GEGEN GEHEIME EINTRÄGE IN DIE "GRUPPENQUALITÄT" DURCH FACEBOOK

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Offener Brief an Facebook

 

An Facebook Germany GmbH, Caffamacherreihe 7,Brahmsquartier, 20355 Hamburg.

 

Seit einigen Wochen hat Facebook zu einer neuen Methode innerhalb des Content Reviewing zurückgegriffen, die wir an dieser Stelle, als das Admin/Mod-Team der Gruppe „Wir brauchen den Widerstand gegen Rechts“ öffentlich machen und gegen die wir hiermit, in der Hoffnung dass sich Admins und Mods  anderer Gruppen sowie Mitglieder anschließen,  protestieren wollen, da sie  grundsätzlich nicht hinnehmbar ist.

Kein anderes Unternehmen  würde es wagen derart mit den eigenen Kunden umzugehen, noch dazu mit solchen die einem ehrenamtlich  auch noch den eigenen Laden sauber halten.

 

Zum Hintergrund:

 

Es ist bekannt, dass Facebook-Gruppen einer doppelten Kontrolle unterliegen, einerseits durch die Gruppenadmins, die die Gruppen auf der Basis der Gruppenregeln moderieren und die die Mitglieder über Verstöße, Fehlverhalten und problematische Beiträge durch Meldungen in Kenntnis setzen können; und andererseits durch das nach wie vor extrem fehleranfällige Content Reviewing durch Facebook selbst, auch dorthin können Mitglieder (und Nicht-Mitglieder) Beiträge und Kommentare melden.

Löscht Facebook daraufhin selbsttätig Kommentare (wobei hier in der ersten Ebene sehr häufig Algorithmen zum Einsatz kommen), erhält die Gruppe in dem für Admins einsehbaren Menüpunkt „Gruppenqualität“ eine Eintragung über die Löschung, Einblick in das entfernte Material und die Strafmaßnahmen von FB gegen das jeweilige Mitglied. Das Mitglied erhält bzw. erhielt früher eine separate Meldung dazu und kann Einspruch bei Facebook dagegen einlegen, falls diese Löschung unberechtigt war.

Begeht ein Admin Verstöße,  oder hat der Facebook-Algorithmus jedenfalls dein Eindruck ein solcher Verstoß sei begangen worden, so wird die Gruppe als „gefährdet“ geführt (für 90 Tage) und eine potentielle Deaktivierung im Wiederholungsfall wird angedroht.

 

Das Problem:

 

Seit einigen Wochen nun, ist Facebook dazu übergegangen bei  - soweit wir wissen derzeit zwei – Kategorien von Verstößen (die wir aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich nennen können) den Admins den Einblick in den gelöschten Beitrag aktiv zu verweigern.

Wohlgemerkt: Facebook verweigert den Admin-Teams Einblick in Verstöße die IN deren Gruppe begangen wurden und für die sie aber andererseits gegenüber FB haften sollen.

Wir sehen dann nur noch welches Mitglied, wann, welche Art von Verstoß begangen haben soll – aber der Ausgangsbeitrag oder –kommentar wird uns explizit nicht mehr angezeigt.

Wir können also nicht mehr überprüfen ob der Verstoß echt ist oder nicht. Wir können auch nicht mehr sehen worum es sich überhaupt gehandelt hat.

Maßnahmen gegenüber dem Mitglied, wie z.B. entfernen, verwarnen, stummschalten oder auf Beitragsgenehmigung setzen, bleiben uns gestattet und werden uns im Kontext auch automatisch angeboten.

Es handelt sich dabei NICHT um einen Bug, sondern offizielle Unternehmenspolitik, denn wir erhalten ja unter „Details“  die explizite Meldung „Wir können keine Inhalte zeigen, die gegen unsere Gemeinschaftsstandards zu *****  verstoßen.“

 

Einspruch erheben könnte wie gesagt  nur das betroffene Mitglied, aber auch nur wenn es selbst eine Meldung dazu bekommen hat, was leider gerade bei diesen geheimen  Verstoß-Kategorien häufig nicht mehr der Fall ist.

In diesen Fällen ist ein Einspruch technisch unmöglich. Welcher Beitrag oder Kommentar es überhaupt war, der dort entfernt worden ist, wird kein Mensch jemals mehr herausfinden oder wissen können.

 

D.h. dass seither ein Teil der Eintragungen in der Gruppenqualität von FB intern völlig an den Gruppen-Admins vorbei abgewickelt wird, ohne dass diese überhaupt einbezogen sind oder auch nur Einblick erhalten.

 

Und das ist genau das, was nicht geht.

Wir empfinden dieses Verheimlichen von vorgeblichen Verstößen vor den Admins als ersten Schritt zur aktiven Aufkündigung der Kooperation von Facebook mit den Admins.

Weil Eingriffe völlig ohne Nachvollziehbarkeit, Kontrolle oder auch nur der Möglichkeit eines Einspruches vorgenommen werden, die, wenn sie Admins selbst betreffen, sogar die Existenz von Gruppen gefährden können.

Das hat erkennbar Willkür-Elemente.  

Für eine öffentliche Gruppe gegen Rechts, die natürlich permanent Angriffen von rechtsextremen Meldegruppen ausgesetzt ist, wird das sehr schnell existenzbedrohend.

Aber selbst in geheimen Meldegruppen ist das Problem bereits aufgetreten, wo es das unabdingbare Vertrauensverhältnis unter den Mitgliedern irreparabel beschädigen kann.

Der Gruppen-Support konnte eben so wenig weiterhelfen wie Facebook-eigene Gruppen für Admins.  Andere Kontaktmöglichkeiten werden uns gar nicht angeboten.

Daher wählen wir den Weg dieses Offenen Briefes um öffentlichen Druck aufzubauen, der Facebook zwingen könnte diese inakzeptablen Praktiken zu überdenken.

 

Wir fordern:

 

  1. Dass Facebook die Praktik Löschfeedback vor den Admin-Teams der betroffenen Gruppen aktiv zu verheimlichen mit sofortiger Wirkung einstellt.  Sie ist mit der Haftung dieser Admins  für ihre Gruppe grundsätzlich rechtlich nicht vereinbar
  2. Dass Facebook entsprechende Einträge aus der Gruppenqualität sämtlicher betroffener Gruppen sofort - und restlos (!) - entfernt.
  3.  Dass Facebook Maßnahmen ergreift um sicherzustellen, dass Mitglieder grundsätzlich, bei allen Arten von Verstößen, eine einwandfreie Meldung zeitnah erhalten und Einspruch einlegen können.

 

Wir hoffen, dass sich möglichste viele Admins, Mods und Mitglieder aller nicht-rechten Gruppen auf Facebook diesem Offenen Brief anschließen, ihn weiterteilen, liken und verbreiten.

 

 

Gezeichnet:

 

Das TEAM von „Wir brauchen den Widerstand gegen Rechts“:

Alice Cheshire,

Micha Glockemann,

Özgür Alkan,

Stefan C. Limbrunner.