
Wie sollen wir das verstehen, wie viel Schaden ist ein Kollateralschaden? Haben wir aus den Fehlern, die wir gemacht haben, etwas gelernt? Diese Fragen kommen mir in dieser Zeit sehr oft durch den Kopf, wenn meine Erinnerungen an den Krieg in Bosnien durch den neuen letzten Krieg in Europa, der in der Ukraine stattfindet, wieder so lebendig geworden sind. "Nie wieder" ist ein Satz, den wir seit Jahren als Mantra hören, der leider keine Wirkung hat. Nie wieder, immer wieder, wo Menschen ermordet werden und die Schäden dann keine Kollateralschäden mehr sind, sondern gezielte Schäden, geplante Schäden, die wir nicht gesehen haben, und uns wieder mit Schrecken erschrecken.
Meine Ängste sind schon seit Jahren präsent, nämlich seitdem die AfD 10% erreicht hat. Mir sind außerdem sehr deutliche Parallelen zu den Politikern aufgefallen, die in der ehemaligen YU-Region regierten. Mit 13% der Stimmen haben sie sich als Volksparteien deklariert und Koalitionsvereinbarungen mit Parteien getroffen, gegen die sie später Krieg geführt haben.
Im Parlament sprechen sie nur "rhetorisch" von ethnischer Säuberung. Nach vier Jahren Krieg, in denen 100.000 Menschen getötet wurden, und im Juli 1995 in Srebrenica, der UN-Schutzzone, kam es in Europa wieder zu einem Völkermord. Im Dezember 1995, mit der Unterzeichnung des Dayton-Abkommens, wurde der Krieg beendet. Meine Erinnerungen an die Nachkriegszeit sind geprägt von dem Glauben an die Menschenrechte und der Hoffnung auf einen neuen Aufbau der Gesellschaft und auf Menschen, die eine starke EU-Phorie ausstrahlen. Fünfundzwanzig Jahre später erlebe ich mein Trauma in Deutschland wieder, wo ich mein neues Leben begonnen habe, und seit fünf Jahren kämpfe ich mit dem Gefühl, dass sich das Trauma der Geschichte vor meinen Augen wiederholt, und ich kann nicht lauter schreien und ich kann nicht loslassen. Und ich frage mich, wenn wir nicht auf den Prinzipien der Menschenrechte stehen, wenn wir nicht an eine Welt glauben, in der Faschismus und Klero-Nationalismus nichts mit demokratischen Werten zu tun haben, was für Menschen sind wir dann und was wird das nächste "Nie wieder" sein, das wir immer aufs Neue tun können.