Schutz junger Menschen vor Behördenwillkür! Gerechtigkeit für unseren toten Sohn Hannes.

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Mein Name ist Ines Semisch-Graßmann, am 16. November 2018 wurde mein Kind beerdigt.

Hannes (17) starb an einer verhängnisvollen Verkettung aus Behördenzwang, Perspektivlosigkeit und Körperresignation. Sein Schicksal unterlag einer fahrlässig agierenden, starrsinnigen Verwaltungsstruktur, die instanzübergreifend an Gesetzestexten und behördlicher Logik orientiert war, nicht aber an der individuellen Lebenswirklichkeit und seelischen Konstitution eines jungen Menschen.

Um künftig Jugendliche und deren Angehörige besser vor diesen Strukturen schützen zu können, und damit unserem Sohn Gerechtigkeit widerfährt, fordern wir:

1.) Amtsniederlegung des zuständigen Landrats Rolf Lindemann! Durch freiwilligen Rücktritt oder die unmittelbare Amtsenthebung.

2.) Abbestellung von Martin Saupe als Sachgebietsleiter und Versetzung auf einen Posten ohne Führungs- und Sozialverantwortung.

3.) Einführung einer unabhängigen und anerkannten Kontrollinstanz in der Jugendhilfe. Diese soll Entscheidungsprozesse in der Einzelfallhilfe objektiv begleiten und jederzeit sicherstellen, dass Lösungen a) zum wirklichen Wohl des Kindes und b) von sozialkompetenten Menschen herbeigeführt werden.

Wie viele andere Kinder und Jugendliche passte Hannes in kein System. Behörden stellten ihm das Etikett „regulär nicht mehr beschulbar“ aus. Unser Sohn wurde Zaungast deutscher Bildungsstrukturen und erreichte 2014 den Tiefpunkt seiner Motivation und mentalen Belastbarkeit — eine gefährliche Abwärtsspirale. Als Familie wussten wir instinktiv, dass wir uns selbst organisieren müssen.

Durch eigene Recherche fanden wir im 5.000 km entfernten Bishkek/Zentralasien das Jugendhilfeprojekt PILGER, in dem junge Heranwachsende qualifiziert und zielbewusst sozialpädagogisch betreut werden. Beim zuständigen Jugendamt Fürstenwalde/Spree stellten wir den Antrag auf einen hilfebezogenen Auslandsaufenthalt und erfuhren wertvolle Unterstützung durch den damaligen Landrat unseres Landkreises Oder-Spree, Manfred Zalenga sowie die langjährige Betreuerin von Hannes, Frau Maxi Pfeiffer-Barth.

In Kirgisistan, dem Land, das unseren Sohn im Februar 2014 planmäßig aufnimmt, fühlte Hannes sich glücklich und angekommen. Seine Seele entspannte sich. Mit neuem Lebensmut erreichten auch die schulischen Leistungen ein unkritisches Niveau. Hannes bereitete sich motiviert auf seinen Abschluss vor, der die Brücke zu einem neuen Lebensabschnitt nach der Schule bedeuten sollte.

Regelmäßige Hilfeplangespräche, in die Hannes einbezogen war, brachten bis einschließlich Januar 2016 eindeutige Resultate hervor. Hannes wollte und sollte seine Schule in Bishkek beenden. Zwölf Monate wären dafür noch vonnöten gewesen.

Im März 2016 änderte sich die betreuende, federführende Personalie im Jugendamt Fürstenwalde/Spree und damit auch schlagartig die Einschätzung des Amtes. Uns wurden Hürden gesetzt, Gespräche verliefen einseitig und fokussierten unmittelbar Hannes‘ vorzeitige Rückführung. Der damalige Teamleiter Martin Saupe (heute Sachgebietsleiter) trieb diesen drastischen Kurs maßgeblich voran. Im April/Mai 2017 schließlich ordneten amtsinterne Entscheidungsträger das Ende der Hilfemaßnahme in Bishkek an. Hannes‘ Rückkehr nach Deutschland wurde erzwungen und das Jugendamt überging bewusst Gefahrensignale, Expertenräte sowie nachdrückliche Einreden unserer Familie. 

Auf Landratsebene erhielten wir keine Hilfe, auch hier wechselte die Zuständigkeit. Der SPD-Politiker Rolf Lindemann übernahm zum 09. Februar 2017 die Geschäfte von Manfred Zalenga. Mit Datum vom 15. Mai 2017 widersprachen wir dem negativen Bescheid, der schicksalhaft für Hannes und alle Angehörigen war. Unsere Intervention wurde jedoch als unbegründet zurückgewiesen.

Zeitgleich geschieht im Mai 2017 folgendes: Zirka einhundert Tage im Amt, gibt Landrat Rolf Lindemann Vertretern der Märkischen Oderzeitung (MOZ) ein persönliches Interview und inszeniert sich darin als Heilsbringer auf Augenhöhe, der „die ganze Verwaltung darauf ausrichten will, den Bürger in jedem Falle ernst zu nehmen.“ „Ich sehe mich als Kümmerer.“, sagt Lindemann.

Die Realität sieht anders aus: In einer Kreistagssitzung vom September 2019 äußert sich Rolf Lindemann unter Anwesenheit von Zeugen abfällig über die Hilfemaßnahme in Kirgisistan, sowie über das Land selbst. Er kommuniziert, dass die Entscheidung zur Hilfe „eine Schnapsidee“ gewesen sei. In weiterer Ausführung bezeichnet er Kirgisistan als „Dritte-Welt-Land“.

Wirklichkeit und Wunschdenken laufen bei Rolf Lindemann scherenartig auseinander und zeichnen das Bild eines Mannes, dessen Machtposition ein folgenschweres Momentum für unsere Familie und sämtliche familiennahen Begleiter produziert hat. An unserem Kontext Maß genommen, muten seine Worte zynisch, gespalten und maliziös an. Die behördlich angeordneten und durchgeführten Entscheidungsetappen rechtfertigt Rolf Lindemann intern und medial vor allem fachlich und juristisch. Er beruft sich dabei schriftlich wie mündlich auf die Existenz geltender Gesetze und deren Anwendung. Menschliche Komponenten werden nicht erwogen.

Zurück in Deutschland geriet unser Sohn in ein vorhersehbares Dilemma. Hannes erlitt schwere Schlafstörungen, wurde nervlich unruhig und sorgte sich existenziell um seine Zukunft. Ein Gewicht, dass er nicht mehr schultern konnte — und unter dem er schließlich zerbrach. In einem Akt der Verzweiflung griff Hannes zu schweren Drogen, deren Einnahme er nicht überlebte.

Die erzwungene und frühzeitige Rückführung unseres Sohnes nach Deutschland, hat eine Katastrophe heraufbeschworen, die am 26. Oktober 2018 zu schmerzhafter Realität wurde. Hannes‘ Leben ist zwar unwiederbringlich, sein exotisches Wesen und die außergewöhnlichen Umstände aber setzen ein aussagekräftiges Mahnmal in Deutschland. Wir stehen unerschrocken dafür ein, dass sich eine derartige Tragödie nicht wiederholen darf.

Bitte unterstützen Sie mich und meine Familie sowie unseren verstorbenen Sohn auf dem Weg zur Gerechtigkeit.

Herzlich dankend, Ihre Ines Semisch-Graßmann


Petition richtet sich an:
Dr. Franz Berger (SPD); Vorsitzender des Kreistages Oder-Spree
sowie den Petitionsausschuss Landtag Brandenburg

Petitionsführung:
Ines Semisch-Graßmann und Mika C. Nixdorf

Schriftführung:
Mika C. Nixdorf
Beta-Version, mit Unterstützung von Meike (Intern)

Quellen:

Videosequenz SPIEGEL TV vom 03.07.2019:
https://www.youtube.com/watch?v=9-tZtrknvCA 

Jugendhilfeprojekt PILGER:
www.jugendhilfe-pilger.de 

Interview mit Landrat Rolf Lindemann:
https://www.moz.de/landkreise/oder-spree/beeskow/artikel2/dg/0/1/1574961/ 

Stellungnahme Rolf Lindemann: https://www.landkreis-oder-spree.de/Service-Aktuelles/Aktuelles; Reaktion auf Medienberichte über den tragischen Tod eines 17-Jährigen, veröffentlicht am 05.07.2019