

Liebe Unterstützer*innen,
Jedes Jahr sind 27 Prozent der Erwachsenen und bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von psychischen Erkrankungen betroffen.
(Quellen: DGPPNhttps://share.google/4KFyfgCoKsaVdw3j0 und https://www.dzpg.org/aktuelles/pressemitteilungen/beitrag/so-will-die-forschung-psychische-erkrankungen-bei-kindern-und-jugendlichen-reduzieren-dzpg-hat-risikofaktoren-im-visier
Trotz der zahlreichen psychischen Erkrankungen und der hohen Relevanz psychotherapeutischer Behandlungen bestehen weiterhin einige Vorurteile, die Betroffenen den Weg in eine Therapie erschweren können und Psychotherapeut*innen vor zusätzliche Herausforderungen stellen.
Eines der größten Vorurteile ist die Vorstellung, dass es sich bei den meisten Psychotherapeut*innen um ältere weiße Männer handelt. Dieses Bild erinnert zwar an Sigmund Freud, den Begründer der Psychoanalyse, entspricht jedoch nicht der heutigen Realität: Rund 75 Prozent der Psychotherapeutinnen sind weiblich*.
Doch nicht nur über Psychotherapeut*innen kursieren Fehlinformationen, sondern auch über Psychotherapien selbst. So hält sich hartnäckig die Annahme, Psychotherapien seien grundsätzlich langwierig und ihr Erfolg ungewiss. Tatsächlich hängt die Dauer einer Psychotherapie jedoch von der Art und Schwere der Erkrankung sowie den individuellen Bedürfnissen der Patient*innen ab. Studien zeigen zudem, dass etwa 70 Prozent der Patient*innen von einer Psychotherapie profitieren. Zwar gibt es auch Menschen, die nach einer Therapie eine Verschlechterung ihres Befindens erleben, dies betrifft jedoch nur einen kleinen Anteil der Behandelten.
(Quelle: https://www.spektrum.de/news/psychotherapie-was-tatsaechlich-wirkt/1991017
Auch über die verschiedenen Formen der Psychotherapie herrscht häufig Unklarheit. Die Vorstellung, dass in Therapiestunden ausschließlich die Kindheit analysiert wird, stammt eher aus Filmen als aus der Realität. In Deutschland werden verschiedene psychotherapeutische Verfahren von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, sofern sie den Psychotherapie-Richtlinien entsprechen.
Zu den anerkannten Verfahren gehören unter anderem die psychodynamisch orientierten Verfahren, also die tiefenpsychologisch fundierte und die analytische Psychotherapie. Diese gehen davon aus, dass aktuelle Beschwerden mit früheren Erfahrungen, Beziehungsmustern oder inneren Konflikten zusammenhängen können. Ziel ist es, solche Zusammenhänge besser zu verstehen und neue Umgangsmöglichkeiten zu entwickeln.
Ein weiteres anerkanntes Verfahren ist die Verhaltenstherapie. Sie beschäftigt sich unter anderem damit, wie Gedanken, Gefühle und Verhalten miteinander zusammenhängen. Dabei können belastende Denk- und Verhaltensmuster erkannt und hilfreiche Veränderungen erarbeitet werden.
Auch die Systemische Therapie gehört zu den anerkannten psychotherapeutischen Verfahren. Sie betrachtet psychische Belastungen im Zusammenhang mit den Beziehungen und Lebensumständen eines Menschen, beispielsweise innerhalb der Familie, Partnerschaft oder des beruflichen Umfelds.
Alle diese Psychotherapieverfahren sind dazu geeignet, unterschiedliche und auch schwere psychische Erkrankungen zu behandeln. Dies zeigt, wie vielfältig die Möglichkeiten psychotherapeutischer Unterstützung sind.
In der Praxis wenden niedergelassene Psychotherapeut*innen ihre Arbeitszeit nicht nur für Therapiestunden auf, sondern unter anderem auch für Gutachterberichte, Qualitätsmanagement, Abrechnung, Dokumentation, Fortbildungen sowie Super- und Intervision.
Zudem können durch ambulante Psychotherapien Kosten eingespart werden. Vollstationäre Behandlungen kosten deutlich mehr als ambulante Therapien. Darüber hinaus können unbehandelte oder zu spät behandelte psychische Erkrankungen zu längeren Krankheitsverläufen und Arbeitsunfähigkeitszeiten führen, wodurch höhere Folgekosten für das Gesundheits- und Sozialsystem entstehen.
(Link: https://www.bptk.de/pressemitteilungen/jeder-in-ambulante-psychotherapie-investierte-euro-rechnet-sich/
Dies verdeutlicht, wie umfangreich und anspruchsvoll die Arbeit von Psychotherapeut*innen tatsächlich ist. Vorurteile über angeblich „faule“ Therapeut*innen, die nur leichte Erkrankungen behandeln möchten, entbehren daher jeder Grundlage.
(Link: https://www.aerzteblatt.de/archiv/wartezeitendiskussion-faule-psychotherapeuten-2ddd06d7-1c62-46fb-9293-0a7086d0b416
Wir hoffen, dass wir mit unseren Ausführungen einige Klischees über Psychotherapeut*innen und Psychotherapien ausräumen und den einen oder die andere dazu ermutigen können, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Euer Aktionsbündnis Mehr Psychotherapieplätze für Deutschland
Alina, Lukas, Mareike, Merret, Charlotte, Kathrin, Joeva, Julia und Diana
Homepage: https://sites.google.com/view/mehrpsychotherapie/startseite