Gerechtigkeit für die NRW-Abiturient*innen 2021

Das Problem

AUS DEM SEPTEMBER 2020

Mein Name ist Franziska Marlene Schürken, ich bin siebzehn Jahre alt und befinde mich im letzten Schuljahr meiner schulischen Laufbahn. Aktuell befinde ich mich aufgrund eines einzelnen Corona-Falls an meinem Oberhausener Gymnasium in amtlich vorgeschriebener Quarantäne – vermutlich so, wie mehrere dutzend meiner Mitschüler*innen auch.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich so etwas ereignen wird. Vermutlich werden Teile meines Jahrgangs ganze Wochen an Präsenzunterricht verpassen – besonders jetzt, da die Maskenpflicht im Unterricht vom Land NRW wieder aufgehoben wurde und eventuelle Quarantänemaßnahmen sehr viel weitläufiger ausgeübt werden müssen. Ich frage mich, inwiefern die NEUN Tage, die uns an Vorlaufzeit vor unseren Abiturprüfungen im nächsten Jahr zugesprochen wurden, einen Ausgleich schaffen sollen.

Neun Tage für sechs Monate Pandemie. Neun Tage für Frühjahrsunterricht ohne Standards oder Leistungskontrollen. Neun Tage für finanzielle Schwierigkeiten im Elternhaus, für vollständigen Entzug des Sozialgefüges, für weitere Quarantänemaßnahmen in den kommenden Wintermonaten. Neun Tage für den Abiturjahrgang 2021, der diese Pandemie im vollen Ausmaß miterlebt und mehrere Wochen für den Abiturjahrgang 2020, der gerade einmal unter ihren Anfängen leiden musste.

Die Schulpolitik und vor allem die Abiturpolitik des Landes NRW ist nicht nur unverantwortlich gegenüber den Abiturient*innen, sondern auch vollkommen realitätsfern. Die Voraussetzungen des Zentralabiturs sind von meinem Abiturjahrgang in großem Sinne nicht zu erfüllen. Von keine*r*m meiner Mitschüler*innen habe ich bisher Zuversicht oder Selbstvertrauen in Bezug auf das kommende Abitur vernommen und mir geht es genauso.

Trotz dieser Realität und dem Fakt, dass fast alle Kurse weit im Lehrplan zurückgefallen sind, besteht das Land NRW auf einem Zentralabitur, damit „eine vergleichbare Leistungskontrolle“ besteht. Für die Schulen, die auf Online-Unterricht per Video zurückgreifen konnten, ist das sicherlich annehmbar. Für meine Mitschüler*innen und mich – und sicherlich auch für tausende andere Jugendliche in NRW – die wochenlang Aufgaben in Einzelarbeit erledigen mussten, ist es das nicht. Der Unterricht von März bis Juli war in keiner Weise standardisiert und auch innerhalb der kommenden Monate wird aufgrund von lokalen Beschränkungen kein genormter Unterricht zu gewährleisten sein – wie kann man da ein standardisiertes Abitur verlangen?

Daher fordere ich vom Land NRW:

  1. Tretet mit den Schüler*innen des Landes NRW in den Dialog! – Und zwar nicht nur mit Schüler*innen aus Düsseldorf, Köln und Münster, sondern auch aus strukturschwachen Städten wie Duisburg, Mülheim und Oberhausen.
  2. Die Möglichkeit eines dezentralisierten oder eines Durchschnittsabiturs muss unbedingt wieder Einzug in die politische Diskussion finden.
  3. Realistische Verschiebung der Prüfungen! – Wenn ein Zentralabitur stattfinden soll, dann ist es nicht zu verantworten, es nur neun Tage nach dem geplanten Termin stattfinden zu lassen.
  4. Die Maskenpflicht muss wieder eingeführt werden! – Nur zwei Wochen nach ihrer Aufhebung unterliegen einzelne Schüler*innen der Oberstufe meines Gymnasiums bereits Quarantänemaßnahmen. NRW sollte hier nicht auf das Handeln der anderen Bundesländer blicken, sondern für seine Schulen und seine Schüler*innen nach bestem Gewissen agieren.


Ich bitte Sie darum, sich in die Lage der nunmehr fast volljährigen Schüler*innen in NRW zu versetzen. Monatelang waren wir von unserer gesellschaftlichen Aufgabe – uns zu bilden und uns auf unsere Zukunft als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft vorzubereiten – weit entfernt und aus unserem sozialen Umfeld herausgetrennt. Trotz allem schwebte und schwebt das Abitur, Sorge um unsere berufliche Zukunft und auch um unsere Gesundheit über uns. Inmitten der „größten Herausforderung nach dem zweiten Weltkrieg“, wie unsere Bundeskanzlerin es vor wenigen Monaten ausdrückte, erfüllen wir Bildungsvorgaben, erbringen Leistungsnachweise und hängen, was unsere Bildung und Karrieren angeht, in der Luft. Die Schüler*innen des Landes NRW befinden sich in einem Spagat zwischen Corona und Klausuren.

Eine REVISION DER ABITURPOLITIK 2021 ist deswegen dringendst notwendig - sowohl zum Erhalt einer vergleichbaren Leistungskontrolle wie auch zur Ermöglichung von Chancengleichheit!

 

Diese Petition hat 11.467 Unterschriften erreicht

Das Problem

AUS DEM SEPTEMBER 2020

Mein Name ist Franziska Marlene Schürken, ich bin siebzehn Jahre alt und befinde mich im letzten Schuljahr meiner schulischen Laufbahn. Aktuell befinde ich mich aufgrund eines einzelnen Corona-Falls an meinem Oberhausener Gymnasium in amtlich vorgeschriebener Quarantäne – vermutlich so, wie mehrere dutzend meiner Mitschüler*innen auch.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich so etwas ereignen wird. Vermutlich werden Teile meines Jahrgangs ganze Wochen an Präsenzunterricht verpassen – besonders jetzt, da die Maskenpflicht im Unterricht vom Land NRW wieder aufgehoben wurde und eventuelle Quarantänemaßnahmen sehr viel weitläufiger ausgeübt werden müssen. Ich frage mich, inwiefern die NEUN Tage, die uns an Vorlaufzeit vor unseren Abiturprüfungen im nächsten Jahr zugesprochen wurden, einen Ausgleich schaffen sollen.

Neun Tage für sechs Monate Pandemie. Neun Tage für Frühjahrsunterricht ohne Standards oder Leistungskontrollen. Neun Tage für finanzielle Schwierigkeiten im Elternhaus, für vollständigen Entzug des Sozialgefüges, für weitere Quarantänemaßnahmen in den kommenden Wintermonaten. Neun Tage für den Abiturjahrgang 2021, der diese Pandemie im vollen Ausmaß miterlebt und mehrere Wochen für den Abiturjahrgang 2020, der gerade einmal unter ihren Anfängen leiden musste.

Die Schulpolitik und vor allem die Abiturpolitik des Landes NRW ist nicht nur unverantwortlich gegenüber den Abiturient*innen, sondern auch vollkommen realitätsfern. Die Voraussetzungen des Zentralabiturs sind von meinem Abiturjahrgang in großem Sinne nicht zu erfüllen. Von keine*r*m meiner Mitschüler*innen habe ich bisher Zuversicht oder Selbstvertrauen in Bezug auf das kommende Abitur vernommen und mir geht es genauso.

Trotz dieser Realität und dem Fakt, dass fast alle Kurse weit im Lehrplan zurückgefallen sind, besteht das Land NRW auf einem Zentralabitur, damit „eine vergleichbare Leistungskontrolle“ besteht. Für die Schulen, die auf Online-Unterricht per Video zurückgreifen konnten, ist das sicherlich annehmbar. Für meine Mitschüler*innen und mich – und sicherlich auch für tausende andere Jugendliche in NRW – die wochenlang Aufgaben in Einzelarbeit erledigen mussten, ist es das nicht. Der Unterricht von März bis Juli war in keiner Weise standardisiert und auch innerhalb der kommenden Monate wird aufgrund von lokalen Beschränkungen kein genormter Unterricht zu gewährleisten sein – wie kann man da ein standardisiertes Abitur verlangen?

Daher fordere ich vom Land NRW:

  1. Tretet mit den Schüler*innen des Landes NRW in den Dialog! – Und zwar nicht nur mit Schüler*innen aus Düsseldorf, Köln und Münster, sondern auch aus strukturschwachen Städten wie Duisburg, Mülheim und Oberhausen.
  2. Die Möglichkeit eines dezentralisierten oder eines Durchschnittsabiturs muss unbedingt wieder Einzug in die politische Diskussion finden.
  3. Realistische Verschiebung der Prüfungen! – Wenn ein Zentralabitur stattfinden soll, dann ist es nicht zu verantworten, es nur neun Tage nach dem geplanten Termin stattfinden zu lassen.
  4. Die Maskenpflicht muss wieder eingeführt werden! – Nur zwei Wochen nach ihrer Aufhebung unterliegen einzelne Schüler*innen der Oberstufe meines Gymnasiums bereits Quarantänemaßnahmen. NRW sollte hier nicht auf das Handeln der anderen Bundesländer blicken, sondern für seine Schulen und seine Schüler*innen nach bestem Gewissen agieren.


Ich bitte Sie darum, sich in die Lage der nunmehr fast volljährigen Schüler*innen in NRW zu versetzen. Monatelang waren wir von unserer gesellschaftlichen Aufgabe – uns zu bilden und uns auf unsere Zukunft als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft vorzubereiten – weit entfernt und aus unserem sozialen Umfeld herausgetrennt. Trotz allem schwebte und schwebt das Abitur, Sorge um unsere berufliche Zukunft und auch um unsere Gesundheit über uns. Inmitten der „größten Herausforderung nach dem zweiten Weltkrieg“, wie unsere Bundeskanzlerin es vor wenigen Monaten ausdrückte, erfüllen wir Bildungsvorgaben, erbringen Leistungsnachweise und hängen, was unsere Bildung und Karrieren angeht, in der Luft. Die Schüler*innen des Landes NRW befinden sich in einem Spagat zwischen Corona und Klausuren.

Eine REVISION DER ABITURPOLITIK 2021 ist deswegen dringendst notwendig - sowohl zum Erhalt einer vergleichbaren Leistungskontrolle wie auch zur Ermöglichung von Chancengleichheit!

 

Die Entscheidungsträger*innen

Franziska Müller-Rech
Abgeordnete des Landtags NRW und schulpolitische Sprecherin (FDP)
Beantwortet
Die Corona-Pandemie bestimmt gerade den Alltag von uns allen. Wir können noch nicht absehen, wann wieder eine Normalität oder Alltag einkehren kann. Und seien Sie versichert, dass sowohl die Landesregierung als die regierungstragenden Fraktionen im Landtag die Sorgen als auch Ängste aller Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen sehr ernst nehmen. Wir sind uns auch dessen bewusst, dass die Schülerinnen und Schüler, die im Frühjahr Ihre Abschlüsse ablegen wollen – es handelt sich ja nicht nur um Abiturientinnen und Abiturienten – eine große Verunsicherung spüren und sich unter enormen psychischen Druck sehen. Und ich möchte an dieser Stelle allen Schülerinnen und Schülern in Nordrhein-Westfalen, die 2021 ihren Abschluss ablegen werden, wissen lassen, dass die Landesregierung mit Nachdruck daran arbeitet, dass die Durchführung der Abschlussprüfungen sicher, fair und vergleichbar gelingen wird und keiner der Betroffenen einen Nachteil aus der Pandemie befürchten muss. An dieser Stelle möchte ich Frau Ministerin Gebauer vom 23. Juni 2020 zitieren: „Die Abiturprüfungen 2021 werden um neun Unterrichtstage nach den Osterferien 2021 verschoben und beginnen erst am Freitag, dem 23. April 2021. Trotz dieser Verschiebung finden die Klausuren in Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik unverändert an den langfristig bundesweit festgelegten Terminen statt, so dass auch in Nordrhein-Westfalen eine Teilnahme an den Abituraufgaben des in diesen Fächern etablierten Aufgabenpools erhalten bleibt. Dazu werden fachspezifische Maßnahmen zur Gestaltung der Prüfungsaufgaben und zu einer erweiterten Aufgabenauswahl ergriffen, die in geeigneten Fächern eine auf das Unterrichtsgeschehen in der einzelnen Schule abgestimmte Auswahl von Prüfungsaufgaben ermöglichen. Auch die Prüfungen zum Erwerb des Hauptschulabschlusses nach Klasse 10, des dem Hauptschulabschluss nach Klasse 10 gleichwertigen Abschlusses und des mittleren Schulabschlusses (Fachoberschulreife) werden verschoben, um mehr Unterrichtszeit zu gewinnen. Unter Berücksichtigung der durch die Coronavirus-Pandemie bedingten Umstände sind für diese Abschlussprüfungen landeseinheitlich zentral gestellte Prüfungen vorgesehen.“ Zudem möchte ich darauf hinweisen, dass das Ministerium für Schule und Bildung bereits im September die betroffenen Schulen bzgl. des Vorbereitungsstandes kontaktiert hat, um gemeinsam einen reibungslosen Ablauf planen zu können. Zum Schluss sollte nicht unerwähnt bleiben, dass seit dem Ende der Herbstferien die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 eine Mund-Nasen-Bedeckung auf dem Schulgelände, im Schulgebäude und auch während des Unterrichts am Sitzplatz tragen müssen. Und sollten Schülerinnen oder Schüler Fragen haben, können diese sich jederzeit bei mir melden. Mit freundlichen Grüßen Franziska Müller-Rech Foto: Franziska Müller-Rech
Yvonne Gebauer
Ministerin für Schule und Bildung, Nordrhein-Westfalen
Beantwortet
Die Corona-Pandemie hat uns alle vor besondere Herausforderungen gestellt – sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrerinnen und Lehrer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ministeriums für Schule und Bildung und ich sind uns dieser Herausforderungen und der besonderen Situation des Abiturjahrgangs 2021 bewusst. Daher haben wir neben der Verschiebung des Beginns der Abiturprüfungen 2021 zwei zentrale Maßnahmen beschlossen, um die Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrgangs 2021 adäquat auf ihre Abiturprüfungen vorzubereiten. An den neun zusätzlichen Unterrichtstagen wird nur noch Unterricht in den Abiturfächern stattfinden. So kann die Abiturvorbereitung aus dem vorangegangenen Unterricht wie aus der Intensivlernphase in den Osterferien mit Unterstützung der Lehrkräfte an diesen neun Tagen abgerundet und abgeschlossen werden. Mit den geänderten Vorgaben für die unterrichtlichen Voraussetzungen für die schriftliche Abiturprüfung wird der von Franziska Schürken beschriebenen Situation im Frühjahr 2020 zusätzlich Rechnung getragen. Abhängig von der weiteren Entwicklung des Pandemiegeschehens wird das Ministerium für Schule und Bildung gegebenenfalls weitere Maßnahmen beschließen und diese zeitnah ankündigen, so dass den Schülerinnen und Schülern des Abiturjahrgangs 2021 keine Nachteile entstehen. Foto: ©MSB/ Susanne Klömpges
Sigrid Beer
Abgeordnete des Landtags NRW und bildungspolitische Sprecherin (Bündnis 90/Die Grünen)
Beantwortet
Ich unterstütze die Petition von Franziska Schürken und anderen. Sie machen sich zu Recht Sorge um ihre schulische Zukunft. Die Landesregierung ging viel zu lange davon aus, zu einem „Regelbetrieb“ zurückkehren zu können. Aber es wirkt nicht nur der erhebliche Unterrichtsausfall der Wochen des ersten Shutdown nach. Auch seit Sommer kann nicht von einem Normalbetrieb gesprochen werden. Die Erfordernisse des Infektionsschutzes kosten Lernzeit – vom Händewaschen bis zum Lüften. Kontinuierliches Arbeiten wird erschwert. Immer wieder müssen Schüler*innen oder Lehrkräfte in Quarantäne. Die Schulministerin hält aber die Schulen nach wie vor für sichere Orte. Dabei belegen ihre eigenen Zahlen, wie dynamisch sich das Infektionsgeschehen auch an den Schulen entwickelt hat. Kinder und Jugendliche sind Überträger, eher asymptomatisch infiziert. Die Infektionsdunkelziffer ist zudem hoch, weil Kinder und Jugendliche i. d. Regel weniger getestet werden. Schulen und Schulträger haben Modelle entwickelt, wie Infektionsschutz verbessert werden kann, der Kontakt zu allen Schüler*innen gewahrt bleibt, Lernräume für diejenigen gesichert sind, die zuhause keine Möglichkeit haben zu lernen. Diese Modelle für differenzierten Distanzunterricht bzw. Wechselunterricht, die die Zahlen im Schülertransport wirksam reduzieren, wurden auf Druck des Schulministeriums untersagt. Dabei muss es darum gehen, beidem gerecht zu werden: Bildungsgerechtigkeit und Infektionsschutz. Der erste Shutdown hat deutlich gemacht, dass ohne begleitende Maßnahmen die Bildungsungerechtigkeit verschärft wird. Die Bedingungen, die Schüler*innen zu Hause zum Lernen haben, sind sehr unterschiedlich und entscheiden über Bildungszugang und -erfolg. Wir haben als GRÜNE eine Vielzahl von Vorschlägen gemacht, wie die Schulen besser in die Lage versetzt werden könnten, auf diese Herausforderungen zu reagieren. Zum Beispiel durch unterstützendes Personal. So könnten Lehramtsstudierende als Lernbegleiter*innen eingesetzt werden, zumal vielen ihre Nebenverdienste durch Corona weggebrochen sind. Auch das Angebot für Lernräume muss neu gedacht werden. So könnten Schüler*innen, die zu Hause nicht über die Arbeitsmöglichkeiten verfügen, in Stadtteilbibliotheken oder anderen öffentlichen Räumen digital lernen. Aber das Ministerium hat alle Vorschläge ungeprüft abgewiesen und zeigt sich auch taub für weitere Angebote gesellschaftlicher Akteure. Es wirkt sich fatal aus, dass zwar über Bund und Land Mittel für die Digitalisierung und Geräte zur Verfügung gestellt werden, die Förderung jeweils aber enorm verspätet auf den Weg gebracht wird. So sind viele Ausstattungen immer noch nicht in den Schulen angekommen. Die Frustration ist hoch, zumal die Informationen aus dem Ministerium immer auf den letzten Drücker kommen, inhaltlich unzureichend sind und die Verantwortung auf die Schulleitungen abgewälzt wird. Es muss immer wieder nachgesteuert werden. Die Frage danach, was passieren muss, wenn bestimmte Schwellen bei den Infektionszahlen erreicht werden, will das Ministerium partout nicht beantworten, so dass Ad-hoc-Lockdowns einzelne Schulen unvorbereitet treffen. Gerade das verschärft aber die Bildungsungerechtigkeit, denn Schüler*innen und Familien werden so von heute auf morgen in unvorbereitete Situationen geworfen anstatt dass Schulen präventiv, strukturiert und konzeptionell fundiert agieren können. Bis heute verweigert sich Schulministerin dem Stufenplan des RKI. Das ist fahrlässig und hat dazu beigetragen, die Infektionssituation zu verschärfen. Schüler*innen sind derzeit einem zunehmenden Leistungsdruck ausgesetzt. Klassenarbeiten, Klausuren werden noch schnell „durchgezogen“, um Noten zu sammeln. Wer weiß, was morgen ist. Die Vorbereitungen sind in zahlreichen Fällen unzureichend, werden fachfremd begleitet. Das Festhalten am vermeintlichen Normalzustand wird spätestens bei der Frage der Prüfungen fatal. Die Kultusminister*innen müssen dringend Regelungen für Prüfungen und Abschlüsse in Pandemiezeiten erlassen. Es muss aber auch Schluss damit sein, dass die Kultusminister*innen sich gemeinsam hinter der KMK verstecken, die sich längst in die Gestaltungsunfähigkeit manövriert hast. Die Schulministerin Gebauer ist dort, aber vor allem für das Geschehen in NRW verantwortlich und muss endlich auch so handeln. Wir brauchen rechtssichere, flexible und gerechte Regelungen für alternative Lernformate, für die Durchführung von Prüfungen und vor allem für die Anrechenbarkeit von Leistungen. Die Chancenungleichheit darf nicht weiter verschärft werden. Das Schuljahr 2020/2021 ist de facto ein Kurzschuljahr. Notwendig sind faire Versetzungsregelungen, ein möglicher Verbleib in einer Schulstufe ohne Anrechnung auf die Pflichtschulzeit, die Ermöglichung eines weiteren Jahres u.a. für die verbliebenen G8-Jahrgänge -sie dürfen nicht zum Zwangs-G7 werden. Individuelle Lernzeiten und das Absolvieren von Klassenarbeiten und Klausuren in einem Zeitkorridor und nicht an einem festen Stichtag, all das muss jetzt bis zum Beginn des Jahres ausgearbeitet sein. Am 11.12.2020 wird es auch keinen Präsenzunterricht geben können. Die Schulministerin muss endlich ihre Blockadehaltung aufgeben und sich den Realitäten stellen. Dass sie am 14.12. erklären ließ, dass der Umstieg nach ihrer Pirouette in der Vorwoche gut gelaufen sei, hat einmal mehr Fassungslosigkeit ausgelöst. In der Schulausschusssitzung am 9.12. erklärte sie noch stur, die Empfehlungen der Leopoldina seien untauglich. Dabei musste ihr klar sein, dass es um das sofortige Aussetzen des Präsenzunterrichts, nicht der Schulpflicht an sich ging. Ein untaugliches Ablenkungsmanöver, dass am Ende nicht funktioniert, aber wieder wertvolle Zeit gekostet hat. Die Landesregierung ist dringend aufgefordert, endlich den Dialog mit den Schüler*innen zu führen. Das sind nicht nur die Abiturient*innen, sondern auch diejenigen betroffen, die sich auf einen Hauptschul- oder mittleren Schulabschluss vorbereiten und die Schüler*innen an Berufskollegs. Die Kommunikationsverweigerung der Schulministerin mit den schulischen Verbänden ist der Ausweis von konzeptioneller Hilflosigkeit und Beratungsresistenz. Foto: Sigrid Beer
Thomas Kutschaty
MdL und Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion NRW
Beantwortet
Wir als SPD-Fraktion im Landtag NRW unterstützen die Petition Gerechtigkeit für die NRW-Abiturient*innen 2020. Bis heute fehlt seitens der Landesregierung ein umfassendes und innovatives Konzept an unseren Schulen in Nordrhein-Westfalen. Doch nicht nur die Abiturientinnen und Abiturienten, sondern all unsere Schülerinnen und Schüler aus jeglicher Schulform haben ein Recht auf Präsenzunterricht. Offene Schulen und Präsenzunterricht gehören ganz klar zu unseren Zielen, wobei erneute ungeplante Schulschließungen verhindert werden müssen. Hohe Infektionszahlen gefährden den Schulbetrieb und führen aktuell bereits zu Einschränkungen. Vermehrt bleiben Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer der Schule fern. Schon vor Monaten haben wir Maßnahmen für einen sicheren Neustart in den Schulen unseres Landes auf den Tisch gelegt: Kooperation mit außerschulischen Lernorten, dazu Kurzstunden, flexible Startzeiten, feste Lerngruppen und Schichtbetrieb. Die Unterrichtszeit muss flexibler gestaltet werden. Dazu gehören dann vielleicht mehrere kürzere Pauseneinheiten und dies auf Abstand. Die ständig wechselnden Entscheidungen der Ministerin, wie beispielsweise zum Thema der Maskenpflicht im Präsenzunterricht und die Überlassung der vollständigen Verantwortung den Kommunen und Schulen, war alles andere außer verantwortungsbewusst. Die aktuelle Lage erfordert, die Situation stetig neu zu bewerten und die bestmöglichen Entscheidungen für unsere Schülerinnen und Schüler zu treffen. Es mangelt an entschiedener Führung und an nachvollziehbarer Kommunikation. Foto: SPD-Landtagsfraktion NRW
Armin Laschet
Kanzlerkandidat CDU zur Bundestagswahl 2021

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Petition am 13. September 2020 erstellt