Grenzen setzen gegen misogyne Gewalt: Jérôme Boateng darf nicht zurück zum FC Bayern

Aktuelle Unterzeichner*innen:
Stephanie Mogk und 10 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

UPDATE:

Seit dem 25.10.2025 ist bekannt, dass Jérôme Boateng zunächst nicht zum FC Bayern zurückkehren wird. Diese Entscheidung ist für uns ein Etappenerfolg und ein Schritt in die richtige Richtung. Jérôme Boateng wurde damit konfrontiert, dass vor der Resozialisierung nach einer Straftat nicht jede Tür für ihn offen stehen kann. Er hat jetzt die Chance, sich mit seiner Vergangenheit kritisch auseinanderzusetzten und als Person des öffentlichen Lebens auch für seine Fans als Vorbild sichtbar zu machen, ob er Reue empfindet und ob er etwas aus den Taten gelernt hat.

Unbekannt ist dagegen weiterhin welche Maßnahmen der FC Bayern und sein Präsidium unternehmen, um es nicht noch einmal zu einem solchen Fall kommen zu lassen. Zu der Zeit seiner hier zitierten Taten, die von detailierten, wasserdichten Recherchen dokumentiert sind, war Boateng Spieler und Aushängeschild des FC Bayern. Eine Aufarbeitung des Falls und daraus entstandene Strukturen zum Schutz von Betroffenen solcher Gewalttaten scheint es nicht zu geben.

Wir haben 4 Forderungen an Herbert Hainer, dieses Thema als Präsident des FC Bayern jetzt in die Hand zu nehmen.

 

 

4 Forderungen für bessere Strukturen gegen misogyne Gewalt

 

 

____________________________________________________________

Hintergrund der Petition:

Seit dem 15.10.25 war im Tagesspiegel und bei 11 Freunde zu lesen, dass beim FC Bayern der Weg bereitet ist, dass Jérôme Boateng als Hospitant in seiner Fußballehrer Ausbildung unter Vincent Kompany zurück zum Verein kommen darf. Dabei gab es schon beim Probetraining 2023 großen Widerstand aus der Fanszene, als eine Rückkehr Boatengs aufgrund der angespannten Personallage in der Innenverteidigung im Raum stand. Dass nun erneut eine Rückkehr im Raum steht lässt glauben, dass die Entscheidung gegen Boateng damals wohl rein sportliche Gründe hatte und die eigenen Werte des Vereins scheinbar nur kommerzielle Fassade sind. Jeden November lässt der FC Bayern die Allianz Arena in orangenem Licht aufleuchten, als Zeichen gegen Gewalt gegenüber Frauen. Doch was ist eine solche Aktion wert, wenn im gleichen Atemzug einem Gewalttäter gegen Frauen wie Jérôme Boateng der Rote Teppich ausgerollt wird? 

Im Jahr 2024 ging einer der Prozesse gegen Boateng zu Ende mit dem Urteil: vorsätzliche Körperverletzung. Aber das Absurde: Auf Boateng wartete lediglich eine Geldstrafe auf Bewährung von 200.000€ und weiteren 100.000€, die zur Hälfte an ein Kinderspital und einen Verein für Familien und Jugendhilfe gehen sollten. Doch bedeutet diese relativ milde Strafe, dass Boatengs Fall eigentlich nicht so schlimm war oder wie kommt ein solches Urteil zustande?

Im Podcast des Spiegel - NDA: Die Akte Kasia Lenhardt bekommen wir detailierte Einblicke in den Prozess gegen Boateng und in seine Handlungen gegenüber Frauen.

Zitat aus dem Podcast:

"In diesem Sommer wird der Prozess neu verhandelt. Jerome Boateng streitet ab Sherin S. jemals Gewalt angetan zu haben. Die Anwälte von Boateng sagen vor Gericht, ihr Mandant würde nichts außer einem Freispruch akzeptieren.
Ich habe den Prozess in München im Herbst 2022 als Journalistin begleitet. Während Sherin S. befragt wird, sitze ich vor Ort im Gericht. Boateng verweigert die Aussage. Das ist sein Recht als Angeklagter, er schweigt. Sherin S. muss aussagen, weil sie Opfer und damit Zeugin ist. Sherin S. muss Fragen beantworten von der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung, dem Richter.
Das sind Fragen wie an welcher Stelle soll Boateng sie angeblich im Urlaub in der Karibik in den Kopf gebissen haben? Wie fest, als er ein knapp einen Meter hohes Windlicht nach ihr geworfen hat, hat er dabei in Kauf genommen, sie tödlich zu verletzen? Hat er es geworfen oder umgetreten, war es ein Versehen? Woher will sie das mit Sicherheit wissen?
Mit welchen Ausdrücken hat er sie beschimpft? Nutte, Schlampe, Fotze? War die Verletzung an der Hand, rechts oder links war der Biss am Kopf mittig, war’s ein Schlag oder ein Stoß, passt es zu den Fotos, hat er mit rechts oder links zugeschlagen, wie hat er seinen Daumen in ihre Augenhöhle gedrückt, hat sie geblutet?
Wenn nicht, woher kam das Blut? Auf ihrem T-shirt hatte sie ihre Periode, war es Boatengs Blut, warum hat er geblutet, wer hat wen angegriffen, wann genau hat er ihr Blut ins Gesicht gespuckt, als sie auf dem Boden der Terrasse des Hotels lag? Warum weiß sie das nicht? Hat sich überhaupt irgend etwas von dem abgespielt, was sie sagt? So geht das stundenlang."

Gewalt, Machtmissbrauch und ausbleibendes Verantwortungsbewusstsein ist der rote Faden, der sich durch die Beziehungen von Boateng zu Frauen zieht, und auf die auch besonders Frauen, die Fans des FC Bayern sind, mit großer Sorge blicken

Die Correctiv Autor*innen schreiben und ordnen zudem ihre Recherchen im Rasenfunk in den Kontext ein - Zitat aus dem Artikel:

"Das Ende beginnt für Katarzyna Lenhardt mit einem Vertrag, der sie zum Schweigen bringen soll. Als sie das Papier unterschreibt, setzt sich um sie herum eine Maschinerie in Gang. Sie wird geahnt haben, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Was genau sich um sie zusammenzieht, kann sie zu der Zeit noch nicht wissen. Es ist bereits spät in der Nacht, ein Montag, der 25. Januar 2021. Lenhardt hat da noch 15 Tage zu leben.

Geht man von dem aus, was Lenhardt selbst kurz danach angeblich zu ihrer Mutter gesagt hat, soll ihr Ex-Freund, das Fußball-Idol Jérôme Boateng, sie aufgesucht und gedrängt haben, eine sogenannte Verschwiegenheitsverpflichtung zu unterzeichnen.

Mit dem Vertrag verpflichtet sie sich offenbar noch in der Nacht zu „absolutem Stillschweigen“ über alles, was während der Beziehung zwischen ihr und Boateng geschah. Alle SMS, E-Mails, Dateien, Fotos muss sie „unverzüglich“ und „unwiederbringlich“ von sämtlichen Speichern löschen."

Kurze Zeit nach der Unterzeichnung der Verschwiegenheitsverpflichtung erschien in der "Bild" Zeitung eine Reihe von Artikeln in Zusammenarbeit mit Boateng. Zahlreiche private und intime Nachrichten von Kasia Lenhardt, gepaart mit Behauptungen von physischen und psychischen Erkrankungen wurden mit Hilfe von Boateng ohne das Einverständnis von Kasia Lenhardt veröffentlicht. Wenige Tage nachdem "bild.de" titelte “JETZT WIRD’S SCHMUTZIG – Die privaten Nachrichten von Kasia an Boatengs Ex” oder “TRENNUNG VON KLUM-MODEL – Boateng rechnet mit seiner Ex ab – Es geht um Alkohol, Druck und Erpressung” nahm sich Kasia Lenhardt das Leben.

Der Spiegel veröffentlicht zum Fall herzzereissende Details, die in ihrem oben genannten Podcast noch vertieft werden. Bemerkenswert ist, dass diese Recherchen absolut wasserdicht sein müssen. Denn wenn auch nur das kleinste Detail anfechtbar wäre, hätte eine Klage von Boateng sie schnell zum Löschen der Veröffentlichungen zwingen können. Und dass Jérôme Boateng bereit ist, gegen jede Kleinigkeit zu klagen, wird auch in diesem Bericht sichtbar.

Zitat aus der Recherche:

Im Februar 2021 gab er ein »Bild«-Interview, in dem er seiner Ex-Freundin Kasia Lenhardt vorwarf, dass sie ihn in der Beziehung erpresst habe. Es war ein ungewöhnlich persönliches Interview, in dem Boateng harte Vorwürfe erhob. Er unterstellte Kasia Lenhardt ein Alkoholproblem und warf ihr vor, ihn damit bedroht zu haben, seine Karriere zu zerstören oder ihm seine Kinder zu nehmen, wenn er sie betrüge oder sie öffentlich bloßstelle. Das Interview wurde vom Deutschen Presserat gerügt. Medienrechtler stuften es als rechtswidrig ein, sprachen von Verleumdung. In sozialen Medien wurde Kasia Lenhardt nach dem »Bild«-Interview bedroht und beschimpft. Eine Woche nach Erscheinen des Interviews nahm sich Kasia Lenhardt das Leben, in einem Apartment an der Spree, das Jérôme Boateng für sie beide gemietet hatte.

Bei dieser Recherche wurde mit Einwilligung der Hinterbliebenen das iPhone, das Kasia Lenhardt in den letzten Monaten bis zu ihrem Tod nutzte, vom »Security Research Labs« digital-forensisch untersucht und aufbereitet. 

Laut den Chatnachrichten, die dem ­SPIEGEL vorliegen, warf Kasia Lenhardt 2019 Jérôme Boateng erstmals Gewalt vor und legte nahe, bei der Polizei Anzeige gegen ihn erstatten zu wollen. Dazu kam es laut ­SPIEGEL-Informationen aber nicht.
In ihren Nachrichten aus dieser Zeit schildert sie einen Vorfall, der sich während des Oktoberfests 2019 in München abgespielt haben soll: »Leider hat er meinen linken Daumen fast gebrochen«, sagt Kasia Lenhardt in einer Sprachnachricht. Ein Streit zwischen ihr und Boateng sei eskaliert, sagt sie darin. Boateng sei wütend geworden und habe sie verletzt. Sie schickt außerdem Bilder von Hämatomen an ihren Armen, die ebenfalls Boateng verursacht haben soll. Er habe mit Gläsern geworfen. Das Hotelzimmer sei voller Scherben gewesen. Mehrere Personen, mit denen auch der SPIEGEL gesprochen hat, berichten, dass Kasia Lenhardt auch ihnen davon erzählt habe.
Boateng geht damals gegen die ermittelnde Staatsanwältin vor. Sein Anwalt zeigt sie wegen »Verfolgung Unschuldiger« an. Nach wenigen Wochen wird das Verfahren ein­gestellt.
Ein anderer Vorfall soll sich rund um den Tag ereignet haben, an dem Kasia Lenhardt eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterzeichnet hat. Die Verschwiegenheitsverpflichtung, ein sogenanntes NON DISCLOSURE AGREEMENT (NDA) ist auf den 25. Januar 2021 datiert. Dieses NDA liegt dem SPIEGEL vor, es ist von Jérôme Boateng und Kasia Lenhardt unterzeichnet, verpflichtet aber nur Kasia Lenhardt zum Schweigen.
Diese Nachrichten schrieb Kasia Lenhardt, drei Tage nach der Unterzeichnung, am 28. Januar 2021 an Jérôme Boateng:
»Lass mich in Ruhe
Für immer
Du tust mir nicht gut
Du machst mich nur traurig
Du hast mein Ohr zerrissen letzten Monat mein Knie
Lass mich in Ruhe
Ich will nichts von dir wissen
Lass mich mein Leben aufbauen ohne dich
Lass MICH IN RUHE

Hast Angst? Keine Sorge ich werde niemals gegen dich vorgehen !!! Nie wieder!«
Boateng bestreitet in diesem Chat mit Kasia Lenhardt die Vorwürfe. Lenhardt erwidert, jeder wisse, dass er ihr diese Verletzung zugefügt habe: »Niemand ist in der Lage sich selber so krass das Ohr aufzureißen oder gegen sein Knie zu schlagen.«

In einer Sprachnachricht an ein Familienmitglied sagt Kasia Lenhardt auf Polnisch: »Und wir haben uns dann gestritten, und er hat meinen Ohrring rausgerissen, überall war Blut am Ohr. Und ich denke einfach, er hat dann Angst bekommen und wusste auch, dass das alles keinen Sinn mehr macht, weißt du.«
Laut Recherchen des SPIEGEL hat Kasia Lenhardt in den Tagen vor ihrem Tod Angst gehabt; sie wurde von Hackern im Netz erpresst, wurde beschimpft, und Nutzer wünschten ihr den Tod. Kasia Lenhardt gab wiederholt gegenüber ihrem Umfeld an, unter anderem auch Angst vor einem Assistenten von Boateng zu haben, der sie in diesen Tagen dazu gedrängt haben soll, die gemeinsame Wohnung zu räumen. Sie soll einen Tag vor ihrem Tod noch das Schloss an ihrer Wohnung ausgetauscht haben, so berichten es Nahestehende.
In der Ermittlungsakte zum Tod von Kasia Lenhardt, die dem SPIEGEL vorliegt, ist vermerkt, dass die letzten beiden Anrufe, die Kasia Lenhardt offenbar angenommen hat, von der Nummer des Assistenten von Boateng kamen. Die Polizei hat nach SPIEGEL-Informationen weder den Assistenten Boatengs noch Boateng selbst nach Kasia Lenhardts Tod befragt.
Einer der Anwälte bestätigt gegenüber dem SPIEGEL, dass Kasia Lenhardt plante, Anzeige gegen Jérôme Boateng zu erstatten und auszusagen, obwohl sie die Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben hatte. Lenhardt habe dem Anwalt kurz vor ihrem Tod als Beweis Fotos von Hämatomen geschickt."

Ein weiteres Zitat aus der Correctiv Recherche:

"CORRECTIV und SZ haben monatelang recherchiert und sind Fällen von insgesamt neun Ex-Frauen und -Freundinnen von Profi-Fußballern nachgegangen, die von körperlicher, psychischer und ökonomischer Gewalt sprechen. Die Vorwürfe betreffen sechs ehemalige Nationalspieler, einen Bundesligaspieler, zwei sind oder waren im Kader einer Mannschaft in einer der höchsten Spielklassen in Europa. Viele der Frauen sagen, dass die Männer von einem Schutzpanzer aus Macht, Geld und totaler Kontrolle umgeben sind, der die Frauen daran hindert, sich zu wehren oder die Taten publik zu machen.

Die Männer bestreiten die Vorwürfe. Textnachrichten, Gerichtsunterlagen, Fotos, Videos und andere Dokumente erhärten aber die Angaben der Frauen. Soweit möglich, haben CORRECTIV und SZ auch mit Zeuginnen und Zeugen gesprochen. Doch alle Frauen sprechen nur unter der Bedingung, dass sie anonym bleiben. Auch die Namen der Fußballspieler bleiben daher ungenannt. Sonst wären Rückschlüsse auf die Identität der Frauen möglich. Die Angst sitzt tief. „Mein Ex kann mein Leben zerstören“, sagt eine. Zwei erhalten Todesdrohungen.
Eine zentrale Rolle spielen Verschwiegenheitsverpflichtungen. In mehreren der Fälle haben die Frauen solche Schweigeklauseln unterzeichnet. Sie nehmen ihnen das Recht, ihre eigene Geschichte zu erzählen."

Ostern 2025 teilte Jerome Boateng auf instagram ein Foto gemeinsam mit Till Lindemann, auf dem beiden lächelnd an einem Tisch mit Kerzenlicht sitzen, auf dem eine Zeitung mit der Aufschrift liegt: "Von Lindemann bis Boateng: "Schuldig!"". Die Verantworltichen des FC Bayern müssen sich heute ernsthaft fragen, wollen sie mit an diesem Tisch sitzen?

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Bayern FansPetitionsstarter*in

30.056

Aktuelle Unterzeichner*innen:
Stephanie Mogk und 10 andere Personen haben kürzlich unterschrieben.

Das Problem

UPDATE:

Seit dem 25.10.2025 ist bekannt, dass Jérôme Boateng zunächst nicht zum FC Bayern zurückkehren wird. Diese Entscheidung ist für uns ein Etappenerfolg und ein Schritt in die richtige Richtung. Jérôme Boateng wurde damit konfrontiert, dass vor der Resozialisierung nach einer Straftat nicht jede Tür für ihn offen stehen kann. Er hat jetzt die Chance, sich mit seiner Vergangenheit kritisch auseinanderzusetzten und als Person des öffentlichen Lebens auch für seine Fans als Vorbild sichtbar zu machen, ob er Reue empfindet und ob er etwas aus den Taten gelernt hat.

Unbekannt ist dagegen weiterhin welche Maßnahmen der FC Bayern und sein Präsidium unternehmen, um es nicht noch einmal zu einem solchen Fall kommen zu lassen. Zu der Zeit seiner hier zitierten Taten, die von detailierten, wasserdichten Recherchen dokumentiert sind, war Boateng Spieler und Aushängeschild des FC Bayern. Eine Aufarbeitung des Falls und daraus entstandene Strukturen zum Schutz von Betroffenen solcher Gewalttaten scheint es nicht zu geben.

Wir haben 4 Forderungen an Herbert Hainer, dieses Thema als Präsident des FC Bayern jetzt in die Hand zu nehmen.

 

 

4 Forderungen für bessere Strukturen gegen misogyne Gewalt

 

 

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Hintergrund der Petition:

Seit dem 15.10.25 war im Tagesspiegel und bei 11 Freunde zu lesen, dass beim FC Bayern der Weg bereitet ist, dass Jérôme Boateng als Hospitant in seiner Fußballehrer Ausbildung unter Vincent Kompany zurück zum Verein kommen darf. Dabei gab es schon beim Probetraining 2023 großen Widerstand aus der Fanszene, als eine Rückkehr Boatengs aufgrund der angespannten Personallage in der Innenverteidigung im Raum stand. Dass nun erneut eine Rückkehr im Raum steht lässt glauben, dass die Entscheidung gegen Boateng damals wohl rein sportliche Gründe hatte und die eigenen Werte des Vereins scheinbar nur kommerzielle Fassade sind. Jeden November lässt der FC Bayern die Allianz Arena in orangenem Licht aufleuchten, als Zeichen gegen Gewalt gegenüber Frauen. Doch was ist eine solche Aktion wert, wenn im gleichen Atemzug einem Gewalttäter gegen Frauen wie Jérôme Boateng der Rote Teppich ausgerollt wird? 

Im Jahr 2024 ging einer der Prozesse gegen Boateng zu Ende mit dem Urteil: vorsätzliche Körperverletzung. Aber das Absurde: Auf Boateng wartete lediglich eine Geldstrafe auf Bewährung von 200.000€ und weiteren 100.000€, die zur Hälfte an ein Kinderspital und einen Verein für Familien und Jugendhilfe gehen sollten. Doch bedeutet diese relativ milde Strafe, dass Boatengs Fall eigentlich nicht so schlimm war oder wie kommt ein solches Urteil zustande?

Im Podcast des Spiegel - NDA: Die Akte Kasia Lenhardt bekommen wir detailierte Einblicke in den Prozess gegen Boateng und in seine Handlungen gegenüber Frauen.

Zitat aus dem Podcast:

"In diesem Sommer wird der Prozess neu verhandelt. Jerome Boateng streitet ab Sherin S. jemals Gewalt angetan zu haben. Die Anwälte von Boateng sagen vor Gericht, ihr Mandant würde nichts außer einem Freispruch akzeptieren.
Ich habe den Prozess in München im Herbst 2022 als Journalistin begleitet. Während Sherin S. befragt wird, sitze ich vor Ort im Gericht. Boateng verweigert die Aussage. Das ist sein Recht als Angeklagter, er schweigt. Sherin S. muss aussagen, weil sie Opfer und damit Zeugin ist. Sherin S. muss Fragen beantworten von der Staatsanwaltschaft, der Verteidigung, dem Richter.
Das sind Fragen wie an welcher Stelle soll Boateng sie angeblich im Urlaub in der Karibik in den Kopf gebissen haben? Wie fest, als er ein knapp einen Meter hohes Windlicht nach ihr geworfen hat, hat er dabei in Kauf genommen, sie tödlich zu verletzen? Hat er es geworfen oder umgetreten, war es ein Versehen? Woher will sie das mit Sicherheit wissen?
Mit welchen Ausdrücken hat er sie beschimpft? Nutte, Schlampe, Fotze? War die Verletzung an der Hand, rechts oder links war der Biss am Kopf mittig, war’s ein Schlag oder ein Stoß, passt es zu den Fotos, hat er mit rechts oder links zugeschlagen, wie hat er seinen Daumen in ihre Augenhöhle gedrückt, hat sie geblutet?
Wenn nicht, woher kam das Blut? Auf ihrem T-shirt hatte sie ihre Periode, war es Boatengs Blut, warum hat er geblutet, wer hat wen angegriffen, wann genau hat er ihr Blut ins Gesicht gespuckt, als sie auf dem Boden der Terrasse des Hotels lag? Warum weiß sie das nicht? Hat sich überhaupt irgend etwas von dem abgespielt, was sie sagt? So geht das stundenlang."

Gewalt, Machtmissbrauch und ausbleibendes Verantwortungsbewusstsein ist der rote Faden, der sich durch die Beziehungen von Boateng zu Frauen zieht, und auf die auch besonders Frauen, die Fans des FC Bayern sind, mit großer Sorge blicken

Die Correctiv Autor*innen schreiben und ordnen zudem ihre Recherchen im Rasenfunk in den Kontext ein - Zitat aus dem Artikel:

"Das Ende beginnt für Katarzyna Lenhardt mit einem Vertrag, der sie zum Schweigen bringen soll. Als sie das Papier unterschreibt, setzt sich um sie herum eine Maschinerie in Gang. Sie wird geahnt haben, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Was genau sich um sie zusammenzieht, kann sie zu der Zeit noch nicht wissen. Es ist bereits spät in der Nacht, ein Montag, der 25. Januar 2021. Lenhardt hat da noch 15 Tage zu leben.

Geht man von dem aus, was Lenhardt selbst kurz danach angeblich zu ihrer Mutter gesagt hat, soll ihr Ex-Freund, das Fußball-Idol Jérôme Boateng, sie aufgesucht und gedrängt haben, eine sogenannte Verschwiegenheitsverpflichtung zu unterzeichnen.

Mit dem Vertrag verpflichtet sie sich offenbar noch in der Nacht zu „absolutem Stillschweigen“ über alles, was während der Beziehung zwischen ihr und Boateng geschah. Alle SMS, E-Mails, Dateien, Fotos muss sie „unverzüglich“ und „unwiederbringlich“ von sämtlichen Speichern löschen."

Kurze Zeit nach der Unterzeichnung der Verschwiegenheitsverpflichtung erschien in der "Bild" Zeitung eine Reihe von Artikeln in Zusammenarbeit mit Boateng. Zahlreiche private und intime Nachrichten von Kasia Lenhardt, gepaart mit Behauptungen von physischen und psychischen Erkrankungen wurden mit Hilfe von Boateng ohne das Einverständnis von Kasia Lenhardt veröffentlicht. Wenige Tage nachdem "bild.de" titelte “JETZT WIRD’S SCHMUTZIG – Die privaten Nachrichten von Kasia an Boatengs Ex” oder “TRENNUNG VON KLUM-MODEL – Boateng rechnet mit seiner Ex ab – Es geht um Alkohol, Druck und Erpressung” nahm sich Kasia Lenhardt das Leben.

Der Spiegel veröffentlicht zum Fall herzzereissende Details, die in ihrem oben genannten Podcast noch vertieft werden. Bemerkenswert ist, dass diese Recherchen absolut wasserdicht sein müssen. Denn wenn auch nur das kleinste Detail anfechtbar wäre, hätte eine Klage von Boateng sie schnell zum Löschen der Veröffentlichungen zwingen können. Und dass Jérôme Boateng bereit ist, gegen jede Kleinigkeit zu klagen, wird auch in diesem Bericht sichtbar.

Zitat aus der Recherche:

Im Februar 2021 gab er ein »Bild«-Interview, in dem er seiner Ex-Freundin Kasia Lenhardt vorwarf, dass sie ihn in der Beziehung erpresst habe. Es war ein ungewöhnlich persönliches Interview, in dem Boateng harte Vorwürfe erhob. Er unterstellte Kasia Lenhardt ein Alkoholproblem und warf ihr vor, ihn damit bedroht zu haben, seine Karriere zu zerstören oder ihm seine Kinder zu nehmen, wenn er sie betrüge oder sie öffentlich bloßstelle. Das Interview wurde vom Deutschen Presserat gerügt. Medienrechtler stuften es als rechtswidrig ein, sprachen von Verleumdung. In sozialen Medien wurde Kasia Lenhardt nach dem »Bild«-Interview bedroht und beschimpft. Eine Woche nach Erscheinen des Interviews nahm sich Kasia Lenhardt das Leben, in einem Apartment an der Spree, das Jérôme Boateng für sie beide gemietet hatte.

Bei dieser Recherche wurde mit Einwilligung der Hinterbliebenen das iPhone, das Kasia Lenhardt in den letzten Monaten bis zu ihrem Tod nutzte, vom »Security Research Labs« digital-forensisch untersucht und aufbereitet. 

Laut den Chatnachrichten, die dem ­SPIEGEL vorliegen, warf Kasia Lenhardt 2019 Jérôme Boateng erstmals Gewalt vor und legte nahe, bei der Polizei Anzeige gegen ihn erstatten zu wollen. Dazu kam es laut ­SPIEGEL-Informationen aber nicht.
In ihren Nachrichten aus dieser Zeit schildert sie einen Vorfall, der sich während des Oktoberfests 2019 in München abgespielt haben soll: »Leider hat er meinen linken Daumen fast gebrochen«, sagt Kasia Lenhardt in einer Sprachnachricht. Ein Streit zwischen ihr und Boateng sei eskaliert, sagt sie darin. Boateng sei wütend geworden und habe sie verletzt. Sie schickt außerdem Bilder von Hämatomen an ihren Armen, die ebenfalls Boateng verursacht haben soll. Er habe mit Gläsern geworfen. Das Hotelzimmer sei voller Scherben gewesen. Mehrere Personen, mit denen auch der SPIEGEL gesprochen hat, berichten, dass Kasia Lenhardt auch ihnen davon erzählt habe.
Boateng geht damals gegen die ermittelnde Staatsanwältin vor. Sein Anwalt zeigt sie wegen »Verfolgung Unschuldiger« an. Nach wenigen Wochen wird das Verfahren ein­gestellt.
Ein anderer Vorfall soll sich rund um den Tag ereignet haben, an dem Kasia Lenhardt eine Verschwiegenheitsverpflichtung unterzeichnet hat. Die Verschwiegenheitsverpflichtung, ein sogenanntes NON DISCLOSURE AGREEMENT (NDA) ist auf den 25. Januar 2021 datiert. Dieses NDA liegt dem SPIEGEL vor, es ist von Jérôme Boateng und Kasia Lenhardt unterzeichnet, verpflichtet aber nur Kasia Lenhardt zum Schweigen.
Diese Nachrichten schrieb Kasia Lenhardt, drei Tage nach der Unterzeichnung, am 28. Januar 2021 an Jérôme Boateng:
»Lass mich in Ruhe
Für immer
Du tust mir nicht gut
Du machst mich nur traurig
Du hast mein Ohr zerrissen letzten Monat mein Knie
Lass mich in Ruhe
Ich will nichts von dir wissen
Lass mich mein Leben aufbauen ohne dich
Lass MICH IN RUHE

Hast Angst? Keine Sorge ich werde niemals gegen dich vorgehen !!! Nie wieder!«
Boateng bestreitet in diesem Chat mit Kasia Lenhardt die Vorwürfe. Lenhardt erwidert, jeder wisse, dass er ihr diese Verletzung zugefügt habe: »Niemand ist in der Lage sich selber so krass das Ohr aufzureißen oder gegen sein Knie zu schlagen.«

In einer Sprachnachricht an ein Familienmitglied sagt Kasia Lenhardt auf Polnisch: »Und wir haben uns dann gestritten, und er hat meinen Ohrring rausgerissen, überall war Blut am Ohr. Und ich denke einfach, er hat dann Angst bekommen und wusste auch, dass das alles keinen Sinn mehr macht, weißt du.«
Laut Recherchen des SPIEGEL hat Kasia Lenhardt in den Tagen vor ihrem Tod Angst gehabt; sie wurde von Hackern im Netz erpresst, wurde beschimpft, und Nutzer wünschten ihr den Tod. Kasia Lenhardt gab wiederholt gegenüber ihrem Umfeld an, unter anderem auch Angst vor einem Assistenten von Boateng zu haben, der sie in diesen Tagen dazu gedrängt haben soll, die gemeinsame Wohnung zu räumen. Sie soll einen Tag vor ihrem Tod noch das Schloss an ihrer Wohnung ausgetauscht haben, so berichten es Nahestehende.
In der Ermittlungsakte zum Tod von Kasia Lenhardt, die dem SPIEGEL vorliegt, ist vermerkt, dass die letzten beiden Anrufe, die Kasia Lenhardt offenbar angenommen hat, von der Nummer des Assistenten von Boateng kamen. Die Polizei hat nach SPIEGEL-Informationen weder den Assistenten Boatengs noch Boateng selbst nach Kasia Lenhardts Tod befragt.
Einer der Anwälte bestätigt gegenüber dem SPIEGEL, dass Kasia Lenhardt plante, Anzeige gegen Jérôme Boateng zu erstatten und auszusagen, obwohl sie die Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben hatte. Lenhardt habe dem Anwalt kurz vor ihrem Tod als Beweis Fotos von Hämatomen geschickt."

Ein weiteres Zitat aus der Correctiv Recherche:

"CORRECTIV und SZ haben monatelang recherchiert und sind Fällen von insgesamt neun Ex-Frauen und -Freundinnen von Profi-Fußballern nachgegangen, die von körperlicher, psychischer und ökonomischer Gewalt sprechen. Die Vorwürfe betreffen sechs ehemalige Nationalspieler, einen Bundesligaspieler, zwei sind oder waren im Kader einer Mannschaft in einer der höchsten Spielklassen in Europa. Viele der Frauen sagen, dass die Männer von einem Schutzpanzer aus Macht, Geld und totaler Kontrolle umgeben sind, der die Frauen daran hindert, sich zu wehren oder die Taten publik zu machen.

Die Männer bestreiten die Vorwürfe. Textnachrichten, Gerichtsunterlagen, Fotos, Videos und andere Dokumente erhärten aber die Angaben der Frauen. Soweit möglich, haben CORRECTIV und SZ auch mit Zeuginnen und Zeugen gesprochen. Doch alle Frauen sprechen nur unter der Bedingung, dass sie anonym bleiben. Auch die Namen der Fußballspieler bleiben daher ungenannt. Sonst wären Rückschlüsse auf die Identität der Frauen möglich. Die Angst sitzt tief. „Mein Ex kann mein Leben zerstören“, sagt eine. Zwei erhalten Todesdrohungen.
Eine zentrale Rolle spielen Verschwiegenheitsverpflichtungen. In mehreren der Fälle haben die Frauen solche Schweigeklauseln unterzeichnet. Sie nehmen ihnen das Recht, ihre eigene Geschichte zu erzählen."

Ostern 2025 teilte Jerome Boateng auf instagram ein Foto gemeinsam mit Till Lindemann, auf dem beiden lächelnd an einem Tisch mit Kerzenlicht sitzen, auf dem eine Zeitung mit der Aufschrift liegt: "Von Lindemann bis Boateng: "Schuldig!"". Die Verantworltichen des FC Bayern müssen sich heute ernsthaft fragen, wollen sie mit an diesem Tisch sitzen?

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