
Steigende Mieten und Wohnungsmangel verstärken die soziale Ungleichheit in Deutschland: Ausgerechnet Geringverdiener müssen überdurchschnittlich viel für Wohnen ausgeben, stellt ein Gutachten des Sozialverbands fest.
"Die Miete macht über eine Million Haushalte in Großstädten so arm, dass ihr Einkommen nach Abzug der Miete unter dem Regelsatz von Hartz IV liegt": Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag des Sozialverbands Deutschland. Demnach treffen hohe Mieten und Wohnungsknappheit Haushalte mit niedrigem Einkommen besonders schwer.
Im Untersuchungszeitraum von 1993 bis 2014 stiegen die Mieten sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland stärker als das mittlere Einkommen. Da die Einkommen der Geringverdiener am schwächsten wuchsen, schlagen dort Mieterhöhungen stark zu Buche.
Konkret bedeutet das: Haushalte, die weniger als 1300 Euro monatlich zur Verfügung haben, müssen 46 Prozent ihres Einkommens für Miete aufbringen - wer mehr als 4500 Euro verdient, bei dem macht die Miete nur noch 17 Prozent des Einkommens aus.
Problem ab 2030 laut der Studie noch gravierender
Dem Gutachten zufolge wird sich das Problem in den nächsten Jahren noch verschärfen: Unter den Menschen, die 2030 in Rente gehen werden, sei ein hoher Anteil von Altersarmut betroffen.
Der Sozialverband Deutschland sieht schwerwiegende Versäumnisse aufseiten der Politik. Das lange Leugnen von Wohnungsnot habe dazu geführt, dass die Verantwortlichen mittlerweile vor großen Aufgaben stünden, wenn sie die Probleme von "steigenden Mieten, Überbelegung und sozialer Segregation" in den Griff bekommen wollten.
Stand: 25.10.2018
Quelle: Tagesschau
https://www.tagesschau.de/inland/wohnverhaeltnisse-101.html