Petition beendet - Landkreis vorerst an die Wirtschaft verloren

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer,
ich halte den Landkreis Heilbronn bis auf weiteres für einen hoffnungslosen Fall und an die Wirtschaft verloren. Zu der aus dem Flächenverbrauch resultierenden Problematik mit Verlust der Lebensräume, Biotopzerstörung, Vernichtung von Lebensgrundlagen, Verunstaltung des Landschaftsbilds, Schaffung weiterer Magneten für Verkehr, Fortführung des Teufelskreises von neuem Gewerbe und Druck für neue Wohngebiete und Strukturen kommt der Klimawandel ganz dick oben drauf. Auch das Klima ist Schutzgut im Baugesetzbuch. Damit ist der im folgenden vorgestellte 1,5-Grad Bericht des IPCC juristisch relevant und muss zum Stopp der Planungen z.B. im Zabergäu für die Fortführung der Industrie- und Wohngebiete führen. (Langwiesen, Industrie östl Pfaffenhofen mit "Umgehungsstraße", Baugebiet Gehrn auf der Streuobstwiese)
Seit der Weltklimakonferenz 2010 in Mexico wurde empfohlen, eine Erwärmung gegenüber dem vorindustriellen Niveau auf maximal 2 Grad zu begrenzen. 2 Jahre nach dem Pariser Gipfel 2016 wurde nun das Ziel deutlich verschärft: 1,5 Grad gelten jetzt als Limit, denn das 2 Grad Ziel ist zu risikoreich. Der Weltklimarat IPCC, ein ständiger wissenschaftlicher Ausschuss der UN, bekam 2016 von der Weltgemeinschaft den Auftrag zu prüfen, ob das 1,5 Grad Ziel denn überhaupt zu halten ist. Der Weltklimarat hat nun im am 8. Oktober herausgegebenen Bericht festgestellt, JA das geht, jedoch haben die Menschen und ihre Regierungen keine Zeit mehr noch mal 20 Jahre zu verbummeln und Zugeständnisse an die Wirtschaft oder irgendwelche Mauscheleien mit kaufmännischen Transfers von Emissionen zu machen. Von den 1,5 Grad sind bereits 1,1 Grad erreicht, es bleibt ein Puffer von nur noch 0,4 bis 0,5 Grad. Bei einem weiter so wird die globale Mitteltemperatur bereits in den 2040er Jahren die 1,5 Grad Schwelle erreichen, derzeit steuern wir sogar auf eine 3 bis 4 Grad wärmere Erde zu.
IPCC-Bericht - Global Warming of 1.5 °C
Wochenzeitung Der Freitag: Planet auf Tauchgang, Hinweis zum IPCC-Bericht 4.10.18
Sächsische Zeitung: Weltklimarat favorisiert 1,5-Grad-Ziel, zu große Risiken beim 2-Grad Ziel, 8.10.18
Gefährliche Kipppunkte ab 1,5 Grad
Gegenüber heutigen Bedingungen hat eine 1,5 Grad wärmere Erde bereits drastische Folgen, 2 Grad sind katastrophal. Nur mit 66-prozentiger Sicherheit wäre nach wissenschaftlicher Meinung ein um 2 Grad erhitztes Klima noch beherrschbar. Zwischen 1,5 und 2 Grad werden gefährliche Kipppunkte erreicht. Mit deren Effekten kommt es teils zur Beschleunigung des Klimawandels, teils zur irreversiblen Störung der Ökosysteme und Lebensbedingungen: Schmelzen der reflektierenden Polkappen, auftauen der Methan-speichernden Permafrostböden, abschwächen der Nordatlantischen Umwälzpumpe, absterben der Regenwälder und borealen Wälder, insgesamt 16 Elemente gibt es. Es gibt viele komplexe Effekte, so führt der CO2 Anstieg zur Versauerung der Meere, der Temperaturanstieg lässt nicht nur das Eis schmelzen, sondern auch den Wasserkörper ausdehnen. Packt die Menschheit den Ehrgeiz, das 1,5 Grad Limit zu halten, werden gegenüber dem 2 Grad-Szenario weniger tiefliegende Gebiete überschwemmt, weniger Äcker versalzen, nicht alle Korallenriffe verschwinden. Auch das Artensterben wird auch weniger extrem. Die jetzt schon registrierte Dürre im Sommer und Wetterextreme werden auch bei 1,5 Grad mehr werden als bei den jetzigen 1,1 Grad, bei 2 Grad werden sehr viele Gegenden unfruchtbar werden.
Potsdam Institut für Klimafolgenforschung - Kippelemente
Die Bedeutung von Streuobstwiesen, lebendige Böden und ökologische Landwirtschaft für den Klimaschutz
Es braucht Handlungspfade auf allen Ebenen und in allen Bereichen. So kann der Landsektor erheblich zur Senkung der CO2-Emmission und Speicherung von CO2 beitragen. Der IPCC nennt bereits die nachhaltige Bodennutzung, Landwirtschaft und sparsamen Fleischkonsum als Klimaschutzpfad (Kapitel 4, 5). Das CLARA-Netzwerk (Climate Land Ambition & Rights Alliance) hat diese Pfade im Detail herausgearbeitet und am 15. Oktober hierzu einen die 1,5-Grad Forderung des IPCC ergänzenden Bericht herausgegeben.
Die Sicherung der Böden vor weiterer Umnutzung für Siedlungs- und Verkehrsflächen und die Agrarwende können zusammen mit weltweit begangenen Pfaden im Bereich der Landnutzung zu einer jährlichen Minderung der CO2-Emissionen von 7,5 Gigatonnen führen, durch Agroforstwirtschaft können jährlich 1,04 Gt CO2 gebunden werden. Gerade auch in Europa, Deutschland und Baden-Württemberg besteht erhebliches Potential. Insgesamt braucht es eine Abkehr von der erdölbasierten Landwirtschaft.
CLARA Report - Missing Pathways to 1.5°C, die Bedeutung des Landsektors für ambitionierte Klimapolitik
Deutsche Zusammenfassung zum CLARA Report
Der CLARA-Bericht nennt die Einführung von mehrjährigen Arten wie Obstbäumen und Integration der Fleisch- und Milchproduktion auf der Landschaftsebene als Maßnahme zu hohen Kohlenstoffspeicherung. Was hier beschrieben wird, sind nichts anderes als die in Baden-Württemberg (noch) häufig vorkommenden Streuobstwiesen. Damit käme man wieder zur traditionellen Nutzung der Streuobstwiesen zurück, ihre Bedeutung würde wieder steigen. Die damit verbundene Abkehr von der massenhaften reinen Stallhaltung mit den erforderlichen Futtermittelmengen würde auch den Import von (Gen-)Mais und (Gen-)Soja aus Amerika unnötig machen. Der Druck auf den Regenwald und Auslaugung der Böden dort wird gemindert. In Deutschland muss das Weideland wieder gestärkt werden, was dann mit der Reduktion der Produktion von Futtermitteln und Verfütterung von Lebensmittelresten einherzugehen hat. Weltweit könnte allein mit dieser Maßnahme 4,5 Gigatonnen CO2 jährlich eingespart werden. Das würde natürlich einen Wandel beim Fleischkonsum und Wertschätzung der Produkte bedingen.
Die Abkehr vom synthetischen Stickstoffdünger, dessen Produktion sehr energieintentiv ist, könnte nochmal eine Einsparung von 0,69 Gt CO2 bewirken. Die biodynamische Feldbewirtschaftung schafft wieder lebendige Böden mit Aufbau einer Humusschicht. Die kräftige Erde mit vernetzten Strukturen schützt dann nicht nur vor der Erosion, sondern kann viel besser Kohlenstoff binden, als die vom synthetischen Dünger und intensivem Anbau ausgelaugte Erde.
Eine ertragreiche Landwirdschaft, welche die Weltbevölkerung ernähren kann ist auch und gerade ökologisch möglich. Als Komponente gehört auch die Agroforstwirtschaft dazu, welche Bäume in die landwirtschaftlichen Flächen integriert. Sie wirken sich positiv auf den Wasserhaushalt, Humusbildung, Erträge und Erosionsschutz aus.
Mit Hurra in die KlimaKatastrophen
Aber mit Hurra auf das Wachstum steuert Baden-Württemberg auf gefährliche Kippelemente der Erde zu. Golfstrom bereits 15% geschwächt? Dürre, Ernteausfälle, Waldschäden? 18 Millionen Klimaflüchtlinge in 2017? Feuersbrünste? Stürme, Starkregen, Hagel? Zerstörte Häfen? Das Jahr 2018 ist voller Schlagzeilen biblischen Ausmaßes. Doch das rührt weder sogenannte „bürgerliche“, „konservative“, „realpolitische“ Bürgermeister, Gemeinderäte, Kreisräte, Landrat im Kreis Heilbronn noch den grünen Ministerpräsidenten Kretschmann und Kanzlerin Merkel.
Prämisse ist das weiter so für die Exportweltmeisterschaft und geplante Wachstumszahlen. 2018 wurde öffentlich von Amtsträgern festgestellt, dass der Klimawandel bereits zu empfindlichen Schäden führt und das in den nächsten Jahren nicht besser wird. Wo ist das Wort der Schultes und Minister, die Pressestimme, das diese Meldungen mit Wachstumskritik zusammenbringt? Siehe HN Stimme,9.10.2018, Heilbronner Stimme: Nur schnelles Handeln bremst den Klimawandel, Die Vereinten Nationen fordern Mut zum Umdenken. Seiten weiter wird wieder der Landnahme durch Weltmarktführer gehuldigt. Will man nicht den Glauben an die Religion Wachstum gefährden? Das neoliberale Weltbild nicht erschüttern, die deregulierte, entfesselte Wirtschaft wird’s schon richten und allen Wohlstand bringen? Echt realpolitisch und konservativ im besten Sinne ist, was für die Bürgerinnen und Bürger die Aufgaben des IPCC-Berichts zum 1,5 Grad Ziel und der zur Neige gehenden Ressourcen aufgreift und nicht roboterartig einem homo oeconomicus gleich der Wirtschaft nach dem Mund redet.
Zahlreiche Bewegungen zeigen ein anderes Bild von Wohlstand und gutem Leben, so die
Gemeinwohlökonomie von Christian Felber
Zensur? Diese wichtige Information zum Bericht des Weltklimarats mit dem Bezug zum Flächenverbrauch und der wachstumsversessenen Politik hier sollte im Portal meine.stimme.de der Heilbronner Stimme mit weiteren Anreicherungen und noch mehr lokalem Bezug zu lesen sein. Ich hatte den Artikel am Sonntag Abend 4.11.18 21 Uhr publiziert, dann wurde er am Montag Mittag kurz vor 12 mit dem fadenscheinigen Argument, der Artikel entspreche nicht den AGB, da er auf andere Seiten verweise für den öffentlichen Zugang gesperrt. Bis dahin hatte er 59 Leser. Ich habe erwidert, dass das Internet von Hyperlinks und verweisenden Seiten lebe und meine Links zum Nachweis der Texte auf seriöse, wissenschaftliche und amtliche Quellen verweisen. Keine Antwort. Eventuell wird bei change.org in den nächsten Tagen von mir eine Petition gestartet werden, damit die Zensur durch die Redaktion von meine.stimme.de aufgehoben wird und der Artikel wieder für alle zu lesen ist.
Bis dahin viele Grüße,
Matthias Böhringer