

Triggerwarnung: In diesem Update informieren wir unter anderem über das Thema Suizidalität. Denjenigen, für die das Thema belastend oder möglicherweise triggernd ist, möchten wir raten, das Update ggf. gemeinsam mit einer Person zu lesen, die unterstützen kann. Betroffenen können wir die folgende Internetseite empfehlen, um sich über Unterstützungsangebote bei Suizidalität zu informieren: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/hilfsangebote/
Liebe Unterstützer:innen,
in Deutschland leiden 5,1 Prozent der Männer und 11,3 Prozent der Frauen an Depressionen. Frauen sind also in etwa doppelt so häufig von Depressionen betroffen. Es gibt jedoch einige Hinweise, die dafür sprechen, dass die Dunkelziffer der von Depressionen betroffenen Männer deutlich höher sein könnte.
Ein wichtiger Aspekt sind Fehldiagnosen, die dadurch zustande kommen, dass die Depressionsdiagnostik weiblich ausgerichtet ist. Diese einseitige Orientierung kann dazu führen, dass Anzeichen für Depressionen bei Männern (Suchtverhalten, Risikoverhalten, zunehmende Aggressivität uvm.) falsch gedeutet werden (Quelle: https://www.welt.de/iconist/partnerschaft/article185449634/Wieso-werden-bei-Maennern-seltener-Depressionen-diagnostiziert.html
Eine weitere Benachteiligung für Männer kann durch Kommunikationsdefizite bei Ärzt:innen entstehen. Ärzt:innen, die einen maskulinen Kommunikationsstil pflegen, neigen Studien zur Folge dazu, in Gesprächen mit männlichen Patienten einen höheren Redeanteil zu übernehmen als der Patient, häufiger geschlossene Fragen zu stellen, vermehrt Autorität zu zeigen und weniger Mitbestimmung im Vergleich zu im Gespräch mit weiblichen Patientinnen zuzulassen (Quelle: https://innovationsfonds.g-ba.de/projekte/neue-versorgungsformen/gap-gut-informierte-kommunikation-zwischen-arzt-und-patient.114 ).
Darüber hinaus können es weitere Hindernisse Betroffenen erschweren, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Vor dem Hintergrund tradierter Vorstellungen von Männlichkeit und der oftmals damit einhergehenden Erwartung, die eigenen Probleme ohne Hilfestellung lösen zu müssen, kann das Erkennen der eigenen Hilfsbedürftigkeit negative Auswirkungen auf den Selbstwert haben. Zudem kann das vermeintlich erwartete Ausfüllen der „Männerrolle“ die Inanspruchnahme von Hilfe erschweren.
Ein weiteres Hindernis kann die Angst vor sozialer Stigmatisierung aufgrund von psychischen Erkrankungen darstellen, die bei Männern stärker als bei Frauen vorhanden sein kann.
Depressionen stellen eine ernstzunehmende psychische Störung dar. Etwa 15% aller Personen mit schweren Depressionen sterben durch Suizid. Damit ist die Suizidrate depressiver Menschen 30 mal höher als die der Durchschnittsbevölkerung (Harris & Barraclough, 1997). Das Thema Suizidalität betrifft Personen aller Geschlechter. 20-60 % depressiver Menschen begehen einen Suizidversuch. Es sind Geschlechterunterschiede zu erkennen: Frauen begehen ca. dreimal häufiger einen Suizidversuch als Männer. Die Suizidrate, also die Rate vollendeter Suizide, ist jedoch bei Männern dreimal höher als bei Frauen (Quelle: Möller-Leimkühler: “Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Depression und Suizidalität Möller-Leimkühler AM”. Journal für Neurologie Neurochirurgie und Psychiatrie 2008; 9 (3), 40-45. Abrufbar unter https://www.kup.at/kup/pdf/7284.pdf
Eine unbehandelte Depression kann gravierende Auswirkungen haben. Neben dem genannten erhöhten Suizidrisiko sind unter anderem Folgeerkrankungen, der Verlust des Arbeitsplatzes und ein möglicher sozialer Abstieg zu nennen.
Diese Ausführungen haben wir zum Teil aus dem folgenden Beitrag entnommen, den wir euch empfehlen möchten: https://www.der-niedergelassene-arzt.de/medizin/kategorie/neurologie-1/anzeichen-einer-depression-bei-maennern-erkennen#:~:text=Wie%20neuere%20Studien%20zur%20Depression,rechtzeitig%20erkannt%20noch%20behandelt%20werden
Wir hoffen, dass wir verdeutlichen konnten, mit welchen Hindernissen Männer in Bezug auf die Inanspruchnahme einer Psychotherapie konfrontiert sind, sowie wie wichtig eine adäquate psychotherapeutische Behandlung von Depressionen ist.
Eure Joéva, Julia und Diana