Singen muss wieder legal sein – auch im Klassenraum

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Sehr geehrter Herr Tonne,

aufgrund des aktuellen "Rahmen-Hygieneplans Corona" für die niedersächsischen Schulen ist es zurzeit illegal, mit Kindern im Klassenraum zu singen. Dies ist aus Sicht der Unterzeichner*innen dieser Petition nicht hinnehmbar, denn Singen ist sehr gesundheitsfördernd und gerade in dieser Zeit, wo die Auswirkungen der Corona-Krise zu bewältigen sind, besonders wichtig. Wir fordern daher, dass das Verbot, in Räumen zu singen, das aktuell im Rahmen-Hygieneplan formuliert ist, ab sofort aufgehoben wird.

Begründung:

Singen in der Schule ist mehr als nur eine Sequenz des Klassenmusikunterrichts oder ein Wahlfach der Schülerinnen und Schüler, die im Schulchor sind. Singen baut Ängste ab, hat eine nachweislich positive Auswirkung auf das allgemeine Wohlbefinden und stärkt nicht zuletzt auch die Immunabwehr. Weiterhin kann Singen die Klassengemeinschaft stärken und fördert die emotionale Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. All diese positiven Effekte des Singens im Klassenverband benötigen wir in der gegenwärtigen Lage mehr denn je, weil sie genau in den Bereichen heilsam sein können, wo durch die Corona-Pandemie bzw. durch die Maßnahmen Beeinträchtigungen entstehen.

Einige Auswirkungen der Corona-Pandemie (bzw. der Maßnahmen) auf das Lernklima

  • Wir erleben an den Schulen, dass Kinder Ängste haben. Hier geht es nicht nur um die Angst vor der Krankheit selbst, sondern auch um die Angst, womöglich eine schwere Erkrankung beispielsweise der Großeltern durch Ansteckung zu verschulden.
  • Welche Auswirkungen die Kontaktbeschränkungen und der fehlende Präsenzunterricht nach sich ziehen, ist zur Zeit noch nicht gut abzuschätzen. Fest steht jedoch, dass soziale Kontakte für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr wesentlich sind. Und es bleibt auch jetzt die Ungewissheit, ob nicht von heute auf morgen ganze Klassen in die Isolation geschickt werden, wenn es irgendwo ein positives Testergebnis gibt.
  • Auch die Masken-Pflicht gehört zu den Begleiterscheinungen der Pandemie, die sich ungünstig auf das Lernklima auswirken:
    Dass die Maske suggeriert, von den Mitmenschen gehe eine Gefahr aus, und dass wir durch den MNS in der emotionalen Wahrnehmung der Mitmenschen eingeschränkt werden, das ist eine Sache. Darüber hinaus müssen wir aber auch erleben, dass Schülerinnen und Schüler sich gegenseitig zurechtweisen und denunzieren in Sachen Hygieneregeln. Hier gibt es eine Menge Konfliktpotential und es ist leider zu beobachten, dass in diesem Zusammenhang vermehrt Misstrauen untereinander entsteht.

Salutogenese

Die im Vorigen Abschnitt aufgezeigten Beeinträchtigungen des Lernklimas und des Wohlbefindens der Schülerinnen und Schüler, schreien förmlich danach, dass wir in dieser Zeit besonders viel mit den Kindern singen. Hier treten klar die Themenfelder in Erscheinung, die wir durch das gemeinsame Singen positiv beeinflussen können: Ängste, Vereinzelung, Stärkung der Gemeinschaft.

"Versuchen Sie mal mit einem vollgefüllten Brustkorb und mit erhobenem Haupt  - was Sie ja alles machen müssen beim Singen – versuchen Sie da mal Angst zu haben. Das geht gar nicht." (Gerald Hüther)

Singen trägt außerdem nachweislich zur Stärkung der Immunabwehr bei. Schon im Verlauf einer einstündigen Chorprobe erhöht sich die Konzentration des Immunglobulin A dramatisch. Immunglobulin A ist ein Protein, das eindringende Viren direkt auf den Schleimhäuten der Atemwege, also an vorderster Front, bekämpft. In zwei unabhängig voneinander durchgeführten Studien wurde dieser signifikante Anstieg von Immunglobulin A durch Chorsingen nachgewiesen: an der University Of California durch R. Beck und sein Team (Beck et al., 2000) sowie durch G. Kreutz an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main (Kreutz et al., 2004).

Singen im Freien

Draußen unter Einhaltung von Sicherheitsabständen zu singen, ist schon für professionelle Sänger schwierig. Es kann in der Schule auf Dauer kein Ersatz für das Singen im Klassenraum sein, da man den Klang der Gruppe draußen nicht richtig wahrnimmt. Es kommt auch bald die kalte Jahreszeit; da erübrigt sich die Frage des Singens im Freien nach und nach sowieso, allein schon aus gesundheitlichen Gründen...

Verhältnismäßigkeit, Risiko-Nutzen-Abwägung

Dass jetzt aufgrund des Kohortenprinzips die Abstandsregeln im Klassenraum fallen, ist sehr erfreulich. Dass innerhalb dieser definierten Kohorten das Singen dennoch verboten ist, ist dagegen nicht wirklich nachvollziehbar. Innerhalb einer Kohorte kann ja eine Tröpfcheninfektion sowieso nicht ausgeschlossen werden. Aerosol wird auch beim Sprechen, Lachen etc. produziert. Es ist nicht klar, wie viel Viruskonzentration im Aerosol enthalten sein muss, damit es zur Ansteckung kommt. Klar ist hingegen: In einer Schulklasse ist es öfter mal laut. Es wird gelacht, es wird geatmet. Das lässt sich auch durch ein Sing-und Rezitierverbot nicht vermeiden. Es wäre auch völlig unrealistisch, die Lebhaftigkeit einer Schulklasse zugunsten des Infektionsschutzes irgendwie zu unterdrücken. Also Aerosol haben wir sowieso. Dagegen haben wir aber eben auch die beschriebenen gesundheitsfördernden Wirkungen des Singens. Des weiteren sehen wir, dass die Testpositiven-Rate schon lange sehr niedrig, nämlich im Bereich der Fehlerquote des PCR-Tests von etwa 1%, liegt. Die Zahl der realen Krankheitsverläufe, bei denen es auch zu Symptomen kommt, ist noch wesentlich niedriger da ja längst nicht jeder Testpositive erkrankt.

Aufgrund dieser Erwägungen halten die Unterzeichnenden dieses Schreibens ein Sing- und Rezitierverbot für unverhältnismäßig.

Zusammenfassung

Es kann nicht angehen, dass wir aus Angst vor einem Virus genau das verbieten, was uns gesund erhält und was unsere Immunabwehr nachweislich stärkt. Deswegen fordern die Unterzeichner*innen dieser Petition: Erlauben Sie das Singen im Klassenraum.

Mit herzlichen Grüßen, 

Elmar Schimmel