OFFENER BRIEF AN JULIA KLÖCKNER: Schluss mit den lobbyfreundlichen Märchen!

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25. Februar 2019
 
 
 
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Klöckner,
 
da viele Ihrer Äußerungen und politischen Entscheidungen in breiten Teilen der Bevölkerung immer wieder für Unmut und Unverständnis sorgen, haben wir uns dazu entschlossen, diesen offenen Brief an Sie aufzusetzen.
 
An dieser Stelle möchten wir auch deutlich klarstellen, dass wir uns von der derzeitigen Aktion „Klöckner muss weg!“ distanzieren.
 
Als Menschen, denen das Wohl und der Schutz der Tiere, und das unserer Umwelt, am Herzen liegt, ist es uns ein dringendes Anliegen, auf die mangelnde Umsetzung dieser Themen im Rahmen der derzeitigen Politik hinzuweisen, auf die Sie maßgeblich Einfluss nehmen.
 
Wir stellen uns gegen eine von der Agrarlobby geprägte Politik, die keine wirklichen Fortschritte in den Bereichen Ökologie, Tierschutz und Umweltschutz hervorbringt, und letztendlich zerstörerisch wirkt. Weder ist die weitere starke Subventionierung der konventionellen Landwirtschaft, bei der die Ökologische zwangsläufig ins Hintertreffen gerät, für die Menschen förderlich, noch ist die Massenhaltung der sogenannten „Nutztiere“ zu befürworten, die durch Ihre Politik weiter  fortbestehen wird.
 
Das von Ihnen eingeführte sogenannte „Tierwohllabel“ ist reine Augenwischerei, ist geradezu als Verbrauchertäuschung zu bezeichnen. Stellt es doch i.d.R. kaum eine Änderung im Vergleich zu den bisherigen gesetzlichen Mindestanforderungen dar.
Es handelt sich in der Praxis nur um wenige Zentimeter Aufenthalts- bzw. Lebensraum mehr, die jedem Tier dadurch zur Verfügung stehen.
Dies bedeutet, dass die bedauernswerten Tiere ihr Leben lang kaum Bewegungsfreiheit haben. Ein gemästetes Schwein im Alter von 6-7 Monaten mit einem Gesamtgewicht von zirka 125 kg, kann sich auf einer Fläche von 1,5 m² (wovon 0,5 m² als „Auslauf“ vorgesehen ist), nicht einmal umdrehen. Diese Mindestfläche bekommt aber mit der 3 die „beste“ Stufe in Ihrem „Tierwohllabel“.
 
Zudem werden den Schweinen meist die Ringelschwänze aus Platzgründen abgeschnitten, eine Praxis, die seit vielen Jahren nach einer EU Richtlinie untersagt ist.
Mutterschweine sind gezwungen, ihre Ferkel in einem Kastenstand zu säugen, ohne Möglichkeit sich dabei überhaupt zu bewegen. Dabei passiert es nicht selten, dass eine Sau sich auf ihre frisch geborenen Ferkel legt und diese dabei sterben. Laut ihrem „Tierwohllabel“ dürfen die Ferkel auch nur wenige Tage länger bei der Mutter verbleiben, werden aber immer noch viel zu früh von ihr getrennt, eine besonders verwerfliche Tatsache auch (aber nicht nur ) deswegen, weil Schweine ausgesprochen soziale Mitgeschöpfe sind. Dies ist also schwerlich als Verbesserung zu betrachten.
 
Das nun weiterhin praktizierte betäubungslose Kastrieren weniger Tage alter Ferkel ist als reine Tierquälerei zu bezeichnen. Jeder klar denkende und empathiefähige Mensch kann sich vorstellen, welche Schmerzen das für jedes einzelne Tier bedeutet.
Seit dem Erlass des Tierschutzgesetzes, hatte die Landwirtschaft ganze 5 Jahre Zeit sich auf eine alternative Maßnahme vorzubereiten.
Es wurden bereits im Jahr 2018 mehrere Methoden vorgestellt (z.B. Hormonspritze). Eine Verlängerung der Erlaubnis für die betäubungslose Ferkelkastration, um 2 Jahre, wäre nicht notwendig gewesen.
 
Die Liste Ihrer für viele unverständlichen Äußerungen und Entscheidungen ließe sich sicher noch fortführen. Stichwort  Zucker und Fett in Fertigprodukten, Massenabschuss von Wölfen u.v.m.
Augenfällig ist vor allem Ihr konsequentes Verweisen auf Freiwilligkeit seitens der Industrie und Landwirtschaft, eine Taktik, die lediglich Ihren eigenen Interessen zu dienen scheint, und dem Aufschieben von Zielen.
 
Wir fordern Sie auf, ihre lobbyfreundliche Politik, an wahrem Tierwohl und Verbraucherschutz vorbei, zu ändern! Diese ist weder im Sinne der Tiere oder der Umwelt,  noch des Großteils der Bevölkerung (laut Umfragen 70%), sie stellt lediglich die Lobbyisten zufrieden.


Sorgen Sie endlich mit Ihrer Politik für glaubwürdigen Tierschutz!
 
 
gez. Elisabeth Goerres, gez. Sandra Wachter, gez. Leonard Sieg
 


https://www.bmel.de/DE/Tier/Tierwohl/_texte/Einfuehrung-Tierwohllabel.html