#KeineLeerenWorte: Für mehr Bildung im Kampf gegen Antisemitismus!

Das Problem

Am 4.10.2020 wurde in Hamburg vor der Synagoge, die ich seit meiner Kindheit besuche, und die für mich ein geborgener, besonderer Ort ist, ein Student von einem Angreifer schwer verletzt. Er war nicht einfach nur ein Student, sondern Jude und als solcher zu erkennen - er trug eine Kippa. Und es war nicht einfach nur ein Tag, sondern ein für uns Juden heiliger Tag: wir haben Sukkot (Laubhüttenfest) gefeiert. Der Anschlag hat mich schwer erschüttert. Das ist meine Gemeinde, meine Synagoge, in meiner weltoffenen Heimatstadt Hamburg und wir hatten sogar geplant, an diesem Tag dort zu sein. „Dank“ Corona sind wir zuhause in Israel geblieben.

Wie nach jedem Anschlag, wie schon letztes Jahr in Halle beim Angriff auf die Synagoge mit einem Gewehr, überschlagen sich die Politiker mit Solidaritätsbekundungen und beteuern, dass Antisemitismus in Deutschland „keinen Platz“ habe. Dabei sitzt er fest mitten in der Gesellschaft.

Es kann so einfach nicht mehr weiter gehen. Deswegen fordere ich: Schluss mit den Phrasen! Wir wollen Taten sehen:

1. Antisemitismus als Thema in der Schule machen  

Im Schulunterricht, aber auch in der Erwachsenenbildung wird Antisemitismus als punktuelle Erscheinung im Zusammenhang mit dem Dritten Reich und dem Holocaust behandelt. Dabei war es der jahrhundert alte Antisemitismus und Antijudaismus, der zum Holocaust geführt hat. Auch dass der Antisemitismus mit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht zu Ende war, wird kaum thematisiert und noch weniger wird über die neuen Formen des Antisemitismus gelehrt.

2. IHRA Antisemitismusdefinition aktiv kommunizieren 

Die International Holocaust Remembrance Alliance oder kurz IHRA hat eine Definition von Antisemitismus entwickelt, die in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Das muss sich ändern! In Sozialen Netzen wird immer wieder die Frage diskutiert, wo kritische Auseinandersetzung aufhört und wo Antisemitismus anfängt. Diese Grenze wird nicht erst bei 6 Millionen Opfern überschritten. Die IHRA definiert das sehr genau und muss daher auf die Lehrpläne der Schulen und in die Köpfe der Menschen durch Kampagnen und Workshops der Länder und der Bundesregierung.

3. Projekte für Dialog fördern                                                                           

Einer der Gründe für Antisemitismus oder Unsicherheiten im Umgang mit Juden ist, dass viele Menschen in Deutschland noch nie einen Juden gesehen haben, geschweige denn sich mit Juden, die in Deutschland leben, auseinandersetzen. Projekte, vor allem online, die Begegnungen mit Juden ermöglichen (beispielsweise Youtube, Podcasts, TV und andere Medien), aber auch solche, die Besuche in aktiven jüdischen Einrichtungen, Synagogen und Kulturbetrieben ermöglichen, sollen finanziell und ideell gefördert werden. Das würde helfen, Fragen und Unsicherheiten anzusprechen und zu lösen.

4. Ein Schutzkonzept für alle jüdischen Einrichtungen in Deutschland entwickeln, das diesen Namen auch verdient!                                         

Natürlich muss ein Schutz der jüdischen Einrichtungen gewährleistet werden. Leider. Die Polizei, Gemeinden und Sicherheitsexperten müssen Schutzkonzepte überarbeiten und entwickeln, die eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten beinhaltet. Der Anschlag in Hamburg hat gezeigt, dass die Polizei ohne den privaten Sicherheitsdienst der Synagoge nicht effektiv genug war in der Abwehr des Angriffs.

Ich wünschte, diese Petition wäre nicht nötig.                                         

Eigentlich beschäftige ich mich mit anderen Themen: Innovation, Politik, Feminismus und vieles mehr. Der Kampf gegen Antisemitismus ist ein Teil meines Lebens geworden. Täglich auf Social Media - wo ich als Jüdin aktiv bin - und wenn ich den sicheren Hafen Israel verlasse und meine alte Heimat Deutschland besuche, muss ich mich mit Antisemitismus auseinandersetzen.

Auch darum habe ich zusammen mit Susanne Glass den Israelisch-Europäischen Media Summit Tel Aviv www.media-tlv.com ins Leben gerufen, um Menschen zu erreichen und zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Umdenken zu bewegen.

Auf aktuellen Anti-Corona Demos in Deutschen Großstädten brechen sich antisemitische Verschwörungstheorien Bahn. Am 9. November 1938 wurden schon mal aus solchen Gerüchten mörderische Gewalt. Deswegen starte ich heute, am 9. November 2020, diese Petition.

Mit dieser Petition möchte ich erreichen, dass endlich wirksam etwas gegen den Antisemitismus in Deutschland getan wird! 

https://www.jenny.ha.vemann.de

 

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Jenny HavemannPetitionsstarter*in

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Das Problem

Am 4.10.2020 wurde in Hamburg vor der Synagoge, die ich seit meiner Kindheit besuche, und die für mich ein geborgener, besonderer Ort ist, ein Student von einem Angreifer schwer verletzt. Er war nicht einfach nur ein Student, sondern Jude und als solcher zu erkennen - er trug eine Kippa. Und es war nicht einfach nur ein Tag, sondern ein für uns Juden heiliger Tag: wir haben Sukkot (Laubhüttenfest) gefeiert. Der Anschlag hat mich schwer erschüttert. Das ist meine Gemeinde, meine Synagoge, in meiner weltoffenen Heimatstadt Hamburg und wir hatten sogar geplant, an diesem Tag dort zu sein. „Dank“ Corona sind wir zuhause in Israel geblieben.

Wie nach jedem Anschlag, wie schon letztes Jahr in Halle beim Angriff auf die Synagoge mit einem Gewehr, überschlagen sich die Politiker mit Solidaritätsbekundungen und beteuern, dass Antisemitismus in Deutschland „keinen Platz“ habe. Dabei sitzt er fest mitten in der Gesellschaft.

Es kann so einfach nicht mehr weiter gehen. Deswegen fordere ich: Schluss mit den Phrasen! Wir wollen Taten sehen:

1. Antisemitismus als Thema in der Schule machen  

Im Schulunterricht, aber auch in der Erwachsenenbildung wird Antisemitismus als punktuelle Erscheinung im Zusammenhang mit dem Dritten Reich und dem Holocaust behandelt. Dabei war es der jahrhundert alte Antisemitismus und Antijudaismus, der zum Holocaust geführt hat. Auch dass der Antisemitismus mit dem Ende des zweiten Weltkrieges nicht zu Ende war, wird kaum thematisiert und noch weniger wird über die neuen Formen des Antisemitismus gelehrt.

2. IHRA Antisemitismusdefinition aktiv kommunizieren 

Die International Holocaust Remembrance Alliance oder kurz IHRA hat eine Definition von Antisemitismus entwickelt, die in Deutschland weitgehend unbekannt ist. Das muss sich ändern! In Sozialen Netzen wird immer wieder die Frage diskutiert, wo kritische Auseinandersetzung aufhört und wo Antisemitismus anfängt. Diese Grenze wird nicht erst bei 6 Millionen Opfern überschritten. Die IHRA definiert das sehr genau und muss daher auf die Lehrpläne der Schulen und in die Köpfe der Menschen durch Kampagnen und Workshops der Länder und der Bundesregierung.

3. Projekte für Dialog fördern                                                                           

Einer der Gründe für Antisemitismus oder Unsicherheiten im Umgang mit Juden ist, dass viele Menschen in Deutschland noch nie einen Juden gesehen haben, geschweige denn sich mit Juden, die in Deutschland leben, auseinandersetzen. Projekte, vor allem online, die Begegnungen mit Juden ermöglichen (beispielsweise Youtube, Podcasts, TV und andere Medien), aber auch solche, die Besuche in aktiven jüdischen Einrichtungen, Synagogen und Kulturbetrieben ermöglichen, sollen finanziell und ideell gefördert werden. Das würde helfen, Fragen und Unsicherheiten anzusprechen und zu lösen.

4. Ein Schutzkonzept für alle jüdischen Einrichtungen in Deutschland entwickeln, das diesen Namen auch verdient!                                         

Natürlich muss ein Schutz der jüdischen Einrichtungen gewährleistet werden. Leider. Die Polizei, Gemeinden und Sicherheitsexperten müssen Schutzkonzepte überarbeiten und entwickeln, die eine engere Zusammenarbeit aller Beteiligten beinhaltet. Der Anschlag in Hamburg hat gezeigt, dass die Polizei ohne den privaten Sicherheitsdienst der Synagoge nicht effektiv genug war in der Abwehr des Angriffs.

Ich wünschte, diese Petition wäre nicht nötig.                                         

Eigentlich beschäftige ich mich mit anderen Themen: Innovation, Politik, Feminismus und vieles mehr. Der Kampf gegen Antisemitismus ist ein Teil meines Lebens geworden. Täglich auf Social Media - wo ich als Jüdin aktiv bin - und wenn ich den sicheren Hafen Israel verlasse und meine alte Heimat Deutschland besuche, muss ich mich mit Antisemitismus auseinandersetzen.

Auch darum habe ich zusammen mit Susanne Glass den Israelisch-Europäischen Media Summit Tel Aviv www.media-tlv.com ins Leben gerufen, um Menschen zu erreichen und zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Umdenken zu bewegen.

Auf aktuellen Anti-Corona Demos in Deutschen Großstädten brechen sich antisemitische Verschwörungstheorien Bahn. Am 9. November 1938 wurden schon mal aus solchen Gerüchten mörderische Gewalt. Deswegen starte ich heute, am 9. November 2020, diese Petition.

Mit dieser Petition möchte ich erreichen, dass endlich wirksam etwas gegen den Antisemitismus in Deutschland getan wird! 

https://www.jenny.ha.vemann.de

 

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Jenny HavemannPetitionsstarter*in

Die Entscheidungsträger*innen

Sawsan Chebli
Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales
Beantwortet
Wir erleben aktuell einen enormen Anstieg antisemitischer Hetze und Angriffe. Die Corona-Pandemie lässt alte Feindbilder aufleben und antisemitische Verschwörungen verbreiten sich gefährlich schnell – bis weit in die Mitte der Gesellschaft. Dies macht einmal mehr deutlich, dass unser Auftrag, die Erinnerung wach zu halten, nie als beendet betrachtet werden darf. Erinnerungskultur und politische Bildungsarbeit sind enorm wichtig, um dem um sich greifenden Hass entgegenzutreten. Gleichzeitig muss jüdisches Leben sichtbarer werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass durch persönliche Begegnungen, wachsende Repräsentation und einen offenen Dialog, Vorurteile und Hass abgebaut und Verständigung geschaffen werden können. Sprich: Bildung und Begegnung. Aus diesem Grund unterstütze ich die Forderungen der Petition #KeineLeerenWorte. Denn Judenhass ist Gift für unser friedliches Zusammenleben und unsere Demokratie. Er bedroht uns alle und deshalb ist jede:r von uns dazu verpflichtet, dem Antisemitismus jeden Tag aufs Neue den Kampf anzusagen! Foto: Sawsan Chebli
Frank Müller-Rosentritt
Abgeordneter des Deutschen Bundestags (FDP)
Beantwortet
2019 und 2020 haben wieder einmal gezeigt, wie notwendig die Überarbeitung der bestehenden Konzepte im Einsatz gegen Antisemitismus ist. Der Dreiklang aus Prävention, Intervention und Sanktion spiegelt sich auch in dieser wichtigen Petition wieder. Antisemitismus ist kein neues Problem, sondern jahrhundertealte Feindschaft in ständig neuen Schläuchen. Gerade seine Wandlungsfähigkeit und die damit oft einhergehenden Irritationen und Relativierungen unterstreichen doch noch einmal, dass wir unsere Anstrengungen intensivieren müssen. Es ist schon ein trauriges Eingeständnis, dass jüdisches Leben in Deutschland nur unter massiven Schutzmaßnahmen stattfinden kann. Allerdings müssen diese Maßnahmen auch ihren Namen verdienen. In Halle haben sie das nicht, es war lediglich eine einfache Holztür, die das schlimmste antisemitische Massaker der Nachkriegsgeschichte verhindert hat. Dieser Status Quo muss hinterfragt werden, jüdische Gemeinden müssen besser geschützt sein und Antisemitismus in jeder gesellschaftlichen Sphäre konsequent begegnet werden. Das beginnt in den Schulen, geht über Ausbildungsgänge und Universitäten bis hin zu Strafverfolgungsbehörden. Die Missstände sind zahlreich, deshalb ist unverzügliches Handeln geboten. Deshalb unterstütze ich diese enorm wichtige Initiative! Foto: Frank Müller-Rosentritt
Deutsche Politik
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