Petition update#WasFürnSpahn: Herr Spahn, 5 Millionen Euro für Hilfe statt Hass25 Männer entscheiden über die Körper tausender Frauen - #AlabamaAbortionBan
Nike van DintherGermany
May 17, 2019

Liebe Unterzeichner*innen, wir müssen uns weiterhin wehren und das sogar lauter denn je. 

Seit dem Start der Petition #wasfürnSpahn, die sich gegen das Vorhaben unseres Gesundheitsministers richtet, 5 Millonen Euro für eine frauenfeindliche Studie über die psychischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen aufzuwenden, werde ich immer wieder gefragt, ob es denn tatsächlich nötig sei, so vehement an einem scheinbar harmlosen Vorhaben wie diesem zu rütteln. Im Grunde gäbe es schließlich keine Probleme, ganz im Gegenteil, Abtreibungen blieben unter bestimmten Voraussetzungen doch weiterhin straffrei, was unterm Strich soviel wie Freiheit bedeutete. 

In solchen Momenten frage ich meist zurück: Was glauben Sie denn, wie die gesetzliche Lage 2019 aussähe, könnten cis-Männer ebenfalls schwanger werden? Und wieso dürfen Männer überhaupt über den weiblichen Körper bestimmen? Für gewöhnlich folgt dann ein langes Schweigen und Begreifen. Aber eben nicht immer. Deshalb müssen wir weitermachen.

Dass es mir im Kern der noch immer laufenden Petition, auf die Jens Spahn übrigens seit Monaten keine Antwort finden will, natürlich nicht ausschließlich um irgendeine herabwürdigende und hanebüchene Studie geht, sondern vielmehr um die potenzielle Tragweite und Symbolkraft ebenjener, aber auch nicht minder um die gleichzeitige Stärkung der (Nazi-)Paragraphen 218 und 219a im Deckmantel vorgegaukelter Empathie, sollte spätestens mit den Geschehnissen der vergangenen Tage überdeutlich geworden sein.

Der Senat des US-Bundesstaates Alabama hat jüngst einen zu Recht von etlichen Medien als „drakonisch“ betitelten Beschluss zu Schwangerschaftsabbrüchen verabschiedet:

Ärzt*innen in Alabama droht ab sofort eine Gefängnisstrafe von bis zu 99 Jahren. Keineswegs für barbarische Verbrechen, die fernab jeder Vorstellungskraft liegen. Sondern für jeden medizinischen Eingriff, der eine ungewollte Schwangerschaft beendet und der darüber hinaus ein Menschenrecht sein muss und sollte, in jedem Land der Erde. Von den 35 Mitgliedern des Senats stimmten die einzigen vier Frauen gegen die restriktive Gesetzesänderung, die fortan auch das Abbrechen inzestuöser Schwangerschaften und solcher, die auf Vergewaltigungen zurückzuführen sind, verbieten und unter Strafe stellen will. Die verbleibenden 25 Männer stimmten einstimmig und unter Anführung des Abgeordneten Terri Collins dafür, Ärzt*innen und auch die Schwangeren selbst künftig belangen und bestrafen zu können. Das Ziel dessen sei, eine landesweite Debatte über Schwangerschaftsabbrüche zu entfachen und Abtreibungen in den gesamten USA zu verbieten. 

Nein: Kein Mann, der Schwangerschaftsabbrüche 2019 noch kriminalisiert oder auch nur davon träumt, sorgt sich ernsthaft um den Schutz irgendeines Lebens. Es geht in dieser von mächtigen Entscheidungsträgern geführten Debatte  meines Erachtens nach ausschließlich um Populismus, um Macht, um Kontrolle, darum, den „Aufstand der Frauen“ zu zerschlagen, mit allen Mitteln, um ein letztes Aufbäumen all jener, die sich als Pro-Life-Saubermännlein selbst beweihräuchern, am Ende jedoch nicht mehr sind als wieder nur Fundamentalisten, die Menschen mit Uterus diskriminieren. Wer genau hinsieht, ahnt außerdem, dass eine weitere Intention hinter derartigen Angriffen auf unsere Menschenrechte und die Würde tausender Frauen stecken muss: Der Wille, uns Stück für Stück zu entmündigen. 

Dass es überhaupt möglich ist, die private Rückwärtsgewandtheit auf öffentlicher, politischer Ebene zu manifestieren und obendrein salonfähig zu machen, ist ein weiteres Armutszeugnis einer Zeit, in der die Gleichstellung der Geschlechter noch immer Utopie bleibt. 

Während ich mich indes frage, ob es einer neuen Petition bedarf, die sich dafür einsetzt, dass Männer nie wieder über den weiblichen Körper entscheiden oder Gesetze, die ausschließlich Frauen betreffen, verabschieden dürfen sollten, ist es nun vor allem unsere gemeinsame Pflicht, aufzustehen und uns gegen das Unrecht zu wehren, das unseren Schwestern, Müttern, Freundinnen und Töchtern angetan wird. Es war noch nie eine Ausrede anzunehmen, man selbst sei nicht betroffen. Dinge ändern sich, Umstände ändern sich, Menschen ändern sich – und Gesetze leider auch.

Danke, von ganzem Herzen, an alle Unterstützer*innen.
Teilt diese Petition reichlich und richtet euch über alle erdenklichen Kanäle direkt an Jens Spahn - damit er uns endlich (zu)hört.

 

 

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