Petition updateKein Gift in Brandenburgs Wäldern!Sprühhubschrauber auf Abwegen - Vergiftung von Fichtenwalde im Jahr 2005
Karl Tempel
Apr 28, 2019

Fichtenwalde wurde bei Einsätzen gegen Forstschädlinge in der Vergangenheit mindestens zweimal vergiftet. Wir, Steffie und Stefan Hesse - in Fichtenwalde wohnend seit 1994, waren im Jahr 2005 durch fehlerhaftes Befliegen persönlich betroffen.

2005 ist der Vergiftungseinsatz (mit Dimilin) trotz unseren Protestes fehlerhaft durchgeführt worden, und dass, obwohl wir die Forstbehörde im Vorfeld darauf hinwiesen, dass die Wahrscheinlichkeit einer fehlerhaften Befliegung eines Forstes der in eine Waldgemeinde übergeht, sehr groß ist. In unserem Protestschreiben wiesen wir darauf hin, dass die Bewohner Fichtenwaldes schon einmal in den 80er Jahren unter einer fehlerhaften Befliegung (mit DDT) zu leiden hatten. Bei dem Einsatz 2005 „verflog“ sich ein Hubschrauber um mindestens 500 m, „behandelte“ das Wohngebiet Charlottenburger und Kaniner Straße und überflog unser Haus mit eingeschalteter Sprüheinrichtung. Nach sofortiger Einschaltung der Polizei ist der Einsatz abgebrochen worden.

Im Nachhinein hat man die Vergiftung des Ortes vertuscht. Alle Warnschilder wurden sofort demontiert, einer Aufforderung zur Beprobung unseres Grundstückes kam man nicht nach. Auch heute gibt es von der Forstbehörde keine Aussage dazu.

  • Die Wälder, die nach dem Abbruch der Vergiftungsaktion nicht „behandelt“ werden konnten, sind von den behandelten heute nicht zu unterscheiden. Keine Waldfläche ist kahl oder versteppt.

2005 hatte man uns zugesichert, dass der Abstand des Einsatzes 400 -700m zum Ort beträgt, also mindestens vierfach so viel wie der vom Gesetzgeber vorgegebene Abstand von 100m. Heute möchte man auf 125m Entfernung vergiften. Eine Ausnahmegenehmigung, die den Sicherheitsabstand teilweise auf 0m [sic! Null Meter!] reduzieren soll, wurde beantragt. Hier nimmt man billigend in Kauf, dass Menschen geschädigt werden, in einer Gegend in der viele Familien mit kleinen Kindern wohnen. „...Gesundheitsschädlich bei Verschlucken oder Einatmen. Kann allergische Hautreaktionen verursachen. Kann bei Einatmen Allergie, asthmaartige Symptome oder Atembeschwerden verursachen...“ (Produktinformationen KARATE® FORST 15.08.2018, Syngenta Group Company).

Wir wiederholen hier noch einmal unseren dringenden Appell von 2005:

  • Grundgesetz Artikel 20a [Umweltschutz]:Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere …

Bei der Abwägung, ob man die einseitigen finanziellen Interessen der nicht umbauwilligen Waldbesitzer oder die möglichen Risiken für den Menschen und der Natur zu seiner Handlungsmaxime erhebt, sollte sich der Entscheidungsgeber immer von Letzterem leiten lassen.

  • Wieso ist es in 2019 verwaltungstechnisch immer noch einfacher den Wald zu vergiften und den Besitzer dafür bezahlen zu lassen?
  • Wieso kann man den Waldbesitzer nicht auf die gleiche Weise zwingen seine Plantagen umzubauen?

Eigentum verpflichtet. Dieser Satz gilt auch für Plantagenbesitzer. Fakt ist, dass nur wenige Eigentümer in den vergangenen Jahren den Umbau vorangetrieben haben und einen Wald entstehen lassen, der seinen Namen auch verdient. Zum „Dank“ werden diese umgebauten Flächen nun auch vergiftet, obwohl die Umbauwilligen derartige Verfahren für die Zukunft verhindern wollten.

Schon im Jahr 2005 erklärten wir, dass zugelassene Mittel immer nur einen begrenzten Einsatzzeitraum haben, bis eben die Wissenschaft die Restrisiken publiziert. Das ist bei DDT, wie Lindan und nun auch bei Dimilin der Fall. Auch das nun angedachte Mittel Lambda-Cyhalothrin hat seine Zulassung schon für einige Anwendungsgebiete verloren. Das vorgesehene Gift ist ein Totalinsektizid.
Wir haben 2019. Die Zeit des globalen Tiersterbens, vor allem hier in Deutschland der Insekten, einem Teil der Nahrungskette, an dessen Ende übrigens der Mensch steht. Behörden, die zum Schutz unsrer Gesundheit und der Umwelt Sorge tragen sollen, wenden immer noch derartige, vollkommen aus der Zeit gefallene Methoden an. Abgesehen von der ökologischen und ökonomischen Unsinnigkeit eines solchen Einsatzes ist das Vertrauen in die Vorbereitung und Durchführung absolut erschüttert.

Steffie und Steffen Hesse, Fichtenwalde

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