Kritik und Wegweiser für die neue DB Unternehmensbekleidung

0 haben unterschrieben. Nächstes Ziel: 1.500.


Sehr geehrte Damen und Herren,

warum wurde diese Schrift erstellt und Zustimmungen gesammelt?
Eine simple facebook-Umfrage in einer einzelnen Gruppe wäre dieser komplexen Thematik nicht gerecht geworden. Ich erachte diese Punkte außerdem als Hinweis, Inspiration und Wegweiser, wie mit der neuen Ubk, deren Prototypen und die weitere Entwicklung zu verfahren ist.

Schnellüberblick:

  • Ubk wird durch CI-fremde Farben nicht mit der DB in Verbindung gebracht
  • Ubk ist zu dunkel, als dass Mitarbeiter von weitem erkannt + überhaupt als DB-Mitarbeiter identifiziert werden können
  • Ubk die Autorität, Vertrauen und Sicherheit ausstrahlt, um Übergriffen und Respektlosigkeiten ggü. des Bahnpersonals entgegenzuwirken
  • Beibehaltung der Lokführer-Epauletten und Streifen der Zugbegleiter und Bordgastronomen

 

Erkennbarkeit der Mitarbeiter

Immer wieder gibt es Kritik an der DB, die Fahrgastinformation zu verbessern. Besonders in den letzten Jahren und Monaten werden viele monetäre Ressourcen dafür aufgewendet, wie eben diese Fahrgastinformation verbessert werden kann.
Im Zuge der Präsentation der neuen Kollektion wurden im Mediaportal einige „Praxis-“Bilder veröffentlicht. Beschreibend sehen Sie sich bitte folgendes Bild an:
DB Mediaportal (Bild 1)
Durch die gewählte Farbkombination der Ubk treten die dort gezeigten Mitarbeiter durch „professionelle Unauffälligkeit“ auf. Dadurch, dass keine der gewählten Farben in der DB Corporate Identity vorkommt, werden A) diese Mitarbeiter nicht sofort mit der DB in Verbindung gesetzt und B) sind diese nicht auffällig und von weitem Erkennbar. Zynisch könnte man bei obigen Bild erwähnen, diese drei Mitbürger befinden sich gerade auf dem Weg in ihr Arbeitsbüro.
An der Ubk gibt es keine kontrastreichen farblichen Akzente, die diese mit der DB verbindet. Das einzige Erkennungsmerkmal stellt der kleine DB-Pin dar, welcher nur von kurzer Distanz erkennbar ist.
Ein erstes Gedankenexperiment:
Sie befinden sich nun in einem fremden Land, z.B. Frankreich oder Japan, und Sie benutzen dort die Eisenbahn, benötigen jedoch Hilfe. Würden Sie die oben gezeigten Mitarbeiter sofort als Bahnpersonal von SNCF oder JR East erkennen oder würde der Blick weiter schweifen auf der Suche nach den Mitarbeitern? Welche Gedanken würden Ihnen in den Sinn kommen, wenn Sie kein SNCF-Zugpersonal erkennen könnten, da diese sich durch Kleidung im Alltagsschnitt  "tarnen"?  Vor der selben Situation würden in Zukunft die ausländischen Touristen bei uns stehen und generell Gelegenheitsreisende.

Beispielnehmend sei auch folgendes Bild:
DB Mediaportal (Bild 2)
Auf der linken Seite des Bildes kann die Person eindeutig auch von weitem als DB-Mitarbeiter erkannt werden. Auf der rechten Seite sehen Sie einen gewöhnlichen Arbeiter auf dem Weg ins Büro. Einziges Erkennungsmerkmal welches diese Person als DB-Mitarbeiter verrät, ist ein kleiner DB-Pin auf Brusthöhe.
War es ein Ziel, die Mitarbeiter möglichst unauffällig in einer Menschenmasse werden zu lassen?
Galt es als Ziel, noch mehr Kritik der Fahrgäste ausgesetzt zu sein, weil DB-Mitarbeiter nicht mehr erkannt werden können und „sich vor den Reisenden verstecken“?

Unglücklich gewählt wurde auch die blau gemusterte Krawatte, wie anhand folgendem Bild festgestellt werden kann:
DB Mediaportal (Bild 3)
In dieser Kombination lässt sich außer dem DB-Pin von kurzer Distanz, kein professioneller DB-Mitarbeiter erkennen, da keine kontrastreichen farblichen Akzente bestehen und ein Alltagsschnitt verwendet wird. Da auch die anderen Jacken dunkelblau sind, besteht das Problem generell.

Ich zitiere aus einer Pdf zu Präsentation: „Wesentliche Verbesserungen bei Funktionalität, Optik und Komfort zahlen zusätzlich auf die Mitarbeiterzufriedenheit sowie den Stolz und die Identifikation mit der Marke DB ein.
Abschließend sei deshalb gesagt, wie kann eine Identifikation mit der Unternehmensbekleidung bestehen, wenn deren einzige Verbindung zur DB erst mittels einem kleinen Pin hergestellt werden muss, der noch dazu von weitem nicht erkennbar ist? Bei der derzeitigen Ubk kann die Identifikation zum DB-Konzern allein und von weitem durch die markante Farbe „DB-Rot“ erfolgen. Die im Prototyp gewählten Farbtöne und die Kombination dessen, wirkt im Rahmen der CI einfach deplatziert.
Das Problem besteht auch darin, dass die verwendeten  Prototyp-Jacken und -Sakkos mit normaler Alltagskleidung verwechselt werden können, was nicht Sinn und Zweck bei einem Mitarbeiter sein kann, der durch seine Ubk erkennbar sein sollte. An Alltagskleidung angelehnte Kleidungsstücke könnten sich jedoch verwenden lassen, wenn z.B. Hoheitsabzeichen, Streifen (s. auch dritter Punkt in dieser Schrift) verwendet werden würden, die eindeutig die Nachricht vermitteln: "Dies ist ein DB-Mitarbeiter". Siehe auch das Gedankenexperiment oberhalb zu Bild 1. Selbstverständlich werden Mitarbeiter von Station&Service weiterhin eine Service-Mütze tragen, da diese Mitarbeiter aber nicht sprichwörtlich wie Sand am Meer an Bahnsteigen stehen, kann dies nicht als Argument herangezogen werden, das Zugpersonal nicht kenntlicher zu machen.
Dass ein kräftigeres Rot (nicht notwendigerweise DB-Rot) sehr wohl verwendet werden kann, zeigt die ÖBB in ihrer Kollektion. Selbst die Lufthansa ist sich bei ihrem kürzlich vorgestellten Redesign ihrer „Hausfarbe“ Gelb bewusst und belässt sie auf ihren Uniformen. Möglicherweise, weil der Lufthansa bewusst ist, dass sie dadurch durch ihre Uniformen identifiziert werden können?

Mir ist bewusst, dass die Intention des Burgundy darin liegt, auch Kleider, Jacken und Westen in der Farbe anbieten zu können, ohne dabei eine schrille Uniform wie die der Austrian Airline zu kreieren.
Hier gilt es also, ein gesundes Mittelmaß zwischen Erkennbarkeit, Identifikation zur DB CI und doch etwas zurückhaltendes zu finden.

 

Keine autoritären/respektzollende Kleidungsstücke

Die Übergriffe, Beleidigungen und Respektlosigkeiten gegen das Bahnpersonal nehmen weiter zu, leider. Im Konzern werden viele monetäre Ressourcen aufgewendet, um zu überlegen, wie dem entgegengewirkt werden könnte. So werden Deeskalationstrainings abgehalten, neue Sicherheitskräfte eingestellt und Gewerkschaften halten Selbstverteidigungskurse ab.
Dennoch wird die neue Kollektion weiter in Richtung „Service“ getrimmt und konterkariert damit die Bestrebungen, etwas gegen die Übergriffe zu unternehmen. Es werden keinerlei autoritäre Schnitte oder Kleidungsstücke angeboten. Obwohl genau dies dabei hilft, dass Reisende eventuell doch einer Aufforderung nachkommen und nicht ständig respektlos uns gegenüber auftreten.
Hier sei zuerst dieser Artikel erwähnt:
Wirtschaftswoche: "Die perfekte Firmenjacke wird auch privat getragen"
Zitat des Experten: „Eine Rolle spielt wegen zunehmenden Angriffen auf Zugbegleiter auch die Sicherheit: Ihre Kleidung muss eine gewisse Autorität ausstrahlen, möglicherweise brauchen sie für bestimmte Fahrten sogar stichfeste Westen.
Und weiter: „Die kommunikativen Aufgaben sind, die Zugehörigkeit zum Unternehmen zu signalisieren, Imagewirkung nach innen und außen, Repräsentation, Kompetenz und fallweise auch die Vermittlung von Vertrauen oder Respekt. Wichtig ist hier die richtige Mischung von Repräsentanz und Autorität, aber auch Zugewandtheit und Service.

Als Beispiel sei dieses Bild genannt:
DB Mediaportal (Bild 4)
Keine der beiden Mitarbeiter strahlt Autorität durch die Ubk aus, da diese gar nicht dafür ausgelegt ist. Fataler noch: Die neue Ubk strahlt weniger Autorität also die bisherige aus, da sie „legerer“ und „cooler“ wirken soll.
Ein weiterer Artikel hierzu:
Spiegel: "Lufthansa: Mode-Expertin über Uniformen und Mützen-Pflicht"
Zitat: „Hackspiel-Mikosch: Die Uniform ist unentbehrlich. Sie strahlt Autorität und Sicherheit aus. Die dunkle Farbe wirkt beruhigend, hat aber auch fast schon etwas Strenges, Militärisches. Das signalisiert dem Fluggast, dass er dem Träger vertrauen kann, auch wenn er den Kapitän nur kurz durch die geöffnete Cockpit-Tür oder beim Aussteigen sieht.

Auf dem oben verlinkten Bild 4 des Mediaportals ist der rechte Mann ein Lokführer und die Frau links eine Zugbegleiterin. Strahlt der Lokführer durch seine „coole“ Ubk nun Sicherheit und Professionalität aus? Nein, im Gegenteil. Ich persönlich würde mich beim Anblick eher fragen, ob es ihm überhaupt erlaubt ist, den Führerstand zu betreten.
Das führt auch zu Problemen, wenn Reisende erneut nicht dem Zugpersonal Folge leisten wollen. Tritt der erwähnte Lokführer nun in den Fahrgastraum und bittet den Reisenden auszusteigen, hilft es dabei, dass er eher cool wahrgenommen wird und nicht so recht Professionalität ausstrahlt? Dies ist nur eins von vielen Beispielen. Auch die Ausstrahlung des Zugbegleiters ist äußerst wichtig, so dass dieser auch ohne Lokführer oder Polizei Durchsetzungsvermögen besitzt.
Reisende die bisher schon auf Konfrontation aus sind, werden sich noch mehr fragen, „Was will der denn? Wer ist er überhaupt, dass er sich so etwas erlaubt und für wen arbeitet er eigentlich?
Stattdessen muss hierzu wieder die Polizei mit ihrer beeindruckenden und Autorität ausstrahlenden Uniform herbeigerufen werden und der Zug muss am Bahnsteig stehen bleiben. Die Auswirkungen wenn ein Zug stehen bleibt, müssen hier wohl nicht aufgeführt werden.
Im vergangenen Jahr gab es über 2500 Übergriffe auf das Zugpersonal. Eine Zahl die nicht zu vernachlässigen ist und sich auch medial in den letzten Monaten verbreitet hat. Dieser Anzahl an Übergriffen kann nicht nicht mit einer Ubk entgegentreten, die auf "Cool und leger" und "Kunde ist König" getrimmt ist.
All dies könnte man dauerhaft und einfach reduzieren, in dem die Ubk mehr Autorität ausstrahlt und eben Respekt einfordert. Eine Ubk, die außerdem Professionalität und Sicherheit ausstrahlt. Nebenbei erwähnt, strahlen graue Pullunder und Pullunder im Allgemeinen, dies nicht aus.

Ein Gedankenexperiment:
DB Mediaportal (Bild 5)
Dies sind DB-Mitarbeiter. Jetzt wird der DB-Pin durch den Aufdruck „Polizei“ ersetzt. Wie viel Autorität und Vertrauen haben diese Polizisten gerade eingebüßt, durch ihre „coolere“ Kleidung? Wie würden konfliktsuchende Personen auf diese Polizeiuniform reagieren?
Die Frage ist deshalb: Sind all diese Thematiken bei der Neugestaltung bewusst wahrgenommen worden?
Ist es nicht erstrebenswert, mit der Kleidung dem Trend der Respektlosigkeiten etwas entgegen zu setzen?
Wenn nein, wieso nicht?
Weshalb ist es erstrebenswert, die Ubk so zu gestalten, dass man nur noch als „Service-Waschlappen“ wahrgenommen und ohne Respekt behandelt wird?
Ein weiterer Punkt zu Bild 5: Wie sehr die neue Ubk an Alltagskleidung angelehnt ist, sieht man bei Herrn Lutz in der Mitte: Herr Lutz trägt eigentlich keine Ubk, sondern nur normale Businesskleidung (bis auf die neue Krawatte), die Unterscheidung fällt schwer, dennoch müssten nun die Reisenden in Zukunft die neue Ubk vom Zugpersonal (ohne Station&Service Mütze) von normaler Businesskleidung unterscheiden können. 

Die von Guido Maria Kretschmer vorgeschlagenen Sneaker-Schuhe mit weißer Sohle, geben nur noch mehr Salz in diese Wunde. Die Schuhe führe ich nicht weiter aus.

 

Abschaffung von Streifen und Epauletten

Eng verknüpft mit den obigen Punkten oder sogar als Ergänzung dessen, ist die Abschaffung von den Ärmelstreifen des Zugpersonals und den Epauletten der Lokführer.
Streifen strahlen Stolz und Zugehörigkeit zur Berufsgruppe aus. Ebenso wie Autorität und Sicherheit gegenüber Reisenden. Ich führe obige Punkte nicht erneut aus.
Welcher Vorteil wird Intern und Extern durch die Abschaffung erzielt? Ist es nicht sinnvoll Intern unterscheiden zu können, wer welchem Beruf angehört? In einer Gruppe von Kollegen, möchte ich zum Beispiel sofort erkennen können, wer Lokführer und Zugbegleiter ist.
Auch für Reisende ist ein Unterscheidungsmerkmal sinnvoll, ein Großteil derer kann auch heute schon zwischen Lokführer und Zugbegleiter unterscheiden und wendet sich dann dem identifizierten Zugbegleiter zu.
Eigentlich sollte das Thema Epauletten nicht zur Frage stehen. Vor einigen Jahren fand eine Umfrage statt, in der sich FÜR die Epauletten entschieden wurde.
Diese Umfrage soll nun null und nichtig sein?
Wie entstand diese neue Einschätzung, ein Aufruf zu einer erneuten Umfrage fand NICHT statt.
Selbstverständlich ist folgendes eine subjektive Einschätzung, aber ein Großteil der Lokführer die derzeit Ubk tragen, tragen auch Epauletten. Die Lokführer die diese tragen, werden also nicht dagegen gestimmt haben. Sollte tatsächlich eine Umfrage stattgefunden haben, so soll bitte das Ergebnis präsentiert werden, samt der Teilnehmeranzahl und ob die Teilnehmeranzahl repräsentativ genug ist. Dies böte eine BASIS zu WEITERGEHENDEN DISKUSSIONEN. Interessant ist in diesem Zusammenhang außerdem, dass auf den offiziellen "DB Karriere"-Fotos (etwa bei Facebook) fast ausschließlich Lokführer mit Epauletten abfotografiert wurden. Sie scheinen also auch medienwirksam vermarktet zu werden.
Die Epauletten haben auch etwas mit Stolz zu tun. Ähnliches kann ich mir auch bei den Zugbegleitern vorstellen, wenn sie das Sakko mit drei Streifen tragen. Nach der erfolgreichen Prüfung die Epauletten einschieben, ist für jeden ein großer Moment. Lokführer ist ein Mangelberuf, nun soll auch noch den zukünftigen Azubis und Quereinsteigern eine weitere Motivation genommen werden, Lokführer zu werden? Ist das wirklich Sinn der Sache?
Interessanterweise stellt sich diese ganze Problematik bei Piloten, Polizei, Schiffsbesatzung, etc nicht. Dort ist man Stolz auf diese Zeichen, eben weil sie Autorität und Vertrauen ausstrahlen. Niemand würde sie in Frage stellen.
Sinnvollerweise müssten auch die Zugbegleiter, im Zuge einer Aufwertung ihres Berufs, präsenter mit ihren Streifen ausgestattet werden.

  

SCHLUSSWORT

Es lohnt sich ein Blick über den Tellerrand, wie die Ubk auf Reisende und zukünftige Mitarbeiter wirkt.
Muss der Konzern möglicherweise mehr Geld für die Sicherheit aufwenden, wenn wir in den Augen der Reisenden „Waschlappen“ (wahlweise mit grauen Pullunder) sind? Muss mehr in Marketing investiert werden, weil unsere Berufe nicht mehr respektiert werden? Wie viele Züge fallen aus, weil erneut Bahnpersonal angegriffen wurde? Wie viel Geld muss für Pönale gezahlt werden, weil Züge durch Polizeieinsatz verspätet ankommen? Wie viel Geld muss für eine bessere Fahrgastinformation investiert werden, weil Bahnpersonal nicht erkannt wird und die Berufsgruppen nicht kleidungsmäßig abgegrenzt sind?

Abschließend ein Zitat von Spiegel Online:
Spiegel: "Deutsche Bahn bekommt neue Uniformen"
"In Grau gibt es außerdem noch eine Strickjacke, die eher nach Seniorenheim statt nach Schnelligkeit aussieht. Dynamik sollen vermutlich auch die Zierstreifen an den Hemdkragen symbolisieren. Stattdessen sind sie einfach nur hässlich. Hoffentlich überlegt es sich die Bahn noch einmal, bevor sie bis 2021 ihre Mitarbeiter damit ausstaffiert.
[...]
Das dunkelblaue A-Linienkleid dürfte diese Anforderungen erfüllen, so richtig elegant sieht es aber nicht aus. Wahrscheinlich ist es genau die richtige Mischung aus bieder und unauffällig, wie es sich aus Sicht der Verantwortlichen für einen ehemaligen Staatsbetrieb gehört."

 

Mit freundlichen Grüßen,
Dennis



Heute: Dennis verlässt sich auf Sie

Dennis R. benötigt Ihre Hilfe zur Petition „Kritik und Wegweiser für die neue DB Unternehmensbekleidung”. Jetzt machen Sie Dennis und 1.241 Unterstützer/innen mit.