Erfolg

Kein Verbot der Betreuung von Flüchtlingen und ihren Kindern in der Corona-Krise

Diese Petition war mit 22.327 Unterstützer*innen erfolgreich!


Ich bin ehrenamtliche Mitarbeiterin der Inneren Mission München e.V. und unterstütze in einer großen Gemeinschaftsunterkunft in Pasing die Freizeitgestaltung der Kinder. In der Einrichtung leben ca. 300 Geflüchtete, davon ca. 150 Kinder im Alter von 0 – 18 Jahren.
 
Die aktuell geltenden Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen haben nicht vertretbare Auswirkungen für die Flüchtlingsunterkünfte (Gemeinschaftsunterkünfte und Ankerzentren):
 
- Seit dem 13. März 2020 dürfen die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Unterkünfte nicht mehr betreten oder außerhalb der Unterkünfte die Kinder betreuen.
 
- Seit dem 30. März 2020 darf das regelmäßig in den Unterkünften tätige Personal nicht mehr vor Ort arbeiten (bzw. nur auf wenige Stunden beschränkt die Räumlichkeiten des Sozialdienstes betreten).
 
Die Ausgangslage: Viele Familien sind psychisch stark belastet. Außerdem benötigen sie Unterstützung und Begleitung in Alltagssituationen, in Bezug auf den Schriftverkehr (Ämter, Instutitionen), bei aufenthalts- und arbeitsrechtlichen Bestimmungen, in der Zusammenarbeit mit den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen ihrer Kinder und - angesichts der extrem beengten Wohnsituation und Bedürftigkeit - bei der Kinderbetreuung.

Diesem Bedarf wurde bislang durch vielfältige Angebote der haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen entsprochen. Für die Kinder gab es Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfe, Bastel- und Spieltreffs, Sportangebote, Wochenend- und Ferienausflüge sowie -aktionen. Unterstützung erfuhren die Kinder natürlich auch durch die Schule, die Mittagsbetreuung, die Betreuung in Kindergärten, Förderschulen oder die Heilpädagogischen Tagesstätten.
 
Alle diese Unterstützungs- und Fördermaßnahmen sind seit Beginn der Schulschließungen und der Ausgangsbeschränkungen im Zusammenhang mit Covid19 jäh zum Erliegen gekommen. Wir alle müssen uns in der gegenwärtigen Situation in besonderer Weise anpassen und umstellen. Was uns jedoch größte Sorge bereitet, ist die Tatsache, dass die Isolation in den Unterkünften viel schwerwiegendere Folgen hat. Die Wohnsituation ist beengt. Aus Angst verlassen manche Eltern die Unterkunft nur für Einkäufe und gehen mit ihren Kindern nicht außer Haus. Viele Mütter sind alleinerziehend. Sie müssen sich den ganzen Tag auf engstem Raum um oft mehrere Kinder kümmern.
Für die Kinder gibt es wenig zu tun, der Fernseher läuft viele Stunden und das Treppenhaus ist Ersatz für den Spielplatz geworden.
 
Die schulpflichtigen Kinder finden oft nicht die nötige Ruhe, um ihre Hausaufgaben zu machen. Das digitale Lernen scheitert an der mangelnden technischen Ausrüstung und der fehlenden Anleitung. Die meisten Eltern können ihre Kinder nicht bei den schulischen Fragen unterstützen.

Nur durch persönliche Präsenz und die Unterstützungsangebote kann der Kinderschutz in den Unterkünften für Geflüchtete gewährleistet und das Gefährdungsrisiko für Kinder und deren Familien reduziert werden.

Klar ist auch, dass es oft nicht möglich ist, mit den betroffenen Familien emotionale und sachliche Themen oder ein komplexes Krisenmanagement telefonisch zu besprechen oder online zu kommunizieren. Die Summe der Belastungsfaktoren birgt große Gefahren für das Wohl der Kinder und Eltern.

Wir fordern deshalb, die Situation in den Unterkünften schnellstmöglich gemeinsam mit den Verantwortlichen der Sozialverbände zu überprüfen. Es muss ein Konzept entwickelt werden, wie die dringend notwendige Beratung und Betreuung unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften gestaltet werden kann.
 
Konkret fordern wir:
 
- Die Ausweitung der Notbetreuung in Kindertagesstätten, Horten, heilpädagogischen Tagesstätten und Tagesheimen für alle Kinder, die in prekären Wohn- und Familienverhältnissen leben.
 
- Den Ausbau der Digitalisierung in den Gemeinschaftsunterkünften. Alle BewohnerInnen sollen Zugang zum WLAN erhalten. Neben einem Raum mit PC-Arbeitsplätzen und Drucker müssen alle SchülerInnen mit einem mobilen Gerät ausgestattet werden, so dass sie auch von zuhause aus arbeiten können. Aktuell sind viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche nicht in der Lage, am digitalen Unterricht oder anderen Angeboten teilzunehmen. Dadurch haben die Kinder hinsichtlich ihrer Bildungschancen große Nachteile.
 
 - Die soziale Betreuung durch hauptamtliche Fachkräfte in der Unterkunft wieder in vollem Umfang zuzulassen.
 
- Die Erlaubnis, dass ehrenamtliche MitarbeiterInnen auch mit mehreren Kindern derselben Familie spazieren gehen oder spielen dürfen. Bis dato können Ehrenamtliche nur im Rahmen der allgemein geltenden Regelung mit einer Person im Abstand von 1,5 m "spazieren" gehen.
 
Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung, die gerade jetzt dringende Beratung und Betreuung für die Kinder und Erwachsenen in den Unterkünften zeitnah wieder herzustellen.
 



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