

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Laschet,
sehr geehrter Herr Minister Prof. Dr. Pinkwart,
seit mehr als20 Jahre setzen wir uns alsinternationaler Dachverband der Windenergie mit Mitgliedern in mehr als 100 Ländern von Bonn aus für die weltweite Energiewende ein. Bonn beherbergt wichtige UN-Organisationen, insbesondere das UN-Klimasekretariat,und das Innovation & Technology Centervon IRENA und ist daher für uns ein sehr guter Standort für unsere internationale Arbeit.
Wichtige Kooperationspartner sind aber natürlich auch in Deutschland und insbesondere in Nordrhein-Westfalen angesiedelt, was aus unsererSicht die Bedeutung des Internationalen Bonns noch stärkt. Dazu gehört insbesondere die EnergieAgentur.NRW, mit der uns seit vielen Jahren eine enge Kooperation verbindet. Die EnergieAgentur.NRW verfügt über ein exzellentes Netzwerk wichtiger Akteure in NRW, so etwa zu den in NRW ansässigen Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien und auch im zentralen Bereich der Bürgerenergie. Wir haben regelmäßig von dieser Expertise direkt profitiert und die EnergieAgentur.NRW bei diversen Projekten als wichtigen Partner dabeigehabt.
Die internationalen Netzwerke der Agentur leisten einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der Erneuerbaren Energien in NRW, aber auch in den jeweiligen Partnerregionen, wie etwa in Japan. Wir wissen von unseren Kolleginnen und Kollegen in diesen Ländern, dass die EnergieAgentur.NRW auch dort ein geschätzter Partner ist. In NRW ansässige Unternehmen,aber auch Kommunen und Haushalte profitieren bislang direkt und unmittelbar von der Expertise der EnergieAgentur.NRW. Sie fungiert als niedrigschwelliger Ansprechpartner für die Menschen vor Ort und ermöglicht so Bürgernähe im Rahmen der Energiewende. Und sogar über die Landesgrenzen hinweg wird die EnergieAgentur.NRW mit ihrer unabhängigen Expertise als Vorbildmodell betrachtet.
Umso mehr erfüllt uns mit Sorge, dass die Landesregierung plant, die EnergieAgentur.NRW zum Ende des Jahres 2021 aufzulösen. Mit der Auflösung gingenenorme, über Jahrzehnte gewachsene Ressourcen in Form von Wissen und Netzwerken verloren, die gerade in diesen Tagen so wichtig sind, um die Energiewende zu beschleunigen und um das Klima – und damit uns selbst – effektiv zu schützen. Wie wir erfahren haben, leistet die EnergieAgentur.NRW auch wertvolle Hilfe beim Wiederaufbau nach der verheerenden, durch den Klimawandel verursachten Flutkatastrophe.
Darüber hinaus würde auch das Internationale Bonn als Standort für die internationale Energiewende und für globalen Klimaschutz ohne die EnergieAgentur.NRW deutlich an Attraktivität verlieren und somit Schaden nehmen. Zahlreiche Veranstaltungen und andere internationale Aktivitäten fandenund finden in Bonn auch in Zusammenarbeit mit der EnergieAgentur.NRW statt.
Gerade die Tatsache, dass die Bundesregierung dem Internationalen Bonn nicht die gebotene Aufmerksamkeit schenkt, sollte Sie als NRW-Landesregierung dazu veranlassen, erst recht für ein attraktives Umfeld für die internationalen Politik-Prozesse zu sorgen, die in Bonn stattfinden. Und die EnergieAgentur.NRW hat dazu zweifellos ganz wichtige Beiträge geleistet.
Wir bitten Sie daher, Ihre Entscheidung zur Auflösung der EnergieAgentur.NRW zu überdenken–undzwar im Sinne der globalen Energiewende, für globalen Klimaschutz, für die Stärkung des Industriestandorts NRW und für die weitere Stärkung des Internationalen Bonns.
Mit freundlichen Grüßen
Stefan Gsänger
Secretary General World Wind Energy Association