es versäumt, diese für uns unverrückbaren Werte klar zu kommunizieren. Wir als Verband hätten von vornherein deutlicher aussprechen müssen, was uns wichtig ist und worum wir uns intern bemüht haben, während die Gegenpartei(en) ihrerseits aus unserer Sicht deutlich selektiv, lückenhaft und emotional vorgeprescht sind. Das ist in der Summe schwerst bedauerlich, und die weiter gehenden Vorgänge und z.T. aggressiven Diskussionen per Facebook und Instagram haben handelnde Personen auf allen Seiten beschädigt, sie haben schon jetzt viel Vertrauen gekostet und gewiss sogar manchen Ehrenamtler sein Engagement überdenken lassen.

Es kann und darf an dieser Stelle keine Ausrede sein, wir hätten uns von den Androhungen juristischer Folgen ins Bockshorn jagen lassen. Gleichwohl haben wir als Verband selbstverständlich die Pflicht, einer Anhörung aller beteiligten Parteien deutlich mehr Raum zu schenken und uns ebenso deutlich stärker um eine umfassende Deeskalation zu bemühen, als das bei all denen der Fall ist, die - wie im Falle von Familie Schmelter und später im Falle von Styrmir Árnason - als andererseits involvierte Parteien oder als Privatpersonen direkt über Social Media ihre Sicht der Dinge verbreiten. Dies tun sie - aus ihrer eigenen Perspektive als legitimer Weg -, damit genau diese von ihnen vertretenen Positionen Sichtbarkeit gewinnen und damit sie persönlich durch Emotionalisierung Zuspruch erhalten. Eine sachliche und vor allem vollständige Darlegung des gesamten Sachverhalts betreiben sie damit keineswegs, aber der Effekt von Provokation und der Wunsch nach Solidarisierung mit zahlreichen „Likes“ wegen vorgeblich ungerechter Behandlung waren damit bereits erzielt.

Ganz eindeutig gibt es zwischen den Besitzern und uns als Verband, der die tierschutzrechtliche Verantwortung trägt, unterschiedliche Auffassungen zum Gesundheitszustand der besagten Stute. Die Familie Schmelter selbst hat dem IPZV und seinem Verbandstierarzt im Mai erste Informationen zu einem signifikanten Hufdefekt ihres Pferdes zur Kenntnis gegeben, war mit der (negativen) Antwort hinsichtlich der Turnierfähigkeit nicht einverstanden, hat aber selbst, ohne dass es eine offizielle Sperre gegeben hätte (zumal wir in jenem Moment auf einvernehmliches Verständnis zum Status quo der Gesundheit von Sprengja gesetzt haben), auf einen Start zu Pfingsten in Ellringen verzichtet.

Auf dem Turnier in Lingen haben dann sowohl der örtliche Turniertierarzt wie auch der Verbandstierarzt - beide in der Sache komplett neutral, sie haben keinerlei eigene reiterliche oder wirtschaftliche Interessen, die auch nur den Hauch eines Verdachts auf Parteilichkeit aufkommen lassen - eine Lahmheit diagnostiziert und Sprengja nicht starten lassen. Die nach Lingen zunächst ausgesprochene Sperre war ein administrativer Fehler von uns, und wir haben sie umgehend wieder aufgehoben. Immerhin sollte die Stute eine faire Chance haben, vorbehaltlich einer weiteren Kontrolle durch den Verbandstierarzt wieder am Sport teilnehmen zu dürfen.

In der Folge wollte der IPZV-Veterinär, der in Kenntnis des aktuellen Zustandes nach einem gravierenden Defekt aus dem Frühjahr auch die Verantwortung für eine weitere Freigabe trägt, das Pferd auf der NRW-Meisterschaft vor einem möglichen Start erneut untersuchen. Der Zutritt wurde ihm aber durch Styrmir Árnason - in Personalunion Hofbesitzer, Turnierleiter und IPZV-Ressortleiter Sport - verwehrt und der Check sowohl in Sachen Fitness wie auch für eine mögliche Medikationsprobe wurde von den Pferdebesitzern, die nicht zuletzt Kunden des Gastgebers sind, ausdrücklich und unmissverständlich abgelehnt. Turnierleitung und Chefrichter haben wenig später einer ausdrücklichen Weisung des Verbandstierarztes zuwidergehandelt und die Stute Sprengja mit ihrer Reiterin Teresa Schmelter in der Prüfung T1 starten lassen.

Auf der Basis dieser Umstände wurde nun vom Schiedsgericht des IPZV - wie es übrigens in so gut wie jedem anderen Sport genau so geschehen wäre, nachdem sich ein Turnierteilnehmer einer Kontrolle verweigert hat - eine sechswöchige Sperre ausgesprochen.

Das sind ganz schnörkellos die sachlichen Fakten. Alles Weitere inklusive recht liberaler Schilderungen von zeitlichen Abfolgen und Drittmeinungen bis hin zum gemeinschaftlichen Besuch des mittlerweile ehemaligen Sportleiters und seiner Kunden auf der Deutschen Meisterschaft, die sich vor Ort durch einen weiteren Protest sogar während eines laufenden Wettbewerbes in diesen hineinklagen bzw. dessen Gültigkeit anfechten wollten, empfinden wir als stark unseriös. Außerdem sind solche Auftritte allen denen gegenüber nicht aufrichtig, die mit unvollständigen und tendenziösen Schilderungen von „Missbrauch“, „Komplott" und „Zensur“ überzeugt werden sollen.

Zu guter Letzt ist eine solche Störung im Werben um weitere Schulterklopfer ebenfalls maximal unfair denen gegenüber, die sich auf einer solchen DIM - egal ob im Ehrenamt oder als Teilnehmer - mit höchstem Einsatz darum verdient machen, dass wir spannende, vorbildliche und sportlich einwandfreie Wettkämpfe erleben, an deren Ende wir doch alle den neuen Titelträgern und in diesem Jahr sogar unserer WM-Mannschaft gratulieren wollen.

Und was Sprengja betrifft, die bei alledem so gut wie gar keine Rolle zu spielen und hinter allem eher destruktiven Wirken rund um persönliche Auseinandersetzungen in den Hintergrund zu treten scheint: Wenn die Stute wieder zweifelsfrei gesund ist, worum es in der Hauptsache gehen sollte, ist sie selbstverständlich wieder im Turniersport willkommen. Ganz ausdrücklich hoffen wir, dass sie bei entsprechender Fitness und Leistungsfähigkeit zu ihrem hohen Niveau wird zurückfinden können, das ihr und dem deutschen Team auf der Weltmeisterschaft in Berlin 2019 Edelmetall im Töltpreis der jungen Reiter beschert hat.

Bitte glauben Sie uns, liebe Mitglieder, dass wir uns nicht allein, weil diese Angelegenheit so unerfreulich und lästig geworden ist, einen Themenwechsel in unserem Alltag wünschen. Selbstverständlich sind wir an einem Dialog interessiert, wir sind offen für Anregungen und Kritik und stehen Ihnen sowohl unter info@ipzv.deoder über die Kontaktdaten, die Sie auf unserer Website finden, jederzeit zum persönlichen Gespräch bereit.

Diese größtenteils online geführte Diskussion hat allerdings schon jetzt viel zu viel Schärfe angenommen, und wir hoffen ganz aufrichtig, nachdem die Deutsche Meisterschaft nun vorüber ist, dass wir alle gemeinsam einen Weg finden, um dieses Thema abzuschließen. Immerhin ist es weder unser Verbandszweck noch ist es gegenüber unseren Ehrenamtlern bei all ihrem Einsatz für die gemeinsame Sache in Ordnung, dass wir uns gegen eine Flut juristischer Klimmzüge zu erwehren haben, die überhaupt nicht notwendig wären, wenn man mehr Verständnis für berechtigte Bedenken zum Wohle eines im körperlich anspruchsvollen und ein Höchstmaß an Gesundheit und Fitness erfordernden Leistungssport eingesetzten Islandpferdes hätte und dieses einfach wieder gesund werden ließe.

Das Tierwohl ist der eigentliche Ursprung der gesamten Diskussion … und es bleibt unser oberster Anspruch!

 

Der Geschäftsführende Vorstand des IPZV e.V.

Peter Nagel, Präsident

Alexander Jung, Vizepräsident

Claudia Temmeyer, Schatzmeisterin  

Laatzen, 18.07.2023                                          

 

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