Petition updateKastenstand-Ausstieg für arme Schweine: Sofort!Reale Veredelungswirtschaft: Trial & Error
vereinzelt e.V.
Apr 24, 2021

Versuch und Irrtum ist eine heuristische Methode, Probleme zu lösen, bei der so lange zulässige Lösungsmöglichkeiten versucht werden, bis die gewünschte Lösung gefunden wurde. 
Dabei wird oft bewusst auch die Möglichkeit von Fehlschlägen in Kauf genommen.

Für 57.000 Schweine endete das in einer Katastrophe.
In der Alt Telliner Ferkelfabrik hat sich ihr Leben am Tollensetal zusammen mit dem genehmigten Brandschutzkonzept in Rauch aufgelöst. Wie konnte das bloss passieren?
Im Anhang 1 zum Genehmigungsbescheid der Sauen-, Ferkelaufzuchts- und Biogasanlage Alt Tellin G 020/10 vom 28.09.2010 ist unter Lfd. Nr. 48 zu lesen:
Antrag:
Herr Dr. Hentschke (RA des Investors) beantragt, dass der Antrag 47 zur Erarbeitung eines Konzeptes zur Evakuierung der gehaltenen Tiere innerhalb kürzester Zeit für alle 6 Brandabschnitte abgewiesen wird.
Entscheidung:
Dem Antrag wird mit Bezug auf die Begründung zu Antrag 47 stattgegeben.
090721 A 1 2 Bescheidung der Anträge-1

Gut 10 Jahre danach wurde dann aber am 22.04.2021 nach der "Demo Nie wieder Alt Tellin" vor dem Schweriner Schloss in der Alt Telliner Gemeindevertretersitzung dieser bemerkenswerte Beschluss gefasst:

Die Gemeindevertretung fordert von der Landesregierung, die Verantwortung für den Großbrand am 30.03.2021 auf dem Gelände der Schweinezucht Alt Tellin GmbH zu übernehmen.

Begründung/Darstellung des Sachverhaltes:

Die Baugenehmigung der Schweinezucht Alt Tellin GmbH ist von der Landesseite zwar im Rahmen geltender Gesetzte erteilt worden –
aber das Privileg des vorzeitigen Baubeginns wurde damals mit Verweis auf den Koalitionsvertrag zur Weiterführung der Standortinitiative „MV tut gut“ politisch durchgesetzt, als zügiges konzentriertes Genehmigungsverfahren.

Damit ist die aufschiebende Wirkung eines Widerspruchs und einer Anfechtungsklage entfallen,
bevor ein Gericht das der Genehmigung zugrundeliegende Brandgutachten abschließend beurteilen konnte.
Das Land darf seine Verantwortung für diese Katastrophe nicht länger ignorieren.
Dabei ist es völlig nebensächlich, ob das Wirtschafts– oder Landwirtschaftsministerium dafür zuständig ist.

Quelle: Genehmigungsbescheid des StALU G 020/10 für Schweinezucht Alt Tellin GmbH vom 28.09.2010: 100928 G 020_10 Alt Tellin-J

Übrigens wurde unmittelbar vor der Alt Telliner Gemeindevertretersitzung thematisiert, dass die freigelassenen 1.300 Schweine die Löscharbeiten behindert hätten.
Die danebenliegende Bio-Gasanlage mußte geschützt werden.

Der Versuch, die Klage gegen ein unzulängliches Brandschutz-Konzept gut 10 Jahre auszusitzen hat sich also als fataler Irrtum herausgestellt - für 57.000 davon betroffene Tiere.
Aber es konnten in diesem Zeitraum ca. 3.000 000 Ferkel produziert und verkauft werden, auf Kosten von über 30.000 Sauen.
Seite 88 des Genehmigungsbescheids für die Ferkelfabrik:

Die Koalitionspartner wollen die Veredelungswirtschaft stärken. Aus diesem Grund werden Genehmigungsverfahren im Bereich der Errichtung von Tierhaltungsanlagen gestrafft und durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Ziel ist es, die Entwicklung der Tierbestände und die Veredelung als Quelle von Wertschöpfung und Arbeitsplätzen voranzutreiben.“

Der Agrarkriminelle Straathof konnte in diesem Sinne seine Tierhaltungsanlagen solange straffen, bis ihn ein deutschlandweites Tierhaltungsverbot der Öffentlichkeit entzog.
... "Die im Dunkeln sieht man nicht."

Bitte helft uns, die Kastenstandshaltung für arme Schweine nicht nur am Tollensetal sofort zu beenden.
Unterstützt und verbreitet diese Petition.

DANKE

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