Weihnachtlich glänzet der Wald ...

Vor nunmehr vier Monaten haben wir unsere Petition auf den Weg gebracht und finden, dass es nun mal wieder an der Zeit ist, euch über den momentanen Stand in unserer Sache zu informieren. Wir haben bisher etwa 1560 Unterstützer gefunden, die mit ihrer Unterschrift bekundet haben, dass es so mit der systematischen Baumvernichtung in unserer Stadt nicht weitergehen kann. Das ist für das verschlafene Marl ein wirklich beachtliches Ergebnis. Es gibt erste Anzeichen in der Politik, die ein Umdenken zugunsten des Mikroklimas und der bürgernahen Nutzung erkennen lassen. Das ist nicht zuletzt Euer Verdienst. Auch Mitglieder aus den Pro-Bebauungs-Fraktionen haben in unserer Petition klar Stellung bezogen zum Erhalt des Waldes und gegen die profitgesteuerte Bebauung des Waldparks. Sie haben sich damit viel Ärger aus ihren eigenen Reihen eingehandelt und es wurde in der Presse ausführlich über diese Sache berichtet. Das couragierte Verhalten der Menschen, auch gegen die Gepflogenheiten des Fraktionszwanges, hat einen enormen Eindruck hinterlassen. Das ist in unserer Stadt nicht selbstverständlich und wir möchten wir uns hierfür noch einmal herzlich bedanken.
Wie geht es nun weiter ?
In einer der nächsten Ratssitzungen werden wir die Petitionslisten und die dazugehörigen Kommentare an den Bürgermeister übergeben und damit erneut unserer Forderung Nachdruck geben, jetzt endlich die Finger von unserem Jahnwald zu lassen. Gerade der vergangene so überhitzte Sommer hat uns deutlich gezeigt, wie wichtig grüne Inseln im dicht besiedelten Stadtgebiet sind und in Zukunft noch sein werden.
Wir werden weiterhin das Gespräch mit der Politik und der Verwaltung suchen, um für eine ökologisch sinnvolle, auf das Wohl der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtete Stadtplanung zu kämpfen und konstruktiv über Alternativen zu sprechen. Das gilt sowohl für die regionale wie auch für die überregionale Administration.
Der derzeit noch gültige Landesentwicklungsplan und der Regionalplan Ruhrgebiet verbieten die Bebauung auf dieser Grünfläche. Im Entwurf für den neuen Regionalplan allerdings , der im nächsten Jahr verabschiedet werden soll, ist diese Fläche schon als Bauland ausgewiesen, womit rechtlich die Rodung des Stadtwaldes und die Bebauung mit hochpreisigen Wohneinheiten abgesegnet wäre.
Wir werden deshalb unsere Einsprüche gegen den vorliegenden Entwurf einbringen und mit konzertierten Aktionen weiterhin die Öffentlichkeit an unserem Protest beteiligen.
Durch Eure Hilfe haben wir schon jetzt einen kräftigen Rückenwind für unsere Sache erhalten.
Vielen, vielen Danke für Eure Unterstützung.
Das war also eine kurze Zusammenfassung der momentanen Situation unseres Projektes und wir versprechen, Euch auch weiterhin auf dem Laufenden zu halten und über geplante Aktionen zu informieren.
Jetzt steht das Weihnachtsfest vor der Tür und wir werden im Kreise der Familien ein paar entspannte und besinnliche Tage verbringen. Wir werden neue Kraft schöpfen für unsere Sache und hoffen, dass am Ende die Vernunft siegen wird. In unseren Sinne und für die nachfolgenden Generationen.
Wir wünschen Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches und gesundes neues Jahr 2019.
Bleibt weiter aufrecht und ungehorsam.
Die Bürgerinitiative zum Erhalt des Jahnwaldes
Wir verweisen auf die fachlich sorgfältigen Arbeiten von Prof. Hermann Mattern, Direktor des Instituts für Gartenkunst und Landschaftsgestaltung an der Technischen Universität Berlin, die er zusammen mit seinem damaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter Dipl. rer.hort. Günter Nagel – späterer Prof. Dipl.Ing. Günter Nagel für Landschaftsbau an der Technischen Universität Hannover – und mit Studierenden in einem Forschungsauftrag auf Veranlassung von Bürgermeister Heiland 1962/63 erarbeitet hat, erschienen als: „Landschaftsaufbauplanung Marl“(Herausgeber: Prof. H. Mattern und Günter Nagel) im Verlag Patzer (Hannover/Berlin/Sarstedt )1966/67.Ferner verweisen wir Prof,. Mattern: „Marl Mosaik in Grün“, in Festschrift aus Anlass des 25.jährigen Bestehens der Stadtgartengesellschaft Marl 1938 – 1963: In diesem Beitrag sind die wesentlichen Begründungen und Ergebnisse zusammengefasst und dazu schreiben Bürgermeister Heiland und Paul Lücke als damaliger Bundesminister für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung Geleitworte. Bürgermeister Heiland führt in seinem Geleitwort aus: „Durch Beschluss vom 2.1.1962 hat der Rat der Stadt Marl einen neuen Abschnitt in der Raumordnung der Stadtregion Marl, die auf der Stadtplanung von Herrn Dr. Ing. Marschall basiert, eingeleitet. Dem Institut für Gartenkunst und Landschaftsgestaltung an der Technischen Universität Berlin, das von Herrn Prof. Hermann Mattern geleitet wird, wurde als planungswichtige Aufgabe der Forschungsauftrag erteilt, einen Landschaftsbestands- und Aufbauplan Marl ….zu erstellen. Außerdem hat Herr Professor Mattern den Grünflächenplan für den Marler Stadtkern und den Bepflanzungsplan für die Grünanlagen im Bereich des Jahnstadions vorentworfen. …Das Ergebnis der auf die neue Stadtregion gerichteten Bemühungen kann heute in seinen wesentlichen Teilen mit dieser Broschüre der Marler Bürgerschaft und der breiteren Öffentlichkeit vorgelegt werden….Es steht außer Zweifel und ist in den industriellen Ballungsräumen zu einer bitteren Erkenntnis geworden, dass Städtebau und Raumordnung zu den wichtigsten und schwierigsten Aufgaben der Gegenwart gehören----Zu diesen Prinzipien gehört vor allem der Grundsatz, dass eine übermäßige Verdichtung von Bevölkerung und Industrie mit Rücksicht auf die Erhaltung natürlicher Lebensbedingungen vermieden werden sollte. ..Dies mahnt uns symbolhaft, das freudlose Leben von Millionen in aller Welt nicht zu vergessen und mit allen unseren Kräften ein Beispiel des besseren Wohnens und gesünderen Lebens zu geben. Die Stadt Marl gibt ein solches Beispiel…“ (s. 2)