Petition updateKein Foto für Heidi22.000 Unterstützer*innen ABER keine Reaktion von Heidi Klum
Margot SchlönzkeBerlin, Germany
Jul 3, 2019

Liebe Unterstützer*innen, Liebe Drag Community, 


wahnsinn!! In so kurzer Zeit konnten wir bereits über 20.000 Unterstützer*innen für unsere Kampagne „Kein Foto für Heidi“ erreichen! Von diesem Ansturm und der Entwicklung in so kurzer Zeit sind wir völlig überwältigt. DANKE!


Wir haben da scheinbar den Nagel auf den Kopf getroffen zu haben und genau die Probleme erfasst und thematisiert, die vielen anderen auch auf dem Magen lagen.

In einem kurzen Statement gegenüber der Hamburger Morgenpost äußerte sich Günther Klum zur Petition wie folgt: „Meine Antwort ist: Wer dann?`Wenn nicht Heidi, wer soll's denn dann machen?“ und „Guido Maria Kretschmer kann vielleicht national ziehen, aber Heidi zieht international.“  - damit bestätigte Vater-Klum nicht nur sämtliche Kritikpunkte der Petition, er zeigt mit dieser arroganten und ignoranten Antwort leider auch, worum es in dem Format eigentlich gehen wird: Heidi Klum! - die angesprochenen Kritikpunkte der Petition („Heidi Klum hat von Drag, der dazugehörigen Historie, der Lebenseinstellung, der Identität, der Drag-Kultur, der Szene und der gesamten Branche absolut keine Ahnung.“), werden weder angesprochen, noch der Versuch unternommen diese aus dem Weg zu räumen. Stattdessen wird über eine vermeintliche internationale Zugkraft Heidi Klums eine „Kompetenz“ in den Vordergrund gerückt und für wichtiger erachtet als die queer-Kompetenz eines von der Community höchst geschätzt und geliebten Guido Maria Kretschmer. Damit wurde bestätigt: es wird bei diesem Formart in der aktuellen Planung nicht um „Drag“ oder „queere Themen“ gehen, sondern einzig um die Frage, wie gut sich Heidi Klum international vermarkten lässt. Die Drags dienen demnach nur noch so Mittel zum Zweck. - dies war zu befürchten. Heidi Klum springt hier mit auf den anfahrenden Zug auf, der Drag in Deutschland immer beliebter werden lässt und will über den bereits erwähnten Ausverkauf der Dragkultur nur Ihr Konto weiter auffüllen. Wir hatten uns auf ein queeres Format mit queeren Themen umd queeren Persönlichkeiten gehofft.

Schon bei seiner Ankündigung irritierte ProSieben mit der Aussage, '„normale“ Männer in glamouröse Dragqueens' zu verwandeln von „Drag-Kings“ und anderen Daseinsformen des Drag hat man im Sender offensichtlich noch nichts gehört. Und was der Unterschied zwischen „Drags“ und „Frauen“ sein könnte und andere themenspezifischen Raffinessen... das übersteigt scheinbar alles die Vorstellungskraft der Fernsehmacher, die einfach nur Männer in bunte Frauen verwandeln wollen. Ohne Backgroundwissen, ohne fundierte tiefe zur Materie, einfach nur oberflächliche Unterhaltung eines nach schrillen Momenten geifernden heteronormativen Publikums. Genau, was in der Petition bereits erwähnt wurde. Mit seiner Ankündigung löste Prosieben daher wenig überraschend einen Sturm der Kritik am Format und der Besetzung mit Heidi Klum aus.
 
Unter #queenOfDrag twittert sich die Community die entsetzten Finger wund, hinterfragt und kritisiert die Klum-Entscheidung und muss bei den wenigen Antworten ProSiebens schwer schlucken: Der Sender beweist wenig Fingerspitzengefühl im Umgang mit der LGBTI-Community und bestätigt auch hier: die Queere Community und ihre Belange geht völlig ihm am Sendemast vorbei! Eher werden die Kritiker fast schon beschimpft, wie sie das Format kritisieren können, ohne auch nur eine Minute gesehen zu haben. Dabei wird nicht das Format, sondern Heidi Klum mangels Kompetenz darin kritisiert. - eine Reaktion, die für sich spricht! - Auch kritisiert der Sender die Petition selbst, behauptet, sie enthielte viele Fehler und bestätigt im weiteren Tweet nur, dass man die Petition wohl nicht aufmerksam gelesen hat. Sämtliche zugrunde liegenden Kritikpunkte ignoriert der Sender und betont noch mal die Besetzung der Jury, angefangen natürlich als erstes mit niemand geringerem als: Heidi Klum! Das genau diese jedoch der Fehler ist, darauf geht man nicht ein. Spätestens hier hätte man nur symbolisch einmal eine andere Reihenfolge wählen können, um wenigstens so zu tun, als seien alle Juroren nicht nur in de Stimmabgabe, sondern auch in der Wertigkeit für den Sender gleich relevant. Man hätte ja mal damit der queersten Person Conchita Wurst anfangen können. Die Tatsache, dass es aber wieder Heidi Klum ist, spricht Bände. Der Sender stellt sich stur.

Heidi Klum selbst hat es die Sprache verschlagen. Obwohl nur sie alleine die Kritikpunkte aus der Welt schaffen und ihre vermeintliche Queer-Kompetenz mit einfachen Mitteln unter Beweis stellen könnte, schweigt sie. Das wohl aus gutem Grund, den sich mal mit Drags vor einer Kamera zu zeigen und diese Erscheinungen zu bewundern, ist etwas anderes als fundierte queere Kompetenz.

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Danke!


Eure  


Ryan Stecken und Margot Schlönzke


Quellen:
https://www.mopo.de/news/promi-show/-missbrauch--drag-queens-verlangen-heidi-absetzung-per-petition---papa-klum-antwortet-32769946
https://twitter.com/prosieben?lang=de

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