Keine Präsenzklausuren an bayerischen Hochschulen im WS 20/21!

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-Dringender Aufruf zu Kontaktbeschränkungen, eine Verlängerung des harten Lockdown und trotzdem zahlreiche Prüfungen in Präsenz?-

"Wir befinden uns in der vielleicht kritischsten Phase der Pandemie"; "Es sollen Kontakte reduziert werden wo es nur geht", mit diesen und ähnlichen Aussagen werden wir derzeit täglich konfrontiert.

Es wird zu Maßhaltung an allen Ecken des beruflichen- und privaten Lebens aufgerufen. Maßnahmen werden zunehmend verschärft, es gibt eine Verlängerung des Lockdowns, zunächst bis Ende Januar. Der Bewegungsradius wird, in Regionen mit Indizes über 200 eingeschränkt. Ebenso werden die Regeln zu den Kontaktbeschränkungen intensiviert.
Man dürfe sich nurnoch mit einer weiteren Person außerhalb des eigenen Hausstandes treffen, so heißt es.

Dennoch plädieren die bayerischen Universität auf ihr Recht, Präsenzklausuren abzuhalten.

Die Hygienekonzepte: Hunderte Studierende in Räumlichkeiten setzen, bei geöffneten Fenstern und einem vermeindlichen Mindestabstand von 1,50 Metern, um sechzigminütige Prüfungen abhalten zu lassen - und das bei drohenden Minusgraden.

Es heißt in den Medien und Presseberichten "die Universitäten und Hochschulen in Bayern würden zahlreiche Prüfungen bereits digital abhalten". In der Realität sieht das allerdings anders aus.

Viele Hochschulen und Universitäten lehnen digitale Konzepte prinzipiell ab oder stellen es ihren Dozenten frei, in welcher Form sie ihre Prüfungen abhalten möchten, selbst wenn die technischen Rahmenbedingungen für Prüfungen in digitalen Formaten gegeben sind.

Dabei fällt paradoxerweise auf, dass gerade in Studienfächern mit weit über 100 Teilnehmern auf Prüfungen in Präsenz gesetzt wird, während Wahlfächer und andere Kurse mit weitaus geringeren Teilnehmerzahlen, teilweise auf digitale Prüfungsformen umsteigen.

So kommt es vor, dass Studierende, oft mehrere Prüfungen im Rahmen einer Woche- und im schlimmsten Fall sogar bis zu fünf Klausuren pro Woche- in Präsenz abzulegen haben.

Allein durch den Aufenthalt innerhalb der Prüfungsräume steigt die Anzahl der Kontaktpersonen von einer- auf weit über einhundert pro Tag. Die Kontakte im Rahmen der An- und Abreise nicht eingeschlossen.

Denn auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln werden weitere Menschenmassen aufeinander treffen, selbst wenn die Teilnehmer von einzelnen Prüfungen auf verschiedene Räume aufgeteilt werden. Die Prüfung des jeweiligen Kurses beginnt dennoch für alle zur selben Zeit, sprich es nehmen eine Vielzahl an Studierenden die selben Busse und Bahnen - und auch darüber hinaus sind in den Gängen und Toiletten Aufeinandertreffen von weiteren Studierenden nicht zu vermeiden.

Begründet wird die Durchführung dieser Prüfungen von vielen Dozierenden meist mit dem Punkto "Fairness". Es gehe ihnen häufig darum das "Spicken zu vermeiden" und eine "Vergleichbarkeit" der derzeitigen Prüfungen, mit denen der vorheringen Semester herzustellen.

Doch kann man die letzten Semester wirklich mit den bisherigen, in Präsenz abgehaltenen, vergleichen? und wie ist "Fairness" in der derzeitigen, durch Corona hervorgerufenen Ausnahmesituation überhaupt zu bewerten?

Einige Studien zur psychischen Gesundheit der Studierenden während der Covid-19-Pandemie, belegen, dass eine Vielzahl der Studierenden stark unter den Folgen der Pandemie leidet.

Die soziale Isolation, Angst um Angehörige und ein möglicherweise verlängertes Studium machen vielen zu schaffen.
Auch finanzielle Nöte, beispielweise aufgrund des Verlusts des Nebenjobs, gehören derzeit zum Alltag einiger Studierender.

Auch von der Regierung fühlen sich nicht nur viele Studierende, sondern auch einige Dozierende, im Stich gelassen, da es einen weit verbreiteten Mangel an geregelten Maßnahmen zu Lehr- und Prüfungsvorgehen an Hochschulen und Universitäten gibt. So zog sich so das Gefühl von Unsicherheit und Ungewissheit während der letzten beiden Semester auch permanent durch die Lehrveranstaltungen und es hält bis ins aktuelle Prüfungsgeschehen an.

Ist es wirklich fair diese Frustration noch zu vergrößern und in der aktuellen Situation die Gesundheit tausender Menschen aufs Spiel zu setzen? Immerhin befinden wir uns im Gegensatz zum vorheringen Sommersemester, wo die Präsenzprüfungen aufgrund der vergleichsweise niedrigen Infektionszahlen noch zu vertreten waren, in einem harten Lockdown.

Was ist fair daran sein Privatleben extrem herunterfahren zu müssen, um sich vor einer Infektion zu schützen, nur um dann von hunderten von Leuten umgeben zu sein, die alle eine potenzielle Infektionsgefahr darstellen?

Viele Studierende haben Angst davor Kontaktperson eines mit Corona infizierten zu werden, sich gar selbst mit der Krankheit anzustecken oder sich im schlimmsten Falle bei einer Prüfung oder auf dem Weg dahin zu infizieren und anschließend unbemerkt weitere ihrer Kommilitonen an den folgenden Prüfungstagen anzustecken.

Viele befürchten auch, dass sie sich, bei den zu erwartenden Temperaturen, durch die permanent geöffneten Fenster erkälten könnten. Denn auch in diesem Falle wären für einen Studenten die restlichen Prüfungen gelaufen, wenn er nicht schnell genug ein negatives Testergebnis vorliegen könnte, was sich bei der aktuellen Überlastung der Labore als äußerst schwierig zu erachten lässt.

Doch was passiert, wenn ich im Rahmen einer Prüfung zur Kontaktperson werde? Fallen meine Prüfungen aus? Wie sollen sich dann hunderte von Menschen schnellstmöglich testen lassen können? -Auf Fragen wie diese können die Dozierenden keine Antworten geben. - Auch hier wird man letztendlich Opfer der massiven Unbeholfenheit.

Müssten denn nicht auch im Vorfeld klare Regelungen für solche Ernstfälle, die in der aktuellen Lage definitiv nicht auszuschließen sind, getroffen werden, um die Durchführungen von Prüfungen in Präsenz überhaupt rechtfertigen zu dürfen? Ist dies nicht auch ein Zeichen dafür, wie undurchdacht an die Sache herangegangen wird und dass eine wirklich vernünftige Risikoabwägung nicht wirklich erfolgt?

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In diesen Zeiten setzen die Studierenden nicht nur ihre eigene Gesundheit auf Spiel, in dem sie sich, im Rahmen der Prüfungsphasen, hunderten von Kontakten aussetzen müssen, es wird zusätzlich wissentlich riskiert, dass sich das gesamte Infektionsgeschehen exponentiell verschlimmert, während eigentlich der derzeit geltende Lockdown, für sinkende Zahlen sorgen sollte.

Ein klares "Nein" zu den Präsenzprüfungen und ein weitreichendes Umstellen auf digitale Prüfungsformen bedeutet für Studenten somit nicht nur sich selbst und ihre Angehörigen zu schützen, sondern vor allem auch einen positiven Beitrag zu einem schnelleren Sinken der Infektionszahlen zu leisten und damit alle, die unter dem Lockdown leiden, schnellstmöglich und langfristig zu entlasten.

Somit hier eine klare, zusammenfassende Forderung:

  • Die Einführung von schärferen und vor allem einheitlichen Regeln, welche sicherstellen sollen, dass Präsenzklausuren innerhalb dieser kritischen Phase der Pandemie, nur eine gut begründete Ausnahme darstellen sollen.