
Liebe Unterstützer*innen,
herzlichen Dank für Eure Unterschrift! Knapp eine Woche Petition – fast 30.000 Unterschriften. Wir sind beeindruckt und überwältigt von so viel Zuspruch!
Viele von Euch haben uns von ähnlichen Ereignissen berichtet, viele kluge Fragen wurden gestellt. Diese Petition ist eine Herzensangelegenheit, daher möchten wir uns an dieser Stelle kurz Zeit nehmen, ein wenig mehr zu erzählen:
Im Grunde war es Khadijas Fall, der den Stein ins Rollen gebracht hat. So wie es manchmal geht…eine Freundin teilt diese Geschichte, die auf Insta viral geht - und plötzlich tauchen im eigenen Blickfeld jede Menge ähnliche Erfahrungsberichte auf. Von unschön bis heftig, auch wir fühlten uns erinnert, an eigene Erlebnisse mit der BVG.
Bei Beschwerden reagierte das Unternehmen bislang meist so:
Ein ermutigendes: „wir nehmen die Sache ernst“, gefolgt (wenn überhaupt) von einem Schreiben: „Die Stellungnahme der Fahrausweisprüfer liegt uns nun vor, allerdings stellt sich der Sachverhalt anders dar“.
In Khadijas Fall liest sich das konkret so: „noch bevor das Kontrollpersonal darauf reagieren konnte, hockten Sie sich hin und urinierten.“ Ihre Schuld. Aussage gegen Aussage. Die Kunst institutioneller Verleugnung. Danke und tschüss. Was bleibt, ist ein Gefühl der Ohnmacht.
Mittlerweile kennen wir unzählige solcher Fälle, in denen Betroffene mit dieser Ohnmacht allein geblieben sind. Wie praktisch für die BVG, dass sie zur Anzahl solcher Beschwerden keine Auskunft gibt. „Dies würde das Bild verzerren“, lautete die Antwort auf eine entsprechende Anfrage aus dem Berliner Abgeordnetenhaus im letzten Jahr:
Brutale Sicherheitskräfte in der U-Bahn/Tagesspiegel 01.07.2020
Khadija hat sich das Erlebte noch am selben Abend auf vier Din-A4 Seiten von der Seele geschrieben, so tief erschüttert war sie. Ihr war bewusst, dass sie das Tagesticket nicht gestempelt hatte. Sie war immer bereit ein Bußgeld zu zahlen. Das hat sie getan, ihren Fall polizeilich gemeldet und auch bei der LADG-Ombudsstelle eingereicht. Wir haben sie auf diesem Weg begleitet.
So viele Erfahrungsberichte. Und dann liest man von Abbéy - und es bricht einem das Herz.
Im Auftrag Öffentlicher Verkehrsunternehmen darf Sicherheitspersonal das Hausrecht durchsetzen und zum Aussteigen auffordern. Das sogenannte „Jedermannsrecht“ (§ 127 Abs. 1 Strafprozessordnung) besagt: Jeder darf andere vorläufig mit verhältnismäßigen Mitteln festnehmen, um eine Straftat zu verhindern, bis die Polizei kommt. Festgesetzt werden darf auch unter körperlichem Einsatz - doch was ist verhältnismäßig?
Gebrochene Knochen sind es nicht. Abbéy wollte nicht fliehen. Die Gewalt, die er erleiden musste, ist extrem, das juristische Verfahren läuft.
Wir kennen weitere solcher Fälle. Bilder von Blutergüssen am Körper einer Frau, die in Panik wiederholt bittet, dass man sie nicht anfasst, die bedrängt, zu Boden gebracht und dort fixiert wird. Verhältnismäßig?
Und wie ist es mit Minderjährigen, die – allein unterwegs – aufgefordert werden, den Zug zu verlassen? Nicht erlaubt, und dennoch passiert es.
Natürlich ist auch Sicherheitspersonal Übergriffen aggressiver Fahrgäste ausgeliefert. Doch das ist eine andere Petition, eine gegen die steigende Gewaltbereitschaft unserer Gesellschaft.
Uns geht es hier um strukturellen Machtmissbrauch: Dieser scheint auf Praxisebene in die Kultur der Fremdfirmen, die für die BVG tätig sind, eingeschrieben zu sein und wird von der Auftraggeberin nicht nur nicht sanktioniert, sondern scheinbar auch noch gebilligt.
Unsere Forderungen sind klar. Wobei wir konkretisieren wollen:
Mit verpflichtenden Awareness-Schulungen im Rahmen der IHK 34A-Sachkundeprüfung meinen wir gezielte Sensibilisierungs- und Anti-Diskriminierungsarbeit und kein Cyber-Awareness Training.
„Interkulturelle Kompetenz“-Schulungen für Personal der BVG, in Form eines einzelnen Seminartages, genügen offensichtlich nicht.
Wir haben uns entschieden, nicht bloß symbolisch Zuspruch zu sammeln. Wir wollen unsere Forderungen an Wirtschaftssenatorin Ramona Pop und BVG-Chefin Eva Kreienkamp persönlich übergeben. Wir werden auf Umsetzung konkreter Maßnahmen drängen.
Das Problem reduziert sich übrigens weder auf die Berliner Verkehrsbetriebe, noch auf diese Stadt. Unsere Petition ist nur ein Start. Wir möchten diejenigen unterstützen, die ähnliche Aktionen in anderen Ballungsräumen starten. Wir lassen nicht locker.
Wenn Ihr mögt, könnt Ihr uns auf diesem weiteren Weg unterstützen! Folgt einfach unseren nigelnagelneuen Social-Media-Kanälen:
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Instagram.com/BVGWeilWirUnsFürchten
Nächste Woche starten wir dort einen breiten Aufruf, Eure BVG-Geschichten zu teilen.
Wir sind viele. Es reicht!
Achan, Annabelle & Anna-Rebekka | WIR, für Khadija und Abbéy – die Euch ausdrücklich danken und grüßen lassen!