Luigi SpangenbergIngolstadt, Germany
20 Sept 2023

23.07.2014 | Stand 02.12.2020, 22:26 Uhr

Nach Cannabis-Urteil: Chronisch kranke Ingolstädter haben den Eigenanbau der Hanfpflanze bereits beantragt

Nur noch Haut und Knochen: der chronisch kranke Luigi Spangenberg. Er zeigt seine Ausnahmegenehmigung für kontrollierten Cannabiskonsum. Sein Antrag auf Eigenanbau läuft - Foto: Hauser 
Ingolstadt (DK) Für Luigi Spangenberg könnte es eine Chance sein. Vielleicht sein letzter. Schon vor acht Wochen, also vor dem Urteil des Kölner Verwaltungsgerichts, das Schwerkranken im Einzelfall den Eigenanbau von Cannabis erlaubt, gefallen ist, hat er einen entsprechenden Antrag gestellt.

Sollte er abgelehnt werden, wird der Ingolstädter klagen. „Wegen unterlassener Hilfeleistung“, sagt er verbittert. Sollte auch dies nichts bringen, wird der 29-Jährige Sterbehilfe beantragen. Denn so wie bisher wird er nicht weiterleben.

„Er wird immer weniger, und immer kränker“, sagt Sabine Spangenberg, Luigis Mutter, traurig. „Er kann nicht essen, nicht schlafen und hat ständig Schmerzen.“ Der DONAUKURIER hat mehrfach über die Leidensgeschichte des Ingolstädters berichtet. Seit seinem 16. Lebensjahr leidet Luigi Spangenberg an einem Magen-Darm-Reizsyndrom und einer Epilepsie. Sein Leben ist geprägt von Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, krampfartigen Schmerzen, Schlaf- und Appetitlosigkeit. Seinen Beruf als Programmierer kann er schon lange nicht mehr ausüben. Alle herkömmlichen, medizinischen Therapien haben keine Wirkung gezeigt. Ich bin das Gegenteil. Es ging ihm schlechter. Unlängst, als Spangenberg nach einem epileptischen Anfall im Klinikum war, habe er wieder einmal Tabletten bekommen, die er nicht vertragen habe. Zwei weitere Anfälle waren die Folge. Das Vertrauen Spangenbergs zu Ärzten ist, gelinde ausgedrückt, gering. Er sagt: „Das Einzige, was hilft, ist Cannabis.“

Der Ingolstädter hatte sich im vergangenen Jahr an den Rüthener Arzt Franjo Grotenhermen gewandt. Er ist Vorsitzender der Internationalen Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin – und von der Wirksamkeit der Hanfpflanze überzeugt. Spangenberg hat eine Ausnahmegenehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, zu dem auch die Bundesopiumstelle gehört. Diese erlaubte ihm kontrollierten Cannabiskonsum. Während der Einnahme ging es ihm deutlich besser. Doch die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Cannabisblüten nicht. Einen Rechtsstreit mit der AOK dazu hat Spangenberg verloren. Die Blüten mit einem Privatrezept selbst in der Apotheke zu kaufen, kann sich der Ingolstädter nicht leisten. Die Kosten für die vereinbarte Menge liegen monatlich bei über 1000 Euro. In seiner Verzweiflung hat Spangenberg im Internet einen Spendenaufruf gestartet. 160 Euro sind auf diese Weise zusammengekommen. Wer helfen möchte, kann sich mit Sabine Spangenberg, Telefon (auf Anfrage) in Verbindung setzen.

Aufgrund des aktuellen Urteils hofft Spangenberg, dass in die politische Debatte um Cannabis in der Medizin endlich auch in Deutschland Bewegung kommt. Eine Hoffnung, die nicht nur er hat. Eine Schülerin aus einer Gemeinde im Donaumoos leidet am Tourettesyndrom. Auch hier können die Symptome – etwa unkontrolliert auftretende Zuckungen – mittels Hanfpflanze deutlich gemildert werden. Sie setzt auf Cannabis-haltige Medikamente. Ihre Kasse, die Audi-BKK, wird die Kosten dafür nicht übernehmen. Vor Kurzem hat die junge Frau eine Absage bekommen.

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