Für eine faire Vergütung im Anerkennungsjahr - Jetzt die Fachkräfte von morgen stärken!

Das Problem

Faire Vergütung im Anerkennungsjahr – Zukunft der Erzieher:innen-Ausbildung sichern

 

Frühkindliche Bildung ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft – doch ausgerechnet die Fachkräfte, die diesen Beruf erlernen wollen, werden in ihrer Ausbildung massiv benachteiligt. In Deutschland existieren zwei Wege zur staatlichen Anerkennung als Erzieher:in: die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) und die klassische schulische Ausbildung mit Anerkennungsjahr. Beide führen zum gleichen Abschluss, doch die Bedingungen könnten kaum unterschiedlicher sein – und sie schaffen eine Schieflage, die auf Kosten der Auszubildenden und letztlich auf Kosten der Kinder geht.

 

Zwei Wege – zwei Welten

 

Praxisintegrierte Ausbildung (PiA):

 

Dauer: 3 Jahre

 

Von Beginn an Kombination aus Praxis und Theorie

 

Durchgehend vergütet (im Schnitt zwischen 1.300 € und 1.500 € brutto pro Monat je nach Jahr und Tarif)

 

Belastung: Doppelbelastung durch Praxis in der Einrichtung plus theoretischen Unterricht

 

 

Schulische Ausbildung mit Anerkennungsjahr:

 

Dauer: 2 Jahre Fachschule ohne Vergütung + 1 Jahr Anerkennungsjahr

 

Im Anerkennungsjahr: 39–40 Stunden Vollzeit in der Kita, plus Facharbeit und Abschlussprüfungen

 

Vergütung im Anerkennungsjahr ab April 2025: nur rund 1.877 € brutto monatlich

 

Auf dem Papier weiterhin Azubi-Status, in der Realität volle pädagogische Verantwortung

 

 

Ein reales Beispiel – und die Ungleichheit in Zahlen

 

Im dritten Jahr der PiA erhielt ein Auszubildender mit 24 Wochenstunden rund 1.720 € brutto Grundvergütung. Im Anerkennungsjahr verdienen schulische Auszubildende bei 40 Wochenstunden Vollzeit nur etwa 150 € mehr – trotz höherer Belastung, voller Verantwortung im pädagogischen Alltag und zusätzlicher Prüfungs- und Facharbeitsphase.

 

Noch deutlicher wird die Schieflage im Gesamtvergleich:

 

PiA-Auszubildende verdienen über drei Jahre hinweg ein Gesamteinkommen von rund 50.000–54.000 €.

 

Schulische Auszubildende stehen nach zwei Jahren ohne Einkommen da und erhalten im Anerkennungsjahr insgesamt knapp 22.500 €.

 

 

Damit verlieren schulische Auszubildende über den gesamten Ausbildungsweg eine Summe von mehr als 30.000 € gegenüber ihren Kolleg:innen im PiA-Modell – bei gleichem Abschluss.

 

BAföG ist kein Ersatz für Gehalt

 

Oft wird darauf verwiesen, dass schulische Auszubildende BAföG oder andere Zuschüsse beantragen können. Doch diese Hilfen sind kein gleichwertiger Ersatz für eine Ausbildungsvergütung:

 

Nicht alle profitieren: Schüler-BAföG ist elternabhängig. Viele bekommen wenig oder gar nichts, obwohl die Eltern nicht realistisch unterhalten können.

 

Verschuldung statt Sicherheit: Das Aufstiegs-BAföG enthält Darlehensanteile, die zurückgezahlt werden müssen. So starten manche Absolvent:innen ihre Karriere mit Schulden, während PiA-Azubis nach drei Jahren bereits ein Einkommen von rund 50.000 € hatten.

 

Keine soziale Absicherung: BAföG ist eine Sozialleistung, kein Lohn. Es zahlt keine Rentenbeiträge, keine Arbeitslosenversicherung und schafft keine Planungssicherheit.

 

Stigmatisierung: Wer nicht über die Runden kommt, muss zusätzlich Bürgergeld beantragen – ein bürokratischer und belastender Schritt, der in keinem anderen Ausbildungsberuf selbstverständlich ist.

 

 

Das Fazit: BAföG lindert die Not, ersetzt aber kein Gehalt. Zwei Wege zur gleichen Ausbildung dürfen nicht so unterschiedlich behandelt werden.

 

Warum das Anerkennungsjahr mehr ist als ein Praktikum

 

Das Anerkennungsjahr ist keine Orientierungsphase mehr, sondern ein Berufseinstieg unter Aufsicht. Die angehenden Fachkräfte:

 

arbeiten 39–40 Stunden pro Woche,

 

leiten Gruppen eigenständig,

 

übernehmen Verantwortung für Kinder und Elternarbeit,

 

müssen parallel eine Facharbeit verfassen und Prüfungen bestehen.

 

 

Auf dem Papier sind sie noch „Azubis“ – in der Realität tragen sie jedoch schon einen großen Teil der Verantwortung einer ausgebildeten Fachkraft.

 

Unsere Forderung

 

Wir fordern eine faire Vergütung im Anerkennungsjahr von mindestens 2.300 € brutto pro Monat.

 

Dieser Betrag ist ein realistischer und gerechter Kompromiss:

 

deutlich höher als die derzeitige Praktikantenvergütung (1.877 €),

 

klar unter dem Einstiegsgehalt einer voll ausgebildeten Erzieher:in in S 8a (ca. 3.413 €),

 

angemessen, um die Leistung und Verantwortung im Anerkennungsjahr zu honorieren.

 

 

Mehr als Fachkräftemangel – es geht um Qualität

 

Oft wird argumentiert, dass durch sinkende Geburtenzahlen weniger Erzieher:innen gebraucht würden. Das ist falsch. Auch wenn Gruppen kleiner werden, fehlen die Fachkräfte nicht – sie könnten endlich dafür genutzt werden, wirklich gute pädagogische Arbeit zu leisten: kleinere Gruppen, individuelle Förderung, Inklusion, Sprachbildung und Zeit für Elternarbeit.

 

Die Realität sieht jedoch anders aus: Stellenschlüssel werden nicht angepasst, Gelder werden gekürzt, und damit bleibt die Arbeit am Limit. Fachkräfte werden so nicht für Qualität eingesetzt, sondern nur, um Betreuung gerade so sicherzustellen.

 

Ausbildung ohne Perspektive

 

Hinzu kommt ein weiterer Missstand: Viele Auszubildende im Anerkennungsjahr bekommen nach erfolgreichem Abschluss keine Stelle, weil Träger sie nicht finanzieren können oder dürfen. Obwohl wir über Fachkräftemangel sprechen, werden frisch ausgebildete Fachkräfte vor verschlossene Türen gestellt. Das ist ein fatales Signal: Wer sich durch 3–4 Jahre Ausbildung kämpft, braucht am Ende nicht nur eine faire Vergütung, sondern auch Planungssicherheit.

 

Die Vorteile einer Reform

 

Attraktivität des Berufs steigern: Wer sich für die Erzieher:innenausbildung entscheidet, soll nicht in Armut leben müssen. Eine faire Vergütung macht den Beruf konkurrenzfähig und zieht mehr Menschen in die Ausbildung.

 

Fachkräftemangel bekämpfen: Faire Bedingungen können tausende zusätzliche Fachkräfte sichern.

 

Ausbildungsabbrüche reduzieren: Finanzielle Sorgen sind eine der Hauptgründe für Ausbildungsabbrüche. Eine bessere Bezahlung im Anerkennungsjahr hilft, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

 

Bildungsgerechtigkeit fördern: Niemand soll vom Berufswunsch Erzieher:in ausgeschlossen sein, nur weil er oder sie sich zwei Jahre ohne Gehalt nicht leisten kann.

 

Qualität sichern: Mehr Fachkräfte bedeuten nicht Überfluss, sondern endlich Zeit für echte pädagogische Arbeit statt nur Betreuung.

 

Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Wer im Anerkennungsjahr fast ein Jahr lang vollwertig arbeitet, darf nicht länger wie ein Azubi behandelt werden. Eine gerechte Vergütung ist kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Kinder.

 

Unterstützen Sie diese Petition.

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Justin BöckerPetitionsstarter*in

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Das Problem

Faire Vergütung im Anerkennungsjahr – Zukunft der Erzieher:innen-Ausbildung sichern

 

Frühkindliche Bildung ist ein Grundpfeiler unserer Gesellschaft – doch ausgerechnet die Fachkräfte, die diesen Beruf erlernen wollen, werden in ihrer Ausbildung massiv benachteiligt. In Deutschland existieren zwei Wege zur staatlichen Anerkennung als Erzieher:in: die praxisintegrierte Ausbildung (PiA) und die klassische schulische Ausbildung mit Anerkennungsjahr. Beide führen zum gleichen Abschluss, doch die Bedingungen könnten kaum unterschiedlicher sein – und sie schaffen eine Schieflage, die auf Kosten der Auszubildenden und letztlich auf Kosten der Kinder geht.

 

Zwei Wege – zwei Welten

 

Praxisintegrierte Ausbildung (PiA):

 

Dauer: 3 Jahre

 

Von Beginn an Kombination aus Praxis und Theorie

 

Durchgehend vergütet (im Schnitt zwischen 1.300 € und 1.500 € brutto pro Monat je nach Jahr und Tarif)

 

Belastung: Doppelbelastung durch Praxis in der Einrichtung plus theoretischen Unterricht

 

 

Schulische Ausbildung mit Anerkennungsjahr:

 

Dauer: 2 Jahre Fachschule ohne Vergütung + 1 Jahr Anerkennungsjahr

 

Im Anerkennungsjahr: 39–40 Stunden Vollzeit in der Kita, plus Facharbeit und Abschlussprüfungen

 

Vergütung im Anerkennungsjahr ab April 2025: nur rund 1.877 € brutto monatlich

 

Auf dem Papier weiterhin Azubi-Status, in der Realität volle pädagogische Verantwortung

 

 

Ein reales Beispiel – und die Ungleichheit in Zahlen

 

Im dritten Jahr der PiA erhielt ein Auszubildender mit 24 Wochenstunden rund 1.720 € brutto Grundvergütung. Im Anerkennungsjahr verdienen schulische Auszubildende bei 40 Wochenstunden Vollzeit nur etwa 150 € mehr – trotz höherer Belastung, voller Verantwortung im pädagogischen Alltag und zusätzlicher Prüfungs- und Facharbeitsphase.

 

Noch deutlicher wird die Schieflage im Gesamtvergleich:

 

PiA-Auszubildende verdienen über drei Jahre hinweg ein Gesamteinkommen von rund 50.000–54.000 €.

 

Schulische Auszubildende stehen nach zwei Jahren ohne Einkommen da und erhalten im Anerkennungsjahr insgesamt knapp 22.500 €.

 

 

Damit verlieren schulische Auszubildende über den gesamten Ausbildungsweg eine Summe von mehr als 30.000 € gegenüber ihren Kolleg:innen im PiA-Modell – bei gleichem Abschluss.

 

BAföG ist kein Ersatz für Gehalt

 

Oft wird darauf verwiesen, dass schulische Auszubildende BAföG oder andere Zuschüsse beantragen können. Doch diese Hilfen sind kein gleichwertiger Ersatz für eine Ausbildungsvergütung:

 

Nicht alle profitieren: Schüler-BAföG ist elternabhängig. Viele bekommen wenig oder gar nichts, obwohl die Eltern nicht realistisch unterhalten können.

 

Verschuldung statt Sicherheit: Das Aufstiegs-BAföG enthält Darlehensanteile, die zurückgezahlt werden müssen. So starten manche Absolvent:innen ihre Karriere mit Schulden, während PiA-Azubis nach drei Jahren bereits ein Einkommen von rund 50.000 € hatten.

 

Keine soziale Absicherung: BAföG ist eine Sozialleistung, kein Lohn. Es zahlt keine Rentenbeiträge, keine Arbeitslosenversicherung und schafft keine Planungssicherheit.

 

Stigmatisierung: Wer nicht über die Runden kommt, muss zusätzlich Bürgergeld beantragen – ein bürokratischer und belastender Schritt, der in keinem anderen Ausbildungsberuf selbstverständlich ist.

 

 

Das Fazit: BAföG lindert die Not, ersetzt aber kein Gehalt. Zwei Wege zur gleichen Ausbildung dürfen nicht so unterschiedlich behandelt werden.

 

Warum das Anerkennungsjahr mehr ist als ein Praktikum

 

Das Anerkennungsjahr ist keine Orientierungsphase mehr, sondern ein Berufseinstieg unter Aufsicht. Die angehenden Fachkräfte:

 

arbeiten 39–40 Stunden pro Woche,

 

leiten Gruppen eigenständig,

 

übernehmen Verantwortung für Kinder und Elternarbeit,

 

müssen parallel eine Facharbeit verfassen und Prüfungen bestehen.

 

 

Auf dem Papier sind sie noch „Azubis“ – in der Realität tragen sie jedoch schon einen großen Teil der Verantwortung einer ausgebildeten Fachkraft.

 

Unsere Forderung

 

Wir fordern eine faire Vergütung im Anerkennungsjahr von mindestens 2.300 € brutto pro Monat.

 

Dieser Betrag ist ein realistischer und gerechter Kompromiss:

 

deutlich höher als die derzeitige Praktikantenvergütung (1.877 €),

 

klar unter dem Einstiegsgehalt einer voll ausgebildeten Erzieher:in in S 8a (ca. 3.413 €),

 

angemessen, um die Leistung und Verantwortung im Anerkennungsjahr zu honorieren.

 

 

Mehr als Fachkräftemangel – es geht um Qualität

 

Oft wird argumentiert, dass durch sinkende Geburtenzahlen weniger Erzieher:innen gebraucht würden. Das ist falsch. Auch wenn Gruppen kleiner werden, fehlen die Fachkräfte nicht – sie könnten endlich dafür genutzt werden, wirklich gute pädagogische Arbeit zu leisten: kleinere Gruppen, individuelle Förderung, Inklusion, Sprachbildung und Zeit für Elternarbeit.

 

Die Realität sieht jedoch anders aus: Stellenschlüssel werden nicht angepasst, Gelder werden gekürzt, und damit bleibt die Arbeit am Limit. Fachkräfte werden so nicht für Qualität eingesetzt, sondern nur, um Betreuung gerade so sicherzustellen.

 

Ausbildung ohne Perspektive

 

Hinzu kommt ein weiterer Missstand: Viele Auszubildende im Anerkennungsjahr bekommen nach erfolgreichem Abschluss keine Stelle, weil Träger sie nicht finanzieren können oder dürfen. Obwohl wir über Fachkräftemangel sprechen, werden frisch ausgebildete Fachkräfte vor verschlossene Türen gestellt. Das ist ein fatales Signal: Wer sich durch 3–4 Jahre Ausbildung kämpft, braucht am Ende nicht nur eine faire Vergütung, sondern auch Planungssicherheit.

 

Die Vorteile einer Reform

 

Attraktivität des Berufs steigern: Wer sich für die Erzieher:innenausbildung entscheidet, soll nicht in Armut leben müssen. Eine faire Vergütung macht den Beruf konkurrenzfähig und zieht mehr Menschen in die Ausbildung.

 

Fachkräftemangel bekämpfen: Faire Bedingungen können tausende zusätzliche Fachkräfte sichern.

 

Ausbildungsabbrüche reduzieren: Finanzielle Sorgen sind eine der Hauptgründe für Ausbildungsabbrüche. Eine bessere Bezahlung im Anerkennungsjahr hilft, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen.

 

Bildungsgerechtigkeit fördern: Niemand soll vom Berufswunsch Erzieher:in ausgeschlossen sein, nur weil er oder sie sich zwei Jahre ohne Gehalt nicht leisten kann.

 

Qualität sichern: Mehr Fachkräfte bedeuten nicht Überfluss, sondern endlich Zeit für echte pädagogische Arbeit statt nur Betreuung.

 

Es ist Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Wer im Anerkennungsjahr fast ein Jahr lang vollwertig arbeitet, darf nicht länger wie ein Azubi behandelt werden. Eine gerechte Vergütung ist kein Luxus, sondern eine notwendige Investition in die Zukunft unserer Kinder.

 

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