Paul-David Deike, Eva Ohlerth, Marcus Jogerst-Ratzka, Yvonne Falckner
10 mar 2021

Die geplatzte Geschenkbombe- Hintergründe zum Scheitern eines Branchentarifvertrages in der Altenpflege!


Es war absehbar und schon zu Beginn des Verfahrens klar. Leider wurde durch die langen Verhandlungen wertvolle Zeit verspielt. Das ist der einzige Vorwurf, den man der Caritas tatsächlich machen kann. Sie hätte schon früher klarstellen können, dass sie an einem Verlassen des Sonderwegs für kirchliche Einrichtungen kein Interesse hat.

Tariflich hätte sich der schlechte Vertrag ohnehin für die Beschäftigten bei der Caritas kaum ausgewirkt. Zudem wäre das Machwerk später sowieso wieder einkassiert worden, weil einige Träger (nicht nur private) bereits angedroht haben die Tariffähigkeit von ver.di rechtlich prüfen zu lassen. Wer die Mitgliedszahlen der Altenpflege bei ver.di kennt, braucht keine prophetischen Fähigkeiten vorherzusagen, wie die richterliche Entscheidung ausgesehen hätte.

Ver.di hat wieder den alten Fehler gemacht. Mut- und kraftlos gestartet, die Chance verpasst die Pflege hinter sich zu versammeln und ist dafür dann mit Pauken und Trompeten gescheitert. Schade?


Nicht schade. Der Tarifvertrag hätte ein Einstiegsgehalt für Pflegefachkräfte in 2023! festgelegt das bei 3.200 Euro gelegen hätte und damit in zwei Jahren unter dem was der TVÖD in der Tabelle P heute schon hergibt (was ja anerkanntermaßen nicht ausreicht, um Pflegefachkräfte in den Beruf zu holen). Das Ergebnis wäre als Meilenstein gefeiert worden und man hätte nach weiter verstrichener Zeit festgestellt, dass es keine Wirkung gezeigt hat. Die Gefahr des Drucks seitens der Kostenträger in einen schlechteren Tarifvertrag einzusteigen kennt der eine oder andere noch gut aus den letzten 20 Jahren. 


Nun ist also die Politik gefordert es zu richten, was wir mit dieser Petition ausdrücklich fordern.

Sehr geehrter Herr Spahn, hier ist es nun Zeit durchzuregieren! 

Nutzen Sie die Kraft einer Petition mit einer halben Million Unterschriften, hören Sie auf Pflegekammern und -verbände, die unisono ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro für Pflegefachkräfte fordern, um endlich einen entscheidenden Ruck in die jahrzehntelange Abwärtsspirale der Pflegefachkräfte in diesem Land zu bekommen. Nutzen Sie das Instrument des gesetzlichen Mindestlohns, um die Unfähigkeit der Tarifpartner hier zu auskömmlichen Ergebnissen zu kommen, zu umgehen. Nehmen Sie nicht länger hin, dass dieses Unvermögen zur Gefahr für die pflegerische Versorgung in diesem Land wird. Stellen Sie klar, dass Träger, die unterhalb dieses Einstiegsgehaltes zahlen nicht länger Vertragspartner sein können. Sie haben den ganzen Werkzeugkasten in ihrer Hand nutzen Sie diesen. 


Das wird nicht leicht, aber es ist alternativlos. 


Sehr geehrte Frau Bühler, sehen Sie die eigene Unfähigkeit für die Pflege eine gute Lösung zu finden endlich ein. Hören Sie auf die Pflege in den Krankenhäusern in Sippenhaft zu nehmen, um mit einer falsch gemeinten Solidarität andere Berufsgruppen ständig nach oben zu ziehen, während die Pflege kaputt geht. Schließen Sie sich der Forderung nach 4.000 Euro Einstiegsgehalt an und arbeiten Sie daran die Solidarität umzukehren. Die Pflege braucht die Solidarität der anderen Berufsgruppen. Ein Streik aller Berufsgruppen im Gesundheitswesen zu Gunsten der Pflege wie er sich gerade in Großbritannien andeutet, das wäre Ihr Auftrag. Mit Geschäften in Hinterzimmern, die nur dazu dienen sollen, die eigene Bedeutungslosigkeit in diesem Sektor zu kaschieren kommen wir nicht mehr weiter

Copia il link
WhatsApp
Facebook
X
E-mail