
Ich möchte heute ein kurzes Update zur Petition geben.
Genau davor habe ich früh gewarnt: Wenn Regulierung, Normen und Prüfungsdruck immer stärker werden, wird unsere digitale Angebotswelt nicht freier, sondern ähnlicher. Wer heute große Marken wie Nike, Adidas, Puma, Under Armour und New Balance vergleicht, sieht oft dieselben Muster: ähnliche Menüs, ähnliche Kacheln, ähnliche Shop-Logik, viel Weiß Schwarz, wenig Eigenständigkeit. Alles wirkt sauber und abgesichert – aber auch austauschbar! Schaut euch gerne mal die Webseiten an. Sie sehen eigentlich gleich aus, und das hat auch einen bestimmten Grund...
Natürlich sollen digitale Angebote für möglichst viele Menschen nutzbar sein. Aber in der Praxis sehe ich in Projekten, die unter das BFSG fallen, immer wieder dasselbe: Am Ende wird nicht die kreativste Lösung gebaut, sondern die rechtssicherste und risikoärmste. Das ist aus Unternehmenssicht sogar nachvollziehbar. Niemand will mehrere Varianten einer Website pflegen. Also entsteht oft ein einheitliches Standardsystem.
Genau darin liegt mein Kritikpunkt. Der aktuelle Regulierungs- und Prüfungsdruck begünstigt in der Realität standardisierte Lösungen. Dazu kommen Prüfungen, Dokumentation, Nachbesserungen und laufende Kosten. Und viele kennen diese eingeblendeten Website-Tools, mit denen man Farben, Kontraste oder Schriften umstellen soll. Für mich wirkt das häufig nicht wie gute Gestaltung, sondern wie ein technischer Aufsatz auf einer ohnehin schon reduzierten Seite.
Gleichzeitig leben wir mitten in der KI-Wende. Es gibt heute bereits Browser und KI-Agenten, die Webseiten zusammenfassen, erklären, bedienen und bestellen können. Genau deshalb stelle ich weiter die Frage: Warum greift Politik hier mit starren Vorgaben ein, wenn die Technik Barrieren zunehmend dynamisch abfedern kann?
Nicht das Ziel der Zugänglichkeit ist das Problem, sondern der Weg dorthin. Wenn am Ende aus Angst vor Normen, Prüfungen und Haftungsrisiken überall dieselbe Standardoberfläche entsteht, verlieren wir Vielfalt, Charakter und ein Stück künstlerische und unternehmerische Freiheit im Netz.
Aus zeitlichen Gründen ist es mir aktuell nicht möglich, ein gerichtliches Vorgehen zur rechtlichen Überprüfung der Ausgestaltung und Umsetzung des BFSG anzustoßen. Ich behalte mir diesen Schritt aber ausdrücklich vor. Sollte es dazu kommen, werde ich offen darüber informieren – möglicherweise auch mit einem Spendenaufruf, um Anwalts- und Verfahrenskosten gemeinsam zu tragen.
Ich bin weiterhin überzeugt: In Zeiten moderner KI müsste Regulierung technologieoffener werden. Statt das Web immer weiter in Standardlösungen zu drücken, sollte man Innovation, praktische Hilfstechnologien und gestalterische Freiheit viel stärker mitdenken.
Danke an alle, die die Petition weiter unterstützen und diese Diskussion sachlich mittragen.
Viele Grüße
Farsad Balaei