Englisch Abiturprüfung 2018 #unangemessen - Bezug Pressemitteilung Kultusministerium

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Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Dr. Susanne Eisenmann, sehr geehrter Herr Helmut Holter, sehr geehrter Petitionsausschuss des Landtages Baden-Württemberg,

nach der Pressemitteilung des Kultusministeriums zur Petition "Englisch Abitur 2018 Baden-Württemberg unfair!", habe ich das Bedürfnis, zur öffentlichen Ansprache beider Thematiken.

Ich schreibe diese Petition im Namen aller betroffenen Englisch Abiturienten. Somit mache ich hiermit vom im Grundgesetz verankerten Petitionsrecht Gebrauch. Die Folgenden Erläuterungen und Argumente vertrete ich im Namen aller Beteiligten. Somit vereine ich zahlreiche Meinungen & Argumente von Betroffenen. Diese habe ich nach meinem besten Gewissen auf Richtigkeit durch Recherche überprüft.

Zuallererst kurz zu mir. Ich bin selbst Englisch Abiturient dieses Jahrganges und kann den aufgeführten Kritikpunkten der vorangegangenen Petition "Englisch Abitur 2018 Baden-Württemberg unfair!" uneingeschränkt zustimmen. Zunächst möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich von der Pressemitteilung des Kultusministeriums sehr enttäuscht bin. Auf die Kritikpunkte der Petition wurde unzureichend & unvollständig eingegangen. Die Unterschriften und Meinungen von 32.000 (Tendenz stetig steigend - Stand 21:00 Uhr, 24.04.2018) deutschen Staatsangehörigen bzw. Abiturienten, Lehrern und Schülern wurden schlichtweg durch die Einschätzung einer handvoll "Experten" übergangen. Wozu dient das im Grundgesetz verankerte Petitionsrecht denn eigentlich? Richtig, mit Bitten und Beschwerden an staatliche Institutionen zu treten und somit, wie in einer Demokratie gewollt, die Meinung und Sicht der Bevölkerung einzubringen. Die Politikverdrossenheit der jüngeren Generationen ist schwer zu lösen, wenn staatliche Institutionen in solch ignoranter Weise verfahren.

Nachdem der erste Anlauf mit den Anliegen regelrecht abprallte, möchte ich mit Bezug zur Pressemitteilung nochmals unser Anliegen schildern. Aus diesem Grund wird diese Petition neben der Kultusministerin in Baden-Württemberg Dr. Susanne Eisenmann, auch an den Präsidenten der Kultusministerkonferenz sowie an den Petitionsausschuss des Landtags Baden-Württemberg geleitet .

Zitat: "Aufgabe des Petitionsausschusses ist es, sich mit Eingaben von Bürgerinnen und Bürgern zu befassen, die sich durch eine Landesbehörde ungerecht behandelt fühlen. Der Petitionsausschuss darf – im Unterschied zu den Gerichten – nicht nur die Rechtmäßigkeit einer behördlichen Entscheidung überprüfen, sondern auch deren Zweckmäßigkeit."

Zitatquelle: Landtag Baden-Württemberg

Legen wir erneut einen Blick auf die zu kritisierenden Aspekte der Englisch Abiturprüfung, welche die Prüfung auf eine enorm schwierige Ebene hoben & diese mit vorangegangenen Abiturprüfungen keineswegs vergleichbar machten:

1. Der Textausschnitt für die Comprehension & die Analysis ("Call It Sleep" von Henry Roth) findet seinen Ursprung im Jahr 1934 und beinhaltet eine extrem hohe Konzentration von Vokabular, welches im Kursstufe-Wortschatz schlichtweg nicht vorhanden ist. Große Teile sind im heutigen Sprachgebrauch längst nicht mehr üblich und konnten teilweise nicht einmal im Abiturwörterbuch (z.B. OALD Wörterbuch) gefunden werden. Beispiel: Das Wort "roweling/rowel".

2. Vor allem durch die hohe Anzahl an Fremdwörtern, welche für das Textverständnis übersetzt werden mussten, ging ein Vielfaches der Zeit verloren (was ist den vorherigen Abiturjahrgängen nicht der Fall war). Diese Zeit fehlte für die ausführliche/korrekte Bearbeitung sämtlicher Aufgaben. Erschwerend kam hinzu, dass die Multiple-Choice Aufgaben schwerer & länger waren als sonst. Einige glichen auf Grund des fiktionalen, poetischen Ausgangstextes eher Interpretationsaufgaben. Wie es ist, diese richtig zu lösen, kann man sich vorstellen.

3. Der zu bearbeitende Text gehört zur Gattung der Romane/Erzählungen. Er beinhaltet Charaktere, aus dem Abschnitt nicht erkennbare Personenkonstellationen und eine schwierige Handlung, in welche man regelrecht geworfen wird. Im Gegensatz zu den Sachtexten der vorherigen Jahre glichen die Comprehension Aufgaben somit meist Interpretationen von Verhältnissen und Gefühlen. Schwierig wird es dann auch bei den Textbelegen, da sich Antworten oft "zwischen den Zeilen" abspielen. Poetische, umschweifende Textstellen wurden von uns Prüflingen meist falsch gedeutet.

4. Im Unterschied zu den vergangenen Abiturprüfungen in Englisch wurden plötzlich für die Belegstelle im Text zwei Zitate verlangt. Was nicht nur extrem schwer bei solch einer Textsorte ist, sondern auch die Punktzahl wurde pro Aufgabe, trotz des erhöhten Aufwandes, nicht erhöht. Ist eine der beiden Belegstellen also falsch, erhält man schlichtweg keinen Verrechnungspunkt. Diese Mehrarbeit schlug sich ebenfalls im zeitlichen Rahmen nieder.

5. Die Aufgabe der Analysis beruhte auf dem Verständnis des fiktionalen Textes. Im Text sollte unter anderem der letzte Absatz analysiert werden. Hier begannen für einige die ersten Probleme. Welcher Absatz genau gemeint ist, war nicht vollständig ersichtlich. Die Aufgabenstellung so offen, dass nicht hervorging was eigentlich gefordert wird. Weshalb, wird hier nicht zu klaren und verständlichen Formulierungen gegriffen? Ebenso konnte der Text auf Grund der vielen fremdem Vokabeln und der fehlenden Zeit nur bruchstückhaft übersetzt und somit verstanden werden, vor allem der zu analysierende Teil glich einer metaphorischen/gleichnishaften Beschreibung der Freiheitsstatue. Dieser Fakt wurde von den meisten Prüflingen nicht erkannt und es folgte somit eine Themaverfehlung der Aufgabe. Comprehension und Analysis (content) machten übrigens zusammen 20 VP von 60 VP (Verrechnungspunkte) in der Prüfung aus. Also bereits ein Drittel. Von natürlichen Abzügen in language (15 VP) ganz zu schweigen.

6. Durch den hohen Verlust von Zeit, vor allem durch die Comprehension, mussten deutliche Abstriche im Umfang der Bearbeitung vorgenommen werden. Somit betreffen die genannten Aspekte ebenso die Composition. Somit führt dies auch hier zu erheblichem Verlust von Verrechnungspunkten.

 

Lassen Sie mich nun einige Worte zur Pressemitteilung des Kultusministeriums sagen:

1. Ministerin Eisenmann: „Ich habe vollstes Vertrauen, dass die Lehrkräfte ihren Ermessensspielraum bei der Korrektur verantwortungsvoll und ausgewogen ausschöpfen.“

Hierbei wird die institutionelle Verantwortung lediglich nach unten delegiert. Es sollte nicht Aufgabe der Korrektoren sein, Ungereimtheiten & Probleme in den Aufgaben der Prüfungen zu lösen. Insbesondere nicht bei diesem Umfang, wenn Prüfungen keineswegs mehr vergleichbar mit Prüfungen anderer Jahre sind. Des Weiteren haben die Lehrer Korrekturvorgaben, in welche auch korrigiert werden sollte. Selbst wenn ein Korrektor "ein Auge zudrückt", hat man keinerlei Einfluss auf weitere Korrektoren. Was ist mit denen, bei denen kein Auge zugedrückt wird? Haben die dann Pech gehabt, da Sie die Verantwortung auf die Lehrer übertragen?

2. "Die schriftliche Prüfung fließe wiederum nur mit zwei Dritteln in die Gesamtnote ein."

Hierzu muss wie ich denke, wenig gesagt werden. Wie viel 2/3 sind, erkennen selbst die Nichtmathematiker. Selbst wenige Punkte sind bei vielen Schülern entscheidend.

3. "Der als vermeintlich schwierig eingestufte Prüfungsteil „Analysis“ mache außerdem nur 15 Prozent der schriftlichen Abiturnote Englisch aus."

Diese Aussage ist irreführend vor Medien und Nicht-Involvierten. Die beschriebenen Kritikpunkte umfassen Comprehension & auch Analysis (content), welche bereits 20 von 60 VP ausmachen. Zusätzlich kommt es bei fast allen Prüflingen noch zu Abzügen in der Sprache (language), was dann eine gute Endnote zusätzlich in die Ferne rücken lässt. Ergänzend sei hier auch nochmals ausdrücklich auf Punkt 6 der Kritikpunkte verwiesen.

4. "Der kritisierte Text kam letzten Freitag auch an den Gymnasien in Mecklenburg-Vorpommern zum Einsatz. Auf explizite Nachfrage des Kultusministeriums am heutigen Vormittag gab es in diesem nord-östlichen Bundesland keine Hinweise auf ähnliche Kritik, wie sie in der Online-Petition geäußert wurde."

Dies mag sein. Nur weil dort keine Petition gestartet wurde, heißt das nicht, dass die Schüler dort zufrieden mit der Textvorlage waren. Insbesondere wenn eine Prüfung schlecht lief, versucht man damit abzuschließen. Aber nehmen wir trotzdem mal an, dort herrscht keine ungewöhnlich hohe Unzufriedenheit über den Text. Im Zitat ist lediglich die Rede von einer identischen Textvorlage, wie sieht es allerdings mit den gestellten Aufgaben in Mecklenburg-Vorpommern aus?

Was die beiden Bundesländer aber nicht vergleichsfähig macht, sind vor allem Folgende Fakten: Wussten Sie, dass Mecklenburg-Vorpommern für das erhöhte Anforderungsniveau 300 Minuten (330min - 30min Hörverstehen) gestellt bekommt? In Baden-Württemberg waren es 180 Minuten. Zusätzlich durften die Schüler dort zweisprachige Wörterbücher verwenden, in Baden-Württemberg einsprachige. Was Zeit- und auch Verständnisnachteile mit sich bringt.

5. "Als Ergebnis der Überprüfung ist festzuhalten, dass das Niveau der kritisierten Aufgaben angemessen war."

"Zwar sind die heute vom Kultusministerium hinzugezogenen externen Fachberater zu dem Ergebnis gekommen, dass der Haupttermin 2018 anspruchsvoller war, als die Klausuren der Jahre zuvor. Indes seien die Aufgaben in jedem Falle machbar gewesen."

Neben den Widersprüchen in den beiden Aussagen, geht hier klar hevor, dass die Vergleichbarkeit mit ehemaligen Prüfungen nicht gegeben ist. Die Prüfung durch Spezialisten und eine Kommision mag schön und gut sein, ist allerdings realitätsfern von Fähigkeiten der Schüler, geschweige denn unter einem enormen Prüfungsdruck.

Zitatquellen: Kultusministerium

Die Schwierigkeit ist definitiv nicht mit vorhergegangenen Abiturprüfungen vergleichbar. Es ist schade, dass hierfür in einer Demokratie die Meinung der Bevölkerung missachtet wird. Es ist wirklich schade, dass die Unterschriften und Meinungen von 32.000 (Tendenz stetig steigend - Stand 21:00 Uhr, 24.04.2018) deutschen Staatsangehörigen bzw. Abiturienten, Lehrern und Schülern schlichtweg übergangen werden. Liegen diese Menschen, die Abiturienten mit Ihrem Anliegen etwa falsch? Man sollte sich dringend Gedanken machen, wenn ein gesamtes Bundesland auf Grund extrem schwierigen, unverständlichen und unvergleichbaren Prüfungsaufgaben zusammen steht und sich mit dem Anliegen an das Ministerium wendet. Die Frage, ob es an den Aufgaben liegt, oder die Englisch Abiturienten "zu blöd" sind, überlasse ich Ihnen selbst und verbleibe mit der Hoffnung, sie kennen die Antwort.

Ist es denn nötig uns jungen Menschen, die die Zukunft in einer Demokratie mitgestalten, unnötig große Steine in den Weg zu werfen? Bei allem Verständnis für ein "Qualitätsabitur", dies hier, ist keines. Man schafft kein höheres Niveau, indem man sich realitätsfern von den Schülern & auch Lehrern bewegt. Wieso diejenigen übergehen, die es am meisten betrifft?

Unser Abitur trägt einen enorm wichtigen Teil zu unserer Zukunft bei. Sollte es nicht das Ziel sein, uns Schüler auf das spätere Leben, Berufsleben, realistisch vorzubereiten? Selbst viele Schüler, welche Englisch als Ihre zweite Muttersprache sprechen, taten sich mit der Prüfung enorm schwer.

 

Zusammengefasst finden wir, dass das diesjährige Abitur im Fach Englisch zu schwer war und nicht vergleichbar mit anderen Bundesländern oder Jahrgängen. Große Teile der Stellungnahme sind nicht tragbar.

Zitat von der Homepage der Kultusministerkonferenz:

"Daraus ergeben sich als abgeleitete Aufgaben:die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit von Zeugnissen und Abschlüssen als Voraussetzung für die gegenseitige Anerkennung zu vereinbaren".

Sehr geehrter Landtag, sehr geehrter Herr Holter, sehr geehrte Frau Dr. Susanne Eisenmann, wir fordern sie (erneut) auf, die genannten Aspekte bei der Benotung der Prüfung zu berücksichtigen, den Erwartungshorizont anzupassen, diese Erfahrung auch für spätere Abiturjahrgänge zu nutzen und somit dem zielführenden Leitsatz der Kultusministerkonferenz gerecht zu werden.

Hierfür wird es dringlichst Zeit, ein Zentralabitur einzuführen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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