Petition updateImpfschutz auch für schwerbehinderte Menschen außerhalb von PflegeeinrichtungenUPDATE: Impfungen in Hausarztpraxen als Schritt der Hoffnung
Christian HomburgWarendorf, Germany
Apr 9, 2021

Am Dienstag starteten erste Hausärzte mit den Impfungen, Mittwoch waren es dann schon insgesamt 35.000 Praxen, die in den nächsten 7 Tagen zusammen 940.000 Impfdosen von Biontech erhalten, was umgerechnet pro Arzt 26 Dosen in der Woche sind. Jetzt könnte man meinen, dass das doch auch wieder sehr wenig ist, aber gestern wurden 650.000 Menschen an einem Tag geimpft. Die bisherige Bestmarke lag bei 367.000, also bei der Hälfte oder häufig noch sehr viel weniger. Ein sprunghafter Anstieg. So waren es Mittwoch 290.000 mehr als am Dienstag.

Die immer lauteren Forderungen nach dem Impfstart bei den Hausärzten haben wir schwer unterstützt. Denn die Hausärzte kennen die besonders Gefährdeten unter ihren Patientinnen und Patienten selbst am besten und können ihnen einen Termin anbieten, ohne dass die Betroffenen selbst darum kämpfen müssen. Sie können dann also erleichterten Zugang zu ihrer Impfung in einem bekannten Umfeld erhalten und sich beraten lassen. Bei medizinischen Besonderheiten könnten die Hausärzte zudem Impfintervall und auch den Impfstoff selbst festlegen. Aber natürlich sind auch sie an die Impfverordnung gebunden, die zum Glück ja in einigen Punkten verbessert wurde.

Da die meisten Menschen über 60 und systemrelevante Berufsgruppen größtenteils weiterhin ihre Termine in den Impfzentren erhalten, können so hoffentlich endlich großflächig alle Vorerkrankten auch im jüngeren Alter in Gruppe 2 inklusiver zweier Kontaktpersonen geimpft werden. Eben auch alle, die bisher nicht Einzelfallanträge stellen durften oder konnten. Zeitgleich erhalten immer mehr Pflegebedürftige mit Grad 4 und 5 Impfangebote zuhause. Mit der größeren Verfügbarkeit sollte auch Gruppe 3 in naher Zukunft zum Zuge kommen können.

Dennoch läuft es noch immer nicht rund. Die Terminvergabe der über 60 Jährigen war einmal mehr ziemlich chaotisch und pannenreich. Und der Zick-Zack Kurs mit AstraZeneca ist einfach nur noch verunsichernd. Immerhin schließt die Stiko für unter 60 Jährige, die AstraZeneca als Erstimpfung erhalten haben, nun als Zweitimpfung Biontech oder Moderna nicht aus. Jedoch kann aufgrund der Datenlage nicht sicher gesagt werden, wie hoch der Impfschutz bei einer Kombination von zwei verschiedenen Impfstoffen, der sogenannten Kreuzimpfung, ist. Wie es also weitergehen soll, ist noch nicht klar. Sollte ich wieder AstraZeneca bekommen, werde ich es aber weiterhin nehmen. Bei 31 Thrombose Fällen auf 2,7 Millionen Impfungen ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Das wirklich Ärgerliche aber ist, dass in manchen Kreisen nach drei Monaten Impfkampagne Gruppe 1 immer noch nicht abgeschlossen ist! Menschen mit schweren Behinderungen außerhalb von Pflegeeinrichtungen können dort noch immer keine Anträge auf vorzeitige Impfung stellen. Das ist wirklich ein bedauerlicher Katastrophenzustand. Der zu knappe Impfstoff taugt kaum noch als Ausrede, wenn die Umsetzung und Organisation nicht stimmen. Und wenn er bald immer verfügbarer wird, wird es schonungslos offen liegen, wo es nicht funktioniert.

Halten wir aber die Hoffnung hoch, die bei den anfangs Vergessenen wieder lebt. Nach meinen Assistenzkräften im Impfzentrum wurde heute auch mein Bruder als Kontaktperson vom Hausarzt geimpft. Somit sind nun alle meiner nicht vermeidbaren Kontakte geimpft. Auch Caroline hat es endlich geschafft. Und so geht es Tausenden, die dank euch allen keine Todesangst mehr haben müssen. Die zahlreichen Nachrichten von Geimpften jeden Tag reißen nicht ab. Ich möchte mich dafür bei euch bedanken. Ihr zeigt, wie wichtig diese Petition war und ist. Wenn nun der Rest und noch mehr ausstehende Kontaktpersonen endlich auch bald dran kommen, ist es vollbracht. Und diese Chancen sind sehr viel größer geworden.

Die Zukunft sieht trotz allem, was nicht läuft, noch viel besser aus. In der letzten Aprilwoche sollen die Praxen zusammen dann 3 Millionen Dosen pro Woche erhalten. Bis Ende Juni sehen die Prognosen insgesamt 70-74 Millionen Impfdosen für Deutschland vor, darunter auch etwa 10 Millionen von Johnson&Johnson, bei dem eine Dosis ausreichend ist. Deswegen ist es gut, dass auch mit wenigen Dosen schon die Belieferung und der Ablauf bei den Hausärzten vorbereitet und erprobt wird, damit dann auch zügig alles genutzt werden kann.

Wir alle zusammen haben auf Bundes- und Landesebene denke ich alles erreicht, was möglich ist. Auf letzte, einzelne Kreise können wir leider kaum Einfluss nehmen. Deshalb sehe ich diese Petition als beendet an. Und das mit Erfolg, wenn wir die jetzige Situation mit der vor drei Monaten vergleichen. Meinen herzlichen Dank an alle, die mich unterstützt haben. Caroline Mülheims, die zahlreichen Interessenverbände und Aktivist*innen, die Medien, der stellvertretende Landrat meines Kreises und andere Politiker*innen und insbesondere natürlich ihr alle, die unterzeichnet, geteilt und mit uns gekämpft habt. Ihr wart großartig.

So hoffe ich, dass im Sommer vielleicht doch ein Großteil des Landes geimpft werden kann. Bis Ende des Jahres 2021 sagen die Lieferprognosen 324 Millionen Impfdosen derzeit aus, davon 270 Millionen von den 4 Herstellern, die schon jetzt die Genehmigung haben. Wir haben den Schlüssel in der Hand, um Corona zu beenden. Wir können tödliche Verläufe, schwere Verläufe und so unzählig viele Post-Covid Erkrankungen vorbeugen. Immer mehr Studien zeigen, dass die Impfungen auch die Wahrscheinlichkeit der Übertragung senken. Auch bei 12-15 Jährigen sind erste Studienergebnisse sehr vielversprechend. Wir haben allen Grund zur Hoffnung.

Bleibt gesund und verliert die Zuversicht nicht, dass diese Pandemie vorbei sein wird. Wir müssen aber dafür weiter die Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Wie überdrüssig wir ihrer auch sind, so notwendig bleiben sie, bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sind. Ansonsten ist die Gefahr von Mutanten, die resistent gegen unsere Impfungen sind, sehr hoch.

Wir, Christian und Caroline, wünschen euch viel Erfolg bei euren Impfungen und alles Gute. Wir möchten weiterhin die Augen und Ohren offen halten für Themen, die uns und euch gleichermaßen betreffen.

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