Christian HomburgWarendorf, Germany
6 Jan 2021

Liebe Unterstützer*innen, hier finden Sie meinen offenen Brief an die Verantwortlichen, den Sie gerne verwenden dürfen:

An das Bundesministerium für Gesundheit
Rochusstraße 1
53123 Bonn
poststelle@bmg.bund.de

Oder per Post an die Impfkommission und Vorsitz Thomas Mertens:
Robert Koch-Institut
Abteilung für Infektionsepidemiologie
Fachgebiet Impfprävention
Seestraße 10
13353 Berlin                                                                                                           

Schnelle Impfung auch für behinderte Menschen in ambulanter Versorgung

An das Gesundheitsministerium und Minister Jens Spahn, an die ständige Impfkommission und Vorsitz Thomas Mertens,

Ich wende mich an Sie, weil zahlreiche schwer gefährdete, behinderte Menschen, die ambulant durch selbstbeschaffte Pflegekräfte oder Pflegedienste und nicht in Pflegeeinrichtungen versorgt werden, beim Impfschutz komplett vergessen wurden. Darunter Menschen mit neuromuskulären Erkrankungen wie SMA, Muskeldystrophie und vielen weiteren, die genauso gefährdet sind wie über 80 Jährige aufgrund der Schwäche auch in der Atmungsmuskulatur. Aber auf Nachfrage werden sie nur in Impfgruppe 3 geführt.

Dazu zählen auch behinderte Kinder, die von ihren Eltern gepflegt werden und junge Menschen, die noch ihr halbes Leben vor sich haben. Zusätzlich verfügen sie über keine ausreichende Schutzausrüstung für Personal, um eine Ansteckung sicher zu verhindern. Seit Monaten sind diese Menschen aus unserer Gesellschaft verschwunden und zuhause. Sie leiden unter kompletter Isolation und Angst. Sie brauchen ihre Pflegekräfte und sind dadurch einem ständigem Ansteckungsrisiko ausgesetzt.

Diese Menschen und die Eltern von behinderten Kindern müssen dringend in Impfgruppe 1 oder 2 aufgenommen werden. Wenn die neue Variante tatsächlich ansteckender sein sollte, sind sie spätestens jetzt alle in höchster Gefahr.

Bitte helfen Sie auch dieser besonders schwer gefährdeten Gruppe unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger und geben ihnen zumindest wieder eine Hoffnung auf eine baldige Impfung. Danke.

Mit freundlichem Gruß,
...

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Außerdem habe ich folgendes Schreiben an die Verantwortlichen gesendet:

DRINGEND: Impfung auch für schwer behinderte Menschen außerhalb von Pflegeeinrichtungen

Sehr geehrter Herr Spahn, sehr geehrtes Bundesministerium für Gesundheit, sehr geehrte ständige Impfkommission des RKI,
Sehr geehrte Kassenärztliche Bundesvereinigung, sehr geehrter Spitzenverband Bund der Krankenkassen, sehr geehrter Verband der privaten Krankenversicherung,

ich wende mich direkt an Sie und Ihr Ministerium und die anderen Institutionen (Durchschriften entsendet) im Namen aller schwer behinderten und pflegebedürftigen Menschen, die nicht in Pflegeeinrichtungen versorgt werden. Darunter viele besonders schwer gefährdete Fälle mit neuromuskulären oder vergleichbaren Erkrankungen in den Pflegegraden 4 und 5, die aufgrund ihrer meist geschwächten Atemmuskulatur ähnlich bedroht sind wie Senioren in Einrichtungen. 

Auf Nachfrage werden wir nur in Impfgruppe 3 zugeordnet und in der Coronavirus-Impfverordnung sind wir gar nicht aufgeführt. Die Impfkapazitäten sind noch stark eingeschränkt, das ist mir bekannt. Auch, dass Sie gemeinsam die schwierige Auswahl treffen müssen, wer am schnellsten geimpft werden sollte und Sie viele Anfragen bekommen.

Allerdings mache ich mir große Sorgen um die Zukunft von mir und vielen ähnlich Betroffenen und wende mich aufgrund der Nachrichten von der Corona Variante B1.1.7 in höchster Not an Sie. Trotz des Umstands, dass Sie sehr ausgelastet sind, bitte ich Sie, unsere Situation zu erfassen und neu zu beurteilen.

Ich bin 24 Jahre alt, komme aus Warendorf bei Münster, bin E-Rollstuhlfahrer und gehöre aufgrund meiner Krankheit Muskeldystrophie vom Typ Duchenne zur Höchstrisikogruppe. Ich bin einer von vielen Menschen mit neuromuskulären Vorerkrankungen, die für Covid 19 besonders dramatisch sind. Der immer weiter fortschreitende Muskelschwund führt auch zu einer Abnahme der Atmungsmuskulatur, wodurch ich nur noch ein Lungenvolumen von etwa 20 Prozent besitze und jeder Infekt mein letzter sein kann.

Seit 9 Monaten bin ich total isoliert und nehme gar nicht mehr am öffentlichen Leben teil. Vorher habe ich Inklusion gelebt, machte auf einer Regelschule mein Abitur mit 2.0, begann eine Ausbildung zum Technischen Produktdesigner bei thyssenkrupp, die ich 2018 fast mit Bestnote abgeschlossen habe. Ich bin unbefristet übernommen worden trotz der schwierigen Lage des Konzerns, nun aber seit März 2020 im Home Office und nur noch zuhause. Ich habe einen großen Freundeskreis und war immer aktiv unterwegs. Ich lebe selbstständig mit 24 h Assistenz in meinen eigenen vier Wänden.

Dadurch, dass ich auf ständige Unterstützung angewiesen bin, bin ich anders als viele andere chronisch kranke Menschen in Impfgruppe 3 gar NICHT in der Lage, mich komplett zu isolieren. Ich beschäftige neun Arbeitnehmer, ohne die ich nicht leben kann. Gleichzeitig stellen sie aber ein ständiges Ansteckungsrisiko dar. Drei von Ihnen arbeiten in Ihrer Hauptbeschäftigung noch in anderen Einrichtungen. Bis auf wenige FFP2- und etwas mehr Stoffmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittel haben wir nichts, um mich zu schützen, da ich anders als in Pflegeeinrichtungen für mein Personal keine komplette Schutzkleidung erhalte, genauso wenig wie Eltern von behinderten Kindern.

Die neue Mutation bereitet mir und vielen anderen aufgrund der möglichen, erhöhten Ansteckungsrate Todesangst. Meine Arbeitnehmer und meine Familie sind jeden Tag schwer besorgt, mich zu infizieren. Falls sie hier ankommt, wissen wir nicht, wie wir eine Ansteckung sicher verhindern sollen. Nach Prognosen habe ich mindestens weitere 20 Jahre und mein halbes Leben noch vor mir.

Ich weiß, dass Sie stets Ihr Bestes geben, vor so vielen Problematiken zwischen sehr vielen Stühlen stehen und auch immer wieder aus Kreisen kritisiert werden, die wenig sachlich sind. Ich bin einfach schwer besorgt und meine Nerven und die von vielen gleichgesinnten Freunden und ihrer Familien liegen blank.

Ich bitte Sie, Menschen mit neuromuskulären und vergleichbaren Erkrankungen, die schwer körperlich behindert und pflegebedürftig sind, aber selbstbestimmt und nicht in Einrichtungen wohnen, als auch Eltern von behinderten Kindern nicht zu vergessen. Wir verfügen nicht über eine sichere Schutzausrüstung. Diese Ängste und vollständige Isolation seit 9 Monaten sind nicht mehr lange zu ertragen. Bitte sorgen Sie dafür, dass solche Fälle genauso wie Körperbehinderte in Pflegeeinrichtungen, Demenzkranke und Menschen mit Trisomie 21 in Impfgruppe 1 oder 2 geführt werden. Und zwar wie letztere unabhängig von dem Ort, an dem sie Pflegeleistungen erhalten.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen guten Start ins neue Jahr 2021,

Christian Homburg 

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