Confirmed victory

„Geburt ist keine Krankheit“, empfahl die Weltgesundheitsorganisation 1985. Fast dreißig Jahre später in Deutschland: Geburten werden zunehmend nicht nur als Krankheiten, sondern als Notfälle behandelt. Kein Wunder. Hebammen verdienen durchschnittlich 8,50 Euro die Stunde - bei immer weiter steigenden Beiträgen zur Berufshaftpflichtversicherung. Abzüglich Kosten und Steuern bewegen sie sich damit fast schon im Bereich des Ehrenamtes. In der Folge geben viele Hebamme die Geburtshilfe auf. Wenn sich an der Vergütung für Hebammen in nächster Zukunft nichts ändert, werden Frauen in der Schwangerschaft, während der Geburt, im Wochenbett und in der Stillzeit nicht mehr von Hebammen begleitet.

Vor der Wahl haben Angela Merkel und Peer Steinbrück öffentlich ausgedrückt, für verbesserte Arbeitsbedingungen der Hebammen einzustehen.

Ich bin Schriftstellerin und Mutter von zwei Kindern. Meine jüngste Tochter ist anderthalb. Noch immer zehre ich von der Begleitung meiner Hebamme während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit. Es war so wichtig, daß sie da war. Im Nachhinein beschleicht mich aber ein ungutes Gefühl, wenn ich bedenke, wie wenig sie dafür verdient hat. Für die nächsten Jahre wünsche ich mir ein drittes Kind. Ich werde die Betreuung meiner Hebamme dringend brauchen. Ich möchte, 1. daß sie ihre Arbeit unter berufspolitischen Aspekten noch anbieten kann und 2. ihre Arbeit in der Gewißheit annehmen können, daß auch sie gut versorgt ist. Mit dieser Petition wollen wir für das Recht der Frau auf Wahlfreiheit und eine hebammengeführte Geburtshilfe einstehen. Wir fordern deshalb die neuen Regierungsparteien auf, jetzt zu handeln und die Stabilisierung des Hebammenwesens in den neuen Koalitionsvertrag aufzunehmen. 

1. Wir fordern, daß zur Sicherung des Hebammenwesens und zum Schutz der Wahlfreiheit in Kooperation mit Hebammenverbänden und Krankenkassen höhere Vergütungen für Hebammen sichergestellt werden. Dabei müssen die explodierenden berufsbedingten Kosten, insbesondere die weiter steigenden Prämien zur Haftpflicht, und die hohe Verantwortung, die Hebammen tragen, berücksichtigt werden. 

2. Wir fordern dazu auf, eine Lösung für die Haftpflichtproblematik zu finden.

3. Wir fordern dazu auf, die Stabilisierung des Hebammenwesens schnell voranzutreiben. Die Gründung einer interministeriellen Facharbeitsgruppe war ein erster wichtiger Schritt. An diesen soll mit einem fachübergreifenden Runden Tisch angeknüpft werden, um gemeinsam an einer menschenwürdigen Geburtshilfe zu arbeiten.   

Wir erinnern Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU/CSU) an das Versprechen, das sie Hebamme Nitya Runte im Rahmen des Bürgerdialogs gegeben hat: Sie werde sich persönlich einschalten, falls die Ergebnisse der interministeriellen Facharbeitsgruppe zu keinen absehbaren Veränderungen der Einkommens- und Haftpflichtsituation führen sollten. Wir erinnern außerdem die SPD daran, daß Peer Steinbrück zum Thema Teure Haftpflichtversicherungen für Hebammen in der Wahlarena erklärte: „Das Problem ist erkannt."

Jetzt sollen den Worten Taten folgen!

Bitte unterschreiben Sie jetzt, wenn Sie sich für ein stabiles Hebammenwesen in Deutschland und die Gesundheit für Mutter und Kind einsetzen. Sobald Sie unterschrieben haben, leiten Sie diese Petition an Ihre Freunde und Bekannten weiter.

Was wäre, wenn es keine Hebammen gäbe?

1. Eine Hebamme betreut eine Frau: Undenkbar. Personal ist Geld. Schon jetzt sind 1:1-Betreuungen in Kliniken selten. 

2. Ohne außerklinische Geburtshilfe könnten Schwangere nicht wählen, wo sie entbinden. 

3. Geburten im PKW oder auf dem Rastplatz nähmen zu, weil die Wege zur nächsten Klinik zu weit sind.

4. Um gebären zu können, schüttet die Frau Oxytocin und Endorphine aus. Das geschieht nur, wenn die Frau sich ruhig und sicher fühlt. Dauerüberwachung, wechselndes Personal und Apparatemedizin geben nicht jeder Frau das Gefühl, daß alles in Ordnung ist. Der gestreßte Körper schüttet nicht Oxytocin und Endorphine, sondern Adrenalin aus. Adrenalin fördert die Geburt nicht, sondern hemmt sie. Keine Hebammen – mehr Interventionen, mehr Notkaiserschnitte, mehr Wochenbettdepressionen.

5. Die Frau hat Angst vor der Geburt? Ihr Kind trinkt nicht? Sie hat eine verhärtete Brust? Sie weiß nicht, was sie tun kann, wenn ihr Kind schreit? Sie traut sich nicht, ihr Neugeborenes zu baden? – Mit diesen Fragen bleibt sie allein. 

Welche Lösungen könnte es geben?

Haftpflichtprämien pro Geburt (anstelle pro Hebamme) wären eine Möglichkeit. Eine andere: Norwegen hält Haftpflichtprämien für Hebammen mit Hilfe eines Fonds gering. Schottland konnte seine Kaiserschnittrate durch Stärkung des Hebammenwesens senken.

Die Rechte liegen bei den Familien: 

2010 hat eine ungarische Schwangere, Anna Ternovsky, den Staat Ungarn verklagt. Grund: Mangels außerklinisch arbeitender Hebamme sah sie sich in ihrer Wahlfreiheit beschnitten. Anna Ternovsky hat den Fall gewonnen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gesteht Frauen nach Artikel 8 der Menschenrechtskonvention ein Recht auf Wahlfreiheit zu.

In Deutschland wurde die Wahlfreiheit zusätzlich durch das Pflegeneuausrichtungsgesetz im SGB V § 24 f verankert. .

Was kostet eine Geburt?

Geburt im Geburtshaus: 467,20 Euro

Hausgeburt: 548,80 Euro

Vaginalgeburt in einer Klinik: 1.594 bis 2.146 Euro

Kaiserschnitt: 2.505 bis 5.366 Euro

Die Kaiserschnittrate lag 2012 bei etwa 30%. Etwa 2% aller Geburten fanden außerklinisch statt. 

 

Zu den Hintergründen hier mehr.

  

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Unterzeichnet haben u.a.:

 

Prof. Dr. Barbara Duden, Historikerin, Soziologin, Medizinhistorikerin

Angela Krauß, Schriftstellerin

Anja Wagner-Scheid, Landesvorsitzende der Frauen Union Saar

Dr. Juli Zeh, Schriftstellerin

Ulla Lachauer, Dokumentarfilmerin und Autorin

Hanna Strack, Theologin und Autorin

Ulrike Hauffe, Leiterin der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau 

Alexandra Gräfin von Schwerin, Schauspielerin

Ulrike Almut Sandig, Schriftstellerin

Vivien Weigert, Naturheilpraktikerin und Autorin

Marlen Pelny, Schriftstellerin

Mareike Greb, Tänzerin

Tanja Dückers, Schriftstellerin

Gundel Jannemann-Fischer, Englischhornistin

Peter Fischer, Kontrabassist

Prof. Helfried Strauß, Fotograf 

Isabell Suba, Filmemacherin

Katharina Deserno, Cellistin

Melanie Schöne, Filmemacherin und Autorin

Christine Trompka, Verlegerin und Autorin

Dr. Silja Samerski, Biologin und Soziologin 

 

Die Petition wird außerdem unterstützt von mamaprotest franken e.v., HappyBirthday Deutschland, Bürgerinitiative für eine Geburtshilfe im Landkreis Diepholz, Greenbirth e.V., Deutscher Hebammenverband e.V., Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V., Deutscher Fachverband für Hausgeburtshilfe e.V., Hebammen für Deutschland e.V., Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V. und Doulas in Deutschland e.V. 

Letter to
Vorsitzende des Gesundheitsausschusses des Bundestages (SPD) Dr. Carola Reimann
Leiter der Arbeitsgruppe Gesundheit (CDU), MdB Jens Spahn
MdB (CDU) Maria Michalk
and 17 others
MdL Brandenburg (CDU) Prof. Dr. Michael Schierack
MdB (CSU) Johannes Singhammer
MdB (CSU) Stephan Stracke
Bundesvorsitzender AG Sozialdemokraten im Gesundheitswesen Armin-Emil Lang
Stv. Landesvorsitzende SPD Baden-Württemberg / Stv. Sprecherin AG Gesundheit Hilde Mattheis
Parlamentarische Staatssekretärin im BM für Gesundheit, MdB (CDU) Annette Widmann-Mauz
Leiter der Arbeitsgruppe Gesundheit (SPD), MdB Prof. Dr. Karl Lauterbach
MDB (CDU) Hubert Hüppe
Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie in Brandenburg (SPD) Günter Baaske
Gesundheit- und Pflegegruppe der Koalitionsverhandlungen
Fraktionsvorsitzender der CDU im Landtag Nordrhein-Westfahlen Karl-Josef Laumann
Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg (SPD) Cornelia Prüfer-Storcks
Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung Schleswig-Holstein (SPD) Kristin Ahlheit
Staatsministerin für Gesundheit und Pflege in Bayern (CSU) Melanie Huml
Sozialministerin Sachsen (CDU) Christine Clauß
Staatssekretärin für Gesundheit des Berliner Abgeordnetenhauses (CDU) Emine Demirbüken-Wegener
Sozialminister Rheinland-Pfalz (SPD) Alexander Schweitzer
Wegen steigender Haftpflichtprämien und sehr niedriger Vergütungen müssen Hebammen seit Jahren ihre Arbeit aufgeben. Darunter leiden nicht nur Hebammen, sondern auch schwangere Frauen, Mütter, Familien und Kinder. Im Jahr 2010 hat eine ungarische Schwangere, Anna Ternovsky, den Staat Ungarn vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt. Grund: Mangels außerklinisch arbeitender Hebamme sah sie sich in ihrer Wahlfreiheit beschnitten. Anna Ternovsky hat den Fall gewonnen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gesteht Frauen nach Artikel 8 der Menschenrechtskonvention ein Recht auf Wahlfreiheit zu. Auch Deutschland gewährt Frauen diese Wahlfreiheit de facto nicht. Obwohl sie hier im Pflegeneuausrichtungsgesetz §24 f zusätzlich verankert ist.

Ich bin Schriftstellerin und Mutter von zwei Kindern. Meine jüngste Tochter ist anderthalb. Noch immer zehre ich von der Begleitung meiner Hebamme während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett- und Stillzeit. Es war so wichtig, dass sie da war. Im Nachhinein beschleicht mich aber ein ungutes Gefühl, wenn ich bedenke, wie wenig sie dafür verdient hat. Für die nächsten Jahre wünsche ich mir ein drittes Kind. Ich werde die Betreuung meiner Hebamme dringend brauchen. Ich möchte, 1. daß sie ihre Arbeit unter berufspolitischen Aspekten noch anbieten kann und 2. ihre Betreuung in der Gewißheit annehmen können, daß auch sie gut versorgt ist.

Mit dieser Petition will ich für das Recht der Frau auf Wahlfreiheit und eine hebammengeführte Geburtshilfe einstehen. Die Stabilisierung des Hebammenwesens soll Teil der neuen Koalitionsverträge werden.

Was wäre, wenn es keine Hebammen gäbe?

1. Eine Hebamme betreut eine Frau: Undenkbar. Personal ist Geld. Schon jetzt sind 1:1-Betreuungen in Kliniken selten.

2. Ohne außerklinische Geburtshilfe könnten Schwangere nicht wählen, wo sie entbinden.

3. Geburten im PKW oder auf dem Rastplatz nähmen zu, weil die Wege zur nächsten Klinik zu weit sind.

4. Um gebären zu können, schüttet die Frau Oxytocin und Endorphine aus. Das geschieht nur, wenn die Frau sich ruhig und sicher fühlt. Dauerüberwachung, wechselndes Personal und Apparatemedizin geben nicht jeder Frau das Gefühl, daß alles in Ordnung ist. Der gestreßte Körper schüttet nicht Oxytocin und Endorphine, sondern Adrenalin aus. Adrenalin fördert die Geburt nicht, sondern hemmt sie. Keine Hebammen – mehr Interventionen, mehr Notkaiserschnitte, mehr Wochenbettdepressionen.

5. Die Frau hat Angst vor der Geburt? Ihr Kind trinkt nicht? Sie hat eine verhärtete Brust? Sie weiß nicht, was sie tun kann, wenn ihr Kind schreit? Sie traut sich nicht, ihr Neugeborenes zu baden? – Mit diesen Fragen bleibt sie allein.

Doch es geht anders: Norwegen hält Haftpflichtprämien für Hebammen mit Hilfe eines Fonds gering. Auch Haftpflichtprämien pro Geburt (anstelle pro Hebamme) sind eine Möglichkeit, das Haftpflichtproblem zu lösen. Schottland konnte seine Kaiserschnittrate durch Stärkung des Hebammenwesens senken. Die Niederlande stehen (noch) für eine beispielhafte hebammengeführte Geburtshilfe.

Deutschland muß im europäischen Vergleich aufholen. Wir fordern Sie deshalb auf, jetzt zu handeln und Folgendes in den neuen Koalitionsvertrag aufzunehmen:

1. Wir fordern, daß zur Sicherung des Hebammenwesens und zum Schutz der Wahlfreiheit für Frauen in Kooperation mit Hebammenverbänden und Krankenkassen höhere Vergütungen für Hebammen sichergestellt werden. Dabei müssen die explodierenden berufsbedingten Kosten, insbesondere die weiter steigenden Prämien zur Haftpflicht, und die hohe Verantwortung, die Hebammen tragen, berücksichtigt werden.

2. Wir fordern dazu auf, die flächendeckende Stabilisierung des Hebammenwesens schnell voranzutreiben und eine Lösung für die Haftpflichtproblematik zu finden.

3. Wir fordern dazu auf, die flächendeckende Stabilisierung des Hebammenwesens schnell voranzutreiben. Die Gründung einer interministeriellen Facharbeitsgruppe war ein erster wichtiger Schritt. An diesen soll mit einem fachübergreifenden Runden Tisch angeknüpft werden, um gemeinsam an einer menschenwürdigen Geburtshilfe in Deutschland zu arbeiten.

Wir erinnern Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU/CSU) an das Versprechen, das sie Hebamme Nitya Runte im Rahmen des Bürgerdialogs gegeben hat: Sie werde sich persönlich einschalten, falls die Ergebnisse der interministeriellen Facharbeitsgruppe zu keinen absehbaren Veränderungen der Einkommens- und Haftpflichtsituation führen sollten. Wir erinnern außerdem die SPD daran, daß Peer Steinbrück zum Thema Teure Haftpflichtversicherungen für Hebammen in der Wahlarena erklärte: „Das Problem ist erkannt." Wir fordern, daß das Thema parteiübergreifend erkannt und daß zügig und zielführend an ihm weitergearbeitet wird.

Jetzt sollen den Worten Taten folgen!