

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
am 24.09. hatten meine Mitstreiter*innen Susanne Reitmaier und Dr. Bernd Meyer vom Verein „Gegen den Tod auf der Organwarteliste“ die Möglichkeit dem Präsident der Bundesärztekammer Montgomery unsere Petition zu überreichen.
Hier der Bericht von der Veranstaltung und der Übergabe:
Der Tagesspiegel und die Ärztevereinigung Marburger Bund haben am 24.9.18 zu einer gemeinsamen Veranstaltung ins Berliner Verlagshaus des Tagesspiegels eingeladen. Unter dem Titel „Auf Herz und Nieren“ ging es um den skandalösen Mangel an Spenderorganen in Deutschland.
Es gab gleich 2 Podiumsdiskussionen nacheinander mit illustren Gästen, unter anderen der Präsident der Bundesärztekammer Montgomery, der Präsident der Berliner Ärztekammer Jonitz und die ärztlichen Direktoren der Charité Prof. Ulrich Frei und des Deutschen Herzzentrums Prof. Volkmar Falk. Das Bundesgesundheitsministerium war durch Staatssekretärin Sabine Weiss, die Berliner Politik durch Catherina Pieroth von den Grünen vertreten.
Alle Diskussionsteilnehmer beklagten den die Leiden der schwer kranken Patienten, die auf die Transplantation eines Organes warten, über 1000 von ihnen sterben jedes Jahr in Deutschland während der Wartezeit. Besonders eindrucksvoll war, was Prof. Falk von seinen Patienten, die auf ein neues Herz warten, berichtete. Praktisch alle bekommen das Herz erst dann, wenn sie zu einem Notfall geworden sind. Ursprünglich war die Notfallregelung für Extremsituationen eingeführt worden, heute ist sie der Normalfall. Die Patienten müssen meist mehr als ein Jahr mit sogenannten Kunstherzen am Leben gehalten worden sein und damit besonders große Probleme haben, damit sie eine Chance bekommen. Dazu kommt, dass sie dann meist Organe von Menschen bekommen, die deutlich älter sind als sie selbst. Sie wissen dann, dass dieselbe Qual einige Jahre später wieder auf sie zukommt, weil das Herz früher „schlappmacht“ als der restliche Organismus.
Mit einer Ausnahme sprachen sich alle Podiumsteilnehmer für die Widerspruchslösung aus, also für ein neues Gesetz, nach dem jeder, der nicht ausdrücklich widersprochen hat, in Falle seines Hirntodes auf einer Intensivstation, Organspender wird.
Ärztepräsident Montgomery kritisierte Altbischof Wolfgang Huber, der in einer Fernsehsendung die Widerspruchslösung als Abkehr von einer freiwilligen Spende und als Bereitstellungspflicht bezeichnet hatte. Eine seltsame Einschätzung, da die Widerspruchslösung besagt, dass jeder ohne Begründung und jederzeit „Nein“ sagen kann. Pflicht ist es nur, diesen Willen auch zum Ausdruck zu bringen, eine kleine Pflicht angesichts der Tatsache, dass jeder das Recht hat, auf die Organwarteliste zu kommen, wenn er selbst einmal ein Organ brauchen sollte.
Der einzige Gegner der Widerspruchslösung trat beim 2. Podium des Abends auf: Dr. med. Michael de Ridder, der mehrere Bücher und Artikel zu medizinethischen Fragen veröffentlicht hat. Auch er bemühte das Argument, eine Spende sei keine Spende mehr, wenn man zu ihr gedrängt werde.
Anschließend durfte das Publikum mitdiskutieren. Betroffene sprachen über das Elend des Wartens auf ein Organ, die schweren organisatorischen Mängel in deutschen Krankenhauswesen wurde angesprochen und die Hoffnung, dass ein neuer Gesetzesentwurf des Bundesgesundheitsministeriums die Lage bessern wird. Beklagt wurde auch, dass es viele falsche Vorstellungen über die Einzelheiten einer Organspende in der Bevölkerung gebe. Unterschiedlich waren die Meinungen darüber, ob es wirklich gelingen könne, alle Vorurteile durch mehr Information abzubauen. Es ist fraglich, dass in den inzwischen 20 europäischen Ländern mit einer funktionierenden Widerspruchslösung und mit weit mehr Organspendern die Bevölkerung so viel mehr Detailinformationen hat als in Deutschland. Es war deutlich, dass kaum jemand die Meinung vertrat, die Politik könne warten, bis alle Vorbehalte wieder und wieder diskutiert wurden. Dazu ist die Lage der Betroffenen in Deutschland einfach zu ernst.
Nach der Veranstaltung hatten wir die Möglichkeit dem Präsident der Bundesärztekammer Montgomery unsere Petition zu überreichen.