Fabian KönigWurzburg, Allemagne
29 déc. 2017
Wie geht es weiter? Liebe UnterstützerInnen, nach längerer Zeit melde ich mich heute mit Neuigkeiten zu unserer Petition. Um Euch nicht mit Nachrichten zu überschütten, habe ich auf wiederkehrende Updates verzichtet, und stattdessen alles Wesentliche hier reingepackt. Hier erfahrt Ihr, was wir bisher erreicht haben (A.), welche Reaktionen es von Seiten der Behörden und der Öffentlichkeit bislang gibt (B.) und welche unsere Antworten hierauf sind (C.). Wer das nicht alles lesen möchte, kann auch gleich zu (D.) springen. ;-) A.) Was bisher geschah Eine erste gute Nachricht vorweg: Mittlerweile [Stand: 21.12.2017] unterstützen 1.733 Petenten unsere Forderung, die Strecke auf der Kreisstraße WÜ 29 durch den Guttenberger Wald durch geeignete Maßnahmen verkehrssicherer zu machen, insbesondere durch einen Lückenschluss der bestehenden Schutzplanken im dortigen Bereich. Euch allen ein herzliches Dankeschön für das Unterzeichnen und fleißige Teilen unseres Aufrufs! Weiter so! :-) Wie einige von Euch sicher mitbekommen haben, ist zum anderen auch die Presse auf unsere Petition aufmerksam geworden. So hat die Main-Post bereits am 30. Januar 2017 einen ausführlichen Artikel (http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Online-Petitionen-Tod-und-Trauer;art736,9486840) über unsere Idee geschrieben, und dabei auch die Angehörigen des letzten Todesopfers, Nino H., zu Wort kommen lassen. Mit ihnen habe ich mich damals zusammengetan, sodass zu den Online-Unterschriften mittlerweile noch unglaubliche 2.500 weitere [Stand: 21.12.2017] hinzugekommen sind, die von den Angehörigen mühsam zusammengetragen wurden. B.) Reaktion der Behörden und der Öffentlichkeit Wie Ihr anhand der vielen zustimmenden und lobenden Kommentare auf der Petitions-Website lesen könnt, scheint unser Anliegen in der Bevölkerung weitgehend auf offene Ohren zu stoßen. Die große und überwiegend positive Resonanz zeigt uns, dass wir mit unserer Petition auf dem richtigen Weg sind. Dennoch hat es auch Kritik gegeben – teils fundiert, wie von Seiten der Behörden (I.), teils leider auch recht unsachlich, wie einige Online-Kommentare gezeigt haben (II.). I.) Im oben erwähnten Zeitungsartikel gab die für die Unterhaltung der Kreisstraßen verantwortliche Behörde, das Staatliche Bauamt Würzburg, zusammengefasst folgende Stellungnahme ab: Unmittelbar nach dem tödlichen Unfall am 10. November 2016 wurde auf der Strecke zwischen Guttenberg und Reichenberg ein Tempolimit von 70 km/h angeordnet (1) und die ausgefahrenen Bankette neben der Fahrbahn aufgefüttert (2). Geplant (und mittlerweile wohl bereits durchgeführt) ist das Auffrischen der Asphaltdecke (3), um die Fahrbahn griffiger zu machen. Zudem soll in der ständigen Unfallkommission, bestehend aus Mitarbeitern der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt Würzburg, des Staatlichen Bauamts Würzburg und der Polizeiinspektion Würzburg-Land, geprüft werden, an welchen Stellen Schutzplanken etwas bringen und welche Maßnahmen am sinnvollsten sind (4). Nach Meinung des Staatlichen Bauamtes und der Polizei sei hierbei ein Tempolimit die „sinnvollste und erfolgversprechendste Maßnahme“. Demgegenüber ist die Behörde der Auffassung, dass Schutzplanken „Fluch und Segen“ seien, da Motorradfahrer durch sie schlimme Verletzungen davontragen könnten (5). Zudem weißt sie darauf hin, dass jeder Verkehrsteilnehmer zur Anpassung seiner Fahrgeschwindigkeit an die jeweilige Verkehrs-, Witterungs- und Straßensituation verpflichtet sei, und die eigene Aufmerksamkeit nicht durch den Griff zu Handy, Navi oder Radio beeinträchtigen dürfe (6). II.) Eine ganz andere Nummer waren dagegen einige (anonyme) Online-Kommentare zu dem Zeitungsartikel der Main-Post. Diese sind teilweise so hanebüchen, dass es sich überhaupt nicht lohnt, einzeln darauf einzugehen. Die wesentlichen, dort genannten Kritikpunkte habe ich aber dennoch in unserer Antwort auf die Stellungname der Behörden mit angesprochen. C.) Unsere Antwort Trotz des großen Zuspruchs scheint es, als ob man unsere Forderung seitens der Behörden bis dato nicht wirklich ernstgenommen oder zumindest für wenig zielführend gehalten hat. Nicht anders sind die Aussagen des Staatlichen Bauamts Würzburg gegenüber der Main-Post im o. g. Zeitungsartikel zu verstehen, wonach Schutzplanken nicht immer das Mittel der Wahl seien („Schutzplanken sind Fluch und Segen“), man hingegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung für die „sinnvollste und erfolgversprechendste Maßnahme“ halte – und dies die Polizei offenbar genauso sehe. Für geradezu zynisch halte ich aber insbesondere die Bemerkung, dass jeder Fahrer verpflichtet sei, seine Fahrgeschwindigkeit der jeweiligen Verkehrs-, Witterungs- und Straßensituation anzupassen, und der Griff nach dem Handy, Navi oder Radio die Aufmerksamkeit stark beeinträchtigen könne. Zum letzten gleich vorweg: Dieser Hinweis, dass man sich im Straßenverkehr stets aufmerksam zu verhalten habe und lieber etwas langsamer als zu schnell fahren solle, ist nicht nur eine Selbstverständlichkeit, sondern blendet auch wichtige Punkte aus, auf die ich gleich noch zu sprechen komme. Vor allem aber unterstellt er unterschwellig, dass die Todesopfer quasi selber schuld an ihren Unfällen seien. Zumindest zum Tod von Nino H. ist hier eindeutig klarzustellen: Laut kriminalpolizeilichem Ermittlungsbericht war Nino weder zu schnell, noch war er etwa durch einen Griff zum Handy o. ä. abgelenkt. Denn in diesem Falle hätte man das Handy im Auto oder der näheren Umgebung finden müssen, und feststellen können, ob es zum Unfallzeitpunkt benutzt wurde – dies war aber nicht der Fall. Jener m. E. verständliche, aber überflüssige, weil selbstverständliche Hinweis der Behörde, hat offenbar dazu geführt, dass die Online-Kommentare zu dem Zeitungsartikel sich mehrheitlich nicht nur äußerst kritisch gegenüber unserem Anliegen äußerten, sondern einige Verfasser sich sogar noch zu kurzsichtigen Spekulationen über die Unfallursache, insbesondere bei Nino H. hinreißen ließen, die nichts mit der Realität zu tun haben. Wir haben uns sowohl hiermit, vor allem aber mit der demgegenüber tatsächlich ernstzunehmenden Sichtweise der Behörden intensiv auseinandergesetzt, und möchten Euch im Folgenden erklären, was dem entgegenzuhalten ist – auch, damit bei Euch selber keine Zweifel an der Richtigkeit Eurer Unterschrift entstehen! Zu B. I.): Zu (1) (= neues Tempolimit auf 70 km/h zwischen Guttenberg und Reichenberg): - ist zu begrüßen - zusätzlich: Tempolimit von 70 km/h sollte auch zwischen Kist und Guttenberg, d. h. auf der gesamten Strecke zwischen Kist und Reichenberg gelten - zusätzlich: ggf. Tempolimit von 50 km/h vor besonders engen und nah aufeinander folgenden Kurven - zusätzlich: Tempolimit auf 30 km/h im Bereich Forsthaus Guttenberg (Kinderfreizeitanlage!) => Insgesamt sinnvolle Maßnahme, aber u. E. nicht „die“ sinnvollste und erfolgversprechendste: (a) Ein Tempolimit nützt demjenigen, der sich daran hält, überhaupt nichts, wenn ihm ein anderer mit überhöhter Geschwindigkeit entgegenkommt, dieser ihm die Kurve schneidet, er daraufhin ausweichen muss und er dann von der Straße abkommt und gegen einen Baum prallt (so geschehen hier: http://mainpost.de/regional/bad-kissingen/Unfall-Rettungsaktionen-Polizei;art770,9579071). (b) Außerdem: Selbst wenn nur „der andere“ auf der Straße unterwegs ist und er, aus welchen Gründen auch immer, zu schnell fährt – soll er einen solchen, im Straßenverkehr weit verbreiteten Fehler deswegen wirklich gleich mit dem Leben bezahlen müssen? Ist die einzige Antwort, die unsere Gesellschaft auf einen deswegen gestorbenen Tod hat, wirklich nur ein lapidares „Pech“ oder „selber schuld“? M. E. können Schutzplanken, wenn auch nicht den Unfall selbst, so aber doch zumindest die Unfallfolgen reduzieren (Krankenhaus statt Tod). Zum Einwand „Aber dann prallt der Unfallwagen von der Leitplanke ab und von da in den Gegenverkehr und trifft ggf. einen vollbesetzten Familien-Van“ (aus einem Online-Kommentar): Nein. Die Schutzplanke gibt nach und verbiegt sich (im Gegensatz zu einem Baum) – einen derartigen Abpralleffekt wie beim Billard sehe ich nicht, sondern die Kraft wird zumindest teilweise auf die Schutzplanke übertragen [aber: Expertenmeinung hierzu?]. Dass im Moment des Unfalls ein anderes, unbeteiligtes Auto entgegenkommt, macht den Verunfallten nicht weniger schutzwürdig. Im Übrigen war dies bei keinem der genannten Unfälle in 2016 der Fall. Außerdem: Ein eventuelles Zurückprallen würde sich jedenfalls im Fall (a) gar nicht auf einen Unbeteiligten, sondern auf denjenigen auswirken, der wegen seiner überhöhten Geschwindigkeit die Unfallursache gerade selbst gesetzt hat. Zu (2) (= Bankette neben der Fahrbahn aufgefüttert): - ist zu begrüßen Zu (3) (= Asphaltdecke aufgefrischt): - ist zu begrüßen Zu (4) (= Ständige Unfallkommission wird sich sinnvollste Maßnahmen überlegen und sinnvolle Standorte für Schutzplanken prüfen): - ist zu begrüßen Zu (5) (= Schutzplanken seien „Fluch und Segen“, insb. für Motorradfahrer sogar gefährlich): - Ja, in Schutzplanken liegt durchaus ein Gefährdungspotential für Motorradfahrer - Aber: Wenn sie mehr schaden als nützen würden, müsste man in dieser Konsequenz besser heute als morgen sämtliche Schutzplanken von allen Straßen entfernen und dürfte nirgends mehr welche errichten; dass dies jedoch nicht gemacht wird, spricht gegen die Annahme, dass Schutzplanken zu gefährlich sind, um sie zu installieren - Im Gegenteil sollen auch andernorts im Landkreis weiterhin Schutzplanken installiert werden, selbst an Straßen, die nicht durch ein derart dichtes Waldgebiet wie den Guttenberger Forst führen (vgl. http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Landkreis-investiert-7-Millionen-Euro-in-den-Strassenausbau;art736,9808805 a. E.). - Schutzplanken sind nicht nur für Autofahrer, sondern eben auch für Motorradfahrer ein „Segen“, da diese ansonsten eben gegen die Bäume prallen/geschleudert werden – im Gegensatz zu Schutzplanken geben Bäume aber nicht nach (wie hier: http://www.t-online.de/regionales/id_80536246/motorradfahrer-prallt-gegen-baum-und-stirbt.html und http://www.t-online.de/nachrichten/panorama/id_80538474/unfall-in-seegrehna-18-jaehrige-stuerzt-mit-motorrad-und-stirbt.html) - Schutzplanken sind nicht nur zur Reduzierung von Unfallfolgen sinnvoll, sondern bieten auch Schutz bei Pannen (so Verkehrsexperten des ADAC: http://mainpost.de/regional/wuerzburg/Pannenhilfen-Streifenwagen;art735,9711712) - Insbesondere: Schutzplanken können mit einem sog. Unterfahrschutz für Motorräder nachgerüstet werden (siehe http://www.mehrsi.org/unterfahrschutzerfolge.html)! Nach Auskunft der MEHRSi gGmbH belaufen sich die Kosten hierfür (inkl. Montage) auf 25 bis 30 EUR pro laufenden Meter Schutzplanke, abhängig vom jeweiligen Stahlpreis, Anbieter und Modell. Bei durchgehenden 6 km wären das 300.000 bis 360.000 EUR. Hinzu käme an den Stellen, wo die Schutzplanken aufgrund der einmündenden Waldwege unterbrochen werden müssen, die Installation von Endstücken an den Stützpfosten. Die Kosten eines Endstückes belaufen sich auf etwa 60 EUR, pro Einmündung also auf 120 EUR. Bei zehn Einmündungen auf der Strecke zwischen Kist und Reichenberg (www.bayernatlas.de) wären dies 1.200 EUR. Insgesamt beliefen sich die Mehrkosten für den notwendigen besonderen Schutz für Motorradfahrer demnach auf maximal 361.200 EUR, reduziert um den Anteil für die Breite der Einmündungen und den Bereich des Forsthauses Guttenberg. Im Übrigen halte ich es für skandalös, dass es für die Nachrüstung von Schutzplanken mit einem Unterfahrschutz überhaupt privater Initiativen und Spendenaktionen bedarf. Es ist Aufgabe des Staates und seiner (Sicherheits-)Behörden, für die bestmögliche Sicherheit seiner Bürger, auch im Straßenverkehr zu sorgen. Das halte ich für wichtiger als etwa den Bau eines weiteren Hallenbades im Landkreis, das nicht überlebensnotwendig ist, für sich genommen aber natürlich ebenfalls seine Berechtigung hat. - Die Kosten für normale Schutzplanken betragen 75 bis 100 EUR pro laufenden Meter (vgl. etwa http://www.schutzplanken24.de/). Da zwischen Kist und Reichenberg bereits auf mehreren Kilometern Schutzplanken installiert sind (und in der Vergangenheit sukzessive weitere hinzukamen), geht es jetzt lediglich um einen Lückenschluss, sodass der entsprechende Kostenaufwand überschaubar ist und mit Blick auf das Volumen der Gesamtinvestitionen des Landkreises in den Straßenbau für das Jahr 2018 in Höhe von mehr als 7 Millionen Euro vertretbar erscheint (http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Landkreis-investiert-7-Millionen-Euro-in-den-Strassenausbau;art736,9808805). => Insgesamt gibt es daher keine nachvollziehbaren Gründe, die gegen eine Installation weiterer Schutzplanken zum Lückenschluss zwischen Kist und Reichenberg sprechen. Insbesondere die Kostenfrage kann mit Blick auf die Aussage des Leiters des Bereichs Straßenbau im Staatlichen Bauamt Würzburg, Dr.-Ing. Michael Fuchs (sinngemäß: „Geld spielt da keine Rolle“) kein entscheidendes Kriterium sein. Zu (6) (= Eigenverantwortlichkeit jedes Verkehrsteilnehmers): - Richtig - Aber: Es gibt Situationen, in denen ein Unfall auch bei größtmöglicher Sorgfalt nicht vermeidbar ist, und den Unfallverursacher keine Schuld trifft (vgl. http://mainpost.de/regional/wuerzburg/Fahrzeugfuehrer-wird-schwindelig-an-Baum-gelandet;art736,9702985 --> ereignete sich abermals im hiesigen Bereich) Zu B. II.): - entfällt - D.) Ausblick Vor einigen Wochen wurde schließlich mit dem Staatlichen Bauamt Würzburg ein Termin vereinbart, und am 4. Dezember 2017 dem Leiter des Bereichs Straßenbau, Dr.-Ing. Michael Fuchs, die Unterschriften durch Marion Herget, der Mutter des jüngsten Todesopfers, übergeben. In dem einstündigen Gespräch, das von der Main-Post begleitet wurde, wurden die wesentlichen Aspekte unserer Sichtweise dargelegt und noch einmal auf die dringende Notwendigkeit weiterer verkehrssichernder Maßnahmen im Bereich zwischen Kist und Reichenberg hingewiesen. Von Seiten des Staatlichen Bauamtes wurden daraufhin weitere Maßnahmen zugesagt. Hierzu soll es im Januar/Februar 2018 einen weiteren gemeinsamen Termin, dann direkt an der betreffenden Kreisstraße WÜ 29 geben, um die örtliche Situation persönlich in Augenschein zu nehmen. Insgesamt nimmt unser Anliegen also eine erfreuliche Entwicklung, und wir sind zuversichtlich, dass durch die bereits verwirklichten und die in Aussicht gestellten Maßnahmen die Kreisstraße WÜ 29 durch den Guttenberger Forst für niemanden mehr eine grüne Hölle wird. Wir bleiben dran! Beste Grüße, Fabian König, Marion Herget und Jennifer Schnell P.S.: Bitte auch den verlinkten zweiten Zeitungsartikel der Main-Post lesen, der am 28./29.12.2017 veröffentlicht wurde!
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