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Kann-Semester – Gleiche Chancen für alle Studierenden!

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Vor dem Hintergrund der dynamischen Ausbreitung des neuartigen Corona-Virus haben Bund und Länder weitreichende Maßnahmen ergriffen, die auch den Hochschulbetrieb, die Forschung und das Studium betreffen: An allen Hochschulen in Deutschland wurde die Präsenzlehre eingestellt und bis auf Weiteres verschoben. Alle Dozierenden sind aufgefordert, ihre Lehre so schnell es geht in digitaler Form anzubieten – auch in Anbetracht der Unsicherheit, ob eine Präsenzlehre überhaupt noch dieses Semester stattfinden kann.

Die Corona-Krise und ihre Folgen machen auch nicht vor den 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland halt: Die Beschränkungen im Alltag und im Hochschulbetrieb, die psychischen und finanziellen Belastungen von Studierenden und die Unsicherheit wie es weitergeht treffen die Studierenden im erheblichen Maße. Die Digitalisierung der Lehre ist ein wichtiger und zukunftsweisender Aspekt der Hochschulbildung; jedoch erzeugt die äußerst schnelle Implementierung neue Belastungen und ungleiche Rahmenbedingungen für Studierende.

Da es nicht erkennbar ist, ob dieses Semester überhaupt wieder Präsenzlehre durchgeführt werden kann, entstehen sowohl für Lehrende als auch für Studierende signifikante Unsicherheiten und Planungsrisiken. In Anbetracht dieser dynamischen Entwicklung ist klar, dass das Sommersemester 2020 unter keinen Umständen als reguläres Semester gezählt werden kann. Wir fordern daher alle Entscheidungsinstanzen auf, die Probleme der Studierenden in den Blick zu nehmen und richtungsweisende Lösungen umzusetzen:

Probleme:

  • Soziale Nachteile wegen Belastung, Stress und Unsicherheiten
  • Wirtschaftliche Nachteile wegen Verlängerung der Studienzeit
  • Fachliche Nachteile wegen mangelndem Zugang zu wissenschaftlicher Information
  • Bildungsnachteile wegen ungleicher Rahmenbedingungen

Aufgrund der absehbaren Verschiebung von Vorlesungen und Prüfungen verdichtet sich der Arbeitsaufwand für Studierende und erhöht die individuellen Belastungen im Studium. Viele Studierenden können den Erwerb der in diesem Semester vorgesehenen Studien- und Prüfungsleistungen nicht mehr in studierbarer Weise erbringen. Insbesondere Studierende, die erwerbstätig sind, ihre Kinder betreuen, Familienangehörige pflegen, im Ausland feststecken oder im Katastrophenfall mithelfen, sind erheblichen Belastungen ausgesetzt.

Studierende, die nicht alle im Semester vorgesehenen Module abschließen können, müssen diese nachholen. Die Konsequenz ist, dass sie in der Regel länger studieren und aufgrund der Überschreitung der Regelstudienzeit sowohl kurz- als auch langfristig finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. Die Folgen der Verlängerung sind, dass Studierende ihre BAföG-Förderhöchstdauer überschreiten, für Stipendienförderungen aus dem Raster fallen, und auf dem Arbeitsmarkt als weniger „vermittlungsfähig“ gelten (Stichwort Employability).

Auch die Wissenschaft steht vor großen Herausforderungen: Studierende sind darauf angewiesen, auf die wissenschaftlichen Informationen der Bibliothekslektüre, sowie die praktischen Erkenntnisse in Laboren und der Wirtschaft zurückgreifen zu können. Die Corona-Krise hat jedoch zur Folge, dass Bibliotheken geschlossen sind, Online-Lektüre erst noch ausgebaut werden muss, die Hochschulen Betretungsverbote verhängt haben und die Firmen größtenteils unerreichbar sind oder den Betrieb komplett einstellen mussten.

Hinzu kommt, dass in der Kürze der Zeit nicht alle Studierenden in der Lage sein werden, sich das im jeweiligen Modul vorgesehene Wissen online anzueignen und die festgelegten Kompetenzziele zu erreichen – abhängig vom jeweiligen Lerntyp und den eingeschränkt verfügbaren Lernszenarien. Eine Wissensaneignung in z.B. digitalen Laborübungen ist aktuell nur schwer vorstellbar. Die Hochschulen leisten einen erstaunlichen Beitrag, sind jedoch weit davon entfernt, Online-Lehre auf dem Level von Präsenzlehre anbieten zu können.

Das größte Problem liegt in der ungleichen Verfügbarkeit von Online-Lehrangeboten aufgrund der unterschiedlichen technischen Möglichkeiten von Lehrenden und Studierenden, um Online-Lehrangebote zu erstellen bzw. zu nutzen. Diese Unterschiede sind innerhalb der Hochschule, aber auch eines Fachbereichs und Moduls, zu erwarten. Hinzu kommt, dass einige Lehrenden selbst von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind und somit die Verfügbarkeit von Lehrangeboten auch aufgrund personeller Engpässe variieren wird.

Diese sozialen, wirtschaftlichen und fachlichen Nachteile führen unweigerlich zu ungleichen Rahmenbedingungen unter den Studierenden. Die im Art. 3 des Grundgesetzes eingeforderte Chancengleichheit ist nicht gegeben. Einige Studierenden werden weit größere Bildungsnachteile spüren als andere. Dies ist für uns nicht hinnehmbar!

Lösungen:

  • Aussetzung der Regelstudienzeit
  • Freiwillige Nutzung von Lehrangeboten
  • Verschiebung aller Abgabefristen
  • Recht auf Wiederholung von Prüfungen

Um Chancengleichheit unter den Studierenden sicherzustellen, darf das Semester nicht als reguläres Semester zählen. Wir fordern daher ein „Kann-Semester“, in welchem die Online-Angebote, die von den Lehrenden den Umständen entsprechend bereitgestellt werden können, von den Studierenden je nach individueller Möglichkeit genutzt werden können. Es muss klar sein, dass alle das tun, was sie können. Mit diesem Modell besteht für Lehrende sowie Studierende eine sofortige Klarheit und bessere Planbarkeit des Sommersemesters.

Das Semester soll nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet werden und davon abhängige Regeltermine und -fristen sollen sich im entsprechenden Umfang verschieben. Somit können Studierende regulär studieren, auch wenn sie aufgrund des fehlenden Abschlusses einzelner Module ein Semester „verlieren“ würden. Auch Studierende, die in diesem Semester einen am Semester gebundenen Zweit- oder Drittversuch gehabt hätten, würden aufgrund der Verschiebung der Regeltermine verschont werden. Die Förderung durch BAföG oder Stipendien wäre nicht gefährdet. Und auch die Vermittlungsfähigkeit bleibt erhalten.

Studierende sollen die von den Lehrenden zur Verfügung gestellten Online-Lehrangebote auf freiwilliger Basis nutzen können. Somit soll es Studierenden freigestellt werden, nach ihren eigenen Kapazitäten und den individuellen Umständen zu entscheiden, ob und in welchem Umfang sie die Online-Lehrangebote in Anspruch nehmen. Studierende, die z.B. im Katastrophenfall aushelfen, sich um ihre Familie kümmern oder ihren Lebensunterhalt sichern müssen, erhalten die Flexibilität ihren wichtigen Verpflichtungen nachzugehen.

Für Modul- und Abschlussarbeiten sollen die Abgabefristen um ein Semester verschoben werden. In einer Situation, in welcher Bibliotheken geschlossen sind und Firmen ihre Praxisverträge nicht einhalten, ist es unzumutbar von Studierenden die Einreichung von wissenschaftlichen Arbeiten zu verlangen. Insbesondere Studierende, die kurz vor dem Studienabschluss stehen, brauchen hier Sicherheiten: für den Übergang zum Master und in die Wirtschaft müssen Ausnahmeregeln gefunden werden, die einen Zeitverlust vermeiden.

Prüfungen sollen als „Freiversuch“ stattfinden, d.h. sie gelten im Falle des Nichtbestehens als nicht unternommen und können im Falle des Bestehens zur Notenverbesserung wiederholt werden. Studierende sollen ihre Prüfungen auf freiwilliger Basis wahrnehmen können. Auch muss es möglich sein, bestandene Prüfungen zu wiederholen, da nur dann sichergestellt werden kann, dass keine Studierenden gegenüber anderen benachteiligt werden. Denn nur die Studierenden selbst können beurteilen, ob die Bewertung ihrer Prüfungsleistung unter den besonderen Umständen gerechtfertigt ist oder die Prüfung wiederholt werden sollte.

Wir rufen alle Entscheidungsinstanzen dazu auf, den 2,9 Millionen Studierenden in Deutschland ein Semester ohne Nachteile zu ermöglichen!

Unterstützende Organisationen:

Studierendenvertretung Hochschule Coburg | Studierendenvertretung Hochschule Landshut | Studierendenrat Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar | StudierendenRat Hochschule für Bildende Künste Dresden | Studierendenvertretung Fachhochschule Kiel | Studierendenvertretung Ludwig-Maximilians-Universität München | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule Koblenz | Studierendenvertretung Hochschule Kempten | Liberale Hochschulgruppen Bayern | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main | Studierendenvertretung Hochschule Bremen | Campusgrün Landesverband grün-alternativer Hochschulgruppen Bayern | Studierendenparlament Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen | Studierendenvertretung Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg | Studierendenvertretung Hochschule Weihenstephan-Triesdorf | Studierendenvertretung Heilbronn | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main | Studierendenvertretung Julius-Maximilians-Universität Würzburg | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule für Musik Freiburg | Studierendenrat Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden | Verfasste Studierendenschaft Technische Hochschule Ulm | Fachrat Biologie Leibniz Universität Hannover | Landes-ASten-Konferenz Bayern | Konferenz Thüringer Studierendenschaften | Landesastenkonferenz Hamburg | Bundesverband Die Linke.SDS | Bundesverband ausländischer Studierender | Allgemeiner Studierendenausschuss Universität Bonn | freier zusammenschluss von student*innenschaften | Studierendenvertretung Hochschule für Musik und Theater München | Allgemeiner Studierendenausschuss Technische Hochschule Mittelhessen | Allgemeiner Studierendenausschuss Universität Passau | Vertretung Deutschsprachiger Geographiestudierender | Studierendenrat Hochschule Harz | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule Niederrhein | Allgemeiner Studierendenausschuss Folkwang Universität der Künste | Studierendenvertretung Technische Hochschule Ingolstadt | Campusgrün Bundesverband grün-alternativer Hochschulgruppen | Allgemeiner Studierendenausschuss Katholische Stiftungshochschule München | Verfasste Studierendenschaft Hochschule Mannheim | Allgemeiner Studierendenausschuss Universität des Saarlandes | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule der Bildenden Künste Saar | Allgemeiner Studierendenausschuss Hochschule für Musik Saar | Allgemeiner Studierendenausschuss Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 

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Foto: LStockStudio/Shutterstock.com
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