
"Gute Drogenpolitik wäre eigentlich gar nicht so schwer zu machen. Es müssten lediglich einige einfache Grundannahmen gelten. Der meiste Drogenkonsum ist nicht nur gesundheitlich unproblematisch, sondern auch sozial und kulturell wertvoll. Konsument*innen aus dieser Gruppe sollten die Hauptzielgruppe von Drogenpolitik sein, ohne Kriminalisierung und Pathologisierung. Daher ist die Regulierung der Produktion und insbesondere der Qualität auf der Hersteller- und Angebotsseite das wichtigste Merkmal einer neuen Drogenpolitik.
Jener Teil der Konsument*innen, die gesundheitliche Probleme aufgrund ihres Drogenkonsums entwickeln, sollten nicht mit überzogenen und unrealistischen Abstinenzforderungen belastet werden. Dies ist selten erfolgreich und führt zu Stress, Stigmatisierung und Pathologisierung. In diesem Sinne ist professionelle Begleitung mittels niedrigschwelliger Angebote, Substitution und ambulanter Behandlung wichtiger als abstinenzorientierte stationäre Behandlung. Auch Prävention sollte nicht auf die Verhinderung von Konsum abzielen, sondern auf die Reduzierung schlechter Auswirkungen des Konsums, etwa bei der Wahl der Konsumform und der Vermeidung ansteckender Krankheiten und Notfällen in Form von Überdosierung.
Bleibt anzumerken, dass eine neue Drogenpolitik nicht nur die bestehenden Missstände aufheben müsste, sondern auch die bisher angerichteten Schäden wiedergutzumachen hat."
Lest den ganzen Kampagnenbeitrag in unserem Blog: „Der meiste Drogenkonsum ist nicht nur gesundheitlich unproblematisch, sondern auch sozial und kulturell wertvoll.“
Über die Autor:innen: Dr. Bernd Werse, Luise Klaus und Dr. Gerrit Kamphausen arbeiten am Centre for Drug Research der Goethe Universität FFM und sind Mitglieder des Schildower Kreises (Erstunterzeichner der Petition). In ihren wegweisenden Forschungen setzen sie sich mit sozialen Faktoren von Drogengebrauch, Auswirkungen von Drogenpolitik, Prävention, Sucht uvm auseinander.