Petition updateDas SEZ sanieren und als Sport- und Freizeitfläche für alle wiederöffnen!

Pressemitteilung der Bürgerinitiative "SEZ für alle!" zum akut drohenden Abriss des SEZ

Susanne LorenzBerlin, Germany
Aug 13, 2026

Pressemitteilung der Bürgerinitiative „SEZ für alle!“

Abriss droht – WBM schweigt zu zentralen Fragen – Antrag der WBM zur Aufhebung des Abrissstopps

Berlin, 14. August 2026

Seit Anfang August finden am Sport- und Erholungszentrum SEZ in Berlin-Friedrichshain erneut umfangreiche Arbeiten statt. Der Parkplatz vor dem Haupteingang an der Landsberger Allee 77 ist seit dem 3. August gesperrt. Wir haben erfahren, dass es sich um die Baustelleneinrichtung der Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) handelt. Ein Baustellenschild für diese neuen Arbeiten konnten wir nicht finden.

Bereits seit Juli laufen im Schwimmbadbereich Arbeiten, die auf dem Baustellenschild (Stand 10.08.2026) in der Langenbeckstraße als "Schadstoffsanierung und Rückbau ehem. Sport- und Erholungszentrum" bezeichnet werden. Es fehlt auf dem Bauschild ein Datum der Genehmigung der Baumaßnahmen.

+++ WBM schweigt zu zentralen Fragen

Für uns ist unklar, welche Arbeiten tatsächlich stattfinden und ob diese über die bisher genehmigten Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen hinausgehen. Wir haben der WBM deshalb in einem Brief vom 24.07.2026 konkrete Fragen gestellt. Wir wollten wissen:

- welche Arbeiten momentan konkret im Gebäude und auf dem Grundstück durchgeführt werden,
- welche behördlichen Genehmigungen hierfür vorliegen,
- ob und wie das durch die Innenentwässerung in die Kellerräume des SEZ gesammelte Regenwasser abgepumpt und eine weitere Schädigung des Gebäudes verhindert wird,
- ob sichergestellt ist, dass die Schadstoffsanierung möglichst zerstörungsfrei erfolgt und weder Tragstruktur noch erhaltenswerte Bauteile beschädigt werden,
- wie verhindert werden soll, dass durch die laufenden Arbeiten Tatsachen geschaffen werden, die politische oder planerische Entscheidungen über den Erhalt des SEZ vorwegnehmen,
- welche Maßnahmen zum Schutz von Vögeln, Fledermäusen, Bäumen und anderen geschützten Arten getroffen werden,
- ob eine unabhängige ökologische Baubegleitung eingerichtet wird,
- und ob beziehungsweise seit wann die WBM als Eigentümerin des Grundstücks im Grundbuch eingetragen ist.

Leider hat die WBM trotz Frist und Nachfristsetzung unsere Fragen bis heute nicht beantwortet.

+++ Beginn der Abrissarbeiten droht

Nun erreichen uns zusätzlich alarmierende Hinweise: Uns wurde mitgeteilt, dass die WBM bei den zuständigen Behörden inzwischen die Aufhebung des im Februar verhängten Abrissstopps beantragt haben soll. Der Abrissstopp war vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg ausdrücklich wegen artenschutzrechtlicher Bedenken verhängt worden.

Die WBM versucht hier kurz vor der Berlinwahl, irreversible Tatsachen zu schaffen, während die Regierungsparteien selbst öffentlich über den Erhalt wesentlicher Teile des SEZ diskutieren.

So hat der Berliner SPD-Landesparteitag erst Ende 2025 beschlossen, dass geprüft werden soll, inwieweit die bestehende Bausubstanz und die Grundstruktur des SEZ erhalten werden können. Der Beschluss formuliert ausdrücklich: Was baulich gerettet werden kann, soll gerettet werden. Zugleich fordert die SPD darin ein mehrmonatiges partizipatives Verfahren mit Anwohner*innen, SEZ-Initiativen, Vereinen, Verbänden und Fachleuten aus Stadtplanung, Sport, Wohnen und Kultur.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen des Abgeordnetenhauses am 22. Juni erklärte der SPD-Abgeordnete Mathias Schulz, dass wirtschaftlich und städtebaulich vertretbare Lösungen für einen Erhalt oder Teilerhalt geprüft werden müssten und über einen Rückbau erst entschieden werden solle, wenn ein städtebauliches Konzept für das SEZ-Areal vorliege.

Matthias Kollatz (SPD) sprach sich ausdrücklich gegen einen vollständigen Abriss und für eine Lösung aus, bei der identitätsstiftende Teile des SEZ erhalten und einer neuen Nutzung zugeführt werden.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) erklärte, der Teilerhalt eines zentralen, stadtbildprägenden Gebäudeteils werde geprüft – machte gleichzeitig aber deutlich, dass die WBM ihren bisherigen Auftrag weiterverfolge, solange sie keine andere politische Weisung erhalte.

Genau diese Weisung muss der Bausenator jetzt erteilen! Wer öffentlich den Teilerhalt prüfen will, darf nicht gleichzeitig zulassen, dass die Substanz, über deren Erhalt noch diskutiert wird, vorher beseitigt wird!

SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat sich Ende Juni vor dem SEZ selbst für einen Teilerhalt ausgesprochen und dafür geworben, Wohnungsbau und die historische Bedeutung des Ortes miteinander zu verbinden. Er beschrieb das SEZ sogar als einen Ort, an dem Berlin zeigen könne, wie Stadtentwicklung und Respekt vor ostdeutscher Geschichte zusammengehen können.

Jetzt müssen diesen Worten Taten folgen!

Wir fordern die Abgeordneten von SPD und CDU, allen voran Bausenator Christian Gaebler und auch SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach auf, unverzüglich dafür zu sorgen, dass vor einer politischen Entscheidung über die Zukunft des SEZ kein irreversibler Schaden durch Abriss erfolgt. Wenn die WBM tatsächlich die Aufhebung des Abrissstopps beantragt hat, muss der Senat jetzt handeln!

Es wäre vollkommen unglaubwürdig, einerseits Parteitagsbeschlüsse zum Erhalt zu fassen, öffentlich über Teilerhalt zu sprechen und andererseits kurz vor der Wahl zuzusehen, wie eine landeseigene Gesellschaft genau die Bausubstanz beseitigt, über deren Zukunft noch beraten werden soll.

+++ Laufende öffentliche Debatte über die Zukunft des SEZ

Eine vielschichtige Debatte findet abseits der Berliner Landespolitik längst statt – und sie wird auf breiter Basis geführt.

Besonders wichtig ist dabei die Arbeit des Bündnisses „SEZ-Quartier neu denken“. Dort werden konkrete Alternativen entwickelt, die den Erhalt des SEZ mit neuem Wohnungsbau auf dem Grundstück verbinden. Damit wird deutlich: Erhalt des SEZ und Wohnungsbau müssen kein Widerspruch sein.

Am Nachmittag des 21.08.2026 steht der Kiosk of Solidarity vor dem SEZ. Gemeinsam mit Urbane Praxis e.V., der Kampagne „Leben statt Leerstand“ und „SEZ für alle!“ entsteht dort ein öffentlicher Raum für Austausch über das SEZ und eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Für 18 Uhr ist ein Gespräch mit Politiker*innen und Fachleuten geplant.

Vom 17. bis 25.08.2026 entwickeln Architekturstudierende der FH Aachen und FH Erfurt im Rahmen der Sommerakademie „Reanimate SEZ“ in Berlin Entwürfe für die Umnutzung des SEZ. Die Ergebnisse werden ab dem 25.08.2026 in den feldfünf-Projekträumen ausgestellt.

Am 26.08.2026 diskutiert das KulturerbeNetz.Berlin seine Wahlprüfsteine zur Abgeordnetenhauswahl. Einer der Wahlprüfsteine widmet sich ausdrücklich der Zukunft des SEZ, der Bauwende im Bestand und der Frage, ob das Areal Modellstandort einer künftigen Internationalen Bauausstellung werden könnte.

Am 28.08.2026 eröffnet der Deutsche Werkbund Berlin im BHROX bauhaus reuse die Ausstellung „SEZ – Un/Möglichkeit einer Insel“, die sich mit Geschichte, Architektur und Zukunft des Gebäudes auseinandersetzt.

Am 13.09.2026 findet um 14:00 Uhr vor dem SEZ eine Demo anlässlich des Tags des offenen Denkmals statt.

+++ „SEZ für alle!“ fordert sofortiges Abrissmoratorium

Diese Veranstaltungen zeigen:Die Zukunft des SEZ ist Gegenstand einer intensiv geführten gesamtgesellschaftlichen Debatte. Während Architekt*innen, Stadtplaner*innen, Studierende, Kulturschaffende, Vereine, Initiativen und engagierte Bürger*innen konkrete Alternativen entwickeln, will ausgerechnet jetzt die WBM durch einen Abriss die Grundlage dieser Debatte zu zerstören.

„SEZ für alle!“ fordert ein sofortiges Abrissmoratorium, das genügend Zeit schafft, um in einem offenen und transparenten Verfahren über die Zukunft des SEZ zu entscheiden – mit dem vollständigen Erhalt des Gebäudes als verbindlicher Planungsvariante.

Wir werden weiter Druck machen, für ein Moratorium mobilisieren und alle zur Verfügung stehenden demokratischen und rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um zu verhindern, dass unumkehrbare Tatsachen geschaffen werden.

Bürgerinitiative „SEZ für alle!“

Hier auch nachzulesen: https://sez-fuer-alle.de/aktuelles/14-08-2026-pressemitteilung-abriss-droht-wbm-schweigt-zu-zentralen-fragen-antrag-der-wbm-zur-aufhebung-des-abrissstopps--6Q5w6pJuZ4xcugNgAtV8pj

Bitte helfen Sie uns, das SEZ zu retten, indem Sie an Politiker*innen der Regierungspartei SPD schreiben:
- SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach: steffen.krach@spd.de 
- SPD-Sprecher für Stadtentwicklung Mathias Schulz, mathias.schulz@spd.parlament-berlin.de 
- SPD-Sprecher für Denkmalschutz Matthias Kollatz, matthias.kollatz@spd.parlament-berlin.de
- SPD-Kandidat für Friedrichshain-West Thomas Giebel: thomas.giebel@spdfraktion-xhain.de

Schreiben Sie gern auch anderen Politiker*innen im Abgeordnetenhaus: https://sez-fuer-alle.de/schreiben-an-politiker

In der Berliner Zeitung erschien vor zwei Tagen dieser lesenswerte Artikel: https://www.berliner-zeitung.de/article/berlin-rettet-ein-ddr-gebaeude-und-reisst-ein-anderes-ab-10238717

Bitte unterstützen Sie uns auch weiterhin durch Unterschreiben und Teilen der Petitionen
https://www.change.org/p/das-sez-sanieren-und-als-sport-und-freizeitfl%C3%A4che-f%C3%BCr-alle-wieder%C3%B6ffnen
https://www.gemeingut.org/petition-rettet-das-sez/
https://www.gemeingut.org/petition-sez-denkmalschutz/
durch Teilnahme an unseren Demos, Mahnwachen, Infoveranstaltungen, am Runden Tisch SEZ, durch E-Mails oder Briefe an die Abgeordneten und den Landeskonservator sowie Ideen und fachliche Hinweise. Wenn Sie finanziell unterstützen können und möchten, dann gern an Gemeingut in BürgerInnenhand (für Anwälte und Klagen) oder den Förderverein des Stadtmuseums (zur Restaurierung des Architekturmodells) spenden. Vielen Dank.
 
Herzlichst, Susanne Lorenz

Copy link
WhatsApp
Facebook
Nextdoor
Email
X