
Zunächst ein ganz großes Dankeschön für mitterweile 70000 Stimmen binnen vier Tagen. Anbei für euch die gerade online gegangene Pressemitteilung zu unserer Petition.
Pressemitteilung vom 25. Mai 2021
Gewaltiger Protest gegen „Rasterpsychotheraphie“
Betroffene fordern Jens Spahn zu Gesprächen auf und bekommen Unterstützung von Nora Tschirner und Kurt Krömer.
Berlin/Schwäbisch Hall. Anlässlich der Debatte über die sogenannte Rasterpsychotherapie fordern über 69.000 Menschen auf der Petitionsplattform Change.org: „Keine #Rasterpsychotherapie, Herr Spahn!“. Minütlich werden es mehr Unterschriften. Uwe Hauck, der selbst nach einem Suizidversuch fünf Tage in einer geschlossenen Anstalt verbrachte und wegen einer Depression in Behandlung war, schreibt in seiner am 21. Mai 2021 gestarteten Petition:
„Als Betroffener weiß ich, psychische Erkrankungen sind in ihrer Ausprägung und Behandlung sehr individuell und eine Festlegung von festen Therapiestunden für bestimmte Krankheitsbilder kontraproduktiv bzw. gefährlich. Es erschwert die Heilung und Hilfe für Betroffene und bringt sie damit unnötig in Gefahr.”
Jetzt fordert Hauck Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zur Annahme der Petition auf:
„Gerade jetzt in der Corona-Pandemie steigt die Zahl der Menschen, die unter einer psychischen Belastung leiden. Das lässt der Minister hier offensichtlich vollkommen außer Acht. Daher besteht aus unserer Sicht dringender Handlungsbedarf. Herr Spahn, suchen Sie das Gespräch mit Expert*innen und Betroffenen!“
Protest mit prominenter Unterstützung
Auch die Schauspielerin Nora Tschirner und Komiker Kurt Krömer, die beide wegen Depression in Behandlung waren, mobilisieren unter dem Hashtag #GesichtGegenRastertherapie für die Petition. Die Deutsche DepressionsLiga e.V. (DDL) und die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) schließen sich ebenfalls an.
„Es heißt immer Volkskrankheit Depression. Die Behandlung durch die Politik und die Versorgungslage sind aber alles andere als einer Volkskrankheit würdig. Bei jeder psychischen Erkrankung geht es um Menschen – das scheint so mancher Politiker zu vergessen“, kommentiert Armin Rösl, Vorstandsmitglied und Sprecher der DDL.
„Eine Rationierung der ambulanten Richtlinienpsychotherapie darf es nicht geben“, betont DPtV-Bundesvorsitzender Gebhard Hentschel. „Eine Behandlung ,nach Tabelle‘, die Patient*innen je nach Diagnose eine bestimmte Anzahl an Therapiestunden zuweist, müssen wir verhindern. Schon heute findet nach sorgfältiger Indikationsstellung ein bedarfsgerechter und am Schweregrad orientierter Einsatz psychotherapeutischer Behandlung statt.“
Hintergrund:
Das Bundesgesundheitsministerium möchte das sogenannte Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) um eine Regelung ergänzen, die den Zugang zu Psychotherapie weiter bürokratisieren soll. Geplant ist, dass künftig vor einer Therapie deren Dauer festgelegt wird. Voraussichtlich Anfang Juni wird im Bundestag über den Gesetzentwurf abgestimmt.
Kritiker*innen befürchten, dass Therapien damit stärker reglementiert und der Zugang erschwert werden könnte.