
Nach wie vor hängt der drohende Abriss wie ein Damokles-Schwert über dem Klarissenkloster und der St.Klara-Kapelle . Nach wie vor hüllt sich die Eigentümerin, die Pfarrei St. Georg, in Schweigen. Eine klare Aussage die Kapelle zu erhalten hat es nie gegeben, und die Worte " der Abriss ist die letzte Option " sind offensichtlich nur Hinhaltetaktik.
Dabei deuten viele Fakten und Indizien auf einen letztlichen Abbruch der Klosterkirche hin. Denn längst schmiedete die Pfarrei um Pfarrer Matthias Hembrock Pläne über den Verbleib der wertvollen Kirchenfenster, gestaltet von der Bocholter Künstlerin Lucie Vollbrecht-Büschlepp, oder wo demnächst die Glocken der St.Klara-Kapelle ertönen. Auch die Bemühungen die Orgel aus der Kapelle zu entfernen oder die Bestände an Opferkerzen aus der Kapelle zu entnehmen deuten auf einen " Ausverkauf " hin. Äußerungen wie "wenn etwas abgerissen wird ist die Empörung immer groß . Aber wenn an der Stelle etwas Neues entsteht ,dann sind doch wieder alle voll des Lobes ". Oder " Die Leute werden sich wieder beruhigen, und wenn es wieder still ist, werden wir das Kloster (und damit auch wohl die Kapelle) abgerissen". Für die Mitglieder der Initiative "Bocholts Werte bewahren " ist die Zeit, in der sie sich um moderates Vorgehen , um offene Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen und Verstehen bemüht hat vorbei. Wir haben uns mit kreativen Nutzungsideen für die Kapelle, das Kloster und den Klostergarten eingebracht.
Unsere Initiative hat maßgeblich an den Objektsicherungsarbeiten mitgewirkt. Selbst die der größte Teil der Organisation und Durchführung des Umzugs der Schwestern , ja sogar die Reise der Nonnen nach Bayern, ist durch Mitglieder unserer Initiative realisiert worden. Letztlich ist auch die Restauration des Altarbildes ,das noch bis weit in die 60er Jahre den Altarraum der Klara-Kapelle beherrschte und danach für viele Jahrzehnte auf dem Dachboden des Kapuzienerklosters in Kleve verbannnt wurde, arrangiert und finanziert worden. Selbst die Pläne und Entwürfe und Spendengelder für eine Gedenkstätte für die verstorbenen Ordensschwestern, die ihren Klosterfriedhof mit den 14 unter den britischen Bomben umgekommenen Nachbarn des Klosters geteilt haben, stammen von der Initiative zu Erhaltung der Kapelle.
Alle diese Anstrengungen wurden seitens der Pfarrei nicht kommentiert, kaum unterstützt und offensichtlich nur als Selbstverständlichkeit angesehen. Also mit Schweigen kommentiert.
Kein Einzelfall aber ein Sonderfall
Das Klarissenkloster und seine Kapelle sind nicht einfach nur Kirchengebäude wie so viele die bereits vernichtet wurden. Denn die einzigartige und unzertrennliche ,über 126 Jahre währende Verbundenheit der Klarissen mit der Bocholter Bevölkerung macht es doch zur Besonderheit.
Denkmalschutz hin oder her. Das Kloster , und speziell seine Klosterkirche, sind ein Ort unserer Erinnerungskultur und des spirituellen Gedenkens das es zu schützen und zu erhalten gilt!
Als Mitte der 90er Jahre des 19.Jahrhunderts unsere Stadt sich zu einer Industriestadt entwickelte entstanden nicht nur Fabrikgebäude zur Produktion von Textilien sondern auch das Klarissenkloster. "Wo viel gearbeitet wird muss auch viel gebetet werden" so der damalige Bischof des Bistums Münster, und ließ in Bocholter Westen die St.Klara-Kapelle errichten. Fortan vertrauten die Bürger den Schwestern ihre Sorgen an, die dann mit Gebeten halfen, und die Bocholter halfen den Nonnen mit Essensgaben. Wer weiß, ob sie damit nicht auch das Verhungern der Schwestern verhindert haben. So entstand eine tiefe gegenseitige Verbundenheit.
Als dann am 22.März 1945 Bocholt von der Britischen Luftwaffe in Schutt und Asche gebombt wurde, fanden auch 14 den Bombenangriffen zum Opfer gefallenen Nachbarn in einem Massengrab auf dem Klosterfriedhof neben den dort ruhenden Ordensschwestern ihre letzte Ruhe. Auch dies ist eine einzigartiges Sinnbild für die untrennbare Verbundenheit der Klarissen mit den Bocholter Bürgern die bis zum heutigen Tag andauert, und mit dem Wegzug der letzten Schwestern im Januar auch nicht endet.
Kirchen stehlen sich aus der Verantwortung
Dass deutschlandweit inzwischen jedes 4. Gotteshaus von den zuständigen Bistümern geschlossen wird ist wirtschaftlich betrachtet den zahlreichen Kirchenaustritten und den damit verbundenen sinkenden Kirchensteuereinnahmen zuzuordnen. Aber auch die vielerorts unnötigen und nicht selten überdimensionalen Bauaktivitäten der Bistümer des letzten Jahrhunderts obwohl die Zahl der Katholiken schon in den 1950er Jahren um teilweise bis zu 40 % gesunken ist, und dennoch hunderte neue Kirchen gebaut wurden, haben zu dieser Entwicklung beigetragen. Dass von etwa 100 Kirchen 20 dem Abriss zum Opfer fallen ist eine traurige Bilanz. Umnutzungsmöglichkeiten , wie in der Heilig-Kreuz-Kirche gerade zu erleben , gibt es genug. In anderen Städten und Gemeinden, und sowieso bei unseren holländischen Nachbarn, gibt es hierfür wunderbare Beispiele. Auch gibt es allen Orts spezialisierte Maklerbüros die sich auf die Vermarktung von Sakralbauten spezialisiert haben. So gestaltete die Düsseldorfer Unternehmen „Küss Den Frosch“ eine evangelische Kirche in Homberg ein ein Grabkammer, die Platz für 6000 Urnen bietet, um.
Dass eine kommerzielle Nutzung eher kritisch zusehen ist und die Einbeziehung beispielsweise eines Sozialverbandes großer baulicher und somit auch der finanzieller Anstrengungen bedarf, ist unbestritten. Am Ende geht es immer um das Wollen. Gewiss ist da die Beseitigung von alten Gebäuden und die damit verbundene Rückgewinnung eines lukrativen Bauareals die reizvollere Lösung. Aber wenn die Kirchen wie oben angeführt, schon nicht schuldlos an ihrer Misere sind, dann ist es wenig ehrenhaft sich hinter den bösen Kirchenaustretern zu verstecken.
Wer sich das Immobilienkonzept des Pfarrgemeinde St.Georg ansieht ( frei einsehbar im Internet) , dem wird eine Statistik über die Entwicklung der Austrittszahlen über einen Zeitstrahl von 20 Jahren ins Auge fallen. Obwohl erst die Zahlen der letzten 4 Jahre vorliegen geht man von einer linearen Fortsetzung der Kirchenaustritte aus, ungeachtet aktueller Entwickelungen, die eine deutlich gesunkene Zahl der Kirchenaustritte in Bocholt dokumentieren. Welche Interpretationen lässt eine solche Grafik zu? Ist das Resignation oder Gleichgültigkeit ,oder gibt es doch immer noch unvorstellbar großen Kirchenreichtümer die die "Kirchenfürsten" ruhig schlafen lassen? Jedes Wirtschaftsunternehmen, ja jeder Privathaushalt müsste und würde auf eine solche Prognose reagieren um den Ruin zu verhindern. Ich glaube, ein engagiert geführter Kampf und ein kreativer Umgang mit der augenblicklichen Situation würde die Menschen eher beeindrucken als eine Abrissbirne , und dies wäre endlich wieder ein positives Signal , das gewiss von vielen erkannt und positive aufgenommen würde. Die Vernichtung von Gütern durch seine eigenen Besitzer findet hingegen keine Anerkennung ! Über die zahlreichen Verfehlungen und besonders über den Umgang mit straffällig gewordenen Geistlichen, möchte ich mich hier nicht weiter auslassen.
Die Pfarrgemeinde St.Georg sollte sich ihren Problemen stellen und Willen und Mut zeigen Verbesserungen zu erwirken und sich nicht schweigend dieser Verantwortung entziehen.