Gerechtigkeit für die NRW-Abiturient*innen 2021

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Mein Name ist Franziska Marlene Schürken, ich bin siebzehn Jahre alt und befinde mich im letzten Schuljahr meiner schulischen Laufbahn. Aktuell befinde ich mich aufgrund eines einzelnen Corona-Falls an meinem Oberhausener Gymnasium in amtlich vorgeschriebener Quarantäne – vermutlich so, wie mehrere dutzend meiner Mitschüler*innen auch.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich so etwas ereignen wird. Vermutlich werden Teile meines Jahrgangs ganze Wochen an Präsenzunterricht verpassen – besonders jetzt, da die Maskenpflicht im Unterricht vom Land NRW wieder aufgehoben wurde und eventuelle Quarantänemaßnahmen sehr viel weitläufiger ausgeübt werden müssen. Ich frage mich, inwiefern die NEUN Tage, die uns an Vorlaufzeit vor unseren Abiturprüfungen im nächsten Jahr zugesprochen wurden, einen Ausgleich schaffen sollen.

Neun Tage für sechs Monate Pandemie. Neun Tage für Frühjahrsunterricht ohne Standards oder Leistungskontrollen. Neun Tage für finanzielle Schwierigkeiten im Elternhaus, für vollständigen Entzug des Sozialgefüges, für weitere Quarantänemaßnahmen in den kommenden Wintermonaten. Neun Tage für den Abiturjahrgang 2021, der diese Pandemie im vollen Ausmaß miterlebt und mehrere Wochen für den Abiturjahrgang 2020, der gerade einmal unter ihren Anfängen leiden musste.

Die Schulpolitik und vor allem die Abiturpolitik des Landes NRW ist nicht nur unverantwortlich gegenüber den Abiturient*innen, sondern auch vollkommen realitätsfern. Die Voraussetzungen des Zentralabiturs sind von meinem Abiturjahrgang in großem Sinne nicht zu erfüllen. Von keine*r*m meiner Mitschüler*innen habe ich bisher Zuversicht oder Selbstvertrauen in Bezug auf das kommende Abitur vernommen und mir geht es genauso.

Trotz dieser Realität und dem Fakt, dass fast alle Kurse weit im Lehrplan zurückgefallen sind, besteht das Land NRW auf einem Zentralabitur, damit „eine vergleichbare Leistungskontrolle“ besteht. Für die Schulen, die auf Online-Unterricht per Video zurückgreifen konnten, ist das sicherlich annehmbar. Für meine Mitschüler*innen und mich – und sicherlich auch für tausende andere Jugendliche in NRW – die wochenlang Aufgaben in Einzelarbeit erledigen mussten, ist es das nicht. Der Unterricht von März bis Juli war in keiner Weise standardisiert und auch innerhalb der kommenden Monate wird aufgrund von lokalen Beschränkungen kein genormter Unterricht zu gewährleisten sein – wie kann man da ein standardisiertes Abitur verlangen?

Daher fordere ich vom Land NRW:

  1. Tretet mit den Schüler*innen des Landes NRW in den Dialog! – Und zwar nicht nur mit Schüler*innen aus Düsseldorf, Köln und Münster, sondern auch aus strukturschwachen Städten wie Duisburg, Mülheim und Oberhausen.
  2. Die Möglichkeit eines dezentralisierten oder eines Durchschnittsabiturs muss unbedingt wieder Einzug in die politische Diskussion finden.
  3. Realistische Verschiebung der Prüfungen! – Wenn ein Zentralabitur stattfinden soll, dann ist es nicht zu verantworten, es nur neun Tage nach dem geplanten Termin stattfinden zu lassen.
  4. Die Maskenpflicht muss wieder eingeführt werden! – Nur zwei Wochen nach ihrer Aufhebung unterliegen einzelne Schüler*innen der Oberstufe meines Gymnasiums bereits Quarantänemaßnahmen. NRW sollte hier nicht auf das Handeln der anderen Bundesländer blicken, sondern für seine Schulen und seine Schüler*innen nach bestem Gewissen agieren.


Ich bitte Sie darum, sich in die Lage der nunmehr fast volljährigen Schüler*innen in NRW zu versetzen. Monatelang waren wir von unserer gesellschaftlichen Aufgabe – uns zu bilden und uns auf unsere Zukunft als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft vorzubereiten – weit entfernt und aus unserem sozialen Umfeld herausgetrennt. Trotz allem schwebte und schwebt das Abitur, Sorge um unsere berufliche Zukunft und auch um unsere Gesundheit über uns. Inmitten der „größten Herausforderung nach dem zweiten Weltkrieg“, wie unsere Bundeskanzlerin es vor wenigen Monaten ausdrückte, erfüllen wir Bildungsvorgaben, erbringen Leistungsnachweise und hängen, was unsere Bildung und Karrieren angeht, in der Luft. Die Schüler*innen des Landes NRW befinden sich in einem Spagat zwischen Corona und Klausuren.

Eine REVISION DER ABITURPOLITIK 2021 ist deswegen dringendst notwendig - sowohl zum Erhalt einer vergleichbaren Leistungskontrolle wie auch zur Ermöglichung von Chancengleichheit!