

Liebe UnterstützerInnen für den Erhalt des SEZ,
heute feiern wir 35 Jahre Deutsche Einheit, für mich persönlich ein Tag der Freude.
Der Umgang unseres Senats mit Bauten, die wichtiges Zeugnis der ostdeutschen Geschichte sind, macht mich jedoch betrübt.
In Art. 35 des Einigungsvertrages heißt es: "Die kulturelle Substanz in dem in Artikel 3 genannten Gebiet darf keinen Schaden nehmen." Dies schließt die baukulturelle Substanz mit ein, so wie das ikonische SEZ, das infolge der aktuellen Vernachlässigung schon Schaden nimmt und dem noch mehr Schaden droht.
Die Empfehlung des Landesdenkmalrates vom Juli 2025, dem SEZ Denkmalschutz zu gewähren und es selbst ohne Denkmalstatus mindestens teilweise zu erhalten, sowie die Aufforderung des Bezirks zur erneuten Denkmalschutzprüfung vom Juli 2025 hatten ein wenig Hoffnung keimen lassen. Schließlich bescheinigte auch das Kombigutachten zu SEZ und FEZ aus dem Jahr 2022 dem SEZ Denkmalwürdigkeit.
Trotzdem blieb ein ungutes Gefühl, weil das Landesdenkmalamt eben dem Bausenat untersteht, dessen Pläne zu radikalem Abriss und Neubau mit einer Unterschutzstellung durchkreuzt würden.
Und das ungute Gefühl wurde leider bestätigt, das Landesdenkmalamt nahm eine unüblich schnelle Prüfung vor, um dann den Denkmalschutz erneut abzulehnen.
In der Ablehnungsbegründung wird sogar auf die Empfehlung des Landesdenkmalrates verwiesen, ebenso auf das Kombigutachten. Weiterhin stellt das LDA fest, dass die Grundstruktur des SEZ einschließlich seiner markanten Dachlandschaft und seiner Fassaden weitgehend überliefert sei. Auch die Ost-West-Entstehungsgeschichte und der lange geheimgehaltene federführende Architekt Günter Reiß werden erwähnt.
Trotzdem erfolgt die Ablehnung der Unterschutzstellung mit der Begründung, das SEZ habe einen "mangelhaften Erhaltungs- und Überlieferungszustand" und deshalb sei "eine Aufnahme des SEZ in die Denkmalliste nicht darstellbar". Die "Erlebniswelt" des SEZ sei "durch Abrisse, Einbauten, Bauschäden und Vandalismus geschädigt und verloren".
Abgesehen davon, dass unter den leicht entfernbaren Holzeinbauten des privaten Eigentümers die Originalfliesen des Schwimmbades konserviert wurden und andere Original-Einbauten im Keller des SEZ lagern, ist die Begründung auch deshalb höchst fragwürdig, weil viele andere Bauwerke, die unter Denkmalschutz gestellt wurden, ebenfalls Schäden aufwiesen oder umgebaut wurden. So würde heute beispielsweise niemand auf die Idee kommen, den Denkmalschutz für das Reichstagsgebäude in Frage zu stellen.
Das SEZ hat insgesamt einen guten Erhaltungszustand. Ja, es sind Reparaturen und Modernisierungen erforderlich. Die Kosten dafür liegen nach Schätzungen von Experten unter denen von Abriss und Neubau. Aber die Investitionserfordernisse sollten den Denkmalschutz auch nicht verhindern.
Wenn man einmal ins Berliner Denkmalschutzgesetz schaut, dann sind dort vier verschiedene Bedeutungskategorien für Baudenkmale genannt (geschichtlich, künstlerisch, wissenschaftlich oder städtebaulich). Das SEZ erfüllt nicht nur eine davon, sondern alle vier. Weiterhin ist ein Interesse der Allgemeinheit an der Erhaltung des Bauwerks Voraussetzung der Unterschutzstellung, was ebenfalls bejaht werden kann.
Unter Berücksichtigung aller vorgenannten Sachverhalte erweckt die jüngste Entscheidung des Landesdenkmalamtes den Verdacht, nicht unabhängig, sondern unter politischem Einfluss entstanden zu sein.
35 Jahre nach der deutschen Einheit besteht zudem auch ein Ost-West-Gefälle in Bezug auf die Unterschutzstellung von Bauwerken. Die ehemaligen Ostbezirke der Stadt haben 45% der Fläche und 41% der Bevölkerung, aber nur 28% der Baudenkmäler.
Gemeingut in BürgerInnenhand hat zur Entscheidung des Landesdenkmalamtes eine Pressemitteilung veröffentlicht: "SEZ: Landeskonservator Rauhut entscheidet mit unterschiedlichen Standards für Ost und West"
Auch in der Tagespresse wurde zur Entscheidung des Landesdenkmalamtes berichtet:
- Berliner Kurier "Jetzt droht doch der Abriss: Landesdenkmalamt will SEZ nicht schützen!"
- Berliner Zeitung "Jetzt doch: SEZ wird abgerissen – kein Denkmalschutz für das Freizeitzentrum"
- B.Z. "Die ganze Wahrheit hinter dem SEZ-Deal"
- Tagesspiegel "Initiative nennt Landeskonservator „Besserwessi“: SEZ-Abriss steht fest – Denkmalschutz für DDR-Bau erneut abgelehnt"
- rbb24 "SEZ wird nicht unter Denkmalschutz gestellt - Weg für Abriss frei"
- Entwicklungsstadt "SEZ in Friedrichshain: Landesdenkmalamt verweigert Denkmalschutz"
Gemäß dem Artikel in der B.Z. kann die WBM also zunächst das SEZ abreißen, dann die Wirtschaftlichkeit prüfen, dabei feststellen, dass sich die Umsetzung des Projekts mit den geforderten Sozialwohnungen nicht rechnet und deshalb davon zurücktreten. Die Allgemeinheit erstattet dann die immensen Abrisskosten (es gibt Schätzungen von ca. 50 Mio. EUR). Schlimmstenfalls könnten auf dem dann beräumten Grundstück doch die gemäß Bebauungsplan vorgesehenen Solitärbauten mit privater Parkanlage umgesetzt werden. Berücksichtigt man die hohen Abrisskosten, können Wohnungen dort eigentlich auch nicht günstig gebaut werden. Durch die Umwidmung wird das SEZ-Grundstück allerdings ein Vielfaches wertvoller (Bodenrichtwert bei der bisherigen Sondernutzungsfläche Sport 20 EUR/m², dagegen für Wohngrundstücke im Umfeld bis zu 5.000 EUR/m², bei aktuell 47.581 m² Grundstücksfläche ergibt das eine Wertsteigerung von ca. 1 Mio. EUR auf bis zu ca. 240 Mio. EUR).
Im Übrigen ist laut dem Umweltgutachten zum B-Plan an der Landsberger Allee im geplanten Neubau im EG und 1. OG aufgrund der Lärm- und Luftschadstoffbelastung kein Wohnen möglich, weshalb 20.000 m² Gewerbefläche mit eingeplant werden. Und die schreckliche Blockrandbebauung des Siegerentwurfs des intransparenten Miniwettbewerbs der WBM würde die Lärm- und Schadstoffsituation vor Ort noch verschärfen sowie den städtebaulich gelungenen Übergang in den Volkspark Friedrichshain zerstören.
Die Aufnahmen, die der rbb am 26.09.2025 in der Abendschau gezeigt hat, haben mich erschüttert. Bei dieser komplett einseitigen Darstellung kann ich mir nicht vorstellen, dass der rbb selbst diese Aufnahmen gemacht hat. Wie schon bei der Zeitungs-Schmutzkampagne der WBM, wurden nur Stellen mit Mängeln und Schutt gezeigt. Die wunderbar erhaltene Sporthalle und die beeindruckenden Schwimmbadbereiche wurden komplett weggelassen. Neutral war dieser Bericht in jedem Fall nicht.
Wer sich selbst einen Eindruck vom Zustand des SEZ machen möchte, kann hier die Fotos sehen, die unsere Bürgerinitiative im Herbst 2024 erstellt hat:
https://drive.google.com/open?id=14AuOKqVmnQ9vETHnNZDEjhAlNvwOV-Bo
Vor wenigen Tagen fand Ende September 2025 auch eine individuelle Begehung im SEZ statt. Fotos und Videos dazu können auf Instagram angesehen werden:
https://www.instagram.com/susanne.lorenz.1974/p/DPFXqM0CIz9/
Man sieht, dass die ZwischennutzerInnen, die das Gebäude bis vor 10 Monaten liebevoll gepflegt und instand gehalten haben, nicht mehr da sind. Leider hat die BIM ihnen Ende 2024 größtenteils gekündigt, um der WBM ein weitgehend leeres Gebäude zu übergeben. Heizung, Wasser und Strom wurden abgestellt. Ohne Strom wird das ins Schwallbecken eingeleitete Regenwasser nicht mehr herausgepumpt, weshalb immer mehr Wasser im Keller steht. Da das Gebäude nicht gut gesichert wird, gibt es auch mehr Graffitis. Wichtige Notreparaturen am Dach unterbleiben ebenfalls. Und die großen Palmen im Wellenbad sind leider vertrocknet. Im Außenbereich wurden auch schon viele Bäume gefällt und Pavillons abgerissen. Trotzdem ist die Grundsubstanz des SEZ gut erhalten und eine Sanierung wirtschaftlich möglich und sinnvoll.
Der 2018 festgesetzte Bebauungsplan muss im Übrigen nicht umgesetzt werden. In der Begründung zum Bebauungsplan heißt es u.a. auf S. 203: "Der vorhandene bauliche Bestand genießt im Übrigen – auch wenn er den Festsetzungen des Bebauungsplans widerspricht – Bestandsschutz und kann in diesem Rahmen genutzt werden." Man könnte das SEZ also auch erhalten, sanieren und wieder für alle Menschen öffnen.
Nach 7 Jahren kann ein nicht realisierter Bebauungsplan auch entschädigungslos aufgehoben oder geändert werden. Der bestehende Bebauungsplan, der ohnehin nur ein Vehikel war, um den privaten Eigentümer mittels Veränderungssperre in seinen Umnutzungsplänen zu hindern, gehört deshalb jetzt auf den Prüfstand. Über eine juristische Einschätzung und Unterstützung dazu wären wir sehr dankbar.
Am Dienstag, 21.10.2025, von 17:30-21:30 Uhr findet eine bezirkliche Stadtwerkstatt mit dem Thema "Umbau statt Abriss" zum SEZ, zum Baerwaldbad und zur Pyramide am Hafenplatz in der Adlerhalle/StadtWERKSTATT-FK auf dem Dragonerareal statt. Einige Aktive unserer Bürgerinitiative "SEZ für alle!" werden teilnehmen, ich selbst auch. Wer sich mit einbringen möchte, ist sehr herzlich eingeladen, sich anzumelden:
https://www.baustelle-gemeinwohl.de/veranstaltung/stadtwerkstatt-umbau-statt-abriss/
Am 24.09.2025 fand der fünfte Runde Tisch statt.
Eine gemeinsame Erklärung wurde veröffentlicht:
https://www.gemeingut.org/fuenfter-runder-tisch-sez/
Der sechste Runde Tisch ist für Donnerstag, 30.10.2025, geplant. Bitte den Termin ebenfalls vormerken.
Bitte unterstützen Sie uns weiterhin durch Unterschreiben und Teilen der Petitionen
✍ https://www.change.org/p/das-sez-sanieren-und-als-sport-und-freizeitfläche-für-alle-wiederöffnen
✍ https://www.gemeingut.org/sez-retten-abriss-stoppen/
✍ https://www.gemeingut.org/SEZ-schuetzen
durch Teilnahme an unseren Demos, am Runden Tisch und unseren offenen Ini-Treffen, durch E-Mails oder Briefe an die Abgeordneten und den Landeskonservator sowie Ideen und fachliche Hinweise. Vielen Dank.
Herzlichst, Susanne Lorenz