Benutzt nicht das Wort "Hautfarbe" für Beige-Rosa

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Alles begann, als mein damals vierjähriger Sohn nach der Kita zu mir sagte:
„ICH MÖCHTE NICHT BRAUN SEIN“
Für mich als Mutter brach in diesem Moment eine Welt zusammen.

Ich selbst stamme aus Polen, die Eltern meines Mannes aus Deutschland und dem Senegal. Mein Mann und ich entschieden uns bei unserem ersten Kind bewusst für eine Kita die das Thema Vielfalt als Leitbild hatte. Mein Mann ist in seiner Kindheit leider selbst sehr oft mit Rassismus konfrontiert worden und hatte deswegen bei der Auswahl der Kita für unseren Sohn konkrete Vorstellungen. Die Kita für die wir uns entschieden hat das Thema Vielfalt gelebt, keine Frage. Die Leiterin war Brasilianerin und es gab viele Kinder mit verschiedener Herkunft. Sie war sehr bemüht solche Themen durch Bücher und literarische „Reisen um die Welt“ aufzugreifen. Insofern kann man niemandem einen Vorwurf machen.

Nichts desto trotz sind offensichtlich Dinge vorgefallen, die meinen Sohn verunsichert haben. Das Thema ließ mich nicht los und ich fing an mich mehr mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen. Ich sprach mit der Kita-Leitung, wir überlegten gemeinsam, wie man das Thema noch besser aufgreifen könnte. Dabei fiel schnell auf, dass es beispielsweise keine Puppen mit dunkler Haut in der Kita gibt. Selbst als die Leiterin dunkle Puppen für die Kita besorgen wollte, war dies gar nicht so einfach. Überhaupt einen Anbieter zu finden erwies sich als Herausforderung.
Wir sprachen sehr viel mit unserem Sohn, vor allem aber sprach ich viel mit meinem Mann, da er sich am ehesten hineinversetzen konnte.

Ähnliche Situation dann in der Vorschule. Die Schule lebt von Vielfalt, hat eine Partnerschule im Libanon und wird besucht von einer Ordensschwester, die von ihrer Arbeit im Libanon berichtet.
Es gibt auf dieser Schule Kinder aus den unterschiedlichsten Kulturen mit sehr unterschiedlichem Aussehen. Und trotzdem kommt mein Sohn nach der Schule nach Hause und erklärt mir, dass der beige-rosa-farbene Stift aus seiner Federtasche Hautfarbe sei.
Und ich muss gestehen, es hat mich selbst erschrocken! In dem Moment wurde mir erst klar, wie sich der Großteil der Bevölkerung fühlen muss mit solch einer „Feststellung“. Denn so wird es den Kindern beigebracht. Es ist eine Aussage, die eine Autoritätsperson dem Kind gegenüber macht.
Es ist Gesetz. So ist es und es wird nicht in Frage gestellt oder andere Möglichkeiten angeboten.
Folglich fragt sich mein Kind,

  • „WAS IST MIT DER FARBE MEINER HAUT? WARUM IST SIE NICHT NORMAL?“,
  • „WARUM BIN ICH ANDERS?“,
  • „WAS STIMMT MIT MIR NICHT?“.

Ich fing an nach Definitionen für „Hautfarbe“ zu suchen.
Ich finde medizinische Definitionen, die sich mit der Anamnese von Patienten befassen.

Eine andere Definition besagt, dass die Hautfarbe eines Menschen abhängig ist von der Pigmentierung, dem Melaninanteil und der Struktur der Blutgefäße.

Im künstlerischen Bereich, in dem es um Farbspektren geht, finde ich eine weitere Definition. Hierbei geht es um die Frage, aus welchen verschiedenen Farben eine Farbe zusammengesetzt wird.

Beispielsweise gibt es hier bei der sogenannten „Hautfarbe“ eine Kombination aus Rot, Grün und Blau in einem bestimmten Mischverhältnis.
Diese Definition ist die einzige, die eine farbliche Komponente mit einbezieht.
Und selbst bei dieser Definition ist die Hautfarbe eine Kombination aus mehreren Farben oder wie in den anderen Definitionen aus mehreren Faktoren.
In keiner Weise ist eine Definition bezüglich des Wortes Hautfarbe mit nur einer Farbe oder einem Faktor verbunden.
Umso unverständlicher ist es für mich, dass unseren Kindern in deutschen Schulen seit jeher beigebracht wird, dass Hautfarbe die Farbe eines rosa-beige farbenen Stiftes ist. Ich nehme an, dass jeder sofort weiß, von welcher Farbe ich spreche!

Wir sind alle damit großgeworden, egal wo wir oder unsere Eltern herkommen, egal auf welche Schule wir gegangen sind. Jedem wurde beigebracht, dass Hautfarbe rosa bzw. hellbeige ist.

Dabei frage ich mich, welcher Mensch hat so eine Hautfarbe?

Woher stammt die Aussage, dass Hautfarbe beige-rosa ist??

Rassismus entsteht in den kleinsten Dingen, die vielen gar nicht bewusst sind. Rassismus ist nicht erst das Attackieren von Minderheiten. Auch das Fehlen von „schwarzen Puppen“ in der Kita oder die Benutzung von „hautfarbenen“ Stiften in der Schule ist Rassismus und hat Auswirkungen auf die Entwicklung unserer Kinder!

Des Weiteren habe ich mich bei meiner Recherche auf das Thema Rassismus in Schulen fokussiert.
Alles was ich dazu finde, sind Beschreibungen zu Diskriminierungen und Ausgrenzungen aufgrund von äußeren Merkmalen. Demnach findet Rassismus statt, sobald eine Minderheit aktiv und bewusst ausgegrenzt wird. Hier werden Petitionen gestartet, Zeitungsartikel verfasst, Stimmen laut.
Versteht mich nicht falsch. Das ist großartig und darf niemals aufhören!

Es müssen sich viel mehr Menschen aktiv gegen Ausgrenzungen jeglicher Art einsetzen, vor allem aber auch die, die es nicht direkt betrifft!!
Denn die sind ebenso dafür verantwortlich Ungerechtigkeiten zu unterbinden.

Das eigentliche Problem beginnt, meiner Meinung nach allerdings schon viel früher und manifestiert sich bereits viel früher unbemerkt in unseren Köpfen.
Ich habe es mein Leben lang selbst nicht bemerkt, bis ich Kinder hatte, die eine dunklere Hautfarbe haben als die meine.
Ich bin gegen Rassismus und Ausgrenzung, aber mir ist nicht aufgefallen, dass Rassismus auch in den kleinsten Dingen im Alltag stattfindet, sogenannter Mikrorassismus, ohne, dass jemand beschimpft oder ausgegrenzt werden muss.

Rassismus ist subtil und allgegenwärtig.

Erst durch meine Kinder wurde mir das Ganze richtig bewusst.
Leider ist vielen Menschen, auch denen die sich gegen Rassismus äußern, nicht bewusst, dass Rassismus in unserer Gesellschaft so manifestiert ist, dass beispielsweise Mikrorassimus gar nicht erst wahrgenommen wird. Außer von denen die es betrifft.

Wir können alle etwas bewegen, nicht nur indem wir uns gegen Rassismus äußern sondern indem wir auf die Stimmen der Betroffenen hören und selbstverständliche Dinge hinterfragen und ändern!

Uns, unseren Mitmenschen und unseren Kindern gegenüber!

Selbst solche scheinbar kleinen Dinge können bereits viel bewirken!