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#wirlassenunsnichtspalten - Keine Isolierung von "Risikogruppen"

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Wie Millionen andere gehöre ich zur sogenannten „Risikogruppe“. Als einzige Europaabgeordnete mit sichtbarer Behinderung ist für mich klar: Ich möchte nicht in eine „Risikogruppen“-Schublade gesteckt werden und monatelang vom Rest der Gesellschaft ausgegrenzt werden. 

Genau diese Angst, weggesperrt, stigmatisiert und von Arbeit und Sozialleben ausgeschlossen zu werden, teilen aktuell viele Menschen.

Zwangsisolation wie sie Anfang des Jahres in Pflegeeinrichtung oder auch Einrichtungen für Menschen mit Behinderung betrieben wurde, darf in der zweiten Welle nicht wieder passieren. Isolation beraubt Menschen in Einrichtungen ihrer Grundfreiheit und hat verheerenden Folgen für Psyche und Gesundheit.
Bewohner*innen gehören zu einer der gefährdetsten Gruppen, haben aber genau wie andere das Recht auf Freiheit, Ausflüge und Besuch. Jeder Mensch braucht sozialen Kontakt und Zuneigung und hat auch ein Recht darauf.

Damit Einrichtungen sich nicht „Isolationshaft“ verwandeln, muss die Politik alles daran setzen diese mit (Schnell-)Tests, Schutzausrüstung und finanziellen Mitteln zu unterstützen.

Aber auch über Einrichtungen hinaus, dürfen Risikogruppen nicht im Stich gelassen werden.  
Die sogenannte Risikogruppe ist groß und divers. Dazu gehören ältere Menschen, aber auch sehr viele Menschen mit Vorerkrankungen und Behinderung: die Nachbarin mit Herz-Stent, der Kollege im Rollstuhl, die Freundin mit Asthma oder der Verwandte mit Spenderorgan. Sie dürfen nicht von Sozial- Arbeitsleben ausgeschlossen zu werden. 

Einer Spaltung der Gesellschaft und Isolierung von Risikogruppen stellen wir uns entgegen.

Die letzten Monate haben uns die verheerenden Folgen von Isolierung gezeigt: psychische Belastungen, aber auch pure Existenzängste und finanzielle Engpässe

Damit Risikogruppen nicht indirekt in die Isolation gezwungen werden, muss die Politik weiter auf solidarisches, rücksichtsvolles Verhalten in der Öffentlichkeit pochen und auch konsequenter dafür werben. 

Das gleiche gilt für den Arbeitsplatz. Was mache ich, wenn ich Erzieher*in mit Asthma bin? Laut Arbeitsrecht muss der Arbeitgeber Sicherheit am Arbeitsplatz garantieren. Risikogruppen müssen hier unterstützt werden, um gemeinsam mit ihren Arbeitgebern Überbrückungslösungen und neue Aufgabenschwerpunkte zu finden.

Um unser Gleichheitsprinzip zu wahren, müssen wir als Gesellschaft  zusammenhalten und das Virus gemeinsam bekämpfen. Dabei lassen wir uns nicht spalten!


Erstunterzeichner*innen

Sven Giegold (Grüner Europaabgeordneter)
Michael Kellner (Bundesgeschäftsführer Bündnis 90/Die Grünen)
Raul Krauthausen (Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit)
Katrin Langensiepen (Grüne Europaabgeordnete)
Julia Probst (Inklusionsaktivistin)
Corinna Rüffer (Grüne Bundestagsabgeordnete)