
Am 11.3. trat wieder eine neue Fassung der Corona Impfverordnung in Kraft. In dieser werden erstmals auch muskuläre und neuromuskuläre Erkrankungen explizit genannt und in Gruppe 2 geführt. Das bedeutet für meine ganze Gruppe, dass sie nun nicht mehr in Härtefallentscheidungen gezwungen werden. Längst überfällig, aber trotzdem sehr positiv zu werten.
Und zu „ambulanten Diensten“ in Impf Gruppe 1 zählen nun auch Beschäftigte, die im Rahmen einer persönlichen Assistenz oder Einzelfallhilfe pflegebedürftige oder geistig behinderte Menschen ambulant pflegen und betreuen sowie Pflege- und Betreuungskräfte, die im Rahmen des persönlichen Budgets direkt bei den Pflegebedürftigen angestellt sind (somit auch mein selbst beschafftes Personal!). Und auch pflegende Angehörige zählen dazu!! Allerdings steht das nur in der Begründung der Verordnung 18 Seiten weiter, in der einzelne Absätze genauer erläutert werden. Wie das jetzt die Verantwortlichen in jedem einzelnen Kreis mitbekommen sollen, ist nun die Frage. Und wie bitte wird es umgesetzt?
Denn es ist weiterhin ein Glücksspiel, in welchem Kreis und welcher Stadt man wohnt. In einigen funktioniert es gut, in anderen werden chronisch Kranke weiterhin gar nicht geimpft. Jeder Kreis ist anders, selbst innerhalb von NRW! Meine Unterstützerin Caroline und etliche andere warten weiter auf ihre Impfung, während in anderen Kreisen Bekannte erfreulicherweise direkt zuhause samt ihren Kontaktpersonen geimpft wurden. In manchen Kreisen werden Assistenten mit geimpft, in anderen nicht. Mein Antrag für mein Personal wurde abgelehnt, weil im Kreis Warendorf angeblich nur Schwerkranke mit Härtefallanträgen vorgezogen, nicht aber Impf Gruppe 2 geöffnet wurde. Obwohl das gar nicht stimmt, denn vor drei Wochen erhielt ich ja bereits die Information vom Kreistag, dass Gruppe 2 geöffnet wurde, was auch groß in der Lokalpresse stand. Und Lehrer und Erzieher in meinem Kreis, die ich kenne, werden derzeit geimpft. Also sogar innerhalb eines einzelnen Gesundheitsamtes haben Sachbearbeiter unterschiedliche Kenntnisstände. Wann meine Assistenten dran sind, wusste man nicht, aber ab Ende März darf ich angeblich meine zwei Kontaktpersonen angeben. Wie nun eine nachträgliche Höherstufung von pflegenden Angehörigen und Assistenzkräften in Gruppe 1 funktionieren soll, ist mir ein Rätsel.
Noch dazu das Astrazeneca Debakel. Nach Rücksprache mit Ärzten, die in der Fachpresse nachlasen, ist die Aussetzung der Impfungen wegen 7 Fällen von schweren Blutgerinseln in den Hirnvenen bei 1,6 Mio. Geimpften ziemlich übertrieben. Alleine die Antibabypille führt bei 8 von 10.000 Frauen zu Thrombosen (zwar allgemein und nicht die Hirnvenen). Rechnet man das auf 1,6 Mio. sind es durchschnittlich 1280 Frauen. Und man weiß nicht, ob es überhaupt der Impfstoff war. Bei 3-5 Personen auf 1 Mio. Menschen tritt die Erkrankung zufällig auf, was in etwa ebenfalls 8 auf 1,6 Mio. sind. In England wurde genau das meiner dort lebenden Cousine auch erklärt, als sie gestern mit Astra geimpft wurde. Die Briten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Bei der Mutanten Welle, die bevorsteht, ist ein Impfstopp mit all den Öffnungen kaum zu verantworten. So verloren einige Bedürftige wieder ihre Termine, die sie endlich direkt vor Augen hatten nach dem Kampf mit den Härtefallanträgen. Grundsätzlich ist Vorsicht angebracht, aber bei den wenigen Fällen innerhalb der Normwerte halte ich es für übertrieben. Hoffentlich wird es schnell geklärt. Denn so wird auch eine Impfung durch die Hausärzte noch weiter verzögert, diese wurde in der neuen Impfverordnung bereits ins Auge gefasst für Anfang April.
Es ist nicht einfach, das ist mir bewusst, für keine verantwortlichen Personen in dieser Krise, aber diese Impfkampagne ruckelt gehörig, wir sind zwar auf dem richtigen Weg, aber er ist langsam und beschwerlich. Die Kommunikation muss einfach verbessert und die Abläufe vereinfacht werden, damit die Situation großflächig einheitlicher wird. Es muss einfach noch besser gehen.
Noch immer warten zu viele Hochrisikofälle und vulnerable Personen auf ihre Impfungen. Deswegen teilt noch mal fleißig, damit die Aufmerksamkeit bleibt und weiter an einer besseren Umsetzung gearbeitet wird.
Wie alle Erwachsenen bis Sommer ein Impfangebot bekommen sollen, ist noch nicht so ganz vorstellbar. Wenn jeder Hausarzt allerdings bald impfen könnte, wären das rund 1,5 Millionen Impfungen am Tag. Das Blatt kann sich wenden. Die Hoffnung ist für viele zurückgekehrt. Aber das alleine wird nicht reichen. Daher schreibt bitte noch mal Mails an die Ministerpräsident*innen und Gesundheitsminister*innen der Bundesländer!
- Wie kann dafür gesorgt werden, dass wirklich in jedem Kreis die Härtefallanträge auf Impfung funktionieren und die Abläufe besser vereinheitlicht werden?
- Wann werden die höchst Pflegebedürftigen genau wie in NRW zuhause geimpft?
- Wann wird die Öffnung der Impfungen für die Hausärzte erfolgen?
- Wie werden Assistent*innen, Beschäftigte in der Einzelfallhilfe und pflegende Angehörige geimpft, die nun Anspruch in Gruppe 1 haben?
- Wie können die zwei nahestehenden Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen geimpft werden?
Die Email-Adressen der Ministerpräsident*innen und Gesundheitsminister*innen der Bundesländer findet ihr hier: LINK
☝ Wir bitten euch, in eurer Kommunikation immer höflich und freundlich zu bleiben. Das ist unser größtes Kapital und Basis für eine gelingende Umsetzung unserer Forderungen
Wenn ihr uns dabei helft, wird es wieder Gehör finden. Daher ran an die Tasten! Arbeiten wir weiter daran, der Pandemie ihren tödlichen Schrecken zu nehmen. Wenn die Verwundbarsten, ihre Bezugspersonen und die systemrelevanten Berufsgruppen alle geimpft sind, wird schon vieles gewonnen sein. Und dann möglichst schnell auch alle anderen. Danke für eure großartige Unterstützung!