Aus Tausenden von Schiffen, die im Zweiten Weltkrieg gesunken sind, sickert Öl

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Mit dem Zerfall ihrer rostigen Tanks ist es keine Frage ob ein Peak leak, ein Durchbruch mit weitreichenden Konsequenzen für die Umwelt passiert, sondern wann. Die aktuellen Schätzungen gehen weltweit von 2,5 bis 20 Millionen Tonnen Öl in diesen potenziell gefährlichen Wracks aus – etwa der doppelten bis zwanzigfachen Menge dessen, was 2010 bei der Deepwater Horizon Katastrophe, der schwersten Umweltkatastrophe dieser Art in der Geschichte, ins Meer lief. Gleiches gilt für andere giftige Substanzen, wie beispielsweise Kampfmittel. Wir müssen potenziell gefährliche Wracks jetzt aufspüren, untersuchen und dekontaminieren, bevor sie Fauna und Flora schädigen. Alleine im Mittelmeer wurden zwischen 1939 und 1945 mehr als 300 – hauptsächlich von deutschen U-Booten torpedierte – Schiffe versenkt, darunter 20 Tanker. Die meisten wurden bis heute nicht lokalisiert, die wenigsten wurden überprüft oder gar dekontaminiert.

In der Vergangenheit wurden leider nur sehr überschaubare Anstrengungen der bisherigen Bundesregierungen zur Beseitigung der im Zweiten Weltkrieg versenkten Schiffe unternommen. Ihre Wracks stellen eine akute, ernste Umweltbedrohung dar. Auch wenn die Haftung für von Kriegsschiffswracks verursachten Umweltschäden eine rechtliche Grauzone darstellt, ist es aber dennoch ganz klar unsere moralische Verpflichtung – auch und ganz besonders mehr als siebzig Jahre nach deren Versenkung – endlich und ohne weiteren Verzug für deren Entschärfung Sorge zu tragen!

Bis dato wurden weder Unternehmen noch Einzelpersonen oder deren Rechtsnachfolger, die sich direkt oder indirekt mitunter beträchtliche Vermögenswerte im Zusammenhang mit der Versenkung dieser potenziell gefährlichen Schiffswracks aneigneten – und auch weitervererbten – ihre diesbezügliche Verantwortung aber wider besseres Wissen hartnäckig ableugnen, für die Kosten derer Dekontaminierung herangezogen.

Hier setzt das Marine-Conservation-Project Cleanwreck.org an, mit dem Ziel möglichst viele dieser tickenden Bomben zu entschärfen und ein breites Bewusstsein für die bislang wenig bekannte Bedrohung zu schaffen.

Naturgemäß ist Cleanwreck als Non-Profit-Project für, nur auf Profit bedachte Investoren, gänzlich unattraktiv. Wir würden aber auch – nicht zuletzt, um unsere Unabhängigkeit zu wahren – stets darauf verzichten, solchen Menschen eine Gelegenheit zu bieten, sich an der Beseitigung, der erst aus Macht- und Profitgier erwachsenen Umweltverbrechen, zu bereichern.

Unsere Forschungsarbeit trägt sich, wie im Kapitel ActivitiesStrategie und Finanzierung näher beschrieben, langfristig selbst. Sie generiert aber keine fetten Renditen – wir sind keine Schatzsucher! Sämtliche Erlöse aus der wirtschaftlichen Nutzung der gefundenen Wracks fließen – bis zum letzten verbliebenen potenziell gefährlichen Wrack – wieder in die Suche und Dekontaminierung!

Nichtsdestotrotz müssen die Basisinvestitionen für das erste Forschungsschiff (Prototyp) mittelfristig vorfinanziert werden. Bei kritischer Selbstreflexion, müssten mehrere deutsche Banken von sich aus das Bedürfnis verspüren, einen maßgeblichen Beitrag zum MCP Cleanwreck.org zu leisten. Tun sie aber nicht.

Daher ersuchen wir Sie, sehr geehrte Abgeordnete des Bundestages, sich nachdrücklich einzusetzen für:

1. Die Übernahme einer Bundesbürgschaft
Wir fordern von der Bundesregierung eine Bundesbürgschaft für einen zinsfreien, rückzahlbaren Investitionskredit in der Höhe von € 1,6 Millionen mit einer Laufzeit von 10 Jahren als Beitrag zu den Baukosten des einsatzbereiten Prototyps. Deutschen Unternehmen (Werften, Ausrüstern, etc.) wird in diesem Zusammenhang grundsätzlich der Vorzug bei der Auftragsvergabe gegeben. Wir beanspruchen keine öffentlichen Mittel, sondern lediglich die Übernahme einer Bürgschaft, in der Höhe von 2 Eurocent pro Bundesbürger/in!

 

2. Die Tauchrechte und wirtschaftlichen Nutzungsrechte an deutschen Schiffswracks
Wir beanspruchen die exklusiven Tauchrechte an allen von uns lokalisierten bzw. von uns zu dekontaminierenden deutschen Kriegsschiffswracks – insbesondere jene aus dem 2. Weltkrieg – zur Finanzierung der laufenden Kosten von Cleanwreck.org und die wirtschaftliche Nutzung eben dieser zur Finanzierung der Dekontaminierungen (wiederum vorzugsweise in Kooperation mit spezialisierten deutschen Unternehmen).

 

3. Juristische und diplomatische Unterstützung und vorrangiger Meeresschutz
Wir erwarten uns tatkräftige juristische und diplomatische Unterstützung im Zusammenhang mit Wrackfunden ausländischer Staatsschiffe, Verhandlungen über Tauchrechte, Durchsetzung der wirtschaftlichen Nutzungsrechte. Einsatz für eine international verbindliche Regelung zur unbehinderten Beseitigung von Gift- und Gefahrstoffen aus deutschen und ausländischen – insbesondere auch aus als Seekriegsgräber deklarierten – Schiffswracks. Der Meeresschutz muss verbindlich über entgegengerichtete Interessen (z. B. der Hinterbliebenen, u. Ä.) gestellt werden. Meeresschutz vor Seekriegsgrabschutz!

 

Die Suche nach den Wracks duldet keinerlei Aufschub. Alles was wir zukünftig, auch im besten Fall, erreichen können, ist ohnehin nur noch Schadensbegrenzung. Wir können es uns keinesfalls leisten unsere Verantwortung - wie bisher - zu leugnen und stattdessen tatenlos zusehen, wie die Schiffswracks weiterhin unsere Ozeane verseuchen. Diese Ignoranz wiegt ebenso schwer wie die historischen Umweltverbrechen an sich!