Petition updateCorona: Flüchtlinge aus Hotspots retten - Abschiebung stoppen - SOFORT!Dies ist nicht Disneyland! – Brief aus Kara Tepe/Lesbos
Adelheid GruberKorb, Germany
May 18, 2021

"An alle Bürger Europas,

Wir wissen, dass Sie es satthaben, dies zu hören, aber da kaum jemand etwas darüber schreibt, haben wir das Gefühl, dass es unsere Pflicht ist, auf die bedrohliche Covid-19-Situation im Camp hinzuweisen: alles, wovor wir vor einem Jahr gewarnt haben, scheint nun Realität zu werden! Die Leute haben natürlich große Angst davor. Eine steigende Zahl von Personen wird positiv auf SARS-CoV-2 getestet, mehr als hundert Menschen sind in Quarantäne.

Es geht nicht nur darum, dass Menschen krank werden und möglicherweise daran sterben, oder um den Mangel an Krankenbetten, Personal und Ausrüstung zur Behandlung. Im Dezember letzten Jahres wurde ein Bericht veröffentlicht, der besagt, dass jeder dritte Flüchtling in Lesbos Selbstmordgedanken hatte und jeder fünfte Flüchtling versucht hatte, sein eigenes Leben zu beenden. Das ist auch eine Folge der Pandemie.

Alle informellen Bildungsgänge im Camp wurden erneut ausgesetzt, deshalb erhalten unsere Kinder wieder in keiner Weise Bildung. Bei warmem Wetter sind unsere Zelte mit Insekten gefüllt und viele Schlangen beginnen ihren Weg in unsere Zelte zu finden. Dass wir im Camp bleiben müssen, macht die Menschen noch mehr abhängig vom Essen, das sie von der Essenslinie erhalten. Dieses Essen ist nicht von guter Qualität, das, was wir erhalten, ist oft roh, außerdem ist es zu wenig und manchmal ist es verdorben. Die Leute sagen, dass sie Lebensmittelvergiftung davon bekommen! Viele von uns beginnen zu vergessen, wie das Leben im Draußen ist. Diese Situation verstärkt nur unsere psychischen Probleme.

Wir wollen auch sagen, dass von mehreren NGOs, die eigentlich Vorbild sein sollten, die Helfer weiterhin ohne Maske und ohne soziale Distanz durch das Camp laufen, sogar Bilder davon in ihren sozialen Medien posten - trotz aller unserer Warnungen. Wir haben von mehreren NGO-Partys gehört, als Lesbos in tiefrotem Lockdown war, und wir wissen, dass einige NGO-Leute ohne Quarantäne ins Camp gekommen sind und einige sogar im Camp übernachtet haben.

Sorry, aber das ist nicht Disneyland!

Gute Absichten rechtfertigen nicht jegliches Verhalten und wenn Sie wirklich hier sind, um uns zu helfen, dann beginnen Sie bitte damit, zu hören, was wir sagen, denn Ihr Verhalten betrifft uns direkt. Wir tun hier alles, was wir können, aber wir müssen alle zusammenarbeiten, damit wir das durchstehen. Lassen Sie uns Ihnen helfen, uns zu helfen!

Wenn NGOs die Covid-19-Prävention nicht respektieren, führt es auch dazu, dass viele Flüchtlinge denken, dass die COVID-19 Prävention nicht wichtig ist, dass das Corona-Virus nicht existiert und dass Covid-19 ist für sie nicht gefährlich sei. Infolgedessen tragen sie keine Masken und halten keinen Abstand, und wenn sie krank werden, verstehen sie nicht den Grund dafür, warum sie in Quarantäne müssen. Das alles schafft einen sehr schlechten Kreislauf für alle Beteiligten. Wir haben über ein ganzes Jahr lang alles versucht, um Bewusstsein zu verbreiten und die Menschen aufzuklären.

Wir versuchen, friedlich zu bleiben und zu kooperieren. Aber wir brauchen sofortige Anstrengungen, um diese Probleme zu lösen. In den letzten Wochen haben viele Menschen demonstriert. Sie sind völlig erschöpft und fühlen sich sehr hoffnungslos. Das Versprechen, das wir von griechischen Politikern und der EU gegeben haben, war, dass es ′′ keine Morias mehr geben würde ", aber alles wiederholt sich. Mit diesem Brief möchten wir Sie daran erinnern, dass wir, die Flüchtlinge auf Lesbos, noch da sind und wir aufrufen:

1. An alle Mitarbeiter und Freiwilligen von NGOs: Bitte nehmt Covid-19-Prävention ernst, wenn ihr nach Lesbos kommt und Flüchtlingen helfen wollt, indem ihr Masken tragt und körperliche Distanz haltet. Betretet das Camp nur mit einem negativen Test.

2. Alle anderen bitten wir, unsere Forderungen an die Europäische Union weiterzuleiten. Niemand in Europa sollte sagen können, dass er nicht wusste, was passiert. Wir brauchen sofort Maßnahmen, um die Pandemie unter Flüchtlingen zu stoppen. Daher brauchen wir eine Zusammenarbeit von allen Verantwortlichen. Wir sind bereit, jedem zu helfen, der uns helfen kann."

Stand by me Lesbos

Moria Weißhelme

Moria Corona Awareness Team

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