

Welchen Sinn macht es, Ihnen, liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Petition, ein Update anzubieten? Update in einer Zeit, wo Kriegsangst und Angst vor einem kalten Winter aller Gedanken beherrschen?
Auf der Hitlerglocke in Herxheim am Berg steht: „Alles fuer´s Vaterland“. „Alles“, ein fatales Wort. Ein Wort, das in der Bereitschaft gipfelt, etwas zu tun, was niemand im normalen Leben je tun würde: den anderen, den „Feind“, auf Befehl zu ermorden. Im Darmstädter Burderratswort von 1947 heißt es in Punkt 4. 4. „Wir sind in die Irre gegangen, als wir meinten, eine Front der Guten gegen die Bösen, des Lichtes gegen die Finsternis, der Gerechten gegen die Ungerechten im politischen Leben und mit politischen Mitteln bilden zu müssen....“ Wir also die Guten - die anderen die Bösen. In anderen Worten steht ebendas auf der Herxheimer Glocke: „Alles fuer´s Vaterland-Adolf Hitler“.
Deswegen erneut unsere Forderung: Presbyterium und Gemeinderat in Herxheim am Berg, Landeskirchenrat in Speyer: Nehmt die Glocke aus dem unzugänglichen Kirchturm heraus, zeigt sie öffentlich, zeigt sie als Mahnung: Zeigt sie als ein „Nein“ zu diesem fatalen „Alles“, als ein „Nein“ zum Krieg, als ein „Nein“ zum Wahn, Alleinbesitzer des Guten zu sein.
Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer unserer Petition: Lesen sie hierzu die transkribierte Rede von
Eugen Drewermann (Bild oben, Quelle)
auf dem Kongress ‘Ohne NATO leben – Ideen zum Frieden’ vom 21.5.2022 in der Humboldt-Universität Berlin.
Im Folgenden berichten wir ihnen über Aktuelles im Umgang mit „Nazi-glocken“:
Die
vom 23. März 2022 berichtete über die „Nazi-Glocke“ aus der St. Laurentiuskirche in Maua bei Jena, die dort abgehängt wurde. Sie befindet sich jetzt im Museum Lutherhaus Eisenach.
Unser Kommentar: Das Läuten der Hitlerglocke in Herxheim am Berg 1951 (und zuvor) bis 2017 war über Jahrzehnte hinweg gotteslästerliches und antisemitisches Handeln. Wir beklagen nach wie vor das Fehlen einer Schulderklärung seitens der Kirchengemeinde selbst, aber auch des Prot. Landeskirchenrats in Speyer.
Im
wurde am 07.04.1922 in der Sendung „Tag für Tag“ ein Beitrag zu Glocken mit NS-Symbolen unter dem Titel „Hitlers Bart…“ ausgestrahlt. Die Veröffentlichung des Audio-Links genehmigte uns freundlicherweise der Autor Henry Bernhard.
Der
berichtete über eine Glocken-Festwoche in Apolda (4. -9. Juli 2022), der Stadt, in der von der Firma Glockengießerei Schilling der Großteil der Naziglocken gegossen wurde, darunter auch die Herxheimer Hitlerglocke.
Der Leiter des Eisenacher Lutherhauses, Jochen Birkenmeier, kritisierte, dass in der Festwoche die Zeit 1933 bis 1945 ausgeblendet wurde. Zitat: „Man wird eine Verantwortung nicht los, indem man sie leugnet“, so Birkenmeier in der Kirchenzeitung „Glaube+Heimat“. Selbst kirchenfeindliche Glocken seien hier geschaffen worden, etwa für die Glockenspiele in den trutzigen Türmen der "NS-Ordensburgen" im pommerschen Krössinsee und im bayerischen Sonthofen, so Birkenmeier. Diese Glocken sollten nicht zum Gottesdienst, sondern zur Errichtung eines "arischen" Weltreichs rufen, in dem die christlichen Kirchen "abfaulen" sollten "wie ein brandiges Glied“ (Zitate Adolf Hitlers).
Hitlerglocken auch in Oesterreich
Seit Start der Petition haben wir die Herxheimer Glocke konsequent bezeichnet als das, was sie ist: eine Hitler-Glocke, eine Bezeichnung, die schon in der Nazi-Zeit ganz selbstverständlich benutzt wurde: Eine Hitlerglocke wurde im April 1938, kurz nach dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich, für die niederösterreichische Gemeinde Zwingendorf gegossen, eine weitere für die Pfarrkirche in Wien-Sievering.
Dank ihrer Hilfe hat die Petition die 10 000-Marke überschritten. Konsequent haben wir die üblichen Socialmedia - Kanäle nicht benutzt. Wir haben darauf vertraut, dass unser Anliegen, die Hitlerglocke in Herxheim abzuhängen und sie zur Mahnung öffentlich auszustellen, von „Mund zu Mund“, von Email zu Email weitergetragen würde. Vielen Dank wiederum für Ihre / eure Unterstützung mit der Bitte um Weiterwerben und -verbreiten unserer Petition.
Ulrich Loschky, Kirchenmusikdirektor und Richard Eberle, Pfarrer