Petition updateGrenzen setzen gegen misogyne Gewalt: Jérôme Boateng darf nicht zurück zum FC BayernBoateng-Entscheidung offenbart fehlende Aufarbeitung beim FC Bayern, es muss jetzt gehandelt werden!
Bayern FansMünchen, Germany
Oct 30, 2025

Der FC Bayern braucht klare Strukturen gegen misogyne Gewalt und Machtmissbrauch

Jérôme Boateng kommt nicht zurück zum FC Bayern, das ist die richtige Entscheidung. Es entsteht aber der Anschein, dass es noch Verständnislücken bei den Entscheidungsträgern des Vereins zu den Problemen misogyner Gewalt und Machtmissbrauch gibt. Denn begründet wird die Entscheidung öffentlich damit, dass lediglich die kontroverse Diskussion um ihn als Person gerade das Problem sei. Außerdem wird nicht sichtbar, was getan wird, um in Zukunft die Wahrscheinlichkeit und den Nährboden für solche schlimmen Gewalttaten eines aktiven Mitarbeiters einzudämmen, wie es Boateng zum Zeitpunkt seiner Taten war. Misogyne Gewalt ist alltäglich in unserer Gesellschaft und der FC Bayern steht vor der Herausforderung und in der Verantwortung, sich dem endlich zu stellen.

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TERRE DES FEMMES ist eine gemeinnützige Frauenrechtsorganisation, sie sagen zum Fall: "Gewalt an Frauen und Partnerschaftsgewalt ist niemals „Privatsache“ – egal ob der Täter ein prominenter Profifußballer ist, oder der Arbeitskollege, der Nachbar, oder der beste Freund.

Bei prominenten und belegten Fällen von Gewalt an Frauen sollte es keine Frage sein, auf wessen Seite sich eine Institution befindet. Das Signal sollte klar sein: Ja, es gibt Konsequenzen für Täter. Betroffenen Frauen wird geglaubt, wenn sie das Schweigen brechen. Und Strukturen werden bewusst geprüft und verändert. Schweigevereinbarungen für Frauen und öffentliche Täter-Opfer-Umkehr können kein Teil einer Vereins- oder Unternehmenskultur sein. Ein solcher Umgang kann zwar geschehenes Unrecht nicht wieder gut machen, es aber für die Zukunft vermeiden und zugleich vielen anderen Betroffenen Mut machen und Kraft geben.

Die Kultur des Schweigens und Vertuschens muss Platz für ein starkes Hilfenetzwerk machen. Damit Gewaltbetroffene aufgefangen, statt isoliert werden.

Gerade große Vereine, Unternehmen, Branchen müssen aktiv gegen Gewalt an Frauen vorgehen und wirksame Strukturen einrichten, in denen Hilfe und Sicherheit garantiert sind. Als Gesellschaft und Gemeinschaft müssen wir uns klar gegen häusliche Gewalt positionieren, auch als Arbeitgeber, oder als Sportverein. Der FC Bayern als der Verein mit den meisten registrierten Fans in Deutschland sollte geschlossen hinter den Betroffenen von Gewalt stehen, nicht hinter den Tätern. In Deutschland ist jede vierte Frau statistisch gesehen mindestens einmal im Leben von sexualisierter oder körperlicher Gewalt betroffen. Solange diese Gewalt als „Privatsache“ abgetan wird, können die Täter weiterhin scheinbar unbescholtene Bürger, Nachbarn, Freunde, Mitarbeiter und Teamkollegen sein.

TERRE DES FEMMES setzt sich dafür ein, dass Frauen, die von Gewalt betroffen sind, ernst genommen und aktiv geschützt werden. Alle Forderungen von TERRE DES FEMMES zum Thema häusliche Gewalt finden sich hier."
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Wir erwarten von unserem Verein, dem FC Bayern, sich jetzt zu bemühen bessere Strukturen zu schaffen, in denen die Spielerinnen, Mitarbeiterinnen, wie auch ihre Familien und die Spielerfrauen nicht mehr länger einer erhöhten Gefahr von Gewalt und Machtmissbrauch ausgesetzt sein müssen. Ana-Cristina Grohnert, Vorstandsvorsitzende Charta der Vielfalt e.V., forderte den FC Bayern bereits vor 5 Jahren auf: „Wir müssen uns trauen neu zu denken und dafür müssen wir viele, unterschiedliche Stimmen ins Gespräch holen und an den Tisch setzen. Das kann unbequem werden aber wir haben eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft."

Der Berliner Verein für Frauenhauskoordinierung fordert 4 zentrale Punkte, die klar mit der Situation des FC Bayern in den Zusammenhang zu bringen sind und die bislang nicht ausreichend vom Verein adressiert wurden:

  1. Frühzeitigere Prävention in Form von Aufklärung in der Ausbildung - beim FC Bayern muss mindestens ein Vortrag und Workshop Teil der Jugendausbildung sein, um junge Spieler*innen für das Thema zu sensibilisieren, als auch müssen verpflichtende Workshops für die Führungskräfte des Vereins angeboten werden.
  2. Besseren Zugang zu Beratungsstellen, Frauenhäusern und rechtlicher Unterstützung - der Verein könnte als ersten Schritt die Anlaufstelle für Betroffene von misogynen Gewalttaten sichtbarer öffentlich präsentieren, sie anleiten dazu aktiv auf Frauen im Umkreis zuzugehen, Programme in Kooperation mit Vereinen aus der Umgebung zu starten. Wenn man sich wirklich als FC Bayern Familie verstehen will, müssen diese Anlaufstellen auch für die Familien der Mitarbeitenden und die Spielerfrauen sichtbar und nutzbar sein.
  3. Strukturelle und kulturelle Veränderungen - Mehr Diversität in der Vereinsführung führt auch zu Entscheidungen im Verein, die Perspektiven von Personen aus den strukturell diskriminierten und unterrepräsentierten Gruppen mit einbezieht. Beim FKM-Jahresbericht 2025 zur Lage der Diversität im deutschen Profifußball ist der FC Bayern in fast allen Bereichen Schlusslicht.
  4. Sensibilisierung der Öffentlichkeit und Übernahme von Verantwortung - hier ist die Initiative mit dem orangenen Anstrahlen der Allianz Arena ein guter Anfang, aber um Verantwortung zu übernehmen müssen auch die eigenen Probleme aktiv angegangen werden, anstatt nur mit dem Finger auf andere zu zeigen und warme Worte zu teilen. Der FC Bayern sollte eine unabhängige Supervision oder Untersuchung in Auftrag geben, wie man es beispielsweise auch schon mit der Aufarbeitung der Vereinsgeschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus getan hat. 
     

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TERRE DES FEMMES ist eine NGO, die sich vorrangig durch Spenden finanziert - hier können auch Sie unterstützen: https://frauenrechte.de/spenden-und-stiften/jetzt-online-spenden
Frauenhauskoordinierung e. V. (FHK) wurde 2001 in Frankfurt am Main auf Initiative der Wohlfahrtsverbände gegründet, um sich im Auftrag der Mitglieder für den Abbau von Gewalt gegen Frauen und für die Verbesserung der Hilfen für betroffene Frauen und deren Kinder einzusetzen. FHK koordiniert, vernetzt und unterstützt das Hilfesystem, fördert die fachliche Zusammenarbeit und bündelt Praxiserfahrungen, um sie in politische Entscheidungsprozesse sowie in fachpolitische Diskurse zu transportieren.

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