Bahn und Bus für 1 Euro/Tag - Flatrate fürs Klima mit dem 365 EUR Ticket

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Dauerstaus, Parkplatzsuche, Lärm, verpestete Luft und kaum Platz für Fußgänger und Radler: Deutsche Städte sind Autostädte. Wir haben es satt und fordern: Schluss mit der Auto-Förder- Politik! Gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe fordere ich die Landräte der Landkreise Freudenstadt und Rottweil auf: Machen Sie Bus und Bahn endlich für alle zugänglich – für 1 Euro am Tag, mit mehr Angebot und mit dichterem Takt! Machen Sie Schluss mit der Vergiftung unserer Atemluft und der Zerstörung unseres Klimas! So können wir den Umstieg auf klimafreundliche und saubere Mobilität schneller schaffen. Wir brauchen Grünflächen, Platz für Fahrradfahrer und Fußgänger, gesunde Luft und einen starken, modernen und gut ausgebauten Öffentlichen Nahverkehr in Stadt und Land – und nicht noch mehr Blech, noch breitere Autos, Drohnen oder Flugtaxis.

Warum ist das 365 Euro-Ticket die Lösung? Das Jahresticket für 365 Euro, für 1 Euro am Tag, macht die Nutzung von Bus und Bahn unkompliziert – einfach ein- und aussteigen, wo und wann man möchte, ohne komplizierte Tarife verstehen zu müssen. 1 Euro am Tag macht Bus und Bahn billiger und attraktiver. Ist die 365-Euro-Flatrate bezahlt, wird eher in die Öffentlichen als ins Auto eingestiegen – eine moderne Selbstverständlichkeit in Zeiten von Klimakrise und abgasverpesteter Luft.

Das klingt unrealistisch? Im Gegenteil! In Wien wurde dieses Konzept bereits 2012 umgesetzt und führte dazu, dass sich die Zahl der Jahreskarteninhaber*innen von 373.000 auf 820.000 erhöht hat. In Wien haben damit mehr Menschen ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr als ein Auto! Auch in Portugal wurden im März 2019 die Preise für Bus und Bahn deutlich reduziert. Seither ist man im Stadtgebiet Lissabon für 360 Euro im Jahr unterwegs. Einige Städte machen es auch bei uns schon vor. Bonn und Reutlingen haben das 365 Euro-Ticket eingeführt – mit finanzieller Unterstützung des Bundes und ebenfalls mit positivem Effekt. In Berlin setzt sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller öffentlich für das Ticket ein. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert Frau Merkel auf, das in ganz Deutschland einzuführen! Ich fordere die Landräte der Landkreise Freudenstadt und Rottweil auf, dies in ihren Landkreisen zu tun.

Die Ticketpreise für die Öffentlichen sind seit dem Jahr 2000 um fast 80% gestiegen, die Parkgebühren blieben konstant – eine Verkehrswende geht anders. Für Straßenausbau, Unfallkosten, Parkplätze, Polizeieinsätze, Folgekosten der Umweltverschmutzung von Pkw und vieles mehr zahlen deutsche Städte etwa dreimal so viel wie für Bus und Bahn. Damit muss Schluss sein! Anstatt Jahr für Jahr mit 10 Milliarden Euro den Dieselkraftstoff billiger zu machen und schmutzige Dienstwägen mit 5 Milliarden Euro zu subventionieren, fordert die DUH die Bundesregierung auf, ein klares Statement pro attraktivem und kostengünstigem Öffentlichen Nahverkehr in Land und Stadt zu setzen: Mit dem 1-Euro-Ticket und dem massiven Ausbau der Bus- und Bahnangebote in der Stadt und vor allem auf dem Land. Zusätzlich sollen mit den längst überfälligen Bußgeldern der Autokonzerne von 5.000 Euro pro verkauftem Diesel-Pkw mit manipulierter Abgasreinigung, die 365-Euro-Tickets finanziert werden.

Das Beispiel Wien zeigt außerdem: Die günstigeren Ticketpreise können zum Teil durch steigende Verkaufszahlen ausgeglichen werden. Klar ist aber auch, dass parallel zur Verbesserung des ÖPNV-Angebots auch der Autoverkehr, insbesondere in den Innenstadtbereichen, ausgesperrt werden muss: zum Beispiel durch weniger und deutlich teurere Parkplätze. Die Parkgebühren sollen ausschließlich zur Finanzierung und den dringend notwendigen Ausbau des ÖPNV in der Stadt und auf dem Land verwendet werden.

Die breite gesellschaftliche Unterstützung durch die Bewegung Fridays for Future und das klare Signal der Wähler bei der Europawahl im Mai machen deutlich: Wir wollen die Verkehrswende, die Politik muss JETZT das Statement pro Bus und Bahn setzen.

Was aber durch dieses 365-EUR-Jahresticket auf keinen Fall passieren darf, ist das die Busbetriebe dadurch in finazielle Schwierigkeiten kommen und / oder gar ihre Busfahrer oder sonstige Angestellte schlechter bezahlen. In diesen aktuellen Corona-Virus-Krisenzeiten fallen ja bereits heute schon Fahrgeldeinnahmen weg, obwohl die Busse und Bahnen einen etwas reduzierten (Ferienfahrplan) aufrechterhalten. In diesem Zusammenhang weise ich auch darauf hin, dass diese "lausigen Ausschreibungskriterien" dringend modzifiziert werden müssen, denn es darf auf gar keinen Fall sein, dass diese Ausschreibungen zu Lasten bzw. auf Kosten der FahrerInnen geht!

Und dann noch eine kleine Sache: es kann doch auch nicht wahr sein, dass es immer noch sehr viele Haltestellen ohne irgendeine Art von Wetterschutz (Wartehäuschen) gibt. Dieser Umstand muss ebenfalls dringend geändert werden, um die Akzeptanz und die Nutzerzahlen des ÖPNV zu erhöhen. Oder meine lieben Herren Landräte, würden Sie an solch einer Haltestelle bei Dauerregen auf einen Bus warten wollen?

Ein 365 Euro Jahresticket ist wichtig um die Kostenungleichheit zwischen Pkw und öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV ) zu reduzieren. Es muss mehr Geld in den Kommunen für den Betrieb und Ausbau der kollektiven Verkehre zur Verfügung gestellt und damit die Nutzung von Bus und Bahn im Vergleich zum Auto attraktiver gemacht werden. Derzeit kostet der PKW-Verkehr (Infrastruktur, externe Kosten, Unfallkosten etc.) in einer deutschen Großstadt die öffentliche Hand und die Allgemeinheit etwa das Dreifache des ÖPNV. Gleichzeitig sind diese Kosten nur 15 bis 45 % durch Einnahmen, wie z. B. Parkgebühren oder Finanzmittel von Bund und Ländern, gedeckt. Zum Vergleich deckt der ÖPNV in Deutschland 76,1 % der Kosten oder 13,3 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln (VDV).

Und das obwohl auch die Preissteigerungen in Deutschland seit 2000 für den ÖPNV mit fast 79% mehr als doppelt so hoch war wie für das Auto (Kauf und Unterhalt incl. Sprit, Kfz-Steuer, Reparatur, Versicherung und Stellplatz). Hier stiegen die Preise in Deutschland gleichzeitig nur um gut 36 %.

Es ist in diesem Zusammenhang aber auch wichtig immer wieder zu betonen, dass öffentlicher Verkehr als Rückgrat der Verkehrswende eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist und daher neben den Kommunen auch die Länder und vor allem der Bund in der Pflicht sind, mehr Geld dafür bereit zu stellen. Die Abschaffung der Dieselkraftstoffsubvention (10 Mrd. Euro) oder die Überarbeitung des Dienstwagenprivilegs (5 Mrd. Euro) bieten hier entsprechende Optionen und stellen zugleich sicher, dass klimaschädliches und luftverschmutzendes Verhalten nicht auch noch von der Gemeinschaft finanziell unterstützt wird.