Petition richtet sich an An die Bundesregierung

KITAs schaden Kindern - neue wissenschaftliche Belege - Kinder brauchen keine neuen KITAs!

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Ganztags-Kindertagesstätten (KITAs) sind für Kinder ein Dauerstress, der ihr Gehirn schädigt und ihre emotionale und soziale Entwicklung hemmt. Kinder müssen zuerst bei den Eltern und der Familie bleiben, bis sie eine sichere Bindung haben. Erst dann kann und muss ihr Erkunden der Welt gefördert werden. Eltern muss der Verdienstausfall in den ersten Jahren ersetzt werden. Dafür können andere mehr Steuern zahlen. Eltern müssen die Freiheit haben, diese Jahre so zu gestalten, dass weder ihr Kind noch sie selbst Nachteile davon tragen. Zum Beispiel: Im ersten Jahr bleibt Mutter oder Vater ganz zuhause, im zweiten Jahr beide halbtags. Sie erhalten so viel Steuerermäßigung oder Erziehungsgeld, dass sie netto so viel haben wie ein kinderloses Ehepaar. Und sie werden gesetzlich geschützt vor Benachteiligung in ihrer Berufslaufbahn. Hier finden Sie die neuesten wissenschaftlichen Berichte: http://dgkjf.de

Liebe Eltern! Diese Petition will Sie unterstützen.

Sie sind durch die Forderung nach dem Stopp des Ausbaus von Kindertagesstätten geschockt und irritiert. Das kann ich gut verstehen, denn statt Ihnen in Ihrer schwierigen Situation zu helfen, werden Ihnen da weitere Knüppel zwischen die Beine geworfen und dazu noch Schuldgefühle gemacht. Das darf nicht so stehen bleiben!

Wenn Sie zusammen so wenig verdienen, dass Sie es sich nicht leisten können, dass einer von beiden zuhause beim Kind bleibt, dann kümmern Sie sich nicht um diese weltverbesserischen Forderungen. Sie haben das Recht, Ihr Leben so gut zu meistern, wie Sie es halt schaffen. Für Kinder gibt es Schlimmeres als KITAs.

Eltern sind nicht dazu da, um ihren Kindern ein Paradies zu schaffen, während sie selbst viel zu wenig vom Leben haben. Im Gegenteil – eine Familie kann und muss sich nicht nur die guten Dinge teilen, sondern auch die Misslichkeiten. Das wird am deutlichsten bei alleinerziehenden Eltern. Und was gar nicht da ist, kann auch nicht geteilt werden. Dann gibt es eben mal nichts.

Es ist wichtig, dass diese Petition sich nicht gegen Eltern richtet. Sie hat vielmehr zwei Zielrichtungen:

1. Die Politik muss Bedingungen schaffen, damit die Eltern nicht mehr in dieser Zwickmühle sind und mangels Geld weniger für ihre Kinder sorgen können, als sie es gern vom Gefühl her tun würden (also große Steuererleichterungen und großes Erziehungsgeld sowie dafür sorgen, dass in der Firma keine Benachteiligungen bezüglich der Berufslaufbahn entstehen wegen des Erziehungsjahrs)
2. Eltern, die es sich leisten können, Informationen geben, damit sie aus freier Entscheidung auswählen können, welchen Kompromiss zwischen eigener Karriere und Vermögensbildung auf der einen Seite und zwei bis drei Jahren Präsenz in der Familie mit dem Kind andererseits sie eingehen wollen.

Der familienpolitische und der wissenschaftliche Hintergrund:

Familienpolitik

Diese Petition richtet sich an die Bundesregierung mit der Bitte, dafür einzutreten, nicht noch mehr Kindertagesstätten zu fordern, sondern Eltern die Möglichkeit zu geben, ihr Kind in der wichtigsten Entwicklungszeit zuhause lassen zu können – mit den Eltern und Geschwistern, denn KITAs schaden Kindern - so das Ergebnis wissenschaftlicher Forschung.
Die Entwicklungspsychologie weiß darum, dass ein KITA-Aufenthalt ganztags vor dem Alter von 24 Monaten Ihrem Kind schadet. Mehr als drei Kleinkinder pro Erzieherin ist Vernachlässigung und Dauerstress, der die Entwicklung des Gehirns hemmt. Trotzdem stehen Mütter unter dem sozialen Druck der Politik, der Medien, der Arbeitgeber, der Kolleginnen und Freundinnen.
„Sei doch nicht altmodisch, sei doch kein Muttchen, das ihre Kinder bebrütet wie ein Huhn die Lege-Eier. Verzichte doch nicht auf Dein Einkommen, Deine Karriere, die Wertschätzung, den Kontakt, die Beziehungen mit Kolleginnen, auf alles was Dir wichtig ist und Dein Beruf Dir gibt. Du wirst sehen wie Dir das fehlt, wenn Du länger als ein halbes Jahr von all dem abgeschnitten bist und nur noch mit anderen Müttern Kontakt hast, mit immer den gleichen Baby-Themen. Und melde Dein Kind rechtzeitig an. Am besten 3 bis 4 Monate vor der Geburt. Und diese Qualitätskriterien für KITAs sind ja völlig übertrieben. Die wollen, dass ein Kind mindesten eine Stunde am Tag eine Erzieherin ganz für sich hat. Und dass nicht mehr als drei Kleinkinder auf eine Erzieherin kommen*. Das könnte ja keiner bezahlen! Das ist eine Utopie der ewig Gestrigen. Kinder brauchen andere Kinder**“
*mit Urlaub und Krankheitsausfällen sind es an vielen Tagen 15 Kinder je Erzieherin.
**Ja aber nur ältere Geschwister. Sie können in diesem Alter von Gleichaltrigen noch nicht profitieren.
Das ist der Mainstream und kaum eine PsychologIn oder Kinderärztin/arzt wagt es, etwas gegen diesen zu sagen. Denn wer will schon (mit Worten) gesteinigt werden?
Oder sind die zwei bis drei Jahre, die ein Ehepaar das Kind für wichtiger halten als den Beruf, doch keine vergeudete Zeit? Was sind schon zwei Jahre im Leben eines Menschen? Wie viel erfüllende Momente verschenkt eine Mutter und ein Vater, der in den Beruf flieht? Für sie sind diese ersten Lebensjahre ihres Kindes zu schnell vorbei und unwiederbringlich verloren. Sie haben ihr Kind in diesem Alter gar nicht richtig kennengelernt (vor allem die Väter). Aber das ist nicht alles: Fehlender Aufbau einer sicheren Bindung zu den Eltern zwischen 8 und 24 Monaten führt zu einer geringeren Chance, dass das kindliche Gehirn die ihm genetisch mitgegebenen Begabungen entwickeln kann. Verbunden mit dem schlechteren Aufbau der Fähigkeit zur Impulshemmung zwischen 3 und 4 Jahren hat das Auswirkungen auf die Lebensqualität und die sozialen und beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten bis in das vierte Lebensjahrzehnt (Walter Mischel 2015). Also ein sehr hoher Preis!
Diese kurze und intensive Investition in die Entwicklung ihrer Kinder zahlt sich für das ganze Leben aus. Jegliche Vernachlässigung (und die meisten Ganztags-KITA-Aufenthalte in diesem frühen Alter entsprechen der Vernachlässigung) rächt sich später ebenso wie jegliche Stresshaltung nach einem anstrengenden Arbeitstag, an dem auch noch das Kind etwas will, wo doch keine Kraft mehr da ist.
Dabei wäre es ganz einfach und auch finanzierbar. Zum Beispiel so:
Im ersten Jahr darf die Mutter beim Kind sein mit vollem Erziehungsgeld.
Im zweiten Jahr dürfen Mutter und Vater halbtags beim Kind sein mit je halbem Erziehungsgeld.
Im dritten Jahr darf der Vater beim Kind sein mit vollem Erziehungsgeld
Wenn das nicht geht: Im dritten Jahr arbeiten beide Teilzeit, so dass sie zusammen auf eine Ganztagsstelle kommen und zahlen keine Lohnsteuer und keine Rentenversicherung (bei voller Anrechnung als Ausfallzeit).
Ab dem vierten Jahr bis zur Einschulung arbeiten beide zusammen so viel, dass 1,5 Stellen zusammen besetzt werden (z. B. 30 Stunden die Mutter und 30 Stunden der Vater oder ungleich verteilt) – und zahlen so wenig Steuern, dass ihnen genau so viel Familien-Nettoeinkommen bleibt wie einem kinderlosen Doppelverdiener-Ehepaar.
Das gäbe mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen und mehr Gerechtigkeit für diejenigen, die die Bürde der Elternschaft auf sich nehmen.
Freiberufler können diese Übergänge natürlich viel individueller und flexibler gestalten.
Was wie eine Emanzipation der Frau aussieht (gleicher Zugang zu allen beruflichen Möglichkeiten wie der Mann), die den Männern und den Arbeitgebern abgerungen wird, ist in Wirklichkeit nur eine Umverteilung der Chancenungleichheit von der Mutter auf ihr Kind. Erst wenn der Gesellschaft und der Wirtschaft wirklich abgerungen wird, was eine Frau braucht, ohne dass sie es ihrem Kind nehmen muss, können wir von Emanzipation sprechen. Bis dahin ist es nur eine Fortsetzung der Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen auf Kosten ihrer Familie.
Sprechen Sie doch mit dem Abgeordneten Ihres Wahlkreises. Jetzt ist er noch empfänglich für solche Worte, nach der Wahl nicht mehr.

Wissenschaft und Forschung
Einige Zitate aus dem entwicklungspsychologischen Wissensfundus (Literaturquellen hierzu bei Sulz 2017):
Die kognitive Entwicklung des Kindes im Vorschulalter konnte Fonagy (1997) aus der Bindungssicherheit mit der Mutter im Alter von 12 Monaten und mit dem Vater im Alter von 18 Monaten vorhersagen. 82 % der sicher gebundenen Kinder lösten Theory-of-Mind-Aufgaben (reflektieren können, dass Überzeugungen und Wünsche eigenes Verhalten und das Verhalten anderer vorhersagen), während nur 46 % der unsicher gebundenen Kinder diese Aufgaben lösen konnten. Ein anderes Studiendesign ergab, dass 87 % der Kinder, die sowohl zu Vater als auch zu Mutter eine sichere Bindung hatten, diese Aufgaben lösen konnten, im Vergleich zu 63 % der Kinder, die nur mit einer Elternperson eine sichere Bindung hatten, und nur 50 % der Kinder, die zu keinem Elternteil eine sichere Bindung hatten. Fonagy schließt daraus, dass die kognitive Entwicklung bei sicher gebundenen Kindern früher die Fähigkeit einer Reflexionsfunktion im Sinne der Theory of Mind hervorbringt und damit der Entwicklungsprozess der Mentalisierung rascher vonstattengeht.
Wenn eine sichere Bindung hergestellt ist, muss das Kind keinen Aufwand mehr betreiben, um diese herzustellen, sondern wird frei für spielerische Entwicklung. Es kann und will sich früher kooperativen Interaktionsspielen zuwenden, wie sie die Als-ob-Spiele darstellen. Sie können Aufgaben zum Gedankenlesen und emotionalen Verstehen gut lösen (Astington & Jenkins, 1995).
Auch ältere Geschwister fördern die Mentalisierungsfähigkeit eines Kindes (Jenkins & Astington, 1995).
Die Entwicklung der Mentalisierung hängt auch von der eigenen Mentalisierungsfähigkeit der Mutter ab (Fonagy, Steele, Moran, Steele & Higgitt, 1991).
(aus Sulz S. (2017). Gute Verhaltenstherapie lernen und beherrschen. Band 1: Wissen. München: CIP-Medien)
Eine sichere Bindung zu den Eltern ist notwendig, um die Fähigkeit zur Impuls- und Affektregulierung zu entwickeln. Dazu gehören die unzähligen Forschungsarbeiten zum Thema Selbststeuerungsfähigkeit, über die Walter Mischel (2015) und Joachim Bauer berichten (2015). Denn die im Alter von 4 Jahren vorhandene oder nicht vorhandene Selbststeuerungsfähigkeit (bei Kindergartenkindern am Beispiel des Belohnungsaufschubs untersucht  Marhsmallow-Test) hat eine erstaunliche Vorhersagekraft auf Lebensqualität von 30 bis 35-jährigen Menschen:
„Vorschulkinder, die beim Marshmallow Test länger auf die Belohnung warteten, wurden Jahre später als Jugendliche folgendermaßen beurteilt: Sie zeigten mehr Selbstkontrolle in frustrierenden Situationen, sie waren nicht so anfällig für Verlockungen, sie ließen sich weniger leicht ablenken, wenn sie sich zu konzentrieren versuchten; sie waren intelligenter, selbstbewusster und zuversichtlicher, und sie vertrauten ihrem Urteilsvermögen. Unter Stress gerieten sie nicht so schnell in Panik wie diejenigen, die Belohnungen nicht zu lange aufschieben konnten, und sie verloren auch nicht so schnell die Fassung, waren nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen und verfielen nicht so oft in unreife Verhaltensmuster. Ebenso konnten sie besser voraus denken und planen, und bei hinreichender Motivation waren sie zielstrebiger. Außerdem waren sie achtsamer, in höherem Maße zu rational-logischem Denken fähig und vernünftigen Argumenten aufgeschlossen, und ließen sich durch leichte Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen.“ (Mischel 2015, S. 38)
„Etwa im Alter zwischen 25 und 30 Jahren schafften es diejenigen, die im Vorschulalter länger auf die Belohnung warten konnten, laut eigener Auskunft besser, langfristige Ziele zu verfolgen, gefährliche Drogen zu vermeiden und ein höheres Bildungsniveau zu erreichen. Ihr Body Maß Index war zudem deutlich niedriger. Außerdem waren sie belastbarer und anpassungsfähiger bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme, und sie schafften es besser, enge Beziehungen aufrechtzuerhalten.“ (a. a.O. S. 39)
„Bei den „guten Belohnungsaufschiebern“ war das Areal im präfrontalen Kortex aktiver, das für effektives Problemlösen, kreatives Denken und die Kontrolle impulsiven Verhaltens beansprucht wird. Dagegen war bei den Anführungszeichen „schlechten Belohnungsaufschiebern“ das ventrale Striatum aktiver, vor allem wenn sie sich bemühten, ihre Reaktionen auf emotional geladene, verlockende Stimuli zu kontrollieren. Dieses im tieferliegenden, primitiveren Teil des Gehirns angesiedelte Areal ist mit Verlangen, Lust und Sucht assoziiert. … dass „schlechte Aufschieber“ offenbar einen starken Motor haben, während „gute Aufschieber“ scheinbar eine bessere mentale Bremse besitzen.“ (A.a.O. 41).
Im präfrontalen Kortex ist unser kühles System des logischen Denkens angesiedelt, es ist nicht schnell auslösbar, es reagiert relativ langsam – Überlegen braucht Zeit. Es reift erst allmählich und kommt erst ab 4-6 Jahren zum immer effektiver werdenden Einsatz. Im limbischen System ist unser heißes System der Emotionen und Impulse zu Hause. Es ist schnell auslösbar, reagiert schnell reflexhaft, spontan, erzielt sofortige Wirkungen wie Befriedigung oder Spannungsreduktion. Es ist von Geburt an funktionsfähig. Große Bedürfnisse und großer Stress aktivieren dieses System.
Die zahlreichen von Mischel (2015) berichteten Studien aus dem Vorschulaltersbereich weisen eindeutig darauf hin, dass das menschliche Gehirn zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift ist und einige für unsere Betrachtungen wichtigen psychischen Prozesse zum Beispiel erst mit drei Jahren beginnen sich zu zeigen und erst mit fünf Jahren voll ausgebildet sind. Was ein Kind mit fünf Jahren kann, hat es zu einem guten Teil nicht erst gelernt, sondern es hat sich entwickelt. Die Individualität, die Persönlichkeit und die geistige Kapazität eines Kindes, wenn man es mit Gleichaltrigen vergleicht, ergibt sich zu einem großen Teil – neben seinen vererbten Merkmalen – aus den frühen Kindheitserfahrungen, die fördernd oder hemmend gewesen sein können. Wir müssen befürchten, dass Ganztags-KITA vor dem Alter von 24 Monaten die Entwicklung des kindlichen Gehirns in oben genanntem Sinn hemmt.
Neueste Studien:
Zepf und Seel (2017) berichten über zahlreiche Studien, die belegen, dass KITAS in den ersten zwei Lebensjahren Kindern schaden. Auch die beste KITA kann nicht verhindern, dass Kinder, die ganztags in einer KITA untergebracht werden, einen sie überfordernden Dauerstress erleben. Dauerstress wiederum, so zeigen sehr viele Studien, hemmt die Entwicklung des Gehirns und damit auch die Entwicklung wichtiger geistiger, emotionaler und sozialer Fähigkeiten. Man muss deshalb damit rechnen, dass Eltern, die sich für eine KITA entscheiden, dazu beitragen, dass sich die Chancen ihres Kindes sich seinen genetisch mitgegebenen Begabungen gemäß zu entwickeln und zu entfalten, deutlich verringern.
 Quelle: Zepf S., Seel D. (2017). Würden sich kleine Kinder für ihre Betreuung Kitas ausdenken? Kinderanalyse 25 (03) DOI 10.201706/ka-25-3-203
https://www.kinderanalyse.de/article/ka_2017_03_0203-0230_0203_01

Wulfes und Schulz (2017) berichteten auf dem 35. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie über eine sorgfältig durchgeführte Studie über den Einfluss außerfamiliärer frühkindlicher Betreuung auf die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter. Es zeigten sich Verhaltensprobleme, externalisierende Verhaltensauffälligkeiten und geringeres prosoziales Verhalten. Sie empfehlen besonders frühes Eintrittsalter (0 bis 3 Jahre) zu vermeiden, außer bei Migrationshintergrund, wo die Integration über eine Institution besser gelingt als in der Familie. Sie betonen, dass die ersten Lebensjahre eine sehr wichtige Zeit im Leben eines Kindes sind.
 Quelle: Wulfes N., Schulz W. (2017). Der Einfluss außerfamiliärer frühkindlicher Betreuung auf die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter. Vortrag am 26.5.2017 35. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Dagegen berichten Schmitt et al. (2015) über exzeptionelle Bedingungen und Ergebnisse bei der Bevölkerung von Dresden, wo 67 % der Eltern ihre Kinder in Kitas geben – eine lange DDR-Tradition beibehaltend. So erkannten Mütter, die ihr Kind schon mit 2 Monaten die Kita gaben, keinerlei negative Folgen. Die Autoren plädieren deshalb dafür, Kinder so früh wie möglich in Kitas unterzubringen.
 Schmitt J. et al. (2015). Determinanten der psychischen Gesundheit im Einschulungsalter – Ergebnisse einer populationsbezogenen Untersuchung in Dresden. Kinder- und Jugendarzt 46, S. 312-325
Hier muss angemerkt werden, dass die Prävention psychischer Störungen als Erkrankung im Kindesalter ein kurzfristigeres Kriterium ist als die Förderung oder Hemmung der Entwicklung des Gehirns und der Psyche mit lebenslangen Folgen. Die untersuchten Kinder müssen bei der Einschulung noch keine psychischen Auffälligkeiten haben und konnten sich trotzdem nicht so entwickeln wie es ohne Kita-Besuch möglich gewesen wäre. Diese Daten beruhen ausschließlich auf Fragebogenantworten der Eltern. Es ist zu fragen, wie gut sich eine Mutter, die ihr Kind mit 2 Monaten in der Kinderkrippe abgibt, in ihr Kind hineinversetzen kann.
Zusammengefasst:
1. Die neurobiologische Basis der Entwicklung der Emotionsregulation und der Impulskontrolle ist die Reifung des Gehirns, speziell des präfrontalen Kortex u. a. mit seiner das limbische System modulierenden und hemmenden Wirkung.
2. Die Plastizität des Gehirns ermöglicht es der Umwelt, auf die Entwicklung in vielfältiger Weise einzuwirken - sowohl entwicklungshemmend als auch entwicklungsfördernd. Die zwischenmenschliche Umwelt ist die einbindende Kultur, die der Entwicklung des Individuums Raum gibt und Grenzen vermittelt. Entwicklung geschieht in Wechselwirkung mit ihr.
3. Sichere Bindung zu den Eltern fördert die Reifung des Gehirns, unsichere hemmt sie.
4. Kinder unter 18 Monaten brauchen nicht Gleichaltrige sondern ältere Kinder und Erwachsene. Sie brauchen keine Gruppe sondern Zweierbeziehungen (mit Mutter, Vater, anderen Erwachsenen, älteren Geschwistern).
5. Stress hemmt die Entwicklung des Gehirns. Gestresste Mütter stecken ihr Kind mit ihrem Stress an. KITA ist Dauer-Stress für das Kind. Und die gestresste Mutter ist Stress für das Kind.
Dieser Text wurde zusammengestellt von Serge Sulz
Literatur:
Bauer, J. (2015). Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens (5. Aufl.). München: Blessing.
Bischof-Köhler, D. (2010). Kognition, Motivation und Emotion in der Frühen Kindheit und im Vorschulalter. In S. Sulz & S. Höfling (Hrsg.) … und er entwickelt sich doch! Entwicklung durch Psychotherapie (S. 3-44). München: CIP-Medien.
Bowlby J. & Holmes J. (2014). Bindung als sichere Basis: Grundlagen und Anwendung der Bindungstheorie. München: Ernst-Reinhardt
Brisch K.-H. (2016): Säuglings- und Kleinkindalter. Stuttgart: Klett-Cotta
Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. & Target, M. (2008). Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst (3. Aufl.). Suttgart: Klett-Cotta.
Grossmann K., Grossmann K. E. (2012). Bindungen: Das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart: Klett-Cotta
Mischel, W. (2015). Der Marshmallow-Test. München: Siedler-Verlag.
Schmitt J. et al. (2015). Determinanten der psychischen Gesundheit im Einschulungsalter – Ergebnisse einer populationsbezogenen Untersuchung in Dresden. Kinder- und Jugendarzt 46, S. 312-325
Schore, A. N. (2012). Bindung und die rechtshemisphärische Regulation. In Rass E. (Hrsg.): Alan Schore: Schaltstellen der Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta, S. 87-110
Sulz, S. (2012). Als Sisyphus seinen Stein losließ oder: Verlieben ist verrückt! Ein psychologisches Lesebuch über menschliche Überlebensformen und individuelle Entwicklungschancen (6. Aufl.). München: CIP-Medien.
Tietze, W., Becker-Stoll, F., Bensel, J., Eckhardt, A. G., Haug-Schnabel, G., Kalicki, B. & Keller, H. (2013). Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Verlag am Netz.
Wulfes N., Schulz W. (2017). Der Einfluss außerfamiliärer frühkindlicher Betreuung auf die Entwicklung von Verhaltensauffälligkeiten im Jugendalter. Vortrag am 26.5.2017 35. Symposium der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
Zepf S., Seel D. (2017). Würden sich kleine Kinder für ihre Betreuung Kitas ausdenken? Kinderanalyse 25 (03) DOI 10.201706/ka-25-3-203 https://www.kinderanalyse.de/article/ka_2017_03_0203-0230_0203_01

Nachtrag:
Serge Sulz wendet sich in dieser dringenden Frage an seine psychotherapeutischen KollegInnen:
Sehr geehrte LeserInnen, entschuldigen Sie bitte, dass ich mich mit einer unbequemen Botschaft melde.
Ich habe viele Jahre lang geschwiegen und entgegen meiner Überzeugung darauf gewartet, dass die Forschung zu dieser Frage verlässliche Angaben macht. Jetzt ist es so weit: Die Bindungsforschung, aber auch die Erforschung der emotionalen und kognitiven Entwicklung bestätigen, dass ein Kind unter 24 Monaten vernachlässigt wird, wenn es zu zehnt oder fünfzehnt 8 bis 10 Stunden am Tag mit einer oder auch mit zwei Erzieherinnen verbringen muss.
Ich weiß, dass Kolleginnen und Kollegen, die ihr Kind in eine KITA geben, sich gegen diese Aussage aufbäumen müssen. Sie stehen unter dem Druck der öffentlichen Meinung und ihrer beruflichen und familiären Situation und sie können sich nicht zerreißen. Und jetzt kommt auch noch einer wie ich daher und lässt die ohnehin schon vorhandenen Schuldgefühle größer werden. Gegen den muss man sich wehren, dann geht es wieder.
Wenn Sie nicht in einer glücklichen Situation sind, in der Sie Wahlfreiheit haben, landet der schwarze Peter bei Ihnen und das können Sie nicht auf sich sitzen lassen. Das sollten Sie auch nicht. Ich bin überzeugt, dass Sie es sich nicht leichtgemacht haben und den für alle Beteiligten besten Kompromiss gewählt haben. Mit Kindern teilt man nicht nur Freud, sondern auch Leid. Also steckt in diesen Ausführungen keine Schuldzuweisung an die Eltern. Diese können nicht anders.
Nein, die ganze Verantwortung geht an die Adresse der Politik. Sie fädelte – um Wählerstimmen zu fangen – den KITA-Boom ein. Und die öffentlichen Medien sprangen flink auf diesen Zug auf. Prompt wurden Stimmen zum Schweigen gebracht, die vor den Folgen dieser Vernachlässigung warnen. Oder die fordern, dass sowohl die Mutter als auch der Vater je ein Jahr Erziehungszeit finanziert bekommen.
Und es bringt nichts, wenn 80 % der KITA-Kinder keine sichtbaren Schäden zeigen. Denn die Entwicklungsdefizite führen nicht direkt zu psychischen Erkrankungen, sondern zeigen sich sehr verzögert – indem das eine Kind sich prächtig entwickelt und auch im Erwachsenenleben seine Begabungen und Chancen nutzen kann, während ein anderes eine vergleichsweise ärmere Existenz und Lebensqualität (inkl. der langfristigen Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen aufweist). Auch die einseitige Betonung der kognitiven Entwicklung und der Schulnoten lässt zu leicht vergessen, dass die emotionale und soziale Entwicklung mindestens so wichtig ist.
Auf der anderen Seite wissen wir PsychotherapeutInnen um das viel häufiger Wehe der Entwicklungsstörungen, die aus einer gestörten Mutter-Kind-Beziehung bzw. Vater-Kind-Beziehung erwachsen können, auch wenn das Kind nie eine KITA gesehen hat: Überbehütung und Verstrickung sowie katastrophale Mann-Frau-Beziehung der Eltern. Mit diesen hausgemachten Problemen sind wir in unserem Beruf vollauf beschäftigt. Trotzdem meine ich, dürfen wir nicht schweigen, wenn wir sehen, was in unserer Gesellschaft und in den Familien passiert.

Noch eine Anmerkung: Eine Reanalyse der in der Presse zitierten wissenschaftlichen Untersuchungen ergab, dass diese falsch interpretiert wurden – in dem Sinne, das Erwünschtes herausgegriffen und Unerwünschtes nicht gewürdigt wurde. Es gibt so gut wie keinen wissenschaftlichen Beweis für die Unschädlichkeit von KITAs. KITAs wirken auf das kindliche Gehirn massiver ein als ein Psychopharmakon – ein solches würde man bei fehlendem wissenschaftlichem Nachweis der Unschädlichkeit niemals zulassen – KITAs schon.

Mit freundlichen Grüßen Ihr Serge Sulz (1. Vizepräsident der deutschen gesellschaft für kinder- und jugendlichenpsychotherapie und familientherapie dgkjf
Serge.sulz@dgkjf.de

 

 

 

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